Marek Toman

 4 Sterne bei 1 Bewertungen

Lebenslauf von Marek Toman

Marek Toman: Geboren 1967, ist Dichter, Prosaautor und Publizist. Er studierte an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität, arbeitete 1992–1997 beim Tschechischen Rundfunk und seit 1997 ist er Angestellter des Außenministeriums der Tschechischen Republik. Nach mehreren Gedichtbänden erschienen eine Vielzahl zum Teil preisgekrönter Kinderbücher und mehrere Romane für Erwachsene mit unterschiedlichster historischer Thematik, die aber immer in die Gegenwart hinüberreicht. Seine Geschichten sind häufig aus ungewöhnlichen Perspektiven erzählt, Perspektiven, die einen anderen Blick auf überkommene Vorstellungen zu Geschichte und Gegenwart erlauben. Tomans Bücher wurden in mehrere europäische Sprachen übersetzt. Auf Deutsch erschienen 2019 “Die große Neuigkeit vom schrecklichen Mord an Šimon Abeles” (Veliká novina o hrozném mordu Šimona Abelese) bei Wieser und das Kinderbuch “Der Prager Golem” bei bahoe books (Můj Golem) und 2020 das Kinderbuch “Die Konditorei Zum Schielenden Jim” im Drava Verlag (Cukrárna u Šilhavého Jima).

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Lob des Opportunismus

Erscheint am 31.01.2021 als Hardcover bei Wieser Verlag.

Alle Bücher von Marek Toman

Cover des Buches Lob des Opportunismus (ISBN: 9783990294505)

Lob des Opportunismus

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Erscheint am 31.01.2021
Cover des Buches Die Konditorei zum Schielenden Jim (ISBN: 9783854359456)

Die Konditorei zum Schielenden Jim

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Erschienen am 01.10.2020
Cover des Buches Der Prager Golem (ISBN: 9783903290143)

Der Prager Golem

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Erschienen am 05.11.2019

Neue Rezensionen zu Marek Toman

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Rezension zu "Die große Neuigkeit vom schrecklichen Mord an Šimon Abeles" von Marek Toman

Ein anspruchsvoller Krimi aus Prag
Bellis-Perennisvor 2 Jahren

Dieser Krimi spielt in zwei Zeitebenen. Die eine ist untrennbar mit der tragischen Geschichte des 12-jährigen Šimon Abeles, der im Prag des 17. Jahrhunderts lebt, verbunden. Der jüdische Junge fühlt sich zum Christentum hingezogen und will bei den Jesuiten konvertieren. Seine Eltern holen ihn wieder nach Hause. Wenig später ist er tot und nach jüdischem Ritus schnell beerdigt. Dann wird das Gerücht gestreut, dass das Kind von seinem Vater ermordet worden sein soll. Damit beginnt eine beispiellose Justizaktion, bei der auch die Medien , damals in Form von Flugblättern, eine unrühmliche Rolle spielen. Der Vater wird verhaftet, der „peinlichen Befragung“ (=Folter) unterworfen, leugnet die Tat und wird selbst mit gefesselten Händen tot aufgefunden. Für die Richter ist es ein Selbstmord und damit ein Schuldeingeständnis. 

Im zweiten Erzählstrang in der Gegenwart verschwindet Šimon, der 15-jährige Sohn des Anthropologen Ladislav. Ladislav beschäftigt sich intensiv in der Theynkirche mit den Überresten des Šimon Abeles und hat für seinen eigenen Sohn wenig Zeit. Ist das Verschwinden des Jungen damit in Zusammenhang zu sehen? Oder hat das geheimnisvolle Computerspiel, dem Šimon verfallen zu sein scheint, etwas mit seinem Verschwinden zu tun? 

Meine Meinung: 

Dem Autor ist hier eine spannende Mixtur von Fakten und Fiktion gelungen. Ist der historische Šimon wirklich von seinen Eltern getötet worden, weil sie eine Konversion nicht dulden wollten? Oder stimmt die Variante des plötzlichen epileptischen Anfalls als natürliche Todesursache? Es scheint als käme es den Jesuiten ganz Recht, den Druck auf die jüdische Gemeinde von Prag erhöhen zu können. Jedes noch so fadenscheinige Gerücht, löst eine Welle von antisemitischen Aktionen aus. Der ungeklärte Todesfall des Jungen, lässt die Jesuiten einen Mord aufgrund des neuen Glaubens konstruieren. Ein neuer Märtyrer wird geschaffen. 

Mit großer Beklemmung sind die Stimmung und die Rahmenbedingungen im historischen Prag zu lesen. Neben den religiösen Zwisten zwischen Katholiken und Protestanten werden die Juden aufgerieben, denn sie stehen ja außerhalb der Christenheit. Sehr spannend ist die Rolle des Buchdrucks und der Flugblätter in die düstere Handlung eingeflochten. Man könnte hier Parallelen zur Gegenwart ziehen. Heute sind es nicht die einfachen Flugzettel, sondern die sozialen Medien, die Stimmungsmachend die Menschen verunsichern. 

Mir wären zwei getrennte Krimis fast lieber gewesen, sind doch beide Geschichten, einzeln und für sich, fesselnd und erzählenswert. Der historische Teil ist für mich der bessere Teil. Der Handlungsstrang, der in der Gegenwart spielt, hat mich nicht so packen können. Er fällt irgendwie ab. Ich habe den Eindruck, dass der verschwundene Sohn hier nicht jene Hauptrolle spielt, die ihm zugedacht werden hätte können. 

Der Schreibstil ist wenig reißerisch, eher ein wenig zurückhaltend. Möglicherweise ist das aber der Übersetzung zu zuschreiben. Die historische Erzählung wird immer wieder durch die aktuellen Ereignisse unterbrochen, sodass mit einiger Konzentration gelesen werden muss. 

Der Wieser-Verlag aus Klagenfurt ist für seine ungewöhnlichen Krimis bekannt und hat auch diesmal nicht enttäuscht. 

Fazit: 

Ein interessanter Krimi, der historisches und aktuelles verquickt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

 


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