Marco Balzano Das Leben wartet nicht

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Inhaltsangabe zu „Das Leben wartet nicht“ von Marco Balzano

Ninetto war noch ein Kind, als er allein von Sizilien nach Mailand kam, um Arbeit zu suchen. Ein furchtloser Junge mit der Sonne des Südens im Herzen. Obwohl er noch zu klein war für das Fahrrad, fand er sogleich eine Anstellung als Bote. Heute, über fünfzig Jahre später, erkennt sich Ninetto in den Neuankömmlingen aus China und Nordafrika wieder. Sie haben dieselben Träume wie er damals. Und setzen alles daran, sie zu verwirklichen.

Sehr nahegehend

— MyriamErich

Authentische Erzählweise, interessantes Thema, ein spannender Protagonist ... nur kleine Mängel am Plot. - Ein guter Roman aus Italien!

— Cara_Elea

Ein berührendes, schockierendes Buch über Kinderemigration in Italien,,,

— Angie*

Spannende Beschreibung über einen Kinderemmigranten in den 50er Jahren in Italien

— leserattebremen

Toller Roman, der von den Höhen und Tiefen des Lebens handelt und den kostbaren Momenten, welche uns alle prägen.

— LeseJuli

Ein Buch, dass einen nicht nur über die Kinderemigration in den Fünfzigern in Italien informiert, sondern auch aufzeigt, was Leben bedeutet

— Jezebelle

Leicht lesbare Geschichte, lockerer Erzählstil trotz eigentlich "trauriger" Handlung. Vergleichbar mit Leon und Louise

— corella

Ein leicht lesbarer Roman über eine armselige Kindheit im Italien der 50er und 60er Jahre

— gst

Ein anrührender Roman über Ninetto, der mit 9 Jahren von Sizilien zum Arbeiten in den Norden geht, es dort aber auch nicht immer leicht hat.

— blaustrumpfine

Aktuell, lehrreich und mit vielen philosophischen Gedanken - zugleich eine schnell lesbare und interessante Geschichte

— DanielaN

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  • "Das Leben wartet nicht"

    Das Leben wartet nicht

    nordfrau

    14. May 2017 um 19:52

    "Das Leben wartet nicht" des Mailänder Autors Marco Balzano erzählt die Geschichte von Ninetto, der, im Alter von nur neun Jahren und ohne Eltern, sein sizilianisches Heimatdorf verlässt, um im Norden Italiens sein Glück zu finden.Bolzano lässt Ninetto selbst sprechen, man erhält also direkten Einblick in seine Gedanken und Gefühlswelt, dafür bleiben die anderen Personen etwas außen vor. Immer wieder wechseln die Zeitebenen zwischen Kindheit, jüngerer Vergangenheit und Gegenwart, was aber sehr gut zu unterscheiden ist und auch zur Dynamik des Buches passt. Die Sprache des Buches ist klar, die Sätze meist kurz und trotzdem musste ich während des Lesens oft innehalten oder zurückblättern, um eine Stelle nochmal zu lesen, sie mir deutlich vorstellen zu können. Bolzano schafft es mit wenigen Worten so viel zu erzählen, sehr starke Bilder zu erzeugen und die wollte ich gerne auf mich wirken lassen. Den geschichtlichen Aspekt des Buchs finde ich besonders interessant und auch aktuell,  diese Auswanderungswelle von Kindern gab es in den 1960er Jahren in Italien nämlich wirklich. Dazu gibt es am Ende des Buches auch Anmerkungen des Autors."Das Leben wartet nicht" hat mich sehr berührt und wirkt auch noch lange nach dem Lesen nach. Für mich ist es ganz klar ein Buch, das man nicht nur einmal zur Hand nimmt und auch beim Schreiben dieser Rezension bin ich immer wieder bei verschiedensten Textstellen hängengeblieben. Eine Leseempfehlung für alle, die sich nicht scheuen, sich selbst Fragen zu stellen, wie - Was bedeutet Glück für mich? -  oder - Bringt ein wahr gewordener Traum tatsächlich die erhoffte Erfüllung? 

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  • Berührende Geschichte mit aktuellem Bezug

