Hexensaat

von Margaret Atwood 
4,3 Sterne bei46 Bewertungen
Hexensaat
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Shakespeare als Theaterprojekt im Gefängnis - toll inszeniert

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Shakespeares "Der Sturm" meisterlich neu erzählt.

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Inhaltsangabe zu "Hexensaat"

Rache ist zeitlos: Der neue Roman der großen Autorin.
Felix ist ein begnadeter Theatermacher, ein Star. Seine Inszenierungen sind herausfordernd, aufregend, legendär. Nun will er Shakespeares »Der Sturm« auf die Bühne bringen. Dies soll ihn noch berühmter machen – und ihm helfen, eine private Tragödie zu vergessen. Doch nach einer eiskalten Intrige seiner engsten Mitarbeiter zieht sich Felix zurück, verliert sich in Erinnerungen und sinnt auf Rache. Die perfekte Gelegenheit kommt zwölf Jahre später, als ein Zufall die Verräter in seine Nähe bringt ...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783328103363
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Penguin
Erscheinungsdatum:12.11.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    suppenfees avatar
    suppenfeevor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Shakespeare als Theaterprojekt im Gefängnis - toll inszeniert
    aufregende Inszenierung

    Felix ist ein gefeierter Regisseur in der Theaterszene, er leitet ein bekanntes Festival und dort soll auch seine neue Inszenierung von „der Sturm“ aufgeführt werden. Das Stück bedeutet ihm viel, er findet in Miranda seine vor kurzem gestorbene Tochter (selbigen Namens) wieder. Doch bevor das Stück auf die Bühne kommen kann, wird Felix von seinem Assistenten hintergangen und regelrecht abgesägt. Der Assistent klettert ein paar Karrierestufen höher, Felix endet als gefallener Star in einer einsamen Hütte. Doch 12 Jahre später bietet sich die Chance auf Rache. Felix leitet inzwischen eine Theatergruppe im Gefängnis, natürlich unter einem anderen Namen. Die Insassen sollen lernen mit Sprache besser umzugehen und sind mit Feuereifer bei der Sache. Ihre Stücke haben Erfolg und Felix alte Widersacher kündigen sich zu einem Besuch an. Felix kann endlich seinen Sturm aufführen, wenn auch nicht zum Vergnügen der Zuschauer….

    Hexensaat ist ein weiterer Titel aus der Shakespeare-Kollektion. Bekannte Autoren interpretieren Shakespeares Werke neu. Mit Hexensaat stellt sich Margaret Atwood der Aufgabe „den Sturm“ in ein neues Gewand zu kleiden. Im Vergleich zu den anderen Büchern aus der Reihe, die ich bisher gelesen habe („der Neue“ von Tracy Chevalier, „die störrische Braut“ von Anne Tyler), geht die Autorin ganz anders an die Sache heran. Sie erzählt nicht die Geschichte neu, sondern setzt das alte Stück in einen anderen Rahmen. Ein Theater im Theater sozusagen. Denn die Gefängnisinsassen verändern den Sturm in ihrer Aufführung nur leicht, machen die Texte etwas moderner und denken sich abgefahrene Kostüme aus. Doch gleichzeitig nimmt auch Regisseur und Schauspieler Felix die Züge seiner Rolle an – er ist Prospero der Hexer, gefangen in seinen Racheplänen und immer besorgt um seine Tochter, die ihn nach ihrem Tod weiter als Hirngespinst begleitet.

    Das gesamte Stück wird von den Insassen analysiert und bearbeitet. Man erfährt einiges über die einzelnen Rollen, die Intensionen, die Shakespeare vielleicht gehabt haben könnte. Das klingt jetzt wie eine langweilige Theateranalyse in der Schule. Ist es aber ganz und gar nicht, denn der Handlungsrahmen und auch die Charaktere machen dieses Buch sehr lebendig, manches Mal humorvoll und eben auch ein bisschen düster, wie es sich für Shakespeare gehört. Diese neuen Ansätze und Aspekte waren wirklich sehr spannend zu lesen, manchmal vielleicht ein bisschen abgedreht, aber so erwartet man es ja auch aus der Sicht eines genialen Regisseurs.

