Marcus Imbsweiler 55

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Inhaltsangabe zu „55“ von Marcus Imbsweiler

Kurt ist gestorben: das Herz. Und was macht Fred, sein ewiger Widersacher? Stöbert in Fotoalben aus den Fünfzigern. Was verband die beiden Alten?
Freds Enkel Joris weiß nur von politischer Gegnerschaft. Aber Joris fremdelt mit seiner saarländischen Heimat, er war lange fort und hadert – doch er ist nicht der Einzige. Mitten im Dorf sollen Asylbewerber unterkommen. Widerstand formiert sich, zu den Initiatoren gehörte der verstorbene Kurt.
Plötzlich werden Zweifel an seinem natürlichen Tod laut. Die Polizei ermittelt auch gegen Joris, weshalb der selbst mit Recherchen beginnt. Und die ziehen ihn unaufhaltsam in die Vergangenheit – sowohl des Saarlandes, als auch in die seiner eigenen Familie. Es gilt Licht ins Dunkel des Jahres 1955 zu bringen, als jugendliche Liebe und Eifersucht in einer Nacht enden, die alles verändert.

Intelligenter Krimi, der deutsche Geschichte und Familiengeschichte verbindet, ehe er zu einer sehr überraschenden Wendung führt

— Lienz

Ungewöhnlicher Regionalkrimi mit interessanten Einblicken in die Historie des Saarlands.

— Gulan

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    55

    Lienz

    Inhalt:Kurt ist gestorben: das Herz. Fred, sein ewiger Widersacher, stöbert in Fotoalben aus den Fünfzigern. Was verband die beiden Alten? Freds Enkel Joris weiß nur von politischer Gegnerschaft. Aber Joris fremdelt ohnehin mit seiner saarländischen Heimat, er war lange fort und hadert – doch er ist nicht der Einzige. Mitten im Dorf sollen Asylbewerber unterkommen. Widerstand formiert sich, zu den Initiatoren gehörte der verstorbene Kurt. Plötzlich werden Zweifel an seinem natürlichen Tod laut. Die Polizei ermittelt auch gegen Joris, weshalb der selbst mit Recherchen beginnt. Und die ziehen ihn unaufhaltsam in die Vergangenheit – sowohl des Saarlandes als auch in die seiner eigenen Familie. Es gilt Licht ins Dunkeln des Jahres 1955 zu bringen, als jugendliche Liebe und Eifersucht in einer Nacht enden, die alles verändert. (Klappentext)Ein sehr besonderer Krimi, kein Mainstream. Ein Muss für jeden, der gerne tiefgründig liest.Obwohl keine Jahreszahlen den einzelnen Kapiteln vorstehen, verliert der Leser den Überblick nie. Denn die historischen Teile beginnen mit allgemein Bekanntem aus dem Jahr 1955 und führen den Leser.Autor:Marcus Imbsweiler arbeitet als freier Musikredakteur. Zuvor hatte er in Tübingen, München und Heidelberg