Der blinde Mörder

von Margaret Atwood 
4,2 Sterne bei40 Bewertungen
Der blinde Mörder
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Wunderbare Sprache, die eindrucksvolle Bilder entstehen lässt. Das "Buch-im-Buch" hätte ich aber nicht gebraucht :/

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Trotz einiger Längen ein geschickt konstruierter Familienroman um zwei Schwestern. Lesenswert.

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Inhaltsangabe zu "Der blinde Mörder"

Die Schwestern Laura und Iris wachsen in den 1930er Jahren als Töchter eines wohlhabenden Knopffabrikanten im Norden Kanadas auf. Während der Depression geht es der Fabrik zunehmend schlechter, doch die Schwestern sind vor allem mit ihren romantischen Gefühlen für den Gewerkschaftsagitator Alex Thomas beschäftigt. Als dieser einige Jahre später im Krieg stirbt, stürzt sich Laura mit dem Auto von einer Brücke und ist sofort tot. Zurück bleibt ein Manuskript mit dem Titel Der blinde Mörder, das Laura postum berühmt macht. Doch ist sie wirklich die Autorin? Familiensaga, Tragödie, Sittenbild - ein Roman, der souverän mit den Genres spielt und durch ungeheure literarische Kraft überzeugt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783833301728
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:704 Seiten
Verlag:Berlin Verlag Taschenbuch
Erscheinungsdatum:17.10.2009

Rezensionen und Bewertungen

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    Yolandes avatar
    Yolandevor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Wunderbare Sprache, die eindrucksvolle Bilder entstehen lässt. Das "Buch-im-Buch" hätte ich aber nicht gebraucht :/
    Wunderbare Sprache, leider aber immer wieder etwas zäh

    Margaret Atwood wurde am 18. November 1939 in Ottawa, Kanada geboren. Sie schreibt Romane, Essays, Kurzgeschichten und Lyrik und gilt als eine der bedeutendsten Erzählerinnen unserer Zeit. 

    Nach einem Studium der englischen Sprache und Literatur lehrte sie ab 1964 an verschiedenen Universitäten. Parallel zu ihrer Lehrtätigkeit veröffentlichte sie ihre literarischen Arbeiten. 
    1969 erschien ihr erster Roman The edible Woman (Die eßbare Frau). Bekannt wurde sie vor allem durch ihren Roman The Handmaid's Tale (Der Report der Magd) aus dem Jahr 1985.
    Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Man Booker Prize, dem Nelly-Sachs-Preis und dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
    Maragret Atwood lebt in Toronto.      (Quelle: Wikipedia, Klappentext)

    Inhalt (Klappentext):
    Iris ist über achtzig und will sich nach vielen Jahren endlich über den Tod ihrer Schwester Laura Klarheit verschaffen. Der Anfang der Geschichte liegt lange zurück, in den 1930er Jahren. Die fünfzehnjährige Laura, Tochter eines wohlhabenden Knopffabrikanten, verliebt sich in den Gewerkschaftsagitator Alex Thomas, aber auch Iris verfällt dem aufregenden Mann. Als Alex einige Jahre später im Krieg stirbt, stürzt sich Laura mit dem Auto von einer Brücke und ist sofort tot. Zurück bleibt ein Manuskript mit dem Titel "Der blinde Mörder", das Laura posthum berühmt macht. Doch ist sie wirklich die Autorin?