    Ich hatte ein bisschen Sorge, ob mir das Buch gefallen würde, da mir der Schreibstil der Autorin in „der Report der Magd“ so gar nicht zugesagt hat. Diesmal jedoch konnte sie mich mit ihrer gekonnten und detailreichen Erzählweise wirklich von der ersten Seite an fesseln. Sie hat sich spürbar mit dem Stück auseinandergesetzt und ihre Freude daran kam bei mir an.

    Fazit:

    Eine sehr schöne und abwechslungsreiche Interpretation in einem gelungenen Rahmen. Ich habe das Original von Shakespeare nicht gelesen und kenne das Stück nur in seinen groben Zügen und aus Filmen. Deshalb findet der Kenner bestimmt noch einige Feinheiten und Anlehnungen mehr, die die Autorin in Hexensaat versteckt hat. Aber auch für mich als Leien war das Buch ein großes Lesevergnügen.

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Mit „Hexensaat“ zeigt Margaret Atwood ein weiteres Mal wie klug und vielseitig sie ist. Ich bin wieder mal beeindruckt.
    Die Tücken des Sturms

    Margaret Atwood schreibt mit diesem Buch eine moderne Adaption von Shakespeares Stück „Der Sturm“ und macht keine halben Sachen.
    Hier haben wir eigentlich den Sturm im Sturm. Zum einen hat die Geschichte des erfolgreichen Theaterregisseurs Felix, der von seinem Assistenten ausgebootet wird und sich dann in ein freiwilliges Exil begibt, deutliche Parallelen. Und dann inszeniert er das Stück auch noch 12 Jahre später als Theaterprojekt in einem Gefängnis.

    Felix Geschichte ist sehr fesselnd, er selbst eine tragische Figur, ein genialer Künstler, der kurz bevor er dem Größenwahn verfällt und die Bodenhaftung verliert, einen steilen Absturz hinnehmen muss und dann ein kärgliches Dasein fristet. Seine einzige Gesellschaft ist seine verstorbene Tochter Miranda. Er weiß, dass er sich ihre Gegenwart nur einbildet, ein Trost ist sie trotzdem.

    Shakespeares Prospero strandet mit seiner Tochter Miranda auf einer Insel, Felix haust mit Mirandas Geist in einer Kate. Man sucht überall die Parallelen. Wem mag die umtriebige Estelle entsprechen? Ist sie Ariel?
    Dieses Buch ist problemlos lesbar ohne das Shakespearestück zu kennen, allerdings hat man ganz sicher mehr davon, wenn man es kennt. Im günstigsten Fall kennt man es gut. Ich kenne es nicht, ahne aber jede Menge Seitenhiebe, die mit entgangen sind.

    Die Inszenierung im Gefängnis ist höchst originell. Die harten Knastbrüder mausern sich zu gelehrigen Schülern und engagierten Schauspielern und Felix ist ein Lehrer, wie man ihn sich wünscht.
    Hier wird dann tatsächlich das Shakespearestück gründlich analysiert. Das war für meinen Geschmack ein bisschen sehr viel Schulunterricht für ein Buch. Deutschlehrer könnte es allerdings inspirieren. So muss man es machen.

    Mit „Hexensaat“ zeigt Margaret Atwood ein weiteres Mal wie klug und vielseitig sie ist. Ich bin wieder mal beeindruckt.


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    Giselle74s avatar
    Giselle74vor 9 Monaten
    Prosperos Rache

    Innerhalb der Hogarth Shakespeare-Reihe erscheinen Neubearbeitungen von Shakespeares Werken und zwar von international bekannten Autoren. So hat z.B. Anne Tyler "Der Widerspenstigen Zähmung" ein neues Kleid verpasst oder Edward St Aubyn sich mit "König Lear" auseinandergesetzt. Margaret Atwood, die Grande Dame der kanadischen Literatur, hat "Der Sturm" gewählt.

