Das Leben wartet nicht

von Marco Balzano 
4,4 Sterne bei53 Bewertungen
Das Leben wartet nicht
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Positiv (46):
Daniel_Allertseders avatar

Große Klasse!

Kritisch (1):
19angelika63s avatar

Endlos ermüdender Monolog eines Italieners der nach Mailand emigrierte ...

Alle 53 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Das Leben wartet nicht"

Ninetto war noch ein Kind, als er allein von Sizilien nach Mailand kam, um Arbeit zu suchen. Ein furchtloser Junge mit der Sonne des Südens im Herzen. Obwohl er noch zu klein war für das Fahrrad, fand er sogleich eine Anstellung als Bote. Heute, über fünfzig Jahre später, erkennt sich Ninetto in den Neuankömmlingen aus China und Nordafrika wieder. Sie haben dieselben Träume wie er damals. Und setzen alles daran, sie zu verwirklichen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257244281
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:27.06.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Daniel_Allertseders avatar
    Daniel_Allertsedervor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Große Klasse!
    Große Klasse!

    “Das Leben wartet nicht” - was für ein Titel, ein Titel mit einer Pointe, die man ungefiltert verstehen und analysieren kann. Marco Balzano hat mit diesem Titel ein sehr interessantes Portrait eines jungen Mannes geschaffen, welches mich wirklich überzeugen und unterhalten konnte. Nicht nur sprachlich einwandfrei, sondern auch unterhaltend.

    Mit poetischer und flüssiger Sprache zeigt uns der Autor Macro Balzano die Biografie eines jungen Mannes, der sich auf dem Weg macht, sein Schicksal zu finden. Der Autor thematisiert hierbei sehr stark die damaligen Probleme Italiens: Kinderemigration, Kinderarbeit, die sozialen Unterschiede in diesem südländischen Land. Der Autor präsentiert uns Leser auf sympathische Art und Weise seinen Helden Ninetto, der auf die letzten fünfzig Jahre seines Lebens zurückblickt und uns erzählt, was er erlebt hat – das Leben im Bienenstockviertel, die Liebe zu Maddalena, der Konflikt mit seiner Tochter, seine Arbeit, der Wandel in Italien. Sehr stark bemerkt habe ich den emotionalen Bezug vom Autor zur Storyline; es scheint fast so, als habe er selbst diese Tortur, diese Odyssee durchmachen müssen, oder zumindest wurde seine Kindheit von den Weichen der Eltern geprägt, zumindest besitzt der Roman sehr viel Authentizität – mag es nun an persönlichen Erfahrungen anknüpfen oder der reinen Fantasie sei mal dahingestellt, aber definitiv ist zu sagen, dass der Autor auf klarste und authentischste Art und Weise Ninettos Martyrium literarisch sowie erzählerisch einwandfrei – unterhaltend wie auch interessant – verfasst hat. Im Nachwort ist zumindest zu lesen, dass der Autor sich mit zahlreichen Menschen unterhalten hat, die ebendieses Wagnis auf sich genommen haben und detailreich widergegeben haben, wie es ihnen dabei erging. Der Autor hat ganz viel Herzblut in „Das Leben wartet nicht“ gesteckt; dies erkennt man auch an den vielen Nebenelementen, die so essenziell und interessant auf den ersten Blick gar nicht erscheinen: Der Lehrer zum Beispiel, der die Poesie sprichwörtlich in Ninettos Herz gepflanzt hat, oder das Buch, in das er Zeit seines Lebens sein Leben niederschreibt, oder auch Maddalena, die ja zur Liebe seines Lebens wird.

    Ein wundervoller und ein weit mehr als unterhaltsamer Roman. Vielmehr ein gefühlvolles und herzergreifendes Portrait eines Mannes, der sein nicht ganz einfaches Leben erzählt – eben wundervoll erzählt von Marco Balzano. 