    Das Leben wartet nicht

    Antonella

    07. May 2017 um 20:01

    Ninetto wächst in bitterster Armut in dem kleinen Dorf San Cono auf Sizilien auf. Obwohl er wie alle seine Freunde ständig Hunger hat, gibt es einen großen Lichtblick in seinem Leben. Er geht gerne zur Schule, denn sein Lehrer erkennt Ninettos poetisches Talent und fördert ihn. Doch dann erleidet Ninettos Mutter einen Schlaganfall und muss in ein Pflegeheim. Alleine mit seinem harten und verbitterten Vater muss der Junge nun ganztägig auf dem Feld arbeiten. Doch auch das bringt keinen großen Verdienst, deshalb geht Ninetto den Weg vieler armer süditalienischer Kinder in den 1950er Jahren. Ohne Familie, nur mit einem anderen, aber erwachsenen Dorfbewohner macht er sich auf den Weg nach Mailand. Er beginnt als Botenjunge, lebt unter armseligen Bedingungen. Sein Ziel ist es, mit fünfzehn in der Fabrik anzufangen, denn das ist die Altersgrenze für die besser bezahlte Arbeit. Und dann ist da auch noch Maddalena, in die sich der Junge verliebt und die er schließlich mit gerade mal fünfzehn Jahren heiratet. Er bekommt den ersehnten Job, belegt Kurse, steigt in der Hierarchie auf. Doch trotz aller Anstrengungen und Anpassungsversuche gelingt es Ninetto nicht, das Glück auf Dauer festzuhalten. Schließlich blickt er mit 57 Jahren auf eine lange Gefängnisstrafe zurück und muss sein Leben neu ordnen. Die Geschichte Ninettos wird aus der Sicht des 57jährigen erzählt, der nach Verbüßung seiner Haftstrafe einen Neuanfang an der Seite seiner Frau machen muss. Doch das ist nicht so einfach und so verbringt er viel Zeit damit, auf sein Leben zurückzublicken und Erklärungsversuche für seine Niederlagen zu finden. Sehr eindrücklich schildert dieser Roman anhand der fiktiven Figur Ninetto das Leben der süditalienischen Kinder, die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts vor Hunger und Elend in die großen Städte im Norden immigriert sind. Ebenso wie die heutigen Wirtschaftsflüchtlinge erwartete sie auch hier ein Leben am Rande der Gesellschaft, entwurzelt und von den Einheimischen oft verachtet und nur geduldet. Stilistisch wechselt der Autor dabei zwischen der kindlichen, optimistischen Sichtweise und entsprechend formulierten Sätzen des jungen Ninetto und dem bitteren, resignierten Rückschauen des älteren Mannes. „Das Leben wartet nicht“ gehört für mich zu den Büchern, die lange nachhallen. Die Hauptfigur hat bei mir ausgesprochen gegensätzliche Gefühle ausgelöst: das Kind weckt Sympathie und Mitleid, das Selbstmitleid und egoistische Handeln des Mannes stoßen mich ab. Im Gegensatz zu der detaillierten Charakterisierung Ninettos bleiben die anderen Charaktere eher blass und im Hintergrund, was aber vermutlich auch so gewollt ist. Das gelungene Ende lässt viel Raum für Interpretationen. Mir hat dieses Buch mit leichten Einschränkungen gut gefallen, deshalb von mir 4 Sterne und eine Leseempfehlung!

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  • Kinderemigration in Italien

    Das Leben wartet nicht

    Angie*

    03. May 2017 um 12:33

    INHALT:  Der Roman spielt im Italien zur Zeit der grossen Kinderemigration (1959-1962) vom armen Süden in den  Reichtum und Arbeit versprechenden Norden des Landes.  Ninetto, ein kleiner 10 jähriger Junge, mit Spitznamen *Pelleossa, Haut undKnochen* genannt, verlässt seine Familie, sein Dorf wegen Hunger und Armut nach eindringlichem Zureden des Vaters. Er fährt mit einem Bekannten nach Mailand.  Ninetto lebt im *Bienenstock*, dem ärmsten Viertel der Stadt, indem nur Familien aus dem Süden eine armselige  und schäbige Unterkunft finden und schlägt sich mit Botengängen für eine Wäscherei durchs Leben. Er geht nicht mehr zur Schule, obwohl er in Sizilien ein guter und wissbegieriger Schüler war. In sein Tagebuch, welches ihm sein liebevoller Lehrer mitgegeben hat, fügt er ab und zu kleine Worte ein , oder er schreibt eine Postkarte an den Vater und die an einem Schlaganfall erkrankte Mutter, die in einem Heim lebt. Wir begleiten Ninettos Lebensweg in dem Buch weiterhin während vieler Jahrzehnte seines Erwachsenen-Lebens als Arbeiter bei Alfa Romeo in Mailand, seiner frühen Heirat mit der fünfzehnjährigen Maddalena und seinem Leben im Gefängnis, das er wegen einer unbedachten Reaktion auch kennengelernt hat,,,,  MEINE MEINUNG: Dieser Roman hat mich ausserordentlich  beeindruckt durch seine bildhafte und wunderbar wandelbare Sprache aus zwei Erzählperspektiven, einmal der des Kindes Ninetto und des erwachsenen Ninetto. Der Autor hat in seinem Buch ein skandalöses Thema angesprochen und beschrieben, nämlich Kinderarbeit in Italien Ende der fünfziger Jahre bis  zum Beginn der sechziger Jahre. Diese ehemaligen Kinderemigranten aus Süditalien haben heute ein Alter von 60-70 Jahren erreicht und einige dieser alten Männer hat Marco Balzano in Interviews nach ihren Erinnerungen an diese Zeit befragt, absichtlich nur mündlich, um seinen eigenen Eindruck an diese Gespräche so besser verinnerlichen zu können. Entstanden ist ein berührendes Porträt und Buch zum Gedenken an diese Generation, die so viele Wandel in der Arbeitswelt und im persönlichem Umfeld erlebt hat. Angefangen haben diese Kinder oft mit schlecht bezahlten Botengängen. Mit 15 Jahren konnten sie dann in einer der grossen Industriefabriken um Mailand, Turin, Genua arbeiten. Im späteren Arbeitsleben wurden ihre Arbeitsplätze  immer wieder wegrationalisiert und viele blieben *auf der Strecke*.  Das Buch ist mit sehr viel Herzenswärme und und menschlichem Empfinden für die Armen  und ihre Kinder in unserer Gesellschaft, speziell Italien geschrieben. Italienisches Flair und Lebensansichten dieser Generation  ( z.B.ein Mann besitzt ein Messer) hat der Autor sehr gut zusätzlich in dieser Geschichte eingeflochten. Das Bedrückende an dieser Lektüre: die Geschichte wiederholt sich offensichtlich. Heute wohnen und leben in diesen Wohnsiedlungen der Grossstädte, auch *Bienenstöcke* genannt, wieder Flüchtlinge, diesmal aus aller Welt in allen Hautfarben, aus allen Nationen und versuchen Ihr Auskommen für sich und ihre Kinder im reichen Europa zu finden.    

