Marco Balzano Damals, am Meer

(32)

Lovelybooks Bewertung

  • 37 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 10 Rezensionen
(11)
(11)
(9)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Damals, am Meer“ von Marco Balzano

„Es schmeckt nach Italien, Süden und Poesie.“ NZZ Drei Männer in einem Auto, drei Generationen auf einer Reise quer durch Italien, um die Wohnung am Meer zu verkaufen, unten in Apulien, wo schon lange keiner mehr war. Denn ein halbes Jahrhundert nachdem die Großeltern der Arbeit wegen in den Norden gegangen sind, scheint die Familie auseinanderzufallen, und für jeden stellt sich die Frage: Wo bin ich wirklich zu Hause? Widerwillig machen sich Großvater, Vater und Sohn gemeinsam auf den Weg, jeder erfüllt von seinen ganz eigenen Erinnerungen. Für Nicola ist »la casa al mare« das Feriendomizil, der Ort der ersten Liebschaften, für den Vater die Erinnerung an seine eigene Jugend, für Nonno Leonardo die Heimat, in die doch alle einmal zurückkehren wollten, das letzte gemeinsame Bindeglied. Behutsam nähern sich die drei ganz unterschiedlichen Männer einander an. Drei Generationen, die sich erinnern, drei Sprachen, um das Italien von gestern und heute zu erzählen, die Emigration und den Verlust der Wurzeln, den Wunsch, neu aufzubrechen und einen Ort zu finden, an dem man bleiben will. „Eine einfühlsam erzählte Chronik über den Versuch, irgendwo heimisch zu werden.“ NDR Kultur

Trotz des interessanten Themas bin ich mit dem Roman leider nie richtig warm geworden.

— Barbara62
Barbara62

Kurzweiliger Roman über die Familie, das Leben, die Vergangenheit und die veränderte Gegenwart. Empfehlenswert!

— Federchen
Federchen

Stöbern in Romane

Heimkehren

Intensiver Roman, der eine Familie über mehrere Generationen hinweg verfolgt

lizlemon

Durch alle Zeiten

Sehr spannend und bewegend

silvia1981

Dann schlaf auch du

Wem kann man seine Kinder anvertrauen?

silvia1981

Wie man es vermasselt

Frisch, jung und intelligent... ein absolutes Wahnsinns-Buch!

Tigerkatzi

Und jetzt auch noch Liebe

Turbulente Liebeskomödie mit sehr skurrilen Charakteren, um eine junge Frau, die durch eine ungewollte Schwangerschaft erwachsen wird.

schnaeppchenjaegerin

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Heimat

    Damals, am Meer
    Barbara62

    Barbara62

    17. July 2015 um 08:24

    Leonardo, der Großvater, ist noch Analphabet, Kommunist, war Pfirsich- und Olivenbauer ohne eigenes Land in einem Dorf namens Barletta in Apulien und wurde mit dem Wirtschaftswunder als Arbeiter nach Mailand verschlagen. Apulien ist für ihn nach wie vor Heimat, der Ort, an dem die Familie noch den Zusammenhalt hatte, den sie in Mailand nach und nach verloren hat. Für Riccardo, den Sohn, ist Barletta Geburtsort und das Dorf seiner Jugend. Er ist Chemotechniker und in Mailand zu Hause, ohne Sehnsucht nach dem Meer. Der Enkel, Nicola, arbeitsloser Lehrer, kennt Apulien nur noch als Urlaubsort. Für ihn ist Mailand Heimat, er ist Stadtmensch durch und durch. Widerwillig machen sich die drei auf die Reise nach Barletta, um die längst völlig verwahrloste Wohnung der Familie, die keiner mehr nutzen will, zu verkaufen. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken und Gefühlen nach und trotzdem nähern sie sich erstmals wieder einander an. Der Erstling des Italieners Marco Balzano ist ein kleines Buch der leisen Töne und der schöne Sätze, die man beim Lesen am liebsten anstreichen möchte. Trotz des interessanten Themas bin ich mit dem Roman leider nie richtig warm geworden.

    Mehr
  • Wo ist die Heimat?