    "Der blinde Mörder" ist das erste Buch, das ich von Margaret Atwood gelesen habe. Die Sprache, der leicht ironische Unterton und die Bilder, die sie mit ihren Worten zeichnet, sind grandios. Ich war sehr begeistert. Was mir nicht so gut gefallen hat, ist der komplizierte Aufbau des Buches. Eigentlich sind es vier Geschichten, die erzählt werden und sich immer wieder abwechseln. Das Hauptthema ist die betagte Ich-Erzählerin, die ihr mühseliges Altersdasein beschreibt und dabei die Geschichte ihrer Jugend aufzeichnet. Diese Abschnitte sind äußerst interessant und man kann eine gute Bindung zu ihrem jüngeren Ich aufbauen. Dazwischen wird aber auch das Buch, das unter dem Namen der jüngeren verstorbenen Schwester veröffentlicht wurde, erzählt und in diesem Buch gibt es auch zwei Handlungen. Mit diesem "Buch-im-Buch" hatte ich so meine Schwierigkeiten. Innerhalb dieses Buch wird eine fantastische Geschichte erzählt, die ich ganz furchtbar fand. Ich war immer in der Versuchung, diese Seiten einfach zu überspringen, hatte aber die Befürchtung, vielleicht etwas Wesentliches zu verpassen. Dadurch wurde es für mich leider etwas zäh. 
    Die große Auflösung des "Rätsels" kommt erst gegen Ende, ist aber auch ziemlich unspektakulär, da man sich vieles schon denken konnte.

    Fazit: Eine wunderbare Sprache, die eindrucksvolle Bilder entstehen lässt. Das "Buch-im-Buch" hätte ich aber nicht gebraucht, deshalb gebe ich nur 3 Sterne. 






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    BluevanMeers avatar
    BluevanMeervor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Trotz einiger Längen ein geschickt konstruierter Familienroman um zwei Schwestern. Lesenswert.
    Der blinde Mörder

    Laura Chase ist eine fantastische Autorin. Leider fuhr sie mit einem Auto von einer Brücke und verstarb mit Anfang 20. Ihr Roman "Der blinde Mörder" wird zum Kultobjekt für Fans und ihrer Schwester Iris kommt die nicht ganz leichte Aufgabe zu, den Nachlass ihrer Schwester zu verwalten. Iris blickt nun mit Mitte 80 auf ihr Leben zurück und erinnert sich an die gemeinsame Kindheit mit ihrer Schwester, die immer schon eine besondere Person war. Iris hat nie an einen Unfall geglaubt, stattdessen geht sie davon aus, dass ihre Schwester Suizid begangen hat.


    Die Gründe für diese Entscheidung liegen tief in der Vergangenheit. Iris blickt zurück auf ihr Leben. Die Familie Chase war seit Generationen reich, der Vater Fabrikbesitzer. Nach dem Tod der Mutter wachsen die Schwestern in einem Anwesen mit Hausangestellten und Hauslehrern auf, wohlbehütet und als Teil der gesellschaftlichen Elite des kleinen Städtchens Port Ticonderoga. Doch während der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren wird auch die Chase Familie nicht verschont. Um das Vermögen irgendwie zu retten, erhofft sich der Vater Geld durch eine arrangierte Ehe mit einem aufstrebenden Industriellen. Iris wird mit Richard Griffin verheiratet und erlebt physische und psychische Gewalt in ihrer Ehe. Unterbrochen werden diese Erinnerungen der alten Dame durch ihr aktuelles Leben als Nachlassverwalterin ihrer Schwester und durch einen Erzählstrang, in dem  sich zwei Verliebte heimlich in einem Hotel treffen. Beide sind verheiratet und haben eine Affäre. Der Mann erzählt der Frau eine Geschichte mit dem Titel "Der blinde Mörder", eine düstere Dystopie über eine Welt, in der Frauen keine Rechte haben.


    Atwood gelingt es auf unterschiedlichen Ebenen ein faszinierende Frauenschicksal zu erzählen, dessen Tiefe und Schrecken sich erst nach und nach entfalten. Von der anfänglichen als "glücklich" heraufbeschworenen Kindheit von Iris und Laura bleibt nicht mehr viel übrig. Und auch Laura hat bei näherem Hinsehen wenig mit dem verehrten Idol der Literaturfans gemein. Hat sie ihren Roman überhaupt selbst geschrieben?