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  • Sehr bewegend

    Das Leben wartet nicht

    leserattebremen

    28. April 2017 um 11:53

    Ninetto ist erst neun Jahre alt, als er 1959 seine Heimat Sizilien verlässt und als Arbeitsemigrant nach Mailand geht, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Er nimmt Aushilfsjobs an als Austräger für eine Wäscherei und andere Gelegenheitsarbeiten. Erst mit 15 Jahren darf man offiziell in einer Fabrik anfangen und sehnsuchtsvoll wartet er darauf, ebenso wie auf die Hochzeit mit der jungen Maddalena. Die Trauung vollzieht ein Cousin der Familie, obwohl sie nicht volljährig sind. Bereits mit 16 Jahren lebt Ninetto wie ein erwachsener Mann mit fester Arbeit und Ehefrau. Marco Balzano schreibt in seinem Roman „Das Leben wartet nicht“ auf sehr eindringliche Weise über Ninettos Leben, das beispielhaft ist für zahlreiche Lebensentwürfe in den 60er Jahre in Italien. Im Süden gibt es kaum Arbeit, die Menschen leben in Armut ohne Hoffnung. Die Region um Mailand in Norden mit ihrer Industrie und zahlreichen Fabriken wirkt schon für Kinder wie ein Hoffnungsstreif am Horizont und so machen sich viele in sehr jungen Jahren auf den Weg, um dort Geld zu verdienen. Das große Ziel war mit 15 Jahren einen Job in einer Fabrik zu bekommt, wie Ninetto bei Alfa Romeo. Das Schicksal von Ninetto ist anrührend und lässt einen nicht los, trotz all der Armut und Hoffnungslosigkeit von der er berichtet und seinem aktuellen Schicksal, von dem wir nur langsam erfahren, sucht er nach wie vor nach einem Platz im Leben. Dieses Leben, das eben nicht auf ihn gewartet hat, sondern geradezu einfach passiert ist, ohne ihn richtig mitzunehmen. Ohne große Schulbildung, mit gescheiterten Träumen und einem tagtäglichen Einerlei, das kaum Abwechslung bietet. Dem Autor gelingt es dabei auf wunderbare Weise, dem Leser Ninettos Gedanken nahe zu bringen, obwohl es für unser privilegiertes Leben heute schwer nachvollziehbar ist, dass neunjährige Kinder ihre Familie verlassen, um hunderte Kilometer entfernt Arbeit zu suchen. Die Hoffnungslosigkeit von Ninettos Kindheit klingt in jeder Zeile mit und hat mich wirklich berührt. Er versucht seinen Weg zu machen und steht sich dabei eigentlich selbst im Weg, wie er feststellen muss. „Das Leben wartet nicht“ von Marco Balzano ist eine anrührende Geschichte, die keineswegs nur Erfindung ist, sondern beispielhaft für das Leben zahlreicher junger Menschen in den 60er Jahre in Südeuropa steht. Ein bewegendes und besonders Buch, das sehr zum Nachdenken anregt. 

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  • Rezension zu "Das Leben wartet nicht" von Marco Balzano