    Damals, am Meer
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    13. July 2013 um 22:48

    Wozu soll man eine Wohnung in Apulien behalten, wenn man in Mailand wohnt? Schon lange ist niemand aus der Familie in die Wohnung am Meer gefahren, die immer mehr verfällt. Jetzt soll sie endlich verkauft werden, und Nicola, sein Vater und sein Großvater Leonardo fahren dafür mit dem Auto nach Apulien. Drei Generationen einer Familie machen sich da auf den Weg, mit ganz unterschiedlichen Bindungen an diese Wohnung. Für Nicola ist sie ein Ort der Ferienerinnerungen, der Erinnerungen an die erste Liebe, für den Vater ist sie der Ort der Kindheit, für den Großvater Leonardo verkörpert die Wohnung die Heimat, die er vor fünfzig Jahren verlassen musste, weil es nur im Norden Arbeit für ihn gab. Für Leonardo ist diese Reise am schwersten, bedeutet der Verkauf der Wohnung doch die endgültige Aufgabe seiner Heimat. Nicht nur, weil die Wohnung verkauft wird, wird dies wohl sein letzter Besuch dort sein. Er nutzt die Fahrt und den Aufenthalt, um die letzten Freunde zu treffen, die er dort noch hat. Einen von ihnen kann er nur noch beerdigen. Leonardo ist enttäuscht von seiner Familie, die sich von den Traditionen abwendet und die Wohnung am Meer nicht mehr nutzt. Er hat Apulien verlassen, weil er es musste, als Analphabet und Kommunist, ohne reichen Vater, hatte er keine Chance, seinen Lebensunterhalt in der Heimat zu verdienen. Er und seine Frau wollen „ein Verhältnis zum Raum bewahren, da man das Verhältnis zur Zeit nicht bewahren kann“. Nicolas Vater dagegen will nicht mehr nach Apulien reisen, er hat in Mailand Fuß gefasst, er ist lediglich verärgert, dass die Wohnung so vernachlässigt wurde, dass sie nicht mehr viel einbringt. Nicola jedoch, der in Mailand geboren und aufgewachsen ist, und für den die Wohnung nie mehr als ein Ferienort war, spürt den Abschied, er merkt, dass auch eine Phase seines Lebens unwiderruflich beendet ist. Dieses Buch spürt der Frage nach, was Heimat ist, wo man sie verortet, wenn man seinen Geburtsort verlässt und seine eigene Familie an einem anderen Ort gründet. Die Entfremdung von der Herkunft macht sich besonders an der Sprache fest. Nicola versteht den Dialekt seines Großvaters zwar noch, kann ihn aber nicht sprechen. Mit seiner Generation sind die apulischen Wurzeln durch mailändische ersetzt. Ruhig fließend und in einem poetischen Schreibstil wird die Geschichte dreier Generationen erzählt, an denen die Veränderungen der italienischen Lebensbedingungen erfahrbar werden. Allerdings endet mir das Buch zu abrupt und die Charaktere, mit Ausnahme des Großvaters Leonardo, blieben mir ein wenig zu distanziert. Davon abgesehen, ist dies ein lesenswertes Buch, gerade, wenn man in Italien Urlaub macht. Oder das Land einfach liebt.

    Mehr
  • Damals, am Meer

    Damals, am Meer
    -sabine-

    -sabine-

    16. May 2013 um 06:57

    3 Männer, 3 Generationen: Nicola, 26, ist mit seinem Studium gerade fertig, sucht nur sehr zurückhaltend eine Arbeitsstelle und wohnt noch bei seinen Eltern. Riccardo, sein Vater, stört das sehr, hat er doch selbst seit seinem 15. Lebensjahr hart gearbeitet. Um Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, zieht Nicolas sich oft zu seinem Großvater zurück, wo er schon seine Kindheit verbrachte. Im Besitz der Familie befindet sich eine mittlerweile halb zerfallene Wohnung, die nun zum Verkauf steht. Die verschiedenen drei Männer machen sich auf den Weg zu der Wohnung, dabei werden alle mit ihrer jeweiligen Vergangenheit konfrontiert. Interessant fand ich die Idee der drei Generationen, denn das bietet Stoff für eine spannende Geschichte. Bevor die drei sich jedoch auf den Weg machen, ist schon viel (Lese)Zeit vergangen. Außerdem fand ich, dass die Probleme der Einzelnen nur angerissen wurden und nie zu Ende gedacht wurden. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, dennoch konnte ich mich in keinen der drei so richtig hineinversetzen. Der Großvater war mir noch am sympathischsten, wurde seine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Abschied von seinen alten Freunden gut aufgezeigt. Der Sohn und Enkel jedoch waren nur oberflächlich herausgearbeitet. Gerade Riccardo ist nur sehr blass gezeichnet, seine Vergangenheit und Motive blieben mir sehr verborgen.. Aber auch sein Sohn Nicola, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, blieb mir fremd, ihn und seine Handlungen konnte ich kaum verstehen. Dabei ist der Roman in einem gut zu lesenden Schreibstil gehalten. Gerade in der halb verfallenen Wohnung wird genau beschrieben, wie es aussieht, was gemacht werden muss, so dass ich mir alles gut vorstellen konnte. Auch in das Leben des kleinen italienischen Dorfes bekommt man einen Einblick – Italien ist halt nicht immer nur ein Urlaubs- und Sonnenland. Das dünne Buch hatte ich schnell durchgelesen, aber so richtig gefangen wurde ich leider nicht. Daher von meiner Seite nur 3 Sterne.  

