Marco Grob

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Autor von Industrious und Hundert.

Alle Bücher von Marco Grob

Industrious

Industrious

 (1)
Erschienen am 21.03.2012
Hundert

Hundert

 (0)
Erschienen am 17.01.2012

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Rezension zu "Industrious" von Marco Grob

Die Wahrnehmung von Bildern verändert sich mit Informationen über sie
R_Mantheyvor 3 Jahren

Bei allem, was irgendwie mit Kunst zu tun hat, verzichte ich gerne zuerst auf die Aussagen der Künstler oder Kunst-Erklärer. Stattdessen versuche ich selber zu ergründen, was man uns eigentlich sagen möchte.

Die Fotografien in diesem riesigen Buch zeigen Industrieanlagen und die dort arbeitenden Menschen in Porträtaufnahmen in einer sich von Stil her stets wiederholenden Weise. Selten nur schauen uns diese ganz verschiedenen Menschen gewinnend oder wenigstens lächelnd an, sondern eher ernst und manchmal auch etwas stolz. Sie sind eindrucksvoll in Szene gesetzt, meistens nicht unbedingt zu ihrem Vorteil, denn die Autoren dieser Porträts sind ganz offensichtlich nicht bemüht, beschönigend einzugreifen. Das wird sich als Teil einer Botschaft erweisen.

Auch die Anlagen, die von diesen Menschen bedient werden, würde man in diesen Darstellungen nicht unbedingt in Hochglanz-Broschüren erwarten. Beim Titel dieses Werkes hatte ich - wieder ohne die Ankündigung zu lesen - einen Bildband über den industriellen Alltag erwartet. Doch das Buch erzeugt nach dem ersten Durchblättern keinen besonders fröhlichen Eindruck. Unterstützt wird diese eher ernste Stimmung durch die nicht vorhandene Farbe. Alle Bilder sind in Schwarz-weiß gehalten.

Da beide Arten von Fotografien niemals zusammengebracht werden, man also niemanden bei seiner Arbeit sieht, gipfelt ihr Betrachten in der Frage, was wohl der Sinn all dieser Bilder sein soll. Die überraschende Antwort verändert ebenso überraschend die Wahrnehmung all dessen, was man vorher nicht verstand. Man sieht die Bilder in einem anderen Licht, viel positiver und verständnisvoller.

Dieser Bildband ist eine Art Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der weltweit agierenden Firma Holcim Ltd, einem Zementproduzenten mit Stammsitz in der Schweiz. Wenn man die Texte zu Beginn des Buches liest, dann erfährt man auch, dass die Fotografen jede künstlerische Freiheit hatten, nur die Schwarz-Weiß-Technik wurde ihnen vorgeschrieben. Was man zunächst als recht mutig ansieht, hat jedoch eine innere Logik. Die Porträts wirken in dieser Technik besonders ehrlich und eindrucksvoll. Ganz anders die Anlagen. In ähnlicher Weise aufgenommenen, erschienen sie mir gelegentlich bedrohlich, besonders wenn man sie als Fremdkörper in die Natur eingebettet sieht.

Was bleibt also nach der Auflösung des Rätsels für den außenstehenden Betrachter? Zahlreiche gelungene Porträts, bei denen allerdings eine gewisse stilistische Eintönigkeit vorherrscht, über die man sich nicht wundern darf, weil schließlich niemand der Mitarbeiter hervorgehoben werden sollte. Und natürlich die Erkenntnis, dass der Eindruck, die Bilder bei uns bewirken, wesentlich von unseren Informationen abhängt, die wir mit ihnen verbinden.

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