Philosophie, Geschichte, Musikwissenschaft und Germanistik studiert. Der gebürtige Saarländer lebt heute in Heidelberg. Der Vater von fünf Töchtern ist außerdem als Langstrecken- und Marathonläufer erfolgreich. (auszugsweise, Verlag)Leseeindruck:Joris, Anfang 20, kehrt nach dem Tod der Mutter in deren Heimat zurück. Er wird hier studieren – vielleicht. Erst einmal kommt er beim Opa unter. Es herrscht keineswegs Harmonie zwischen den Männern – dem jungen und dem alten. Joris – der einzig Dicke der Familie. Ein massiger Körper, überrollt von der Hitzewelle. Der Opa wiederum hat als junger Mann der Saarabstimmung 1955 aktiv miterlebt. Still saß er in einem Sessel, in ein Buch vertieft. Nicht eine Haarspitze seines schlohweißen Schnauzers bewegte sich. Joris‘ Schulkamerad David und er begegnen sich, als David mit dem Massey Ferguson auf dem Weg zur Hütte des Landrats ist – um diese platt zu walzen. Ohne Konsequenz. Joris‘ Fahrrad wird in der Nähe der Wohnung des verstorbenen Kurt gesehen. Obwohl Joris zur entsprechenden Zeit gar nicht da war. Opa und Enkel umkreisen einander wie Kater. Etwas verbindet sie und wirft dennoch einen Graben zwischen ihnen auf. Je tiefer Joris gräbt, desto mehr „Unter-den-Teppich-Gekehrtes“ kommt ihm entgegen, Fragen über Fragen. Die der Opa nie direkt beantworten will. Kurts Witwe, die stille, duldsame Helga, ist eine tiefgründige alte Frau, von der Joris weit mehr erfährt, als er wissen will. Und eine Antwort erhält, die alles auf den Kopf stellt.Der aktuelle Handlungsstrang und der des Jahres 1955 gehören zusammen wie Licht und Schatten. Die Vergangenheit ist immer mit dem Jetzt verbunden, bis sie auch auf Joris‘ Schultern ihre Last ablädt. Am Ende liegt die bittere Wahrheit entblößt auf der Hand, und der Schmerz des Geschehenen und nie Geschehenen überspannt drei Generationen.Aus mehreren Perspektiven, jedoch vornehmlich der von Joris und der seines Opas, eröffnet sich dem Leser, was geschah. Und warum.Fazit:Ein intelligenter Krimi, der Geschichtliches mit Zwischenmenschlichem und dem bodenlosen Fass „Familiengeschichte“ zu einem spannenden Gesamten verbindet.Ganz besonders haben mir die Charaktere gefallen: Joris, der junge Mann, der unentschlossen ist und auf besondere Weise eine Frau liebt. Opa Fred, der sein Leben falsch gelebt hat. Und Helga, die tut, was getan werden muss.Ganz persönliche Bemerkung:Für mich ist das Buch ein Kleinod, wo ich beim Lesen bereits überlegt habe, welchen meiner Freunde ich ein Exemplar dieses Krimis schenken werde.