    Mehr
  • Rezension zu "Damals, am Meer" von Marco Balzano

    Damals, am Meer
    schokoloko29

    schokoloko29

    03. February 2013 um 19:32

    Inhalt des Buches: Nicola lebt mit seiner Familie in Mailand und ist Student. Er ist Mitte/ Ende 20 und sein Studium zieht sich. Ganz zum Missgefallen seiner Familie. Er soll endlich ein Mann werden, in dem er sich eine Stelle als Lehrer sucht und sich mit einer Frau niederlässt. Sein Opa und sein Vater sind zugewanderte. Sie kommen aus dem Süden Italiens und haben in Mailand Arbeit gefunden. Die Familie besitzt im Süden noch eine Wohnung, die sich direkt am Meer befindet. Doch leider kümmert sich keiner um diese Wohnung und sie verkommt immer mehr. Schließlich entscheidet der Opa Leonardo sich die Wohnung und damit verbunden seine Heimat aufzugeben. Der Opa Leonardo, sein Sohn und sein Enkel Nicola fahren noch einmal in den Süden, um die Wohnung aufzugeben. Es wird eine schmerzliche Reise mit vielen kleinen Abschieden. Eigene Meinung: Ein Buch, welches mich von Anfang an gefesselt hat. Es liest sich leicht und die Protagonisten werden sehr menschlich und warm dargestellt. Auch die traurigen und schwermütigen Abschnitte als auch die schönen und leichten Abschnitte wurden sehr gut beschrieben. Fazit: Ein sehr schönes Buch, welches mir ans Herz ging!!

    Mehr
  • Rezension zu "Damals, am Meer" von Marco Balzano

    Damals, am Meer
    leserin

    leserin

    08. October 2012 um 11:17

    Sehr schön geschriebenes Buch über drei Generationen in Italien

  • Rezension zu "Damals, am Meer" von Marco Balzano

    Damals, am Meer
    Gimagemelli

    Gimagemelli

    17. May 2012 um 18:26

    Ein wunderschönes einfühlsames Buch über Opa, Vater und Sohn.
    Es war schön zu lesen, leichte und doch anspruchsvolle Kost.