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    L
    Lesehilfevor 6 Monaten
    Berührend und einfühlsam

    Träume und das Leben. Wünsche, Vorstellungen und der Alltag. Wir fänden viele Wörter, die in diese Sinnfolge hineinpassen würden. Aber sie haben manchmal nichts miteinander zu tun. Oder doch? Ninetto hat vielleicht als Junge davon geträumt mit dem eigenen Fahrrad durch die Gegend zu sausen, aber nicht davon, dass sein Vater ihn aus dem Haus in Süditalien jagen würde, damit er als gerade mal 10-, 11-jähriger Geld als Fahrrad-Kurier in Mailand verdient. Genau das aber muss Ninetto machen. Allein und auf sich gestellt. In einer grandiosen Sprache erzählt Balzano nun die Geschichte von Ninetto, der Anfang der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts, sein kindliches Leben alleingelassen in Mailand fristen muss. Er lernt dort im Laufe der Zeit seine spätere Frau kennen und lieben, bekommt mit ihr Kinder, baut Mist, landet im Gefängnis und erzählt uns durch den Autoren die Geschichte seines Lebens.
    Eines der besten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe.

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    nordfraus avatar
    nordfrauvor einem Jahr
    "Das Leben wartet nicht"


    "Das Leben wartet nicht" des Mailänder Autors Marco Balzano erzählt die Geschichte von Ninetto, der, im Alter von nur neun Jahren und ohne Eltern, sein sizilianisches Heimatdorf verlässt, um im Norden Italiens sein Glück zu finden.


    Bolzano lässt Ninetto selbst sprechen, man erhält also direkten Einblick in seine Gedanken und Gefühlswelt, dafür bleiben die anderen Personen etwas außen vor. Immer wieder wechseln die Zeitebenen zwischen Kindheit, jüngerer Vergangenheit und Gegenwart, was aber sehr gut zu unterscheiden ist und auch zur Dynamik des Buches passt. 


    Die Sprache des Buches ist klar, die Sätze meist kurz und trotzdem musste ich während des Lesens oft innehalten oder zurückblättern, um eine Stelle nochmal zu lesen, sie mir deutlich vorstellen zu können. Bolzano schafft es mit wenigen Worten so viel zu erzählen, sehr starke Bilder zu erzeugen und die wollte ich gerne auf mich wirken lassen. 


    Den geschichtlichen Aspekt des Buchs finde ich besonders interessant und auch aktuell,  diese Auswanderungswelle von Kindern gab es in den 1960er Jahren in Italien nämlich wirklich. Dazu gibt es am Ende des Buches auch Anmerkungen des Autors.


    "Das Leben wartet nicht" hat mich sehr berührt und wirkt auch noch lange nach dem Lesen nach. Für mich ist es ganz klar ein Buch, das man nicht nur einmal zur Hand nimmt und auch beim Schreiben dieser Rezension bin ich immer wieder bei verschiedensten Textstellen hängengeblieben. Eine Leseempfehlung für alle, die sich nicht scheuen, sich selbst Fragen zu stellen, wie - Was bedeutet Glück für mich? -  oder - Bringt ein wahr gewordener Traum tatsächlich die erhoffte Erfüllung? 

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    Antonellas avatar
    Antonellavor einem Jahr
    Berührende Geschichte mit aktuellem Bezug

    Ninetto wächst in bitterster Armut in dem kleinen Dorf San Cono auf Sizilien auf. Obwohl er wie alle seine Freunde ständig Hunger hat, gibt es einen großen Lichtblick in seinem Leben. Er geht gerne zur Schule, denn sein Lehrer erkennt Ninettos poetisches Talent und fördert ihn. Doch dann erleidet Ninettos Mutter einen Schlaganfall und muss in ein Pflegeheim. Alleine mit seinem harten und verbitterten Vater muss der Junge nun ganztägig auf dem Feld arbeiten. Doch auch das bringt keinen großen Verdienst, deshalb geht Ninetto den Weg vieler armer süditalienischer Kinder in den 1950er Jahren. Ohne Familie, nur mit einem anderen, aber erwachsenen Dorfbewohner macht er sich auf den Weg nach Mailand. Er beginnt als Botenjunge, lebt unter armseligen Bedingungen. Sein Ziel ist es, mit fünfzehn in der Fabrik anzufangen, denn das ist die Altersgrenze für die besser bezahlte Arbeit. Und dann ist da auch noch Maddalena, in die sich der Junge verliebt und die er schließlich mit gerade mal fünfzehn Jahren heiratet. Er bekommt den ersehnten Job, belegt Kurse, steigt in der Hierarchie auf. Doch trotz aller Anstrengungen und Anpassungsversuche gelingt es Ninetto nicht, das Glück auf Dauer festzuhalten. Schließlich blickt er mit 57 Jahren auf eine lange Gefängnisstrafe zurück und muss sein Leben neu ordnen.