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    • 5
  • Saarländisches Schicksalsjahr.

    55

    Gulan

    Beim Abendessen legte ihm Fred einen kleinen schwarzen Zettel neben den Teller. „Hab doch noch einen gefunden“, brummte er. Joris nahm das Papier in die Hand. Der Dicke muss weg!, las er. Darüber prangte der rundliche Strichmännchenkopf mit Brille und Schnurrbart. […] „Und das habt ihr verteilt 1955?“ „Überall.“ „Wobei es gar nicht um Hoffmann ging. Sondern um die Autonomiefrage.“ „Naja.“ Fred biss herzhaft zu. „In der Theorie vielleicht. Praktisch gesehen, hatten wir zehn Jahre Joho hinter uns. Zehn Jahre Abtrennung von Deutschland, Unterdrückung der Opposition, politischer Stillstand – natürlich ging es da auch um den Dicken. 55 hat er sogar allein regiert. Kein Koalitionspartner mehr. So was geht immer in die Hose.“ (S.165-166) Im saarländischen Dürrweiler wird der Rentner Kurt Bosslet tot am Ende der Kellertreppe aufgefunden. Todesursache: Vermeintlich ein Herzinfarkt, aber so ganz sicher ist sich die Polizei nicht. Zeugen wollen das Fahrrad des jungen Joris am Haus des Toten gesehen haben. Dieser wohnt erst seit kurzem bei seinem Großvater Fred, der ein alter Rivale des Toten war. Joris begibt sich auf Spurensuche, um seine Unschuld zu beweisen, und gräbt tief in der Vergangenheit bis hin zum Schicksalsjahr des Saarlands: 1955. Der Autor Markus Imbsweiler ist gebürtiger Saarländer und lebt inzwischen in Heidelberg. Er bedient als Autor durchaus unterschiedliche Genres. Während im Gmeiner Verlag eine Reihe von Heidelberg-Krimis von ihm erschienen ist, gibt es im Conte Verlag von Imbsweiler mehrere humoristische Gesellschaftsromane. Auch „55“ ist im kleinen St. Ingberter Conte Verlag erschienen. Der Verlag bietet in seinem Programm natürlich viel (aber nicht nur) Regionales (aufgrund der geografischen Lage auch Grenzüberschreitendes) unterschiedlicher Genres. Im Krimi-Programm gab es für mich noch eine Überraschung: Sechs Romane des „Série noire“-Autors Jean Amila. Zentrale Elemente des Romans sind die Themen Heimat, Zugehörigkeit und Identität. Joris kehrt nach dem Freitod seiner Mutter wieder ins Saarland zurück. Auf der Suche nach seinen Wurzeln, ohne echten Plan und Idee für die Zukunft. In Dürrweiler kommt er mitten in eine politische Diskussion über die Unterbringung von Flüchtlingen im traditionsreichen lokalen Gasthof. Joris wohnt bei seinem Großvater Fred. Fred und der Tote, Kurt, waren zuletzt Rivalen, allerdings in der Jugend trotz unterschiedlicher politischer Wurzeln Freunde und Aktivisten im Abstimmungskampf gegen das Saarstatut 1955. Die Rückblicke auf dieses Jahr zählen zu den interessantesten Abschnitten dieses Krimis. Damals gehörte das Saarland noch nicht zur jungen Bundesrepublik. Das autonome Saarland war durch eine Wirtschafts- und Währungsunion mit Frankreich verbunden, in der Bundesrepublik wollten aber viele die Wiedereingliederung. Der unklare Status blieb ein wunder Punkt im sich entspannenden deutsch-französischen Verhältnis. Als Kompromisslösung wurde das Europäische Saarstatut entworfen. Dieses sah weiterhin eine Autonomie des Saarlandes, aber zugleich eine Europäisierung vor. Es gab sogar schon Pläne, die Behörden der sich bildenden Europäischen Gemeinschaft in Saarbrücken anzusiedeln. Großer Befürworter dieser Pläne war der damalige saarländische Ministerpräsident Johannes Hoffmann. Am 23.10.1955 sollten die Saarländer über das Statut abstimmen. In den Monaten zuvor kam es zu einem erbitterten und auch gewalttätigen Abstimmungskampf. Die Gegner des Saarstatuts wollten die Wiedervereinigung mit der Bundesrepublik, warfen den Befürwortern Landesverrat vor und feindeten den Exilanten Hoffmann auch persönlich stark an. Imbsweiler stellt in seinem Krimi heraus, dass sich damals unheilvolle Allianzen bei den Statutgegnern bildeten: Es wurden Parolen wiederholt und auch Personen wirkte an entscheidender Stelle mit, die schon 1935 beim ersten Saarstatut das Saarland „heim ins Reich“ geholt hatten. Bei der Abstimmung votierten damals zwei Drittel gegen das Statut, am 01.01.1957 wurde das Saarland Teil der Bundesrepublik Deutschland. Der Roman hat einige starke Momente, beispielsweise als ein Syrer seinen Mannschaftskameraden auf simple und äußerst effektive Weise seine Erlebnisse in syrischen Gefängnissen demonstriert oder als Joris in provokanter Maskerade das Fest der Bürgerinitiative stört und die angebliche Sorge der Bürger um eine angemessene Unterbringung der Flüchtlinge entlarvt. Negativ muss ich allerdings anmerken, dass es streckenweise aber auch sehr langatmig zugeht. Außerdem packt der Autor für meinen Geschmack zu viel gewollt wirkende Symbolik (James Dean, die Zahl „55“) mit rein. Ein ungewöhnlicher Regionalkrimi, der mich beim eigentlichen Kriminalfall nicht so ganz mitreißen konnte, aber mit interessanten Einblicken in die saarländische Historie punktet.

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