    "Der Sturm" gilt als Shakespeares letztes Werk, von dem die Sage geht, der Zauberer Prospero sei er selbst, der am Ende seines Lebens den Zauberstab zerbricht und die Bücher vernichtet. Das ist begrenzt glaubwürdig, wenn man die vielen noch offenen Fragen in der Shakespeare-Forschung bedenkt, zu denen unter anderem die Frage zählt, wer eigentlich der Autor war, den wir Shakespeare nennen... Margaret Atwood hat es sich also definitiv nicht leicht gemacht mit der Wahl dieses Stückes. Für eine Komödie ist es zu tragisch, für eine Tragödie gibt es zu wenig Tote und das Ende ist zu freundlich, was ist es also?

    Prospero, ehemals Herzog von Mailand, wird von seinem eigenen Bruder gestürzt und in einem lecken Boot im Meer ausgesetzt. Er erreicht in letzter Not eine Insel, auf der er zusammen mit seiner Tochter Miranda die kommenden Jahre verbringen wird. Und nun wird es kompliziert: es gibt dort Luftgeister, Göttinnen, Hexen, Trolle und den im Umgang etwas schwierigen Caliban. Der Zauberer Prospero schwingt sich zum Herrscher der Insel auf und schlußendlich gelingt es ihm sogar, Rache zu nehmen und seine Tochter geschickt zu verheiraten. Dafür braucht es viele Worte und Verwicklungen und so einiges an Personal.

    Mrs Atwood verlegt die Geschichte auf eine moderne Insel, einen Ort, der mehr oder weniger abgeschlossen ist von der Aussenwelt, ein Männergefängnis. Dort probt der gealterte, ehemals berühmte Regisseur und Schauspieler Felix Phillips mit den Insassen für eine Aufführung von "Der Sturm". Auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Leiter eines Theaterfestivals wurde er von seinem Freund und Mitarbeiter Tony betrogen und aus dem Amt entfernt. Er hat Rache geschworen und jetzt endlich scheint die Gelegenheit da zu sein...

    Was für ein Kunstgriff! Die ursprüngliche Geschichte wird also quasi umrahmt von der Neubearbeitung. Und der Leser darf rätseln, wer nun in der Jetztzeit welchen Charakter des Stückes darstellt. Zeitgleich bekommen wir aber auch noch eine Stückanalyse frei Haus, da Felix mit den Strafgefangenen, und somit ja auch mit dem Leser, das Drama in seine Bestandteile zerlegt, um es für den ungebildeten Laien verständlich zu machen. Denn in einem Gefängnis sitzen ja nun meistens alles andere als gebildete Theaterkenner.

    Natürlich muss man das Buch als das lesen, was es ist: eine Bearbeitung mit einem in groben Zügen vorgegebenen Inhalt. Es ist nicht zu vergleichen mit anderen Werken der Autorin, die besser durchkomponiert sind und prägnanter formuliert. Man sollte es als das sehen, was auch Margaret Atwood offensichtlich darin gesehen hat: einen riesengroßen Spass und eine Spielwiese für kreative Ideen. Sie hatte sicherlich nicht die Absicht, mit diesem Buch nobelpreiswürdige Lektüre abzuliefern. Sie hat sich ausprobiert, hat Raps im Shakespeare-Stil geschrieben, hat an den passenden Stellen Glitzerkonfetti verstreut und nicht jede Handlung auf ihre Wahrscheinlichkeit überprüft. Mir hat sie mit der Idee, dass während der Proben nur Schimpfwörter aus dem shakespeare'schen Original benutzt werden dürfen, viel Freude gemacht. Ich war im Übrigen überrascht, wie viele das Stück hergibt, aber das nur am Rande.