    Das Leben wartet nicht

    aba

    27. April 2017 um 06:41

    Großartig!Es gibt Bücher, die mich von der ersten Seite an tief berühren und mich während des Lesens Tag und Nacht beschäftigen, weil meine Gedanken sich um die Figuren und deren Schicksale drehen. Das war der Fall bei "Das Leben wartet nicht" von dem italienischen Autor Marco Balzano.Dieser Roman ist die Geschichte von Ninetto, einem Mann, der bereits als Kind versucht hat, sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen und in die von ihm gewünschte Richtung zu steuern. In "Das Leben wartet nicht" kann man lesen, ob es Ninetto gelungen ist, über den Lauf seines Lebens zu bestimmen.Der erste Schritt weg von dem Elend, in dem Ninetto im Süden Italiens gelebt hat, unternimmt er bereits mit 11 Jahren. Er wandert Richtung Norden, bis nach Mailand, dem italienischen Mekka, dem begehrten Ziel der Immigranten innerhalb des Italiens der 60er Jahre.Ninetto erzählt und erzählt über sein Abenteuer… und am Ende erfahren wir wirklich, was das wahre Elend in seinem Leben gewesen ist. Und natürlich auch, welche Konsequenzen für sein späteres Leben es hatte, so früh seine Heimat verlassen zu haben, allein, fast ohne Geld und ohne Schulbildung.Marco Balzano leistet mit diesem Buch den zahlreichen Immigranten im eigenen Land einen Tribut. Es ist eine Anerkennung an alle diese Kinder, die, auf der Suche nach einem besseren Leben, im frühen Alter alles hinter sich gelassen haben.Bewegend und gleichzeitig vergnüglich ist dieser Roman, der es geschafft hat, mich tief zu berühren. Ohne ein großes Drama um seine Figuren zu veranstalten, fesselt Balzano mit einer Handlung, bei der die Höhepunkte auf die richtigen Stellen gesetzt wurden und mit einem Ende, das das einzig richtige sein konnte, und das nur einen Moment darstellt, der nicht länger als ein paar Minuten dauert. Ein Ende, das im Nachhinein betrachtet, das Ziel und der Sinn von Ninettos Existenz ist.Nur ein paar Minuten, die für mich das Beste am Buch waren, und diese Geschichte für mich großartig machten!

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    • 2
  • Das Leben wartet nicht

    Das Leben wartet nicht

    Coconelle

    25. April 2017 um 09:57

    Ninetto hatte es nicht leicht im Leben. Bereits im Alter von neun Jahren verläßt er ohne seine Eltern seine Heimat, ein kleines Dorf auf Sizilien, um in Mailand ein besseres Leben zu finden. Dort schlägt er sich, auf sich alleine gestellt, durch. Er muss arbeiten und lebt einige Jahre in schlechten Wohnverhältnissen. Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre herrschte in Süditalien durch Arbeitslosigkeit solch eine Armut und auch Hunger, dass viele Eltern ihre Kinder in den Norden schickten, um dort der Misere und Perspektivlosigkeit zu entkommen.Ninetto erzählt als Erwachsener rückblickend seine Geschichte. Eine eher ruhige Geschichte, in der ein melancholischer Ton mitschwingt. Die Schreibweise ist nüchtern gehalten und einfach zu lesen. Hin und wieder streut der Autor bildhaft umschriebene Sätze ein. Vielleicht lag es an dieser Art des Erzählens, weshalb mir etwas Dynamik in diesem Buch fehlte. Auch blieben viele der Figuren für mich im Schatten und distanziert. Mit seiner Art der Schilderung von Städten, Ortschaften, Strassen und sonstigen Schauplätzen gelang es dem Autor jedoch, dass ich sehr detaillierte Bilder dieser Handlungsorte vor Augen hatte.Inhaltlich beschreibt die Handlung einen Lebensweg, wie ihn zu damaliger Zeit vielleicht viele erlebt haben. Ninetto bleibt eine fundierte Schulbildung und daran anknüpfende Ausbildung verwehrt. Er arbeitet später jahrzehntelang in der Fabrik bei Alfa Romeo und findet sich mit seinem eintönigen Leben ab. Doch er hadert auch nicht mit seinem Schicksal, er nimmt alles nüchtern hin. Als Leser wünscht man ihm, dass er einfach mal eine Chance bekommt, dass sich für ihn mal irgendetwas erfreuliches ergibt.Interessant fand ich das Thema der Kinderemigration zu damaliger Zeit, die so tatsächlich stattgefunden hat, wie der Autor im Nachwort erklärt, und worüber ich bisher nichts wusste.3,5 Sterne

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  • Leserunde zu "Das Leben wartet nicht" von Marco Balzano

    Das Leben wartet nicht

    aba

    Auf der Suche nach einem besseren Leben Mit seinem preisgekrönten Roman "Das Leben wartet nicht" hat der Schriftsteller Marco Balzano der Immigration innerhalb Italiens in den 60er Jahren ein Denkmal gesetzt. Scharenweise sind die Menschen aus dem Süden Richtung Norden auf der Suche nach einem besseren Leben gewandert. Darunter befanden sich zahlreiche Kinder, die sich ganz allein auf den Weg machten. Ein Phänomen, das Balzano in seinem bewegenden Roman darstellt. Ninetto, der kleine Held von "Das Leben wartet nicht", steht stellvertretend für alle diese Kinder, die schon in frühen Jahren erfahren mussten, was harte Arbeit ist. Möchtet ihr Ninetto kennenlernen? Dann macht bei unserer Leserunde zu "Das Leben wartet nicht" mit! Zum Inhalt Ninetto war noch ein Kind, als er allein von Sizilien nach Mailand kam, um Arbeit zu suchen. Ein furchtloser Junge mit der Sonne des Südens im Herzen. Obwohl er noch zu klein war für das Fahrrad, fand er sogleich eine Anstellung als Bote. Heute, über fünfzig Jahre später, erkennt sich Ninetto in den Neuankömmlingen aus China und Nordafrika wieder. Sie haben dieselben Träume wie er damals. Und setzen alles daran, sie zu verwirklichen. Lust auf eine Leseprobe? Zum Autor Marco Balzano, geboren 1978 in Mailand, ist der Sohn von Süditalienern, die ihr Glück im Norden suchten. Er schreibt, seit er denken kann: Gedichte und Essays, Erzählungen und Romane. Neben dem Schreiben arbeitet er als Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium. "Das Leben wartet nicht" ist sein bisher erfolgreichster Roman. Er lebt mit seiner Familie in Mailand. Wenn ihr Ninetto auf seinem langen Weg von Sizilien nach Mailand begleitet möchtet, dürft ihr diese Leserunde nicht verpassen. Zusammen mit Diogenes verlosen wir 25 Exemplare von "Das Leben wartet nicht" unter allen, die Lust auf eine Leserunde mit Ninetto haben und sich über diesen bewegenden Roman austauschen und im Anschluss eine Rezension schreiben möchten. Bewerbt euch * über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 01.03. und antwortet auf folgende Frage: Die Sehnsucht nach einem besseren Leben treibt den kleinen Ninetto zu einem großen Abenteuer. Würdet ihr euch auch so eine Reise zutrauen, um euch und euren Familien eine bessere Zukunft zu ermöglichen? Zu Fuß und ohne Geld in der Tasche?  Ich freue mich jetzt schon auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück! * Bitte beachtet vor deiner Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.