  • Rezension zu "Damals, am Meer" von Marco Balzano

    Damals, am Meer
    Buchhandlung_Thomas_Schmitz

    Buchhandlung_Thomas_Schmitz

    31. October 2011 um 23:17

    Drei Männer – drei Generationen. Nicola, der ewige Student, macht sich mit seinem Vater und seinem Großvater von Mailand aus auf den Weg nach Apulien. In dem kleinen ursprünglichen Dorf Barletta besitzt die Familie noch eine Wohnung, die verkauft werden soll. Der Großvater stammt selbst aus Apulien und ist mit seiner Familie zur Zeit des Wirtschaftswunders nach Mailand gezogen, später nutzte man die Wohnung in den Sommerferien, dann gar nicht mehr. Für Nicola hängen an der Wohnung und der Gegend in erster Linie Kindheitserinnerungen: Fußball spielen mit den Sommerfreunden, im Meer schwimmen und die erste zarte Liebe zu Bianca. Für den Großvater ist es die alte Heimat mit den Freunden aus Kriegstagen und nun hat er die Gelegenheit, sich von den wenigen Verbliebenen zu verabschieden. Nicolas Vater ist zwar in Barletta aufgewachsen, seine Heimat ist aber seit langem schon Mailand und die Wohnung ist nichts weiter als Ballast, den er möglichst schnell über Bord werfen möchte. Diese Reise bringt die drei ganz unterschiedlichen Männer, die manchmal nicht einmal die gleiche Sprache sprechen, ein Stück näher und jedem einzelnen stellt sich die Frage nach den Wurzeln und dem Ort, den man Heimat nennen kann. Marco Balzano erzählt in seinem Erstlingswerk eine ganz ruhige Geschichte, die mich gleich auf den ersten Seiten gefangen nahm. Die zarten Bande zwischen dem rauen Großvater und seinem intellektuellen Enkel, die Beschreibung des kleinen Dorfes, in dem die Zeit stehen geblieben ist, die unterschiedlichen Ansichten und Einstellungen der drei Männer – all das verpackt in einer Geschichte, die berührt, nachdenklich stimmt und die ich Ihnen unbedingt ans Herz legen möchte! (sandra rudel)

    Mehr
  • Rezension zu "Damals, am Meer" von Marco Balzano

    Damals, am Meer
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    08. August 2011 um 15:38

    Der vorliegende Roman ist das erste Buch des Mailänders Marco Balzano. Er erzählt die Geschichte dreier miteinander eng verbundener und verwandter Männer. Da ist der Großvater Leonardo, sein Sohn und sein Enkel Nicola. Leonardo und sein Sohn waren über eine lange Zeit in Apulien verwurzelt, bis es den Sohn der Arbeit wegen nach Mailand trieb. Der Großvater ging mit und war für Nicola dessen ganze Kindheit und Jugend über die eigentliche Erziehungsperson. Leonardo, Analphabet und nach wie vor überzeugter Kommunist, verachtet seinen Sohn wegen dessen Anpassung an die norditalienische und städtische Lebenswelt als Weichei. Die Beziehung von Großvater und seinem Enkel Nicola, der die ganze Geschichte erzählt ist warmherzig. Nicola bewundert seinen Opa und hat schon viel von ihm gelernt. Vor allen Dingen während der langen Sommer, in denen die Familie in das Haus am Meer zurückkehrte. Für Nicola ist es bleibende Erinnerung an seine ersten Liebschaften, für den Vater die Erinnerung an seine eigene und für Nonno Leonardo die eigentliche Heimat, die immer noch in seinem Herzen brennt und lebendig ist. Irgendwann will der Großvater das baufällige Haus am Meer verkaufen, zumal seine Nachkommen seit Jahren nicht mehr dort gewesen sind. Und nun fahren die drei Männer aus drei Generationen, die drei verschiedene Sprachen bzw. Dialekte sprechen, in einem Auto nach Süden, um dort den Verkauf in die Wege zu leiten. Der Roman begleitet sie auf dieser Autofahrt in die Vergangenheit und für jeden der drei steht unausgesprochen die Frage im Raum: Wo bin ich eigentlichwirklich zuhause? Marco Balzano gelingt es mit dieser Konstruktion ganz hervorragend, zu erzählen vom heutigen Italien und seinen Krisen, von der -auch politischen- Vergangenheit Italiens und seinen Konflikten, vom Krieg und dem politischen Kampf, in dem der Großvater immer dabei war und von dem sich sein Sohn und sein Enkel eher zurückhalten, was Nonno wiederum mit Zorn und Enttäuschung erfüllt. Es geht um die schmerzhaften und nie vergehen wollende Erfahrung der Emigration im eigen Land, um den Verlust der kulturellen und sprachlichen Wurzeln und um die tastende Suche nach einem Ort, wo man endlich bleiben will und kann. Obwohl sie zunächst miteinander wenig anfangen können und sich nur schwer einander verständlich mitteilen können, wächst doch im Laufe der Reise in den Süden so etwas wie Verständnis füreinander und es beginnt ein zarter Lernprozess in Dialogen, die stellenweise witzig und lustig, an anderen Stellen aber sehr nachdenklich und berührend sind. Ein absolut gelungenes Romandebüt, das einen tiefen Einblick in die generationellen Widersprüche im heutigen Italien gibt mit einer einfach schönen Geschichte.

