Marco Meng

 4.7 Sterne bei 11 Bewertungen
Autor von Herrliche Tage, Golgotha und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Marco Meng

Herrliche Tage

Herrliche Tage

 (9)
Erschienen am 18.07.2011
Golgotha

Golgotha

 (2)
Erschienen am 18.12.2012
Das Genital ist dem Dummen sein Ding

Das Genital ist dem Dummen sein Ding

 (0)
Erschienen am 20.09.2012
Herrliche Tage: Kurzgeschichten

Herrliche Tage: Kurzgeschichten

 (0)
Erschienen am 28.11.2012

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Rezension zu "Golgotha" von Marco Meng

"Liebe ist eine Geisteskrankheit"
R_Mantheyvor 3 Jahren

Golgotha hieß vor etwas mehr als 2000 Jahren ein kleiner Hügel vor den Toren Jerusalems. Er war eine Hinrichtungsstätte, an der man auch Jesus ans Kreuz nagelte. Warum Marco Meng seinen ersten Roman so nennt, kann man bestenfalls erahnen, denn er spielt in Sankt Petersburg der späten 1990er Jahre.

Zu dieser Zeit war Sankt Petersburg die "Mordhauptstadt" Russlands. Das jedenfalls liest man im Klappentext. Und Morde waren damals wie heute häufig Hinrichtungen von Konkurrenten oder anders auffällig gewordener Störenfriede im System undurchsichtiger mafiöser Strukturen.

Aber darum geht es in diesem Buch auf den ersten Blick nur am Rande. Im Mittelpunkt der Handlung steht der deutsche Journalist Robert. Er arbeitet (warum auch immer) für einen Hungerlohn bei einer unbedeutenden Lokalzeitung in Petersburg und hat sich schwer in die Russin Anna verliebt. Für ihn ist sie die Frau seines noch jungen Lebens. Umgekehrt erscheint er ihr aber nur als eine bedenkenswerte Option, die solange hingehalten wird, bis sich vielleicht etwas Besseres findet um aus Russland zu verschwinden.

Als dieser Fall dann eintritt, gerät Robert völlig aus der Fassung und sinnt auf Rache. An diesem Ort und zu dieser Zeit kann das eigentlich nur Eines bedeuten. Doch letztlich wird Robert völlig anders mit dem Tod konfrontiert als er sich das ursprünglich vorgestellt hatte.

Es fällt mir leider schwer, mir die Wirkung dieser Geschichte auf andere vorzustellen, weil ich Orte und Situationen dieses Romans aus eigenem Erleben kenne und daher nicht weiß, wie Menschen das Buch sehen, die diese Erfahrungen nicht besitzen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass der Autor zwar die grundsätzliche Stimmung im damaligen Petersburg und auch einzelne Figuren wirklich gut trifft, sich aber zu sehr auf das unglückliche und fast kindlich naive Verhältnis seines Helden zu seiner Angebeteten fokussiert und das Ganze dabei etwas in die Länge zieht.

Was dem Buch an einigen Stellen fehlt, sind tiefer gehende atmosphärische Schilderungen und noch detailliertere Beschreibungen, die den Leser auch emotional berühren. Beispielsweise der latenten Gewaltbereitschaft in Russland oder der Folgen der ewigen Trunksucht auf den Zusammenhalt von Familie und Gesellschaft. Man findet dies zwar im Laufe der Handlung gelegentlich aufblitzend, aber das Bühnenbild des Geschehens erschien mir jedenfalls nicht hell genug ausgeleuchtet.

Dass der Autor zu einer solchen Erzählweise in der Lage ist, beweist er unter anderem, wenn er Annas Mutter zu Worte kommen lässt, deren klassischen russischen Typ er geradezu umwerfend realistisch trifft.

Deutsche und Russen haben oft ein merkwürdig verklärtes Verhältnis zueinander. Komischerweise findet man das genau in Roberts Hingabe zu Anna. Doch das ist die einzige Verklärung in diesem Buch, denn neben dieser Geschichte schildert es auch das Auseinanderdriften der russischen Gesellschaft, das sich besonders in dieser Zeit dramatisch beschleunigte.

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Rezension zu "Herrliche Tage" von Marco Meng

" ...das Leben ist ... ein Geschäft, dessen Ertrag bei weitem nicht die Kosten deckt."
R_Mantheyvor 3 Jahren

Im Klappentext dieses Buches ist davon die Rede, dass die Geschichten in ihm "vom nie erlahmenden Versuch, das Dasein zu ergründen" handeln. Der Autor sei "auf der Suche nach dem wirklichen Leben". Beim Dasein wird es nicht viel zu ergründen geben, das sagt schon sein Name. Und gibt es ein wirklicheres Leben als das Leben selbst? Allein schon aus diesen Ankündigungen kann man entnehmen, dass die Texte von einem Menschen stammen, der seinen Platz unter den anderen sucht und nicht finden kann.