    Das Leben der Schwestern wird fast über ein ganzes Jahrhundert hinweg erzählt. Da sind einige kleine Längen nicht von der Hand zu weisen. Die starren Regeln und Konventionen, denen sich gerade junge Frauen beugen mussten, werden durch das Leben von Iris und Laura greifbar und zeigen, was für eine erschreckende Enge innerhalb der Gesellschaft herrschte, auch in den vermeintlich wohlhabenden Kreisen und der High Society.


     Mich hat die Konstruktion des Romans überzeugt. Gerade die Geschichte um den blinden Mörder erinnert mich an spätere Romane von Atwood, in denen sie sich ganz der dystopischen Zukunftsvision verschreibt. Und durch das Erzählen der Geschichte zeigt sich noch etwas anderes : Die beiden Liebenden (um wen es sich handelt, werde ich nicht verraten), erschaffen sich eine eigene Welt, in der ihre eigenen Gesetze gelten. Beide Figuren sind unsicher, haben in ihrer Welt eigentlich keinen Platz und brauchen diese Form des Eskapismus um überhaupt leben zu können. Aber auch hier ist es der Mann, der sich die Geschichte ausdenkt.


    Atwood schreibt wahnsinnig spannend. Man spürt förmlich das Chaos, in dem sich die Protagonisten wiederfinden und es ist klar, dass es kein Happy End geben wird (denn Laura ist schon auf der ersten Seite mit dem Auto verunglückt). Trotzdem konnte mich die Geschichte überzeugen. Lesenswert.


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    simsas avatar
    simsavor einem Jahr
    Ein fabelhafter Schreibstil

    Zehn Tage nach Beendigung des 2. Weltkrieges fuhr Laura mit dem Auto von einer Brücke.

    Ihre Schwester Iris, mit der sie den größten Teil ihres jungen Lebens verbrachte, erzählt in ihren alten Tagen vom Leben als Kind, bis hin zum Unfall von Laura.

    Eine bewegende Lebensgeschichte beginnt...




    Ich habe den Roman „Der blinde Mörder“ von Margaret Atwood bereits vor einigen Jahren gekauft und seit dem zierte es mein Bücherregal. Viel positives habe ich gerade in der letzten Zeit über die Autorin gehört und als die YouTuberin Janine auf ihrem Kanal „Poesielos“ die ersten Zeilen des Buches anlas war sehr schnell klar, es wird eines meiner nächsten Bücher werden.


    Ganz spontan haben wir dann aus diesem Vorhaben eine gemeinsame Leserunde gemacht und dabei sehr tolle Gespräche zu eben diesem Buch geführt.


    „Der blinde Mörder“ ist ein Buch, welches in 15 Abschnitten aufgegliedert wurde und durch diese Abschnitte zwei verschiedene Erzählstränge bietet.

    Dieser Aspekt war mir vor dem Lesen nicht unbedingt bewusst und brachte dadurch aber eine kleine Überraschung mit sich.


    Im Wechsel lesen wir somit die Geschichte von Iris und ihrer Schwester, die wir seit ihrer Kindheit begleiten dürfen.

    Iris, die bereits 83 Jahre alt ist, schreibt ihr Leben nieder und wir Leserinnen und Leser dürfen diesem, aber auch ihrer Gegenwart folgen.


    In den anderen Abschnitten geht es um „Der blinde Mörder“. Ja, was hier als Titel des Buches besteht, ist auch im Buch ein Buchtitel. Das Skandalbuch, welches Laura geschrieb und welches kurz nach ihrem Tod veröffentlicht wurde, schlägt heute noch Wellen. Diese Abschnitte erzählen von der Entstehung des Romans und von einer Geschichte zweier Liebenden, die sich erst im Laufe des Buches zu erkennen geben. Wir erfahren von der Geschichte in der Geschichte, die sehr viele phantastische Elemente mit sich bringt und eine wichtige Rolle spielt.