    Die Geschichte Ninettos wird aus der Sicht des 57jährigen erzählt, der nach Verbüßung seiner Haftstrafe einen Neuanfang an der Seite seiner Frau machen muss. Doch das ist nicht so einfach und so verbringt er viel Zeit damit, auf sein Leben zurückzublicken und Erklärungsversuche für seine Niederlagen zu finden.

    Sehr eindrücklich schildert dieser Roman anhand der fiktiven Figur Ninetto das Leben der süditalienischen Kinder, die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts vor Hunger und Elend in die großen Städte im Norden immigriert sind. Ebenso wie die heutigen Wirtschaftsflüchtlinge erwartete sie auch hier ein Leben am Rande der Gesellschaft, entwurzelt und von den Einheimischen oft verachtet und nur geduldet.

    Stilistisch wechselt der Autor dabei zwischen der kindlichen, optimistischen Sichtweise und entsprechend formulierten Sätzen des jungen Ninetto und dem bitteren, resignierten Rückschauen des älteren Mannes.

    „Das Leben wartet nicht“ gehört für mich zu den Büchern, die lange nachhallen. Die Hauptfigur hat bei mir ausgesprochen gegensätzliche Gefühle ausgelöst: das Kind weckt Sympathie und Mitleid, das Selbstmitleid und egoistische Handeln des Mannes stoßen mich ab. Im Gegensatz zu der detaillierten Charakterisierung Ninettos bleiben die anderen Charaktere eher blass und im Hintergrund, was aber vermutlich auch so gewollt ist. Das gelungene Ende lässt viel Raum für Interpretationen.

    Mir hat dieses Buch mit leichten Einschränkungen gut gefallen, deshalb von mir 4 Sterne und eine Leseempfehlung!

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    Angie*s avatar
    Angie*vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein berührendes, schockierendes Buch über Kinderemigration in Italien,,,
    Kinderemigration in Italien

    INHALT:

     Der Roman spielt im Italien zur Zeit der grossen Kinderemigration (1959-1962) vom armen Süden in den  Reichtum und Arbeit versprechenden Norden des Landes. 

    Ninetto, ein kleiner 10 jähriger Junge, mit Spitznamen *Pelleossa, Haut undKnochen* genannt, verlässt seine Familie, sein Dorf wegen Hunger und Armut nach eindringlichem Zureden des Vaters. Er fährt mit einem Bekannten nach Mailand.  Ninetto lebt im *Bienenstock*, dem ärmsten Viertel der Stadt, indem nur Familien aus dem Süden eine armselige  und schäbige Unterkunft finden und schlägt sich mit Botengängen für eine Wäscherei durchs Leben. Er geht nicht mehr zur Schule, obwohl er in Sizilien ein guter und wissbegieriger Schüler war. In sein Tagebuch, welches ihm sein liebevoller Lehrer mitgegeben hat, fügt er ab und zu kleine Worte ein , oder er schreibt eine Postkarte an den Vater und die an einem Schlaganfall erkrankte Mutter, die in einem Heim lebt.