    Mehr
  • Rezension zu "Damals, am Meer" von Marco Balzano

    Damals, am Meer
    Bri

    Bri

    04. August 2011 um 21:29

    Drei Männer, eine Reise zum selben Ort und doch jeweils an einen anderen. Ans Meer fahren sie, nicht um Urlaub zu machen, sondern um ein letztes Mal in die Heimat zurückzukommen, die dortige Wohnung zu verkaufen, den Ort der unbeschwerten Ferien wiederzusehen. Drei Männer - drei Gründe Großvater Leonardo, in Apulien geboren, will noch einmal in die Heimat, seine alten Freunde sehen - die die noch übrig sind - und Abschied nehmen. Sein Sohn Ricardo begleitet ihn, um den letzten Anker in der gemeinsamen Heimat zu lichten. Der Enkel Nicola fährt mit, um vielleicht noch zu verhindern, dass dies geschieht und um sich wieder in die Tage der Ferien am Meer, die Tage der Freiheit zu träumen. Nicolas Familie stammt aus Barletta und ist als sein Vater noch sehr jung war in den Norden gezogen. Nach Mailand. Weg vom Meer - in die Großstadt. Zumindest für Großmutter Anna war die Wohnung am Meer immer die Hoffnung einst zurückzukehren. Doch die Jahre vergehen, die Wohnung wird dem Verfall preisgegeben und keines der vier Kinder Leonardos und Annas kümmert sich darum. Die Wurzeln, die einst so stark waren, sind gekappt und die Erlebnisse und Erinnerungen nicht stark genug, um die zweite Generation wieder in ihre Heimat zu bringen. Mailand wird die neue Heimat. Für die Enkelgeneration kein größeres Problem, verstehen sie den barlettischen Dialekt - die Muttersprache Leonardos - zwar noch, sprechen diesen aber selbst nicht mehr und sind schon aufgrund dessen für die in Barletta Gebliebenen sofort als Fremde erkennbar. Barletta ist nicht länger Heimat, sondern Urlaubsort. Für Nicola ändert sich auf dieser gemeinsamen Reise mit Großvater und Vater genau das - Barletta erschließt sich für ihn endlich durch deren Sprache und Erinnerungen. Marco Balzano spannt in seinem 222 Seiten kurzen Erstling einen Bogen über drei Generationen und erzählt die Geschichte vieler Familien Italiens überraschend schlicht. Nichtsdestotrotz tut er es eindringlich und nimmt den Leser mit auf die Reise nach Barletta "en la casa al mare", die mit dem gesamten Ort so deutlich vor dem inneren Auge erscheint, dass man glauben könnte tatsächlich dabei zu sein. Einzig an ein paar Stellen erscheint die Übersetzung ein wenig hölzern. Auch der Originaltitel Il figlio del figlio trifft den Kern der Geschichte besser und zeigt deren poetische Kraft genauer - doch das tut dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Damals am Meer ist weder spektakulär, noch laut, noch schrill aber absolut mystisch und genau deshalb doch wieder spektakulär. Mystisch deshalb, weil die Mechanismen, die den Leser so tief in die Geschichte ziehen, nicht erkennbar sind. Jedenfalls nicht für mich. Vielleicht ist es die Tatsache, dass sich kaum mehr jemand Zeit nimmt, solch vermeintlich "einfache" Geschichten mehr zu erzählen, vielleicht ist es auch etwas völlig anderes. Mir ist nicht klar, zu welchem Zeitpunkt das tiefe Eintauchen begann, noch wodurch es tatsächlich ausgelöst wurde und das finde ich großartig. Großartig auch deshalb, weil ich als Vielleserin nicht mehr ganz so leicht zu überraschen bin. Marco Balzano hat es geschafft und ich bin mal wieder um ein Regaljuwel reicher, dessen Aufmachung sich mit dem ausdrucksstarken Cover dem Inhalt in seiner schlichten Schönheit perfekt anpasst. Damals am Meer ist ein Buch, dessen Zauber unberührbar bleibt. Auch nach dem Zuklappen der in ein wunderschönes Meergrün geschlagenen Buchdeckel.