    Und hier sind wir auch schon an einem Kritikpunkt angelangt. Gerade diese Geschichte im Buch war es, die mich gleich zu Beginn fast zu Aufgeben gebracht hatte. Es ist so ein krasser Gegensatz zum Rest des Buches, dass ich mich damit erst einmal abfinden und anfreunden musste.


    Im Gegensatz dazu mochte ich die Erzählungen von Iris aus ihrem Leben. Zwar hatten auch diese Kapitel ihre Längen, waren aber deutlich unterhaltender, zumindest zu Beginn.


    Was im Laufe der Geschichte passiert, ist wie ein großes Puzzle zu betrachten. Wir Leser kennen bestimmte Teile, aber viele andere auch nicht und bauen auf den ca. 700 Seiten das komplette Bild zusammen.

    Dabei war ich immer wieder am Rätseln, was auf mich zukommen wird, welche Geschehnisse zum Tod von Laura führten und wie diese Abschnitte mit „Der blinde Mörder“ damit zusammenhängen.

    Und gerade der letzte Punkt war für mich immer interessanter und zum Ende hin noch besser als Iris und ihre Geschichte.


    Ich hoffe Ihr konntet mir folgen, denn wie man sicherlich merkt, Margaret Atwood hat hier eine sehr komplexe Geschichte geschrieben.


    Der Schreibstil der Autorin war es jedoch, der mich komplett mitgenommen hat. Wo es an der Story immer wieder Kleinigkeiten gab, die ich bemängeln muss, war es ihre Erzählart, die mich schier begeistert hat. Sie hat eine sehr ausdrucksstarke und sehr bildliche Art das Geschehene aufzuzeigen und Figuren ein Gesicht zu geben.


    Ich habe mir schon weitere Werke von Margaret Atwood notiert, weil ich unbedingt wieder in den Genuss dieses Stils kommen möchte.


    Mein Fazit:

    „Der blinde Mörder“ war anders als ich dachte und er hatte durchaus seine Längen, trotzdem hat die Geschichte ihren Charme. Charaktere denen man folgen möchte und eine Geschichte mit vielen Lücken die es aufzuklären gilt, machen Spaß und unterhalten, wenn auch mit kleinen Abstrichen.

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    ralluss avatar
    rallusvor 3 Jahren
    Flucht aus dieser Welt

    "Zehn Tage nach Kriegsende lenkte meine Schwester Laura ein Auto von einer Brücke."

    Mit diesem ersten Satz beginnt die Geschichte zweier Schwestern, die in den 20er Jahren in Amerika aufwachsen. Eingezwängt in die puritanische Erziehung dieser Zeit, entwickeln sich beide Schwestern komplett konträr. Iris, die Ältere, aus deren Sicht der Roman erzählt wird, muss früh in eine Ehe mit einem reichen Industriellen einwilligen, da es der väterlichen Fabrik finanziell schlecht geht. Laura ist die eher weltfremde, träumerische Tochter. Beide verlieben sich in den jungen Agitator Alex Thomas, den sie auf dem Dachboden des väterlichen Hauses vorerst vor den Häschern verstecken. Es ist die Zeit der Weltwirtschaftskrise, der Beginn der Gewerkschaften, beide Lager, Besitzer und Besitzlose, stehen sich unversöhnlich gegenüber. Iris trifft Alex nach ihrer Heirat wieder, eine Ehe die sie nicht erfüllt, ein Ehemann, zu dem sie keine Nähe hat. Das Treffen wird der Beginn einer Affäre:

    "War es Verrat oder war es ein Akt der Kühnheit? Vielleicht beides. Für beides braucht man keine Überlegung: diese Dinge ereignen sich in einem Augenblick, in einem Wimpernzucken. Das kann nur so sein, weil sie von uns bereits durchgespielt worden sind, immer und immer wieder, in Stille und Dunkelheit: in derartiger Stille, derartiger Dunkelheit, dass wir selbst nichts davon wissen. Blind, aber mit sicherem Schritt, treten wir vor wie in einen Tanz, den wir seit langem im Gedächtnis tragen."