    Ich finde, Margaret Atwood hat ihre Aufgabe sehr selbstbewusst erledigt, aber auch sehr achtungsvoll vor dem Werk des Mannes, den man Shakespeare nennt. Für einen Schriftsteller, egal wie berühmt, ist es nicht leicht, sich mit dieser Ikone zu messen. Eine Neubearbeitung muss, verglichen mit dem Original, mit großer Sicherheit abfallen. Sie hat sich also gar nicht erst auf einen Vergleich eingelassen, sondern eher eine Hommage geschrieben oder auch eine kleine Werkanalyse verpackt in einen Roman. Wer das vor Augen hat, kann mit diesem Buch zum einen viel Spass haben und zum anderen auch einiges über den Sturm lernen. Und ganz unabhängig davon, ob man diesen Roman nun als großen Wurf betrachtet oder nicht, kann Margaret Atwood hervorragend schreiben. Ubd damit, ich sage es ganz unverblümt, wird die Kritik, das Werk wäre zu oberflächlich und nicht aussagekräftig genug, zu Jammern auf hohem Niveau.

    Daher meine Empfehlung: lesen, lernen, Spass haben.

     

    Ich danke dem Knaus Verlag sehr herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

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    Angie*s avatar
    Angie*vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein großartiges Buch!
    Beeindruckendes Werk,,,

    REZENSION

    INHALT: Felix, eine etwas exzentrischer, älterer Theaterregisseur wird von seinen Kollegen gemobbt und verliert seinen Job am Stück *Der Sturm* . Seine Adaption an das gleichnamige Drama von William Shakespeare wird ihm rücksichtslos genommen. Er leidet darunter sehr, zieht sich in das Privatleben zurück, lebt  sehr lange abgeschieden, einsam und ärmlich in einer Hütte. Er ändert sogar seinen Namen. Nach einigen Jahren des Dahinsiechen ohne Lebensperspektive nimmt er einen Job als Theatermacher in einem Gefängnis an. Ungeahnte Möglichkeiten während seiner Arbeit als Regisseur tun sich für ihn auf. Er möchte mit den Gefangenen *Der Sturm* proben und aufführen. Zufällig bekommt er die Gelegenheit zum Kontakt zu seinen damaligen Widersachern und nun arbeitet er zielstrebig nur auf eines hin. Rache auszuüben an den ehemaligen  Kollegen,,,,,,
    MEINE MEINUNG:Diese ganz besondere Art der Erzählform, eine  Umarbeitung (Adaption) eines literarischen Stückes in eine andere Umgebungs - und Zeitform hat mich absolut fasziniert. Margaret Atwood hat in ihrer Erzählform das Niveau von William Shakespeares Dramen gespiegelt und für unser heutiges Leseverständnis perfekt dargestellt.  Das Buch liest sich flüssig,angenehm und erzeugt viele Bilder im Kopf. Mit leiser, humorvoller Erzählkunst bringt Margaret Atwood dem Leser die Gestalt des Felix ( bei Shakespeare Prospero) sehr nahe und stattet seinen Charakter mit sympathischer Gerissenheit und Schläue aus.  Man leidet mit ihm und wünscht sich sogar, dass seine Rachepläne , mit denen er es seinen Kollegen heimzahlen möchte, in Erfüllung gehen. Stimmungsvoll beschreibt die Autorin die Gefängnisatmosphäre , die Charaktere und Möglichkeiten der Insassen zum Schauspielern, Fähigkeiten , die von Felix intelligent auf den jeweiligen Menschen-Typ zugeschnitten werden. *Hexensaat* ist eine superschöne Hommage von Margaret Atwood an den grossen  William Shakespeare und steht an Dramatik und Bildhaftigkeit dem Stück des grossen Meisters in nichts nach. Wer möchte, kann am Ende des Buches  vorher eine kurze Inhaltsangabe des Originalstückes *Der Sturm* von Shakespeare zum besseren Verständnis des Buches erlesen, aber das ist absolut nicht zwingend. 
    Lasst Euch unvoreingenommen auf dieses tolle Meisterwerk  und die Ausführungen von Margaret Atwood ein und ihr werdet einige wundersame, interessante, ganz andere Lesestunden, weitab vom Mainstream erleben,,,
    Meine Wertung: FÜNF ***** Sterne für dieses grossartige Buch!

