Marcus S. Kleiner

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Lebenslauf von Marcus S. Kleiner

Marcus S. Kleiner, geb. 1973, ist Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der SRH Berlin University of Applied Sciences und dort Vizepräsident für Kreativität und Interaktion. Freiberuflich arbeitet er als Medienberater, Projekt- und Eventmanager, Veranstalter, Moderator, Texter und Hörspielautor für Print, Radio und Fernsehen. Seit September 2015 ist er für den SWR als Radio-Medienexperte tätig. 

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Deutschland 151 (ISBN: 9783958894037)

Deutschland 151

Erscheint am 08.11.2021 als Hardcover bei CONBOOK.

Alle Bücher von Marcus S. Kleiner

Cover des Buches Streamland (ISBN: 9783426278314)

Streamland

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Erschienen am 01.10.2020
Cover des Buches Radio Derrida (ISBN: 9783932710445)

Radio Derrida

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Erschienen am 01.01.2003
Cover des Buches Deutschland 151 (ISBN: 9783958894037)

Deutschland 151

 (0)
Erscheint am 08.11.2021

Neue Rezensionen zu Marcus S. Kleiner

Cover des Buches Streamland (ISBN: 9783426278314)Dr_Ms avatar

Rezension zu "Streamland" von Marcus S. Kleiner

Liebe Bürger*innen: Meiden Sie die Streaming-Dienste!
Dr_Mvor 3 Monaten

Manchmal verraten Buchtitel schon viel vom Inhalt des Werkes. Hier zum Beispiel heißt es, dass "unsere" Demokratie in Gefahr ist. Unsere, nicht "die" Demokratie. Mich erinnert diese Vereinnahmung an "unseren" Staat, wie das Regime der DDR gerne genannt werden wollte. Der Autor trägt viel linke Ideologie mit sich herum. In seiner Hochschule trifft er auf deren Resultate, wundert sich und erkennt die Zusammenhänge nicht. Stattdessen zeigt er auf andere.

Nachdem schon Ende des vergangenen Jahrhunderts damit angefangen wurde, dass Studenten ihre Professoren "evaluieren" durften, muss man sich über fehlenden Respekt nicht mehr wundern. Im Falle des Autors beschweren sich Studenten rotzfrech über seine Lehrinhalte, die ihnen angeblich zu theoretisch wären. Sie möchten nur praktisch Verwertbares lernen, möglichst in leicht verdaulichen Häppchen fein präsentiert, denn die Aufmerksamkeitsspanne der Studenten (oder Student*innen, wie der Autor sie vereinfachend nennt) ist eher gering. Man hat ja so viel anderes um sich herum.

So jedenfalls beginnt dieses völlig überfrachtete und intellektuell dünne Buch. Mal abgesehen davon, dass nach meiner Erfahrung Studenten, die solche Forderungen stellen, den Unterschied zwischen Wissenschaft und Handwerk nicht verstanden haben, und auch nicht begreifen, was ein Studium eigentlich ist, demonstrieren sie mit ihren "Forderungen" eher ungewollt in erster Linie ihre persönliche Überforderung. Heute kann man scheinbar jedes Wissen aus dem Internet "recherchieren". Wenn man dumm genug ist, kommt man dann zur Einsicht, dass Professoren eigentlich überflüssig sind und alles offenbar ganz einfach ist, besonders wenn man "Geisteswissenschaften" studiert. Was das mit dem Thema des Buches zu tun hat? Eigentlich nichts, aber so beginnt das Buch. Die Klammer zum Thema ist die ständige Verfügbarkeit von scheinbarem Wissen, was wiederum zum Thema der ständig verfügbaren Unterhaltung führt, also zu Netflix und Amazon.

Das lenke von politischer Bildung ab, so der Autor, und wäre Selbstentmündigung. Und schon ist seine Demokratie ganz schrecklich in Gefahr. Natürlich formuliert er seine Argumentationskette ein wenig intellektueller, doch ihr eigentlicher Kern lässt sich so primitiv beschreiben. Darüber hinaus beschwert er sich darüber, dass die als Bösewichte ausgemachten Anbieter von Unterhaltung ihre Kunden auch noch mit personalisierten Angeboten locken und für immer an sich binden wollen. Damit sitzen diese Menschen nur noch bei diesen Anbietern vor der Glotze und befassen sich nicht mehr mit den Politikangeboten der sogenannten öffentlich-rechtlichen Anstalten. Nach Ansicht des Autors kommen diese Medien ihrem staatsbürgerlichen Auftrag nach, neutral über Politik zu berichten und den Zuschauer zum mündigen Staatsbürger zu bilden.