    Wir begleiten Ninettos Lebensweg in dem Buch weiterhin während vieler Jahrzehnte seines Erwachsenen-Lebens als Arbeiter bei Alfa Romeo in Mailand, seiner frühen Heirat mit der fünfzehnjährigen Maddalena und seinem Leben im Gefängnis, das er wegen einer unbedachten Reaktion auch kennengelernt hat,,,, 


    MEINE MEINUNG: Dieser Roman hat mich ausserordentlich  beeindruckt durch seine bildhafte und wunderbar wandelbare Sprache aus zwei Erzählperspektiven, einmal der des Kindes Ninetto und des erwachsenen Ninetto. Der Autor hat in seinem Buch ein skandalöses Thema angesprochen und beschrieben, nämlich Kinderarbeit in Italien Ende der fünfziger Jahre bis  zum Beginn der sechziger Jahre. Diese ehemaligen Kinderemigranten aus Süditalien haben heute ein Alter von 60-70 Jahren erreicht und einige dieser alten Männer hat Marco Balzano in Interviews nach ihren Erinnerungen an diese Zeit befragt, absichtlich nur mündlich, um seinen eigenen Eindruck an diese Gespräche so besser verinnerlichen zu können. Entstanden ist ein berührendes Porträt und Buch zum Gedenken an diese Generation, die so viele Wandel in der Arbeitswelt und im persönlichem Umfeld erlebt hat. Angefangen haben diese Kinder oft mit schlecht bezahlten Botengängen. Mit 15 Jahren konnten sie dann in einer der grossen Industriefabriken um Mailand, Turin, Genua arbeiten.

    Im späteren Arbeitsleben wurden ihre Arbeitsplätze  immer wieder wegrationalisiert und viele blieben *auf der Strecke*. 

    Das Buch ist mit sehr viel Herzenswärme und und menschlichem Empfinden für die Armen  und ihre Kinder in unserer Gesellschaft, speziell Italien geschrieben. Italienisches Flair und Lebensansichten dieser Generation  ( z.B.ein Mann besitzt ein Messer) hat der Autor sehr gut zusätzlich in dieser Geschichte eingeflochten.

    Das Bedrückende an dieser Lektüre: die Geschichte wiederholt sich offensichtlich. Heute wohnen und leben in diesen Wohnsiedlungen der Grossstädte, auch *Bienenstöcke* genannt, wieder Flüchtlinge, diesmal aus aller Welt in allen Hautfarben, aus allen Nationen und versuchen Ihr Auskommen für sich und ihre Kinder im reichen Europa zu finden. 


      



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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Spannende Beschreibung über einen Kinderemmigranten in den 50er Jahren in Italien
    Sehr bewegend

    Ninetto ist erst neun Jahre alt, als er 1959 seine Heimat Sizilien verlässt und als Arbeitsemigrant nach Mailand geht, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Er nimmt Aushilfsjobs an als Austräger für eine Wäscherei und andere Gelegenheitsarbeiten. Erst mit 15 Jahren darf man offiziell in einer Fabrik anfangen und sehnsuchtsvoll wartet er darauf, ebenso wie auf die Hochzeit mit der jungen Maddalena. Die Trauung vollzieht ein Cousin der Familie, obwohl sie nicht volljährig sind. Bereits mit 16 Jahren lebt Ninetto wie ein erwachsener Mann mit fester Arbeit und Ehefrau.
    Marco Balzano schreibt in seinem Roman „Das Leben wartet nicht“ auf sehr eindringliche Weise über Ninettos Leben, das beispielhaft ist für zahlreiche Lebensentwürfe in den 60er Jahre in Italien. Im Süden gibt es kaum Arbeit, die Menschen leben in Armut ohne Hoffnung. Die Region um Mailand in Norden mit ihrer Industrie und zahlreichen Fabriken wirkt schon für Kinder wie ein Hoffnungsstreif am Horizont und so machen sich viele in sehr jungen Jahren auf den Weg, um dort Geld zu verdienen. Das große Ziel war mit 15 Jahren einen Job in einer Fabrik zu bekommt, wie Ninetto bei Alfa Romeo. Das Schicksal von Ninetto ist anrührend und lässt einen nicht los, trotz all der Armut und Hoffnungslosigkeit von der er berichtet und seinem aktuellen Schicksal, von dem wir nur langsam erfahren, sucht er nach wie vor nach einem Platz im Leben. Dieses Leben, das eben nicht auf ihn gewartet hat, sondern geradezu einfach passiert ist, ohne ihn richtig mitzunehmen. Ohne große Schulbildung, mit gescheiterten Träumen und einem tagtäglichen Einerlei, das kaum Abwechslung bietet.
    Dem Autor gelingt es dabei auf wunderbare Weise, dem Leser Ninettos Gedanken nahe zu bringen, obwohl es für unser privilegiertes Leben heute schwer nachvollziehbar ist, dass neunjährige Kinder ihre Familie verlassen, um hunderte Kilometer entfernt Arbeit zu suchen. Die Hoffnungslosigkeit von Ninettos Kindheit klingt in jeder Zeile mit und hat mich wirklich berührt. Er versucht seinen Weg zu machen und steht sich dabei eigentlich selbst im Weg, wie er feststellen muss.
    „Das Leben wartet nicht“ von Marco Balzano ist eine anrührende Geschichte, die keineswegs nur Erfindung ist, sondern beispielhaft für das Leben zahlreicher junger Menschen in den 60er Jahre in Südeuropa steht. Ein bewegendes und besonders Buch, das sehr zum Nachdenken anregt. 