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    miro76s avatar
    miro76vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine großartige Neuinszenierung vom Sturm! Lesenswert auch für Shakespeare Neulinge!
    Rache wird am besten kalt genossen

    Felix Phillips ist ein begnadeter Regisseur und Leiter der Makeshiweg –Festspiele. Er inszeniert Shakespeare Stücke auf revolutionäre Weise und sein nächstes Meisterwerk, „Der Sturm“ soll ihn noch berühmter machen. Außerdem soll es ihn von seiner privaten Tragödie ablenken.


    Doch es kommt alles anders. Sein engster Mitarbeiter hat ihn schwer hintergangen und nimmt seinen Platz ein. Phillips zieht sich entthront in ein selbstgeschaffenes Exil zurück und versteckt sich hinter einer erfundenen Identität. Aber er behält seine Feinde im Auge.


    Nach Jahren des Versteckens lockt ein Zufall seine Widersacher in sein Revier. Er inszeniert mittlerweile Stücke im Gefängnis, als Lese- und Schreibunterrichtsmethode. Ein Bildung-durch-Literatur Programm, das ihm über die Jahre sehr ans Herz wächst.


    Als die Zeit der Rache naht, inszeniert er den Sturm im Gefängnis. Alles ist bereit für seinen großen Auftritt und seine Widersacher sehen sich plötzlich mitten im Stück.


    Margret Atwood hat es meisterhaft geschafft, den Sturm in unsere Zeit zu bringen. Es gibt eine spannende Arrestsituation, eine Revanche, die sich gewaschen hat, ein bisschen Zauberei und natürlich auch Versöhnung und einen Neubeginn.


    Es ist beeindruckend, wie nah die Autorin am Original bleibt und trotzdem ist alles stimmig und spannend. Hexensaat ist nicht vorhersehbar. Das Buch überrascht immer wieder, obwohl der Handlungsverlauf irgendwie bekannt ist. Aber den Schluss finde ich im neuen Sturm definitiv schöner! Empfehlenswert, nicht nur für Shakespeare Freunde. Man muss das Original nicht gelesen haben, um Hexensaat zu mögen. Aber man wird es vielleicht nachholen wollen. 

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    momkkis avatar
    momkkivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein weiteres gutes Buch aus dem Shakespeare Projekt!
    Schöne neue Inszenierung

    Bisher habe ich ja alle Bücher aus dem Shakespeare-Projekt verschlungen – Da musste das neue aus der Reihe natürlich auch direkt auf meinem Nachttisch. „Der Sturm“ wird hier sowohl in der Theaterlandschaft als im Gefängnis gespielt – Felix ist passionierter Theatermacher und lebt für seinen Job. Eines Tages wird er durch fiese Machenschaften seiner Mitarbeiter entlassen und verliert den Grund und Boden seines Lebens. Doch man sieht sich immer zwei Mal im Leben und so inszeniert er 12 Jahre später seine Rache. Er inszeniert „Der Sturm“ im Gefängnis, um so die böse Seite seines Widersachers in Szene zu setzen.

    Das schöne ist hier, dass viele Auszüge aus dem Original enthalten sind. Es gibt witzige und ironische Dialoge, auch wenn das Buch nicht ganz so gesellschaftskritisch ist wie man es bei Atwood gewöhnt ist. Ein Lesevergüngen für Herbstabende.

    Insgesamt bekommt der Roman 3/5 Sterne.

    Weitere Rezensionen und Podcast unter: www.zeilenfuchs.com :-)

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    franzzis avatar
    franzzivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Atwood trifft Shakespeare - oder umgekehrt? Ein glückliches Zusammentreffen zweier Vielschichtiger - und überraschend hoffnungsvoll.
    Hexensaat

    "Kreativität. Talent. Die zwei überstrapaziertesten Wörter in diesem Geschäft, dachte Felix bitter. Und die drei unnötigsten Dinge auf Erden: der Schwanz eines Priesters, die Titten einer Nonne und ein tiefempfundenes Dankesschreiben."