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    • 618

    aba

    20. April 2017 um 10:20
    nordfrau schreibt Diese Alltagsszenen sind für mich sehr stark erzählt und ich musste beim lesen immer wieder innehalten und diese Bilder auf mich wirken lassen!

    Das finde ich auch!

  • Die Höhen und Tiefen des Lebens

    Das Leben wartet nicht

    LeseJuli

    17. April 2017 um 12:27

    Das Leben ist keine Talfahrt – viel mehr wird es bestimmt durch die verschiedenen Abzweigungen, von individuellen Wegen, die unsere Vergangenheit prägen, unsere Gegenwart ebnen und unsere Zukunft bilden. Der Schreibstil von Balzano macht das Buch zu einer wirklichen "Wochenend-Lektüre". So taucht man hier schnell in die Welt von Ninetto ab und nimmt eine wechselnde Perspektive aus Vergangenheit und Gegenwart ein. Durch seinen bildhaften und farbenfrohen Schreibstil wird der Leser ans Buch gefesselt inkl. bildhafter Beschreibungen des Italiens aus dem 20. Jahrhundert! 

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  • Wenn die Tretmühle einmal Stillstand hat

    Das Leben wartet nicht

    Jezebelle

    14. April 2017 um 17:06

    Mit dem Satz des Titels, der auch im Buch immer wieder mal aufgenommen wird, ist eigentlich auch schon das Fazit, welches Ninetto zu seinem nun größtenteils hinter sich gebrachten Leben äußern würde, auf den Punkt gebracht. Der Leser lernt ihn als Ich-Erzähler kennen, der seit seinem Aufenthalt im Gefängnis sich auf seine Lebenserinnerungen konzentriert. Er möchte, dass etwas von ihm, von seinen Empfindungen bleibt und macht sich damit sehr viele Gedanken über den Sinn des Lebens, über Fortschritt, Elend, Freundschaft und Schuld. Auch über sein Leben nach dem Gefängnis und natürlich im Gefängnis erfährt der Leser in unterschiedlichen Zeitperspektiven, die parallel wiedergegeben werden, etwas. Mit diesem Leben, was auf wundervolle poetische Art geschildert wird, erfährt man etwas über das Italien der Fünfziger. Trotz aller Armut ist unser Held ein Kämpfer, ein Mensch, der Fehler begeht, an deren Folgen er zu knabbern hat. Er verliert sich aber nicht in Selbstmitleid und entwickelt sich irgendwie auch weiter, indem er seinen ureigensten Anlagen vertraut. Einem sehr erdigen Menschen gelingen dadurch geschickte philosophische und poetische Ansichten oder Sprüche, die nie aufgesetzt oder zu "verbucht" klingen, sondern denkbar und möglich sind. Das zeugt nicht nur von einem Autor, der sensibel Sprache verwendet, sondern auch von einem feinfühligen Beobachter. Denn obwohl die Geschichte keine Wiedergabe eines faktischen Lebens ist, hat er sich die Mühe gemacht, das Gespräch mit Menschen zu suchen, die als Kinder aus dem ärmeren Süden Italiens in den Norden einwanderten. Auch eine Art von feinem Humor kann man in ihm erkennen. Besonders die entbehrungsreiche Kindheit hinterlässt beim Leser nicht das Gefühl von Bedauern und Mitleid, sondern erinnert eher an einen Strolch aus den Schwarz-Weiß-Verfilmungen der "Don Camillo und Peppone"-Reihe, obwohl es gar nicht um Kirche und Politik vordergründig geht. Durch die verschiedenen Zeitebenen bleibt auch die Spannung am Leben dieses Menschen erhalten. Mir hat das Buch sehr gefallen. Es regt zum Nachdenken über den Sinn des Lebens an und lässt einen trotz eines anderen Ortes und mit Sicherheit anderen Schicksals unseres Helden trotzdem Parallelen zum eigenen Leben ziehen, zumindest ging es mir so.