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    abas avatar
    abavor einem Jahr
    Rezension zu "Das Leben wartet nicht" von Marco Balzano

    Großartig!

    Es gibt Bücher, die mich von der ersten Seite an tief berühren und mich während des Lesens Tag und Nacht beschäftigen, weil meine Gedanken sich um die Figuren und deren Schicksale drehen. Das war der Fall bei "Das Leben wartet nicht" von dem italienischen Autor Marco Balzano.
    Dieser Roman ist die Geschichte von Ninetto, einem Mann, der bereits als Kind versucht hat, sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen und in die von ihm gewünschte Richtung zu steuern.

    In "Das Leben wartet nicht" kann man lesen, ob es Ninetto gelungen ist, über den Lauf seines Lebens zu bestimmen.
    Der erste Schritt weg von dem Elend, in dem Ninetto im Süden Italiens gelebt hat, unternimmt er bereits mit 11 Jahren. Er wandert Richtung Norden, bis nach Mailand, dem italienischen Mekka, dem begehrten Ziel der Immigranten innerhalb des Italiens der 60er Jahre.

    Ninetto erzählt und erzählt über sein Abenteuer… und am Ende erfahren wir wirklich, was das wahre Elend in seinem Leben gewesen ist. Und natürlich auch, welche Konsequenzen für sein späteres Leben es hatte, so früh seine Heimat verlassen zu haben, allein, fast ohne Geld und ohne Schulbildung.

    Marco Balzano leistet mit diesem Buch den zahlreichen Immigranten im eigenen Land einen Tribut. Es ist eine Anerkennung an alle diese Kinder, die, auf der Suche nach einem besseren Leben, im frühen Alter alles hinter sich gelassen haben.

    Bewegend und gleichzeitig vergnüglich ist dieser Roman, der es geschafft hat, mich tief zu berühren. Ohne ein großes Drama um seine Figuren zu veranstalten, fesselt Balzano mit einer Handlung, bei der die Höhepunkte auf die richtigen Stellen gesetzt wurden und mit einem Ende, das das einzig richtige sein konnte, und das nur einen Moment darstellt, der nicht länger als ein paar Minuten dauert. Ein Ende, das im Nachhinein betrachtet, das Ziel und der Sinn von Ninettos Existenz ist.

    Nur ein paar Minuten, die für mich das Beste am Buch waren, und diese Geschichte für mich großartig machten!

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    Coconelles avatar
    Coconellevor einem Jahr
    Das Leben wartet nicht

    Ninetto hatte es nicht leicht im Leben. Bereits im Alter von neun Jahren verläßt er ohne seine Eltern seine Heimat, ein kleines Dorf auf Sizilien, um in Mailand ein besseres Leben zu finden. Dort schlägt er sich, auf sich alleine gestellt, durch. Er muss arbeiten und lebt einige Jahre in schlechten Wohnverhältnissen. Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre herrschte in Süditalien durch Arbeitslosigkeit solch eine Armut und auch Hunger, dass viele Eltern ihre Kinder in den Norden schickten, um dort der Misere und Perspektivlosigkeit zu entkommen.

