Marek Toman

 4,5 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf von Marek Toman

Marek Toman, Marek Toman, geboren 1967, studierte Philosophie, arbeitete beim Tschechischen Radio und als Diplomat in Estland und Ungarn. Als Romancier, Dichter und Übersetzer widmet er sich leidenschaftlich der jüdischen Kultur – der Kultur seines Vaters, den er früh im Leben verlor. Das gemeinsame Thema seiner Bücher sind die Beziehungen zwischen den Generationen.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Marek Toman

Cover des Buches Lob des Opportunismus (ISBN: 9783990294505)

Lob des Opportunismus

 (1)
Erschienen am 31.01.2021
Cover des Buches Der Prager Golem (ISBN: 9783903290143)

Der Prager Golem

 (0)
Erschienen am 05.11.2019
Cover des Buches Die Konditorei zum Schielenden Jim (ISBN: 9783854359456)

Die Konditorei zum Schielenden Jim

 (0)
Erschienen am 01.10.2020

Neue Rezensionen zu Marek Toman

Cover des Buches Lob des Opportunismus (ISBN: 9783990294505)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Lob des Opportunismus" von Marek Toman

Ein Palast erzählt ...
Bellis-Perennisvor 2 Jahren

Der tschechische Autor Marek Toman, von dem ich schon „Die große Neuigkeit vom schrecklichen Mord an Šimon Abeles“ gelesen habe, hat wieder einen Roman, diesmal mit einem ungewöhnlichen Erzähler, verfasst. 


Als Erzähler fungiert diesmal ein Palast, der ein wenig eingebildet und hochnäsig wirkt. Es handelt sich um das Stadtpalais Čzernín, das die gleichnamige Familie am Rande des Hradschins am Loretoplatz errichten hat lassen. 


In elegischen Worten schwärmt der Erzähler von seinen Anfängen, vom Jahr 1669 und Graf Humprecht Johann Czernin von Chudenitz, der den italienischen Baumeister Caratti mit dem Bau beauftragt hat. Der Erzähler schwelgt in Erinnerungen an Fechtübungen und verschweigt auch nicht, dass der Palast bald ein einsames Dasein führt, denn die Familie hält sich lieber am Kaiserhof in Wien auf. So beleibt der Palast häufig unbewohnt, wird mehrmals durch Kriege beschädigt und geplündert. Dann später dient er als Kaserne und wird seiner barocken Struktur beraubt und in einen Profanbau verwandelt, der sogar als Waisenhaus herhalten muss. Diesen Niedergang berichtet der Erzähler mit wehmütigem Seufzen. 


Dann, nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 kommt so etwas wie Aufbruchstimmung. Unter Präsident Tomas Masaryk wird der Palast zum Außenministerium, um nach der Annexion durch das NS-Regime dem Reichsstatthalter Reinhard Heydrich als Residenz zu dienen.  


Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird es Zeuge des „Dritten Prager Fenstersturzes“ am 10. März 1948, bei dem der damalige Außenminister Jan Masaryk unter bis heute nicht restlos geklärten Umständen aus dem Fenster fiel. Über die Ereignisse jener Nacht macht sich der Palast so seine eigenen Gedanken. 


Heute ist das Palais Čzernín Sitz des Außenministeriums der Tschechischen Republik. 


Diese wechselvolle Geschichte des Palastes erfährt der geneigte Leser in wohl


gesetzten Worten. Nicht alle Geheimnisse des Gebäudes werden gelüftet und nicht alle geschichtlichen Ereignisse werden mit der gebotenen Neutralität betrachtet. Doch das darf sein, denn der Erzähler ist ein Überbleibsel aus längst vergangenen, manchmal glorreichen, Tagen. 


Sehr interessant ist auch der Flirt mit der Loreto-Kapelle, die dem Palast gegenüber steht, aber seine Zuneigung nicht erwidert.  


Fazit: 


Ein Roman auf den man sich als Leser einlassen muss. Mir hat er gefallen, daher Sterne.