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    • 2
  • Das Leben wartet nicht – man muss immer weiter kämpfen

    Das Leben wartet nicht

    passionelibro

    13. April 2017 um 13:53

    Der Autor Marco Balzano lässt in diesem Buch Ninetto sein Leben quasi Revue passieren. Ninetto emigrierte in den 50er Jahren mit nicht einmal 10 Jahren mit kaum Geld, einen Klappmesser und einem leeren Tagebuch in der Tasche aus dem armen Sizilien nach Mailand gemeinsam mit einem etwas älteren Jungen Giuvá, und weil er gewitzt und klug war, fand er schon bald eine Arbeit als Laufbursche in einer Wäscherei. Sein Schicksal steht für die vielen Kinder, die aus Armut aus dem Süden Italiens in die reichen, aufsteigenden Metropolen des Nordens gingen, um dem Hunger zu entkommen und sich eine Zukunft aufzubauen.Ninetto hat eine dichterische Ader und wäre gerne weiterhin zur Schule gegangen, aber die Realität, sprich das nackte Überleben, zwangen ihn zur Arbeit. In Mailand kommt er bei Giuvá’s Verwandten im „Bienenstock“ unter, trostlose und überfüllte Wohnblocks für Arbeiter aus dem Süden, doch schon bald findet er bei Antonio Unterschlupf, ein junger Mann aus den Abruzzen, den er auf der Zugfahrt nach Mailand kennenlernte. Er fängt auf dem Bau an und lernt bald darauf Maddalena kennen und lieben. Wie so viele in der damaligen Zeit heiraten die beiden früh und sie bekommen eine Tochter. Er schafft es bei Alfa Romeo als Arbeiter angestellt zu werden und kann nun seiner Familie Sicherheit bieten.Er begeht eines Tages einen großen Fehler, weil er eine Situation vollkommen falsch eingeschätzt hatte und muss dafür 10 Jahre in Gefängnis. Als er wieder heraus kommt, hat sich die Welt verändert, er fühlt sich fast verloren und auch mit seiner Familie ist es nicht mehr so wie früher.Marco Balzano schreibt diese Geschichte einfach und geradlinig; der Leser erlebt durch die Augen Ninettos die Geschichte einer ganzen Generation.

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  • Weise, berührend und bedrückend