    Mehr
  • Rezension zu "Damals, am Meer" von Marco Balzano

    Damals, am Meer
    lokoschade

    lokoschade

    13. July 2011 um 20:03

    Gebundene Ausgabe: 224 Seiten Verlag: Kunstmann; Auflage: 2 (27. Juni 2011) ISBN 978-3888977268 Originaltitel: Il figlio del figlio Preis: € 17,90 Kurzbeschreibung Drei Männer in einem Auto, drei Generationen auf einer Reise quer durch Italien. Nicola und sein Vater haben sich breitschlagen lassen, Großvater Leonardo zu begleiten, um die Wohnung am Meer zu verkaufen, unten in Apulien, wo schon lange keiner mehr war. Das sind sie dem Nonno schuldig, der, »groß und stark wie ein Krieger«, Analphabet und Kommunist, alle Kinder und Enkel der Familie erzogen hat, die der Arbeit wegen in den Norden gezogen ist. Doch jetzt scheint die große Familie auseinanderzufallen, und für jeden stellt sich die Frage: Wo bin ich wirklich zu Hause? Widerwillig machen sich Großvater, Vater und Sohn gemeinsam auf den Weg, jeder erfüllt von seinen ganz eigenen Erinnerungen. Für Nicola ist »la casa al mare« das Feriendomizil, der Ort der ersten Liebschaften, für den Vater die Erinnerung an seine eigene Jugend, für Nonno Leonardo die Heimat, in die doch alle einmal zurückkehren wollten, das letzte gemeinsame Bindeglied. Behutsam nähern sich die drei ganz unterschiedlichen Männer einander an. Drei Generationen, die sich erinnern, drei Sprachen, um das Italien von gestern und heute zu erzählen, die Emigration und den Verlust der Wurzeln, den Wunsch, neu aufzubrechen und einen Ort zu finden, an dem man bleiben will. Über den Autor Marco Balzano wurde in Mailand geboren, wo er Italienische Literatur unterrichtet. Er schreibt für Zeitschriften und hat bereits einen Gedichtband und Essays veröffentlicht. »Damals, am Meer« ist sein erster Roman. Mein Eindruck: Die Wohnung in Barletta, Süditalien, muss verkauft werden. Darüber sind sich bis auf ein paar Cousins, Cousinen und die Großmutter ausnahmsweise einmal alle einig. In den Zeiten des Wirtschaftswunders, als es die Süditaliener alle in den Norden zog, ist auch Leonardo mit seiner Familie nach Mailand umgesiedelt. Von Haus aus Bauer arbeitete er fortan in einer Fabrik, in die Wohnung am Meer fuhr er mit seinen Kindern und späteren Enkelkindern nur noch in den Ferien...und irgendwann hörte auch das auf. Aber wann fing es an daß plötzlich keine Geschwister, Tanten, Onkel und Kinder mehr im Haus waren? Warum war selbst an Feiertagen wie Weihnachten die Familie nur noch an verschiedenen Tagen anzutreffen? Nun machen sich Nicola, der Enkel und Ich-Erzähler, sein Vater und Großvater Leonardo auf den Weg nach Süditalien. Eine nicht ganz freiwillige Reisetruppe, jeder mit seinen eigenen Ängsten und Sorgen im Gepäck. Wo sich dem einen einfach nur Bilder auftun, offenbaren sie dem anderen eine Seele. Nicola, von seinen Eltern als ewiger Student nicht mehr ernst genommen und ständiger Kritik ausgesetzt, ist plötzlich sehr am Zweifeln ob seine Berufswahl (Lehrer) nicht aus einer jugendlichen Intuition heraus entstanden ist. Riccardo der Vater, der sich gerne hinter Schweigen verbarrikadiert kann immer noch nicht akzeptieren daß "alles aus Mangel an Interesse vor die Hunde gegangen war". Dementsprechend bockig und abweisend verhält er sich. Leonardo der Großvater, Analphabet und ehemaliger Kommunist (er gehörte der Partei an) wirft immer wieder die Frage in den Raum wann seine Kinder zu Bestien wurden. Er erzählt seinem Enkel daß junge Männer ohne reiche Väter im Hintergrund keine andere Wahl hatten als in den Norden zu gehen. Man konnte es sich nicht leisten an einem Ort zu bleiben wo es keine Arbeit gab. Zurück nach so vielen Jahren muss er aber auch erkennen, dass sich nichts, aber auch garnichts geändert hat.... Endlich einmal eine Generationengeschichte über drei sehr unterschiedliche Männer aus einer Familie, die von Marco Balzano sehr sensibel und ruhig erzählt wird. Volle Punktezahl

    Mehr