Mit "Halb Taube Halb Pfau" ist es Maren Kames 2016 gelungen, eine ganz eigene poetische Gegend zu erschaffen. Ihr Debüt wurde damals als spektakulär bezeichnet und das ist es im Grunde immer noch (was gäbe man nicht, könnte man bestimmte Bücher so lesen wie beim ersten Mal...).
Poetische Gegend habe ich gesagt und wem das zu vage ist, der*die sollte einfach einen Trip dorthin unternehmen und nicht mehr länger meinem Reiseführergeschwätz zuhören. Ich finde vermutlich eh keine adäquate Art, Kames Poetik zusammenzufassen, tapse nur eitel hier herum, Wendungen pickend, halb Taube, halb Pfau.
Aber, wo war ich – genau! Bei der Gegend. Die ist durchaus entlegener, was nur gelegen kommen kann, wenn man eine besondere Erfahrung machen will. Und die macht, wer dies neu und gut aufgelegte Buch aufschlägt und sich zwischen dem Weiß auf den dünnen schwarzen Stegen, Schollen und Sandbänken bewegt, hin zu einem Weiß mit den Worten: "ich habe mich auch verpasst". Das sagt eigentlich schon alles.
Vielleicht ist ein letzter, leicht ketzerischer Vergleich erlaubt? Maren Kames "Halb Taube Halb Pfau" ist ein bisschen wie ein literarisches Videospiel. Nicht so eins, wo geballert und gequested wird (wobei: letzteres...?), sondern einer jener immersiven Walking-Simulatoren, in denen man Welten und ihre Geschichten erkundet; eine Mischung aus "Dear Esther" und "The Stanley Parable". Unsere Interaktion ist allerdings noch freier, weil sie nur in unserer individuellen Reaktion auf Sätze wie: "ich habe mich auch verpasst" besteht. Und weil wir alle, ob nun zwischen diesen Seiten oder außerhalb, konfrontiert sind mit der Wahrheit: ich weiß. Was Wissen meint, aber auch: wie weiß wir innen sind. Wie kalt es hier doch ist, sometimes. Und was man meint, wenn man sagt: "Ich möchte etwas, das unter Einsatz des ganzen Körpers entsteht."
Maren Kames
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Alle Bücher von Maren Kames
Hasenprosa
Luna Luna
Halb Taube Halb Pfau
HALB TAUBE HALB PFAU
Neue Rezensionen zu Maren Kames
Ich war bei einer Lesung, bei der die Autorin Teile des Textes vorgelesen und durch Bilder und Musik ergänzt hat. Ich war begeistert. Was für eine Mischung aus Sinn und Unsinn. Das Lesen "im stillen Kämmerlein"war hingegen eine mühsame Sache. Ich habe gemerkt, dass die vielen Brüche im Text, die für mich bei der Lesung spannend waren, beim stillen Lesen dazu führten, dass ich überhaupt keinen Zusammenhang mehr im Kopf hatte. Schade!
Hasenprosa hat mich zunächst überrascht – mit einem sprachlich wie strukturell ausgesprochen experimentellen Zugang, den ich so nicht erwartet hatte. Nach den ersten Seiten musste ich das Buch sogar zur Seite legen, um später mit neuem Abstand noch einmal einzutauchen.
Das Werk ist eigenwillig, interessant und bewusst fragmentarisch angelegt. Dieses kontrollierte Durcheinander erzeugt einerseits Spannung, ließ mich andererseits aber auch spüren, dass ich vielleicht gerade nicht auf der richtigen Wellenlänge für diese Art von Literatur war.
So sehr ich die Originalität anerkenne, blieb für mich persönlich am Ende wenig hängen. Hasenprosa ist ein Buch, das seine Leser*innen findet – ich gehörte diesmal leider nicht zu ihnen.
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