    Das Leben wartet nicht

    krimielse

    10. April 2017 um 06:14

    Unaufgeregt erzählt der preisgekrönte Roman "Das Leben wartet nicht" von Marco Balzano von der Flucht des Kindes Ninetto aus dem bitterarmen italienischen Süden nach Mailand in den 1950er Jahren und schlägt damit einen überaus aktuellen Bogen zur heutigen Flüchtlingssituation. Die Geschichte selbst könnte eine moderne Oliver-Twist-Variation sein, die sprachlich unglaublich nah am Geschehen geschrieben ist und den Leser dabei fast einbezieht. Ninetto ist neun, als er sich nur in Begleitung eines Familienfreundes aus dem sizilianischen Dorf San Cono in das Dickicht der norditalienischen Stadt Mailand aufmacht, um für seinen Lebensunterhalt sorgen zu können. Die Bilder der Armut seiner lieblosen Kindheit in Sizilien, das Leben in engen Wohnblocks bei seiner Ankunft in Mailand, die ihn an einen Bienenstock erinnern, seine große Liebe zu dem Mädchen Maddalena aus der Backfabrik, die er mit nur 15 Jahren heiratet und die immer die Liebe seines Lebens ist, erzählt Ninè rückblickend. "Das wahre Leben war für mich meine armselige Kindheit, die Emigration nach Mailand und das Überleben in diesen schwierigen Jahren. Mit dem Eintritt in die Fabrik hatte ich zwar ein geregeltes Einkommen, aber ich bin in einen dunklen Tunnel geraten." (Seite 217) Ninè, der in jungen Jahren dem Glück und dem Leben nachjagte, hat das Leben im Prinzip verpasst. Nach seiner Ankunft in Mailand aus der sizilianischen Armut, beschimpft als Hungerleider oder "Napulì" findet er tatsächlich Arbeit, kann dem Bienenstock entkommen und lernt seine Liebste kennen. Doch dann zerrinnt ihm das Glück wieder zwischen den Fingern bei trister Fabrikarbeit bei Alfa Romeo und er landet wegen eines schlimmen Fehlers letztlich für 10 Jahre im Gefängnis. Fünfzig Jahre später blickt er zurück und nach vorn, sieht, dass sich für sein Glück nichts verändert hat und das Leben ohne ihn weiterging und weitergeht. Er lebt immer noch in einer Mietskaserne in Mailand, allerdings inzwischen umgeben von anderen Gesichtern der Flucht. Nur durch seine kleine Enkelin Lisa könnte er etwas Glück finden, doch der Weg für ihn dorthin ist weit und steinig. "...die Nähe zwischen uns war verloren, und das Leben drängte sie weiter." (Seite 243) Völlig unverblümt führt Ninetto als Ich-Erzähler durch die verschiedenen Zeitebenen der Geschichte, die mit seiner Entlassung aus dem Gefängnis beginnt. Er lässt seine Gedanken laufen, wodurch viele Brüche und Sprünge entstehen, die seine Erzählung sehr lebendig und authentisch wirken lassen. Er bezieht den Leser dadurch ein und man fühlt sich von ihm mitgenommen. "Man kann nicht auf jeden Zug aufspringen, einige muss man verpassen, andere fahren lassen und sich damit abfinden." (Seite 142) Auf der Jagd nach dem Leben und auf der Flucht vor der Melancholie und Depression blitzt viel Witz durch die einzelnen Passagen, der nie in Zynismus mündet. Ninè kommt mit den neuen Anforderungen den Lebens nach seinem Gefängnisaufenthalt nicht gut zurecht, er ist ein Aussortierter, der auf der Suche nach Arbeit bereits am Ausfüllen von Computerformularen für den Euro-CV scheitert. Gemeinsam mit ihm lächelt man mit einer Träne im Auge beim Lesen über die Absonderlichkeiten, die die moderne Welt hervorbringt. "Sich zu erinnern ist schöner als zu leben, denke ich..." (Seite 143) Schlimm, dass er sich im Gefängnis geborgener und beschützter fühlte als draußen in der Welt der Suche und des Hastens. Eigentlich hätte Ninetto mit seinem forschen und anpackenden Wesen das Leben bei den Hörnern packen und viel erreichen können, doch die Tristheit der Fabrikarbeit, seine Schwermut und sein Bruch mit der Familie durch seine Eifersucht bremsen ihn und lassen ihn schließlich hinter dem Leben und dem Glück zurück. Er passt nicht mehr ins Schema, hat das Leben satt. Erst als er es schafft, zu vertrauen und um Verzeihung zu bitten statt heimlich zu beobachten und sich zurückzuziehen ergibt sich für ihn ein Glücksmoment, der am Ende des Buches Hoffnung gibt. "Es trennt uns, wenn Dinge passieren, die größer sind als wir, so ist das nun mal." (Seite 257) Marco Balzano ist ein Autor der leisen Töne. Diese über mehrere Generationen erzählte Familiengeschichte berührt, macht traurig und hat gleichzeitig viel Witz und Weisheit in sich. Die Lebensgeschichte von Ninetto ist zugleich ein Teil der Geschichte Italiens des 20. Jahrhunderts mit der in den 1960er Jahren dort üblichen Kinderflucht. Und man stellt sich am Ende die Frage, inwieweit man gegenüber den Lebensumständen machtlos ist oder ob man das Glück des Lebens selbst in die Hand nehmen kann. Völlig zu recht würde der Roman ausgezeichnet mit dem regionalen Literaturpreis "Premio Campiello".

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1785
  • Jeder ist seines Glückes Schmied

    Das Leben wartet nicht

    gst

    05. April 2017 um 17:58

    In diesem Buch lernen wir Ninetto kennen, der vor fünfzig Jahren in großer Armut auf Sizilien aufwuchs. Er flieht schon als Kind aus der Enge seines Heimatdorfes und landet gemeinsam mit einem „Freund“ in Mailand, wo er sich mal mehr, mal weniger gut durchschlägt. Ninetto erzählt in Ich-Form, mal als Kind, mal als erwachsener Mann. Als Leser tauchen wir immer stärker in sein Leben ein. Doch nicht jeder Schritt bleibt nachvollziehbar – so rätselt man lange, warum dieser aufrechte Mensch im Gefängnis landete und total in der Einsamkeit versinkt. Das Buch lässt sich schnell „weglesen“, hallt aber noch länger nach. Ninettos Beweggründe konnte ich durch die Sicht auf das Kind und den erwachsenen Mann gut nachvollziehen, auch wenn mich die Szenenwechsel zu Beginn des Buches irritierten. „Vielleicht sind Erinnerungen die Sachen, die wir nicht vergessen können“, sinniert Ninetto auf Seite 116 und wundert sich gleichzeitig, wie sehr sich die Welt innerhalb von den zehn Jahren, die er im Gefängnis verbrachte, verändert hat. Im Blick auf seine Ehe resümiert er auf Seite 157: „So ist es, wenn man liebt. Die Zeit reicht nie, und das Herz hüpft vor Ungeduld, es lässt die Uhrzeiger schneller gehen und pumpt Freude bis in die kleinen Zehen.“ Der Roman, der an manchen Stellen recht trostlos erscheint, ist doch von feiner Hoffnung durchwebt und auf jeden Fall lesenswert.