Was ich dann nach diesen merkwürdigen Ankündigungen gelesen habe, waren Situationsbeschreibungen, die immer wieder von einem Standpunkt der Nichtzugehörigkeit erzählt werden. Man wird in eine Geschichte geworfen, deren Anfang man nicht kennenlernt, findet sich in den Gedanken und Gefühlen des Erzählers wieder und wird dann nach kurzer Beteiligung am Geschehen wieder vor die Tür gesetzt, ohne das wirkliche Ende zu erfahren.

In nicht wenigen dieser Geschichten kann man die innere Welt und die Wahrnehmungen des Erzählers sehr gut nachempfinden. Vielleicht, weil man Ähnliches schon erlebt und gedacht hat. Dann fühlt man sich mit dem Autor seltsam verbunden und wird die Geschichte in Erinnerung behalten. Aber das muss natürlich nicht jedem so gehen. Andere Texte, meistens die extrem kurzen, sind dagegen entweder gar nicht oder nur schwer verständlich.

Die Erzählungen entstanden wohl in der Regel aus dem eigenen Erleben, haben geholfen, sich mit der Einsamkeit zu arrangieren oder mit dem Gefühl, nicht dazuzugehören oder mit der Abneigung gegen eine solche Zugehörigkeit. Selbst wenn man seine Biografie oder das, was uns in diesem Buch davon verraten wird, nicht kennt, spürt man aus den Texten die Zerrissenheit des Autors.

Als er den kroatischen Unabhängigkeitskampf mit der Waffe in der Hand unterstützen wollte, stellte er fest, dass "die meisten anderen Freiwilligen Geisteskranke oder Schwerkriminelle" waren. Dann schrieb er einige Zeit aus Russland für deutsche Blätter und arbeitete anschließend in Luxemburg für die Investmentbranche. Dabei wiederum bemerkte er, dass "die Welt der Finanzen und geschniegelten Karrieretypen" nicht die seine ist. Er hätte es eigentlich vorhersehen können.

Als freier Autor hat sich Meng nun vom Publikumsgeschmack abhängig gemacht. Den trifft er aber wahrscheinlich nur am Rande. Was nicht etwa bedeutet, dass er nicht schreiben kann. Das ganze Gegenteil ist wahr. Nur sehnt sich das große Publikum nach Unterhaltung und Botschaften. So etwas findet es aber zumindest in den Momentaufnahmen dieses Bandes nicht.

In einer Geschichte gehen im Kopf des Erzählers folgende Sätze spazieren: "Wir bilden uns ein Netz von Gedanken, ein Netz von Irrtümern, ein Netz, mit dem wir die Welt fangen wollen und doch in Wirklichkeit die Welt mit ihren Gedanken und Irrtümern uns fängt ... Und was fangen wir in unserem eigenen, sorgsam gepflegten, stets reparierten Netz? Wir fangen darin nur das, was sich eben mit diesem Netz fangen läßt".

Vielleicht kann der Autor eines Tages mehr mit seinem Netz fangen als nur Momentaufnahmen. Vielleicht steht er mit seiner Weltsicht weniger einsam da, als er selbst denkt. Das wird er aber nur durch einen größeren literarischen Versuch herausfinden können. Es könnte doch sein, dass sein Netz größer ist als vermutet.

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D

Rezension zu "Herrliche Tage" von Marco Meng

Rezension zu "Herrliche Tage" von Marco Meng
DerkleinePrinzvor 7 Jahren

Wurde durch Zufall, genauer gesagt, durch den SWR2 auf das Buch aufmerksam, von dessen Autor ich bis dahin nie etwas gehört hatte. Gleich zu Beginn muß ich eines kritisieren – das Buch und jede einzelne Geschichte sind mir „zu kurz“. Ich hätte sehr gerne mehr davon gelesen! An 2 Tagen hatte ich die 32 Geschichten gelesen (und werde sie mir in einigen Monate, vielleicht bei meinem nächsten Urlaub, wieder vornehmen). Genial ist, wie der Autor stimmige Geschichte erzählt und dabei mit der Sprache spielt, ohne zu experimentieren. So gelingt es ihm, mit einfachen Worten stimmungsvolle Szenen zu entwerfen, während er neben diesen zarten Tönen aber auch Derbes anzubringen weiß, das einen unweigerlich zum Lachen bringt. Ein kluges, sehr unterhaltsames Buch. Hoffe, der Autor wird weitere Geschichten nachfolgen lassen.

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