Irgendwie scheint da etwas an Professor Kleiner vorbeigerauscht zu sein. Beispielsweise das Framing-Handbuch der ARD. Oder die Berichterstattung von 2015 über die sogenannte Flüchtlingskrise, bei der stets Frauen und Kinder gezeigt wurden, obwohl die Wirklichkeit ganz anders aussah. Man muss eigentlich gar keine Beispiele dafür bringen, dass die Prämisse des Autors über die angeblich neutrale und kritische Berichterstattung falsch ist. Es reicht aus, darauf zu verweisen, dass maßgebliche Redakteure des WDR ganz offen und laut einen "Haltungsjournalismus" fordern und praktizieren, der in diametralem Widerspruch zum Auftrag dieses Senders steht.

Wenn also der Anfang der Argumentationskette bereits falsch ist, sollte man nicht erwarten, dass es danach besser wird. Und so ist es dann auch. Man kann das Weltbild des Autors ganz einfach beschreiben. Wenn Menschen mit politischen Programmen im Fernsehen auf Linie gebracht werden können, ist seine Demokratie nicht in Gefahr. Wenn aber Streaming-Dienste dem mit personalisierter Unterhaltung im Wege stehen, dann droht Gefahr durch Selbstentmündigung des angeblich mündigen Bürgers.

Das, was Kleiner Selbstentmündigung nennt, gehört zur Freiheit des mündigen Bürgers, auch wenn das dem Professor nicht gefällt. Irgendwie erinnert mich Kleiner mit seinem Buch an den Kampf der SED gegen das Westfernsehen. Linke Zeitgenossen können es nicht ausstehen, wenn jemand einfach macht, was er will. Ihre Mission sehen sie darin, andere von ihrem Weg, den sie für den einzig richtigen halten, zu überzeugen. Sie schlagen ständig Alarm, wenn es nicht so läuft wie sie wollen, und verkünden die Gefahr, dass irgendetwas untergeht. In Kleiners Fall ist es seine Demokratie. Was will er machen – die Streaming-Dienste verbieten? Sie verpflichten, nur noch Filme und Serien zu zeigen, die im Dienste seiner Demokratie stehen. Etwa so wie die meisten Tatorte in der ARD, wo überwiegend Reiche und Unternehmer die Bösewichte sind?

Kleiner schreibt zu den Streaming-Diensten: "Die klassischen Bildungswerte wie zum Beispiel Selbstbestimmung, Urteilskraft, Entscheidungssouveränität und Freiheit haben dabei nichts mehr zu suchen. Diese Säulen eines freien und selbstbestimmten Lebens wurden uns gegen Bequemlichkeit, Bedürfnisbefriedigung und Komfort eingetauscht. Streaming ist aus dieser Hinsicht der Eingang in die selbstverschuldete Unmündigkeit."

Solche Sätze offenbaren das "Freiheitsverständnis" von Kleiner. Persönliche Freiheit besteht nicht etwa darin im Rahmen geltender Gesetze machen zu können, was man will. Vielmehr sollte man, nachdem man sich der täglichen politischen Bildung gewidmet hat, der sozialistischen Unterhaltungskunst zuwenden, in der die richtigen Werte vermittelt werden. Darüber hinaus offenbart das Zitat auch die traditionelle linke Überheblichkeit, die von oben auf Menschen schaut und ihnen freie und vernünftige Entscheidungen nicht zutraut. Die Massen brauchen eben die führende Hand der linken Elite, die ihnen sagt, was sie sich gefälligst anzusehen haben.

So offen schreibt Kleiner das natürlich nicht. Vielmehr warnt er vor der Digitalisierung, die zur Ausspähung des Kunden führt. Allerdings muss der so Ausgespähte die Angebote der Dienste nicht annehmen. Er muss auch nicht alles kaufen, was ihm von digitalen Kaufhäusern angeboten wird. Genau darin besteht seine Freiheit, die ihm Kleiner nicht zutraut.