    Ninetto erzählt als Erwachsener rückblickend seine Geschichte. Eine eher ruhige Geschichte, in der ein melancholischer Ton mitschwingt. Die Schreibweise ist nüchtern gehalten und einfach zu lesen. Hin und wieder streut der Autor bildhaft umschriebene Sätze ein. Vielleicht lag es an dieser Art des Erzählens, weshalb mir etwas Dynamik in diesem Buch fehlte. Auch blieben viele der Figuren für mich im Schatten und distanziert. Mit seiner Art der Schilderung von Städten, Ortschaften, Strassen und sonstigen Schauplätzen gelang es dem Autor jedoch, dass ich sehr detaillierte Bilder dieser Handlungsorte vor Augen hatte.

    Inhaltlich beschreibt die Handlung einen Lebensweg, wie ihn zu damaliger Zeit vielleicht viele erlebt haben. Ninetto bleibt eine fundierte Schulbildung und daran anknüpfende Ausbildung verwehrt. Er arbeitet später jahrzehntelang in der Fabrik bei Alfa Romeo und findet sich mit seinem eintönigen Leben ab. Doch er hadert auch nicht mit seinem Schicksal, er nimmt alles nüchtern hin. Als Leser wünscht man ihm, dass er einfach mal eine Chance bekommt, dass sich für ihn mal irgendetwas erfreuliches ergibt.
    Interessant fand ich das Thema der Kinderemigration zu damaliger Zeit, die so tatsächlich stattgefunden hat, wie der Autor im Nachwort erklärt, und worüber ich bisher nichts wusste.

    3,5 Sterne

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    LeseJulis avatar
    LeseJulivor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Toller Roman, der von den Höhen und Tiefen des Lebens handelt und den kostbaren Momenten, welche uns alle prägen.
    Die Höhen und Tiefen des Lebens

    Das Leben ist keine Talfahrt – viel mehr wird es bestimmt durch die verschiedenen Abzweigungen, von individuellen Wegen, die unsere Vergangenheit prägen, unsere Gegenwart ebnen und unsere Zukunft bilden. 

    Der Schreibstil von Balzano macht das Buch zu einer wirklichen "Wochenend-Lektüre". So taucht man hier schnell in die Welt von Ninetto ab und nimmt eine wechselnde Perspektive aus Vergangenheit und Gegenwart ein. Durch seinen bildhaften und farbenfrohen Schreibstil wird der Leser ans Buch gefesselt inkl. bildhafter Beschreibungen des Italiens aus dem 20. Jahrhundert! 

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    Jezebelles avatar
    Jezebellevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch, dass einen nicht nur über die Kinderemigration in den Fünfzigern in Italien informiert, sondern auch aufzeigt, was Leben bedeutet
    Wenn die Tretmühle einmal Stillstand hat