    Doch der Anfang dieser Affäre, eine Affäre die hauptsächlich in Angst vor der Entdeckung an verschiedenen, verschwiegenen Orten passiert, wurde schon früh gelegt:

    "War das der Anfang, dieser Abend – auf der Anlegestelle von Avilion, während das Feuerwerk den Himmel verzauberte? Es ist schwer zu sagen. Anfänge sind plötzlich, aber auch heimtückisch. Sie schleichen sich von der Seite an einen an, sie verstecken sich in den Schatten, sie lauern unerkannt. Dann später, springen sie."

    Alex wird steckbrieflich gesucht, Iris ist die bekannte Ehefrau eines Industriellen. In ihren Liebesnestern erzählt Alex Iris Geschichten. Er verdient sein Geld durch das Schreiben von Science-Fiction-Geschichten, die damals noch als Schund gelten. Ihr erzählt er die sagenhafte Geschichte des blinden Mörders, der sich in sein Opfer verliebt. Diese Geschichten sind in die eigentliche Geschichte verschachtelt. Es ergeben sich drei Erzählebenen. Iris als alte Frau, die ihr Leben niederschreibt, Iris als aufwachsendes Mädchen, als junge Frau. Die Sage des blinden Mörders. Dazwischen werden noch Zeitungsartikel eingestreut. Was fiktiv ist, was wahr, verwischt in der Erzählung. Auch weiß der Leser nicht ganz genau, ob es nun wirklich Iris ist, die sich mit Alex trifft.

    Margaret Atwood hat einen zeitlosen Roman geschaffen, der insbesondere mit der detaillierten, besonnenen und exakten Sprache punktet. Herrlich ist ihr das Bild der älteren Iris gelungen, die verschroben und ironisch ihr eigenes Leben erzählt. Eine schrullige Eigenschaft von ihr ist das Lesen von an die Wand gekritzelten Nachrichten in öffentlichen Toiletten:

    "Wieso wollen wir uns selbst so unbedingt verewigen? Selbst wenn wir noch am Leben sind? Wir wollen unsere Existenz bestätigen wie Hunde, die an Feuerhydranten pinkeln. Wir stellen unsere gerahmten Fotos zur Schau, unsere pergamentenen Diplome, unsere versilberten Pokale: wir sticken unser Monogramm in die Wäsche, wir schnitzen unsere Namen in Bäume, wir kritzeln sie an Toilettenwände. Alles derselbe Impuls. Was erhoffen wir uns davon? Applaus, Neid, Respekt? Oder einfach nur Aufmerksamkeit, jede Art von Aufmerksamkeit die wir kriegen können."

    Auch ist ihr die Darstellung der Frau in den 20/30er Jahren sehr geglückt. Die Frauen, die zur Heirat gezwungen, die durchs Leben geschoben wurden.

    "Meine eigene Hand wurde ebenfalls ergriffen und kurz gedrückt. Dann mein Ellbogen. Auf diese Weise steuerten Männer Frauen damals herum – am Ellbogen – und auf diese Weise wurde auch ich am Ellbogen in den Imperial Room gesteuert."

    Die Spannung wird durch die immer wieder aufgebrochenen, verschobenen Plattformen der Erzählung aufgebaut und man ahnt, welches Geheimnis hinter dieser Lebensgeschichte steckt. Nebenbei baut Atwood noch eine Familiengeschichte auf, die ihren Anfang in den 20er Jahren nahm und bis in die heutige Zeit wirkt. Eine Geschichte voller verpasster Möglichkeiten, voller Dramatik.

    Nicht umsonst wurde 'Der blinde Mörder' im Jahre 2000 für den Booker Prize ausgezeichnet und ausserdem zu den besten 100 englischen Romanen im Magazin Time ausgezeichnet. Ein Must Read.