    Dieses Geschäft von dem dieser Felix in Margaret Atwoods "Hexensaat" spricht, ist das Theater. Felix war lange jahre Festivaldirektor eines de-Facto-Shakespeare-Festivals in Kanada - und seinen eigenen Schilderungen zufolge gehört er selbst zur Gattung Überstrapazierer. Regietheater, Blut, Provokation, Nacktheit, Glitzerkanonaden bis zum Eklat. Dummerweise hat sich besagter Felix so in sein Künstlersein verrannt, dass ihm erst auffällt, dass er hinter seinem Rücken heimlich abgesägt wird, als er seine Kündigung auf dem Tisch hat. Nicht die einzige Krise, die ihn schüttelt und so verschwindet er und fängt neu an. 


    Das ist das Setting, das Atwood ausbreitet. Ein gefallener und gebrochener Mann, der sich wieder berappeln muss. - Und sie lehnt sich in ihrem Roman ganz offensichtlich und mit voller Absicht an einem früheren Werk der Weltliteratur an: William Shakespeares "Der Sturm", man könnte sogar sagen, sie webt das Werk in ihres ein, behaucht es neu, denkt es wieder und wieder um und versteckt es mal mehr mal weniger subtil in so vielen Ebenen ihrer Geschichte. 


    Das ist an einigen Stellen übertrieben gewollt, in der Reststrecke mit Blick auf die denkenden Figuren unlogisch akademisch, im Großen und Ganzen aber unterhaltsam leichtfüßig - und, was bei der Kombination der beiden Autoren auf den ersten Blick nicht so logisch scheint: hoffnungsvoll. 


    Ich kenne bisher nur Atwood-Werke, die an Dystopie kaum zu überbieten sind, und in der der Witz eher weh- als guttut. Die Hoffnung? Nie ganz tot, aber doch ziemlich. Und Shakespeare? Nun gut, sein Sturm wird eher seinen Komödien zugerechnet, von denen es nicht wenige gibt, aber wir kennen heute letztlich doch hauptsächlich seine Dramen, die sich nicht selten mit: Am Ende sind alle tot! zusammenfassen lassen. In "Hexensaat" kreist Atwood mit ihren zahlreichen Shakespeare-Anleihen auch um alles Destruktive, Hoffnungslose und Gewalttätige, doch es hält sich wunderbar mit den helleren Tönen des Lebens die Waage. Wunderbar tröstlich.

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    Nespavanjes avatar
    Nespavanjevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine wenig Affinität zu Shakespeare sollte man beim Lesen mitbringen - ansonsten ist es ein gutes Stück Literatur in dem es um Rache geht.
    Eine shakespearsche Hommage

    Als Felix durch eine Intrige seines Assistenten als Theaterdirektor abgesetzt und seine letzte Inszenierung von - Der Sturm - abgebrochen wird, ist er untröstlich. Als fast gänzlich gebrochener Mann zieht er sich und seine imaginäre und verstorbene Tochter Miranda in ein altes Haus, ohne fließend Wasser und Strom, zurück. Wie ein Stalker verfolgt er aus der Ferne, die Karriere seiner Peiniger - und entwirft mit der Zeit einen Plan zur Vergeltung, einen Plan der Rache.



    Vor einigen Jahren hat der britische Verlag Hogarth Press ein faszinierendes Projekt angekündigt: Der Verlag würde eine Reihe von Romanen - die auf Shakespeares berühmtesten Werke basieren publizieren und letztes Jahr im April 2016 (zum 400. Todestag von Shakespeare) war es soweit: Einige berühmte Schriftsteller haben ihre Shakespeare-inspirierten Werke veröffentlicht. Was mir besonders gut an diesem Projekt gefallen hat ist, dass sich der Deutsche Knaus Verlag entschloss, die jeweilige Übersetzungen zu veröffentlichen. Nachdem nun Margaret Atwood, die genauso wie der von mir verehrte Haruki Murakami, zu den ewigen Anwärtern auf den Literaturnobelpreis gehört und ich im Gegensatz zu Murakami bisweilen von ihr noch nichts gelesen habe, ihr Werk zum Thema - Der Sturm - zu dieser Reihe beigetragen hat, wurde es an der Zeit die Hexensaat zu lesen.