Sicher hat Kleiner mit einigen seiner Warnungen auch recht. Doch die Frage stellt sich ganz einfach: Wer wie Kleiner für Freiheit wirbt, sollte sie den Menschen auch geben, selbst wenn das Ergebnis ihm nicht passt. Die Alternative wäre nämlich eine Diktatur, in der Leute wie Kleiner dann sagen, wo es lang geht. Dazwischen gibt es nichts.

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Cover des Buches Streamland (ISBN: 9783426278314)Wedmas avatar

Rezension zu "Streamland" von Marcus S. Kleiner

Unbedingt lesen!
Wedmavor einem Jahr

„Streamland“ würde ich jedem in die Hand drücken: Lese das! Unbedingt.


Dieses Buch beleuchtet mannigfaltige Facetten und liefert sachliche Einblicke, die bezüglich der zukünftigen Entwicklungen eine große Rolle spielen werden.


Für viele dürfte das Buch zum Augenöffner werden. Vorausgesetzt, man liest es aufmerksam und denkt über das Gelesene ausführlich nach. Der Inhalt soll u.a. dazu verführen, selbstkritisch auf den eigenen Konsum der Streamingdienste zu schauen und das eigene Verhalten zu hinterfragen.


Dieses Buch ist überfällig, da es starkes Potenzial hat, endlich die erforderliche, breitflächige Diskussion in der Gesellschaft zu diesem Thema anzustoßen. Weder im politischen noch im medialen Raum ist diese aktuell im zufriedenstellenden Maße vorhanden.


So viele wertvolle Gedankenanstöße, kritische Analysen, Einblicke in das Streaming-Junkie-Dasein und andere lesenswerte Ausführungen, die das Buch liefert, sollten konstruktiv ausdiskutiert werden, ob im Bekannten-, Freundeskreis oder unter den Kollegen, in der Familie usw.


Der Autor konsumiert die Inhalte der Streamingdienste selbst. Er weiß, wovon er schreibt. Er ist aber auch sehr wohl imstande, sich kritisch mit diesem Phänomen auseinanderzusetzen und darzulegen, warum diese Dienste da sind, wer davon profitiert und was diese mit den Nutzern machen. So viel sei verraten: Frei nach Neil Postman (Wir amüsieren uns zu Tode), der mal übers Fernsehen gesagt haben soll, sinngemäß: „Das ist nicht für Idioten geschaffen, das macht welche.“


So manche Ausführung ähnelt einer Provokation. Diese ist aber längst bitter nötig, wenn man sich den hohen Stellenwert der Zugehörigkeit zu dem Kreis der „Eingeweihten“, i.e. der Streamingdienstnutzer, vor Augen führt, den dieser mittlerweile bei bestimmten Zielgruppen genießt. Diese nach allen Regeln der Kunst gebastelte Verblendung der Nutzer, wie sie zustande kommt usw., kann man am besten mithilfe der etwas weniger konventionellen Methoden darstellen.


Den Nutzern sollte endlich klar werden, was regelmäßiger, oft ausufernder Konsum der Streamingdienste mit ihnen macht und warum. Wie die Anbieter dies schaffen, wurde hier sehr klar und für jeden verständlich dargelegt.


Ein gutes Buch ist gut auf jeder Seite. Hier stimmt es absolut. Es hat stark angefangen und ließ im weiteren Verlauf kaum nach.


Die Buchgestaltung passt zum hochwertigen Inhalt: Festeinband in Anthrazit, prima passend zum Umschlagblatt. Angenehme Schriftgröße, was nicht nur das Lesen erleichtert, sondern auch von Respekt ggü. den Lesern durchblicken lässt. Die Anmerkungen sind ebenfalls liebevoll gestaltet. Dort findet man noch viele Kommentare des Autors, die die Ausführungen des Haupttextes ergänzen. Literatur führt die verwendeten Quellen und gibt Tipps, was man noch Gutes zu diesem Thema lesen könnte.


Ich danke Markus S. Kleiner für sein Engagement und wünsche diesem Buch eine möglichst breite Leserschaft.


P. S. Gute Stellen markiere ich mit Klebezetteln. Auf dem Foto sieht man, dass es in diesem Buch sehr viele gute Stellen gibt, die ich schnell zugriffbereit parat haben möchte. Zudem: Nicht jedes Buch, das ich lese, wird so hochdekoriert, im direkten und übertragenen Sinne, nur diejenigen Werke, die die nötige Substanz dazu liefern. Dieses tut es auf jeden Fall.


 

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