     

     

     

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    Alexandra_Luchss avatar
    Alexandra_Luchsvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Nochmal Margaret Atwood und doch ganz anders. Klar ist: diese Autorin ist eine ganz große Erzählerin ganz großer, ganz echter Geschichten.
    "Der blinde Mörder" von Margaret Atwood

    Wohlbehütet wachsen die Schwestern Iris und Laura als Töchter eines wohlhabenden Knopffabrikanten im Norden Kanadas auf. Doch wo einst Privatlehrer und feine Gesellschaften ihr Leben bestimmen, kommt die Familie durch die große Depression mehr und mehr in finanzielle Bedrängnis. Um das Auskommen der Familie zu sichern, wird Iris an einen reichen Fabrikanten verheiratet und krankt ihr Leben lang an dieser Entscheidung. Eigentlich sind nämlich beide Schwestern dem Charme und den Geschichten des Gewerkschaftsagitators Alex verfallen.

    Die Handlung von „Der blinde Mörder“ lässt sich unheimlich schwer beschreiben. Das liegt daran, dass Margaret Atwood in diesem Roman eine Vielzahl von Erzählsträngen und Ebenen verwebt und so eine unglaubliche thematische Tiefe schafft.
    In der ich-Perspektive berichtet Laura, inzwischen hochbetagt, von ihrem Leben. Ihre Erzählungen führen uns dann immer elegant in eine neue Rückblende auf ihr Leben. So wechseln wir zwischen der Kindheit und dem Alter von Laura, lernen ihre Schwester und auch Alex Thomas kennen. Später bekommen wir zusätzlich noch die Liebesaffäre von einer jungen (unbenannten) Frau und Alex geschildert. Diese Treffen sind häufig die Einleitungen zur „Geschichte in der Geschichte“, denn Alex erzählt seiner Geliebten die Geschichte vom titelgebenden blinden Mörder. Um zeitliche Lücken in all diesen Erzählsträngen zu schließen oder einen anderen Blick auf die Protagonisten zu werfen, gibt es zusätzlich verschiedenste Zeitungsartikel zur Kommentierung des Geschehens.
    Diese wilde Mischung hat mich ziemlich begeistert. Ich muss aber auch zugeben, dass sie das Lesen dieses Romans teilweise recht anstrengend macht. Denn obwohl alles schon komplex und verzweigt beginnt, steigert sich dies im Verlauf der Handlung noch immer weiter. Große Pausen im Leseverlauf sollte man da besser nicht machen.
    An sich sind aber alle Teile der Erzählung so stark, dass ich kaum entscheiden konnte, welche Zeitebene /welcher Erzählstrang mir am Besten gefällt.
    Wieder besonders sind außerdem die Protagonisten (und Antagonisten) in Margaret Atwoods Geschichte. Die Charaktere sind fast schon Archetypen verschiedener sozialer Schichten oder verschiedener Weltsichten innerhalb der Handlung. So sympathisch mir dabei die betagte Iris war, so anstrengend und abstoßend wurde ihr erzwungener Ehemann beschrieben. Iris verkörpert ganz Liberalismus und Freiheitsdrang, ihr Ehemann die alten Werte und  patriarchalischen Vorstellungen. Wirklich toll.
    In dieser Geschichte gibt es außerdem kaum Nebencharaktere. Weite Strecken der Handlung beschränken sich rein auf die wichtigsten Protagonisten. Und obwohl immer wieder einzelne Nebenfiguren die Handlung streifen, sind sie völlig nebensächlich und mehr Mittel zum Zweck.

    Insgesamt habe ich mir unter “Der blinde Mörder” eine etwas mysteriösere, düsterere Geschichte vorgestellt. Das Buch ist aber mehr ein Gesellschaftsroman und per se wesentlich ruhiger in der Handlung. Dadurch kann ich „Der blinde Mörder“ nicht direkt mit der MaddAddam Trilogie vergleichen. Beide Bücher sind dafür auch thematisch und strukturell zu unterschiedlich.