    Hauptcharakter in diesem Werk ist Felix, ehemaliger künstlerischer Leiter eines Theaterfestivals - und zeitgleich Atwood als Figur des Prospero dient - der ja im ursprünglichen Stück von seinem Bruder als Herzog von Mailand abgesetzt worden ist. Hexensaat ist aber auch so etwas wie ein Stück im Stück, denn es geht auch hauptsächlich darum, dass Felix das Theaterstück - Der Sturm - aufführen möchte, was ihm durch Tonys, seinem ehemaligen Assistenten, indizierten Absetzung nicht mehr gelungen ist. Hier liegt wohl auch die Komplexität von Hexensaat verborgen und eine gewisse Affinität zum Meisterbarden wäre für den geneigten Leser vom Vorteil, wobei ich mir traue zu behaupten, dass Atwoods kurzweilige Beschreibungen von - Der Sturm - beide Leser gleichermaßen überzeugen kann und damit einerseits den Kenner und andererseits den Neuling für sich und Shakespeare gewinnt. Mir hat es sehr gut gefallen und bin nun verleitet Margaret Atwoods Werke, genauso wie die anderen Werke der Hommage an Shakespeare zu lesen.

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    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Der Sturm im Sturm

    Der Sturm im Sturm

    Er ist ein großer Theatermacher. Und er hat ein noch größeres Leid zu tragen. Eine gute Idee somit, das Leid zu bearbeiten und zu verarbeiten, indem er das tut, was er am besten kann. Ein Stück zur Aufführung bringen.

    „Die Ärzte taten, was sie konnte. Jede Plattitüde wurde aufgefahren“.

    Doch das wird eine ungeahnte Pause von 12 Jahren bedürfen und dann auch an einem Ort und mit „Schauspielern“ langsam, aber sich Gestalt annehmen, die sich Felix Philips so nicht vorher gedacht hätte.

    „Dieser heimtückische, hinterhältige Scheißkerl“. Und das ist er. Der vormalige Vertraute und aktuelle Verräter und Karriererist.

    Wobei es ganz gut ist, dass 12 Jahre vergangen sind. Vielleicht kann er so eine Weile noch unerkannt bleiben auf seinem Weg der „Rache“ einerseits und der „inneren Wiederbelebung“ andererseits. Vielleicht wird „Der Sturm“ von Shakespeare ihm Gelingen, ganz vielleicht sogar echten Frieden bringen.

    Und während man dem Unglück des „Felix“ (lateinisch: „Der Glückliche“ folgt, miterlebt, wie er mitten im Schaffen „ausgebootet“ wird und umgehend ein „Refugium“, eine „Insel“ findet, erinnert man sich, dass in Shakespeares „Der Sturm“ der Held Prosperos auch 12 Jahre auf einer Insel verbrachte. Und ebenfalls zuvor von einem engen Vertrauten, im Sütck vom eigenen Blut, und, wie im Buch nun auch, von je dessen „Gönner“ zunächst gründlich aus dem Spiel genommen wird.

    Atwood gestaltet das Buch wie die Handlung wie das zur Aufführung kommende Stück im Buch im Gesamten nach „Der Sturm“. Verlegt die Handlung in die „moderne Welt“ und ist wunderbar in der Lage, sowohl die formalen Aspekte (Orte, Personen und Ereignisse“ völlig neu zu füllen und je zu übertragen, wie sie sorgsam auch der inneren Dramatik des Stückes nachgehet, hier das Leiden ihres Felix ein wenig steigert, dort die „Insel“ ein wenig glättet und so alle Protagonisten in bester Weise Schritt für Schritt „antreten“ lässt zur großem Aufführung und zum ebenfalls wunderbar passend gestaltetem Finale.