    Mit dem Satz des Titels, der auch im Buch immer wieder mal aufgenommen wird, ist eigentlich auch schon das Fazit, welches Ninetto zu seinem nun größtenteils hinter sich gebrachten Leben äußern würde, auf den Punkt gebracht. Der Leser lernt ihn als Ich-Erzähler kennen, der seit seinem Aufenthalt im Gefängnis sich auf seine Lebenserinnerungen konzentriert. Er möchte, dass etwas von ihm, von seinen Empfindungen bleibt und macht sich damit sehr viele Gedanken über den Sinn des Lebens, über Fortschritt, Elend, Freundschaft und Schuld. Auch über sein Leben nach dem Gefängnis und natürlich im Gefängnis erfährt der Leser in unterschiedlichen Zeitperspektiven, die parallel wiedergegeben werden, etwas. Mit diesem Leben, was auf wundervolle poetische Art geschildert wird, erfährt man etwas über das Italien der Fünfziger. Trotz aller Armut ist unser Held ein Kämpfer, ein Mensch, der Fehler begeht, an deren Folgen er zu knabbern hat. Er verliert sich aber nicht in Selbstmitleid und entwickelt sich irgendwie auch weiter, indem er seinen ureigensten Anlagen vertraut. Einem sehr erdigen Menschen gelingen dadurch geschickte philosophische und poetische Ansichten oder Sprüche, die nie aufgesetzt oder zu "verbucht" klingen, sondern denkbar und möglich sind. Das zeugt nicht nur von einem Autor, der sensibel Sprache verwendet, sondern auch von einem feinfühligen Beobachter. Denn obwohl die Geschichte keine Wiedergabe eines faktischen Lebens ist, hat er sich die Mühe gemacht, das Gespräch mit Menschen zu suchen, die als Kinder aus dem ärmeren Süden Italiens in den Norden einwanderten. Auch eine Art von feinem Humor kann man in ihm erkennen. Besonders die entbehrungsreiche Kindheit hinterlässt beim Leser nicht das Gefühl von Bedauern und Mitleid, sondern erinnert eher an einen Strolch aus den Schwarz-Weiß-Verfilmungen der "Don Camillo und Peppone"-Reihe, obwohl es gar nicht um Kirche und Politik vordergründig geht. Durch die verschiedenen Zeitebenen bleibt auch die Spannung am Leben dieses Menschen erhalten. Mir hat das Buch sehr gefallen. Es regt zum Nachdenken über den Sinn des Lebens an und lässt einen trotz eines anderen Ortes und mit Sicherheit anderen Schicksals unseres Helden trotzdem Parallelen zum eigenen Leben ziehen, zumindest ging es mir so.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    abas avatar

    Auf der Suche nach einem besseren Leben

    Mit seinem preisgekrönten Roman "Das Leben wartet nicht" hat der Schriftsteller Marco Balzano der Immigration innerhalb Italiens in den 60er Jahren ein Denkmal gesetzt. Scharenweise sind die Menschen aus dem Süden Richtung Norden auf der Suche nach einem besseren Leben gewandert. Darunter befanden sich zahlreiche Kinder, die sich ganz allein auf den Weg machten. Ein Phänomen, das Balzano in seinem bewegenden Roman darstellt. Ninetto, der kleine Held von "Das Leben wartet nicht", steht stellvertretend für alle diese Kinder, die schon in frühen Jahren erfahren mussten, was harte Arbeit ist.
    Möchtet ihr Ninetto kennenlernen? Dann macht bei unserer Leserunde zu "Das Leben wartet nicht" mit!

    Zum Inhalt
    Ninetto war noch ein Kind, als er allein von Sizilien nach Mailand kam, um Arbeit zu suchen. Ein furchtloser Junge mit der Sonne des Südens im Herzen. Obwohl er noch zu klein war für das Fahrrad, fand er sogleich eine Anstellung als Bote. Heute, über fünfzig Jahre später, erkennt sich Ninetto in den Neuankömmlingen aus China und Nordafrika wieder. Sie haben dieselben Träume wie er damals. Und setzen alles daran, sie zu verwirklichen.

    Lust auf eine Leseprobe?

    Zum Autor
    Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist der Sohn von Süditalienern, die ihr Glück im Norden suchten. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium. "Das Leben wartet nicht" ist sein bisher erfolgreichster Roman. Er lebt mit seiner Familie in Mailand.

    Wenn ihr Ninetto auf seinem langen Weg von Sizilien nach Mailand begleitet möchtet, dürft ihr diese Leserunde nicht verpassen.
    Zusammen mit Diogenes verlosen wir 25 Exemplare von "Das Leben wartet nicht" unter allen, die Lust auf eine Leserunde mit Ninetto haben und sich über diesen bewegenden Roman austauschen und im Anschluss eine Rezension schreiben möchten. Bewerbt euch * über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 01.03. und antwortet auf folgende Frage:

    Die Sehnsucht nach einem besseren Leben treibt den kleinen Ninetto zu einem großen Abenteuer.
    Würdet ihr euch auch so eine Reise zutrauen,
    um euch und euren Familien eine bessere Zukunft zu ermöglichen? Zu Fuß und ohne Geld in der Tasche? 

    Ich freue mich jetzt schon auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück!

    * Bitte beachtet vor deiner Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.
    abas avatar
    Letzter Beitrag von  abavor einem Jahr
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