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  • Hoffnung & Träume – eine berührende Geschichte

    Das Leben wartet nicht

    AnnaMagareta

    02. April 2017 um 18:57

    In dem Buch „Das Leben wartet nicht“ erzählt  Marco Balzano die Lebensgeschichte von Ninetto.  Als Kind muß Ninetto - um seine Familie zu unterstützen - auf dem Feld mitarbeiten. Nachdem seine Mutter durch einen Schlaganfall stirbt und sein Vater mit der Situation total überfordert ist, machte Ninetto sich allein auf den Weg von Sizilien nach Mailand. Mit nur 10 Jahren bricht er von zu Hause auf in der Hoffnung auf Arbeit und ein besseres Leben. Er scheint sich in seiner Situation gut zurechtzufinden und sie gar nicht mal als so ausweglos anzusehen, wie es im ersten Moment erscheint.  Der erzählende - zum Teil recht nüchterne - Schreibstil von Marco Balzano ist sehr angenehm zu lesen.  Er wechselt dabei zwischen verschiedenen Zeitebenen – Ninettos Kindheit und Ninettos Gegenwart.  Diesen  Wechsel zwischen den Zeitebenen finde ich sehr gelungen. Mich fesselt das, da ich immer wissen möchte, wie es in dem anderen Erzählstrang weitergeht. Der Autor berichtet aus der Ich-Perspektive von Ninetto und so erhält man einen tiefen Einblick in seine Gedanken, seine Seele,  sein Herz und seine gesamte Lebensgeschichte.  Das alles ist sehr berührend und auf eine sachliche Art und Weise ganz unaufgeregt schön erzählt. In dem Buch wird ein aktuelles Thema aufgegriffen, die Flüchtlinge der heutigen Zeit, die ähnliche Träume haben wie damals der kleine Ninetto. In seinem Anhang greift der Autor dieses Thema noch einmal auf und man erfährt, dass sich der Autor ausgiebig mit der Emigration von Kindern beschäftigt hat. Insgesamt fand ich das Buch sehr stimmig. Das Ende war für mich rund, auch wenn ich sehr nachdenklich zurückbleibe.

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  • Italienische Zeitgeschichte von den 60er Jahren bis heute

    Das Leben wartet nicht

    blaustrumpfine

    01. April 2017 um 16:48

    Marco Balzano hat zahlreiche Interviews mit Süditalienern geführt, die in den 50er und 60er Jahren nach Norditalien gegangen sind, teilweise noch als Kinder und ohne ihre Familien, um der wirtschaftlichen Misere des Mezzogiorno zu entgehen. Die Erkenntnisse daraus hat er, selbst ein Kind von Süditalienern im Norden, in diesem Buch verdichtet und zu einem Romangeschehen verarbeitet. Das ist ihm überzeugend gelungen.Ninetto verlässt mit 9 Jahren sein sizilianisches Dorf, nachdem seine Mutter einen Schlaganfall erleidet und sein Vater, ein Tagelöhner, sich mehr und mehr emotional zurückzieht. Schon zuvor, als er täglich von einer Sardine und etwas Brot leben musste und keine Perspektive für sich sah, hatte er diese Pläne geschmiedet. Zusammen mit einem Bekannten fährt er mit der Bahn nach Mailand. Dort schlägt er sich tapfer durch, findet sofort einen Job als Fahrradbote einer Wäscherei und arbeitet später auf dem Bau, bevor er mit 15 endlich in der Fabrik anfangen kann. Er lernt ein Mädchen kennen und fühlt sich mit 15 schon so erwachsen, dass er sie heiratet. Von da an arbeitet er 38 Jahre lang in einer Autofabrik und wird Vater einer Tochter. Er hat mit übermäßiger Eifersucht zu kämpfen und trägt immer ein Messer bei sich, was dazu führt, dass er den Freund seiner Tochter niedersticht und 10 Jahre im Gefängnis verbringen muss. Als er wieder rauskommt, hat er Schwierigkeiten, sich in der Welt ohne feste Strukturen zurechtzufinden, schaut auf sein Leben zurück und kämpft darum, seine Enkelin sehen zu dürfen.Das Buch wird überwiegend in Rückblenden aus Sicht des 57-jährigen Ninetto erzählt, der sich an die verschiedenen Etappen seines früheren Lebens erinnert. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kindheit am Fuße des Ätna, die einzige Zeit, in der er sich richtig lebendig gefühlt hat und an die er wehmütig zurückdenkt. Ein Lehrer hat es vermocht, in ihm eine Liebe zur Poesie zu wecken, die ihn sein Leben lang begleitet. Aber auch die Erfahrungen der Fremdheit im Norden, des eintönigen Fabrikarbeiteralltags und des Versuchs der Wiedereingliederung nach seiner Gefängniszeit werden überzeugend geschildert. Die Zeitebenen springen durcheinander, so dass wir langsam und kaleidoskopartig einen Eindruck von Ninettos Leben gewinnen, als würde er uns persönlich davon erzählen. Die Sprache ist meist schlicht gehalten, mit schönen Betrachtungen des Lebens, allerdings kommen durchaus Referenzen zu Dichtern und Büchern vor, die ihn beeindruckt und geprägt haben. Erst gegen Ende wird klar, was Ninettos Verbrechen war und weshalb er so lange im Gefängnis saß, so dass das die Sicht auf ihn sich noch einmal verändert. - Das Buch stellt einen wichtigen Beitrag zu einem Phänomen - die Kindermigration innerhalb Italiens - dar, das mir vorher völlig unbekannt war und das psychologisch feinfühlig ausgeleuchtet wird.

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