    Die spannende Mischung der verschiedenen Erzählebenen dieses Buches hat mich wirklich überzeugt, manchmal wurde es dadurch aber auch ein bisschen anstrengend den Überblick zu behalten.

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    NiWas avatar
    NiWavor 5 Jahren
    Die Geschichte zweier Schwestern

    Die betagte Iris blickt auf ihr Leben zurück. Damit spart sie weder mit Sarkasmus noch Kritik und schon gar nicht mit den Unannehmlichkeiten des Alterns. 

    Iris und ihre jüngere Schwester Laura wuchsen als Töchter eines reichen Knopffabrikanten in Kanada auf. Bis die Wirtschaftskrise auch über diese Fabrik ihren dunklen Schatten warf. Da wird Iris an den ambitionierten und wohlhabenden Richard verheiratet, der sich auch sofort um die jüngere Schwester Laura kümmert. 

    Doch Laura beging mit 25 Jahren Selbstmord, woraufhin ihr das Buch „Der blinde Mörder“ postum zu großer Berühmtheit verhalf. 

    Aber war sie wirklich die Autorin? Und was geschah einst hinter der Fassade? 

    Hierbei handelt es sich nur um den Grundzug der Hauptgeschichte. Tatsächlich wartet Margaret Atwood mit 4 Erzählsträngen auf, die sogar unabhängig voneinander spannend und interessant zu lesen wären. Kaum ein Genre wird dabei ausgespart. Der Leser bekommt einen Familienepos, Science Fiction, eine Liebesgeschichte mit einer Portion Zeitgeschichte geliefert und darf sich trotz dieser gewagten Komplexität an einem mitreissenden Roman erfreuen. 

    Abgerundet wird dieses Werk durch Margaret Atwoods fesselnden Schreibstil. Während sie den Protagonisten pralles Leben einhaucht, lässt sie den Leser durch fantasievolle Welten reisen, nur um ihn anschließend umso härter auf den Boden der Tatsachen knallen zu lassen. 

    Teilweise hatte das Buch aber seine Längen, was wohl an den komplexen Handlungen liegt. 

    Wer sich also gleichzeitig in die 30er-Jahre, auf fremde Planeten und düstere Familiengeschichten begeben will, ist mit Margaret Atwoods „Der blinde Mörder“ gut beraten.

    Kommentare: 1
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    sumsidies avatar
    sumsidievor 5 Jahren
    hin und her gerissen

    Ach, ich bin hin und her gerissen zu diesem Buch, weil ich beim Lesen viel Freude hatte, aber am Ende enttäuscht war. Iris und Laura wachsen als Töchter des Besitzers einer Knopffabrik am Anfang des 20. Jahrhunderts in einer ländlichen Gegend Amerikas sehr behütet auf. Da es wenig sozial Gleichgestellte gibt, bleiben sie oft unter sich. Iris, die ältere der beiden Schwestern, schreibt als alte Dame ihre Erinnerungen über ihre Jugend auf. Und diese zwei Personen wollen für mich so gar nicht zusammen passen. Die renitente Alte, die etwas zynisch ist und ihren eigenen Kopf hat, und die junge Iris, die sich einfach nur vom Schicksal treiben lassen zu scheint. Und auch wenn zwischen ihrer Jungend und dem Selbstmord ihrer Schwester, welcher der große Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist, einiges passiert, sehe ich nicht wie die beiden Persönlichkeiten zusammenkommen. Und das ist ja eigentlich das Thema des Buches, die prägenden Jahre werden von der Protagonistin beschrieben, aber die Verbindung zu ihrer gealterten Persönlichkeit wird trotzdem nicht hergestellt. Schade, das war am Ende wirklich eine große Enttäuschung. Und auch sonst, fand ich die Ursache des Selbstmordes der Schwester am Ende einfach nur unbglaubwürdig ins Leben der Schwestern eingebettet.