    Mit all de Bildern eines realen Gefängnisses, eines inneren Gefängnisses (Trauer), eines inneren Exils, mit den Mitteln der Täuschung, der Illusion, der Doppelbödigkeit agieren alle Beteiligten. Atwood in ganz klarer und mitreißender Sprache, Shakespeare im Aufbau seines Stückes und an dessen Ende mit der Bitte um Applaus und damit Erlösung aus der Unsicherheit und Felix mit seinem Weg zur neuen Reputation, vor allem aber zum inneren Frieden in seiner Trauer. Die ihn in Kontakt zur „Geisterwelt“ bringt und erst am Rande des Wahns ihn in die Welt zurückführt. Geändert, aber nicht geläutert, zunächst.

    „Lavinia, Julia, Cordelia, Perdita, Marina. All die verlorenen Töchter. Einige von ihnen wurden wiedergefunden, warum nicht auch Miranda“? Was dennoch schwer erden wird, denn Töchter können ja auf verschiedene Weise verschwinden. Und je nachdem den Vater vor fast unlösbare Aufgaben stellen. Was wiederum den Leser interessiert, animiert, sich der Frage mit anzuschließen,, ob und wie das Felix im Buch wohl unter diesen konkreten Umständen gelingen kann.

    Und so spielt es am Ende keine Rolle, ob Insel oder Gefängnis, ob Unwetter oder Schneesturm, ob lebendig oder tot, ob Bruder oder Günstling, eng folgt Atwood dem Faden des Stückes und jede Seite kündet von ihrer gelungenen Mission, den Geist Shakespeares in die moderne Welt zu übertragen.

    Ein hervorragender Roman mit vielen Ebenen, ebenso vielen menschlichen Erkenntnissen, sprachlich hervorragend umgesetzt und mit einigen eigenen Schwerpunkten versehen.

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    Mira20s avatar
    Mira20vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das Theater im Theater – ein vollumfängliche gelungenes Doppelspiel!
    Das Theater im Theater – ein vollumfängliche gelungenes Doppelspiel!

    Um es vorweg zu nehmen: Ich bin kein Theaterfan und auch kein grosser Shakespearekenner, aber dieses Buch hat es mir angetan und nun lese ich tatsächlich „ Der Sturm“ von William Shakespeare!

    Deshalb finde ich, man muss kein Shakespearekenner sein um sich von diesem Buch packen zu lassen!

    Felix war ein Star in der Theaterszene, bis er 12 Jahren zuvor durch eine Täuschung und Intrigen von seinem einflussreichen Posten als künstlerischer Direktor des Makeshiweg-Theaterfestivals entlassen wurde. Er verschwindet völlig aus der Öffentlichkeit und nimmt sogar einen neuen Namen an. Neue Herausforderungen findet er als Lehrer in einer Justizvollzugsanstalt zum Programm Bildung durch Literatur. Hier führt er nun jedes Jahr mit viel Erfolg Shakespeare Stücke auf. Nun nach 12 Jahren erhält er die einmalige Chance mit seiner Theatergruppe „Den Sturm„ aufzuführen. Ein Doppelspiel beginnt, denn im Publikum sitzen seine ehemaligen Gegner.

    Brillant wie die Autorin das Bühnenstück zerlegt. Gemeinsam mit den Gefängnisinsassen der Theatergruppe lernt der Leser vieles über Shakespeares „Der Sturm“ und über die Möglichkeiten der Interpretationen. Das war absolut faszinierend. Aber auch das doppelte Spiel, das die Autorin einfädelt, ist absolut genial umgesetzt. Felix inszeniert nicht nur auf der Bühne der Sturm, nein, er erlebt Shakespeares Sturm im echten Leben mit all seinen Facetten.

    Als Leser fiebert man richtiggehend der Vorführung entgegen und wünscht Felix nur bestes Gelingen!

    Das Buch unterhält aber auch hervorragend, die Dialoge sind witzig und je weiter die Geschichte fortschreitet desto dynamischer wird sie. Meine einzige Kritik gilt deshalb auch der Vorgeschichte. Diese ist zwar sehr interessant in den Roman integriert und für das Verständnis auch notwendig, aber doch eher lang und ruhig geraten. 


    Von mir erhält der Roman eine absolute Leseempfehlung!  

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