 

Kommentare: 2
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Cover des Buches Die große Neuigkeit vom schrecklichen Mord an Šimon Abeles (ISBN: 9783990293249)
Bellis-Perenniss avatar

Rezension zu "Die große Neuigkeit vom schrecklichen Mord an Šimon Abeles" von Marek Toman

Ein anspruchsvoller Krimi aus Prag
Bellis-Perennisvor 4 Jahren

Dieser Krimi spielt in zwei Zeitebenen. Die eine ist untrennbar mit der tragischen Geschichte des 12-jährigen Šimon Abeles, der im Prag des 17. Jahrhunderts lebt, verbunden. Der jüdische Junge fühlt sich zum Christentum hingezogen und will bei den Jesuiten konvertieren. Seine Eltern holen ihn wieder nach Hause. Wenig später ist er tot und nach jüdischem Ritus schnell beerdigt. Dann wird das Gerücht gestreut, dass das Kind von seinem Vater ermordet worden sein soll. Damit beginnt eine beispiellose Justizaktion, bei der auch die Medien , damals in Form von Flugblättern, eine unrühmliche Rolle spielen. Der Vater wird verhaftet, der „peinlichen Befragung“ (=Folter) unterworfen, leugnet die Tat und wird selbst mit gefesselten Händen tot aufgefunden. Für die Richter ist es ein Selbstmord und damit ein Schuldeingeständnis. 

Im zweiten Erzählstrang in der Gegenwart verschwindet Šimon, der 15-jährige Sohn des Anthropologen Ladislav. Ladislav beschäftigt sich intensiv in der Theynkirche mit den Überresten des Šimon Abeles und hat für seinen eigenen Sohn wenig Zeit. Ist das Verschwinden des Jungen damit in Zusammenhang zu sehen? Oder hat das geheimnisvolle Computerspiel, dem Šimon verfallen zu sein scheint, etwas mit seinem Verschwinden zu tun? 

Meine Meinung: 

Dem Autor ist hier eine spannende Mixtur von Fakten und Fiktion gelungen. Ist der historische Šimon wirklich von seinen Eltern getötet worden, weil sie eine Konversion nicht dulden wollten? Oder stimmt die Variante des plötzlichen epileptischen Anfalls als natürliche Todesursache? Es scheint als käme es den Jesuiten ganz Recht, den Druck auf die jüdische Gemeinde von Prag erhöhen zu können. Jedes noch so fadenscheinige Gerücht, löst eine Welle von antisemitischen Aktionen aus. Der ungeklärte Todesfall des Jungen, lässt die Jesuiten einen Mord aufgrund des neuen Glaubens konstruieren. Ein neuer Märtyrer wird geschaffen. 

Mit großer Beklemmung sind die Stimmung und die Rahmenbedingungen im historischen Prag zu lesen. Neben den religiösen Zwisten zwischen Katholiken und Protestanten werden die Juden aufgerieben, denn sie stehen ja außerhalb der Christenheit. Sehr spannend ist die Rolle des Buchdrucks und der Flugblätter in die düstere Handlung eingeflochten. Man könnte hier Parallelen zur Gegenwart ziehen. Heute sind es nicht die einfachen Flugzettel, sondern die sozialen Medien, die Stimmungsmachend die Menschen verunsichern. 

Mir wären zwei getrennte Krimis fast lieber gewesen, sind doch beide Geschichten, einzeln und für sich, fesselnd und erzählenswert. Der historische Teil ist für mich der bessere Teil. Der Handlungsstrang, der in der Gegenwart spielt, hat mich nicht so packen können. Er fällt irgendwie ab. Ich habe den Eindruck, dass der verschwundene Sohn hier nicht jene Hauptrolle spielt, die ihm zugedacht werden hätte können. 

Der Schreibstil ist wenig reißerisch, eher ein wenig zurückhaltend. Möglicherweise ist das aber der Übersetzung zu zuschreiben. Die historische Erzählung wird immer wieder durch die aktuellen Ereignisse unterbrochen, sodass mit einiger Konzentration gelesen werden muss. 

Der Wieser-Verlag aus Klagenfurt ist für seine ungewöhnlichen Krimis bekannt und hat auch diesmal nicht enttäuscht. 

Fazit: 

Ein interessanter Krimi, der historisches und aktuelles verquickt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

 


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