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    literats avatar
    literatvor 8 Jahren
    Rezension zu "Der blinde Mörder" von Margaret Atwood

    Dieses Buch habe ich gestern ausgelesen und zu einem meiner absoluten Lieblingsbücher erklärt. Wobei der Anfang doch etwas dröge war, ich dachte schon, dieses Buch enttäuscht mich. Aber die Autorin ist einfach eine Meisterin ihres Fachs. Sie geht virtuos mit Worten um. Und der Stil des Buchs, mit der sehr persönlichen, subjektiven Erzählung der alten Iris zu ihren Familienverhältnissen und den eingeschobenen Zeitungsartikeln, die dem Leser dann eine etwas andere Sicht der Dinge erlauben und dann noch die Erzählung der jungen Iris (wobei der Leser davon ausgeht, daß es sich um die Geschichte ihrer Schwester Laura handelt) gekoppelt mit der Erzählung von Alex "Der blinde Mörder". Das klingt jetzt alles etwas verwirrend, wenn ich das so schreibe - aber ich bin echt begeistert. Das Buch ist ein Meisterwerk!!! Zur Geschichte möchte ich gar nicht viel schrieben, die sollte sich jeder selbst erschließen, ich finde es übrigens auch toll, daß der Text auf dem Buchumschlag sehr knapp gehalten wurde.

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    Thailas avatar
    Thailavor 9 Jahren
    Rezension zu "Der blinde Mörder"

    Atwoods Roman Der blinde Mörder beginnt mit dem Satz: "Zehn Tage nach Kriegsende lenkte meine Schwester Laura ein Auto von einer Brücke." Diese Tat ist der Dreh- und Angelpunkt des Romans, denn es ist der Angelpunkt im Leben von Iris, der Ich Erzählerin, die im Roman die Geschichte ihres Lebens erzählt. Geboren ist sie nach dem Ersten Weltkrieg, als Tochter eines wohlhabenden Fabrikbesitzers. Ihre Kindheit ist nicht leicht, die Mutter stirbt früh, der Vater ist von seinen Erlebnissen im Krieg seelisch schwer verwundet. Um so wichtiger ist ihre kleinere Schwester, mit der sie eine fast symbiotische Beziehung verbindet. Mit der Weltwirtschaftskrise verarmt die Familie und Iris ist gezwungen einen sehr viel älteren Mann zu heiraten, in der Hoffnung damit die Fabrik retten zu können. Die Ehe ist jedoch lieblos. Erst nach und nach gelingt es Iris sich zu emanzipieren und hinter die Fassaden des scheinbar perfekten Privat- und Finanzlebens ihres Mannes zu schauen.
    Iris erzählt ihr Leben nicht strigent, sondern es werden die verschlungenen Erinnerungen einer alten Frau wiedergegeben. Ganz am Anfang schon wird klar, dass es in dieser Familie Geheimnisse mit tödlicher Wirkung gibt. Denn nicht nur Laura nimmt sich das Leben, auch Iris Mann stirbt auf mystheriöse Art, die gemeinsame Tochter stirbt unter Alkoholeinfluss. Von Anfang an ist klar, dass es hier um ein zerbrochenes Leben geht, um eines, dass fürchterlich schief gelaufen ist. Trotzdem ist dieser Roman nicht nur deprimierend, sondern Iris strahlt Lebensmut,Kraft und einen bissigen Humor aus, die sie zu einer faszinierenden Protagonistin machen. Durchzogen ist der Roman mit Erzählungen von Laura über eine geheime Liebesaffäre und Science-Fiction-Fragmenten. Das Ganze entwickelt erst nach und nach einen Sinn. Obwohl dieses Buch sperrig und lang ist, hat mich schon lange kein Roman mehr so in den Bann gezogen, so einen Lesesog entfaltet, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen konnte. Margaret Atwood ist eine ganz große Meisterin ihres Faches und dieses Buch, für den sie den Booker Preis erhielt, gehört zu ihren Besten!

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    Himmelfarbs avatar
    Himmelfarb

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