Oryx und Crake

von Margaret Atwood 
4,4 Sterne bei100 Bewertungen
Oryx und Crake
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (85):
SusannePichlers avatar

Nach der Lektüre dieses Buches stellt sich eine einzige Frage: werden uns Wahnsinn oder Genialität in den Untergang führen?

Kritisch (5):
S

Pornokonsum, Kinderprostitution und feuchte Männerträume

Alle 100 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Oryx und Crake"

Crake und Jimmy sind Freunde, und sie lieben dieselbe Frau: die rätselhafte Oryx. Sie leben in einer von Klimakatastrophen bedrohten Welt in einer gar nicht so fernen Zukunft. Crake, ein Genie genetischer Manipulation, ist Wissenschaftler und arbeitet an der Entwicklung neuer Medikamente, die die Menschen gegen Epidemien immunisieren sollen, aber er verfolgt darüber hinaus seine ganz eigenen Pläne ...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492311311
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:384 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:02.10.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 15.05.2017 bei Ronin-Hörverlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,4 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne59
  • 4 Sterne26
  • 3 Sterne10
  • 2 Sterne4
  • 1 Stern1
  • Sortieren:
    S
    snekistarvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Pornokonsum, Kinderprostitution und feuchte Männerträume
    Pornokonsum, Kinderprostitution und feuchte Männerträume

    Wie unendlich enttäuschend. Ich lese manchmal gerne Science-Fiction Romane die mich in eine andere Welt entführen und die Phantasie anregen.
    Ob nun die Erforschung des Weltraums oder Endzeitsituationen, es gibt so viele interessante Themen. Eigentlich traue ich mich kaum dieses Buch negativ zu bewerten, die Schriftstellerin ist schon mit vielen Preisen ausgezeichnet worden und beliebt. 
    Mir persönlich hat das Buch nicht gefallen, ich möchte in einem Science-Fiction keine ausufernden Kapitel über Pornokonsum, Kinderprostitution und feuchte Männerträume lesen. All das gibt es zweifellos in dieser Welt, nur lese ich Bücher um abzuschalten. Ist das Buch speziell für Männer mit pädophilen Neigungen geschrieben worden? Bei Filmen gibt es eine Altersfreigabe, bei diesem Buch fehlten Hinweise auf dieses schmierige Thema. Da sollte schon ein wenig freiwillige Selbstkontrolle erfolgen.
    Der Anfang war vielversprechend, ich war begierig zu erfahren wie die Welt des Schneemannes aussieht und wie es dazu gekommen ist. Leider fehlen nähere Beschreibungen so dass ich mir den Ort nicht so recht vorstellen konnte. 
    Zum Glück habe ich mir dieses Buch nicht gekauft sondern online gelesen.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    franzzis avatar
    franzzivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Planet geschrottet,Menschheit ausgerottet.Einer lebt und versucht,in der nutzlosen Plastikwüste zu überleben.Atwood erzählt nüchtern&trifft.
    Oryx&Crake

    Die Menschheit hat es geschafft, erst den Planeten zu schrotten und sich dann selbst nahezu auszurotten. Nur wenige sind noch da und sie sind anders als die früheren Menschen, das wird sehr früh klar in Margaret Atwoods Roman «Oryx&Crake». Alles andere blättert sie nacheinander auf. Nüchtern. In einem fast schon unbeteiligten Erzählton. Die Frauengeschichten des Erzählers Jimmy (allen voran die Frau und Titelgeberin Oryx), das Wesen einer ungewöhnlichen und bedeutenden Freundschaft (mit dem extrem klugen, extrem erfolgreichen und extrem vage bleibenden Crake) mit dem Leben nach dem Weltuntergang mischend. Auf die Spitze getriebenen Schönheitswahn einer unübertrefflich hässlichen Gefühlskälte dem Schicksal der eigenen Spezies gegenüber aufzeigen. Absolut wertfrei. Unhysterisch. Schnörkellos. Und genau deshalb brutal entlarvend. Diese egomane, zersplitterte Karikatur einer Weltgesellschaft auf einem völlig erschöpften und nahezu unwirtlichen Planeten ist ein ekelhaft realistisches Zukunftsszenario. Einer nahen Zukunft. Der Protagonist Schneemensch, der früher Jimmy hieß, und als letzter irgendwie noch lebt, kann als einziger erleben, wohin alles geführt hat: Nutzlose, stromlose vor sich hinrottendr Plastik-&Betonlandschaften, die ihm, der nicht mehr weiß, wie man in MacGyver-Manier ein Baumhaus zimmert, keinen wirtlichen Lebensraum mehr liefert. Er, der zu ungeschickt ist, Tiere zu jagen, auf einem Planeten vegetierend, der für die meisten Nutzpflanzen zu heiß geworden ist, plündert verlassene Dörfer auf der Suche nach Konserven, um irgendwie zu überleben. Was ihm wirklich fehlt, ist die Kunst: die Literatur, die Musik, die seltenen antiquierten Worte, die schon vor dem Untergang kaum einer sprach. Trostlos lässt das Buch zurück, weil es so unausweichlich scheint. Aufwühlend, in eine innere unangenehme Unruhe bewegend. Atwood demaskiert konsequent die impliziten Logiken globalen Zusammenlebens und die Brüchigkeit der sogenannten Menschlichkeit. Es funktioniert tadellos und erschreckt auf jeder Seite. So wie auch beispielsweise Jose Saramagos «Stadt der Blinden». Nur dass es unversöhnlicher bleibt. Und mit einer klaren Botschaft: #savetheplanet - now!

    Kommentare: 4
    22
    Teilen
    katha_dbnos avatar
    katha_dbnovor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Etwas verwirrend, teilweise langatmig, aber trotzdem fesselnd.
    Außergewöhnlich

    Rezension auf Buntes Tintenfässchen

    Von allen Dystopien, die ich bisher gelesen habe, war diese definitiv die ungewöhnlichste und am schwersten zu lesende. "Schwer" ist hier aber keineswegs gleichzusetzen mit "schlecht", das möchte ich vorab sagen. Was "Oryx und Crake" von anderen Dystopien abhebt, ist deren Aufbau. Es gibt zwei Zeitebenen: Gegenwart und Vergangenheit, die beide durch die Augen von Snowman bzw. Jimmy (wie er sich vorher nannte) erzählt werden. Die vergangenen Ereignisse sind hier aber wesentlich zentraler als das gegenwärtige Geschehen. Genau genommen passiert in der Gegenwart eigentlich nichts Nennenswertes, außer dass Jimmy aufbricht, um Proviant zu besorgen. Dreh- und Angelpunkt sind die Ereignisse, die im Vorfeld passiert sind, denn ohne sie macht nichts, was Snowman/Jimmy tut und sagt einen Sinn. Demnach war ich vor allem am Anfang extrem verwirrt und musste mich durch die ersten Seiten und auch einige spätere Passagen regelrecht durchquälen. Sie haben sich gezogen wie Kaugummi und ich wollte schon frustriert aufgeben. Sobald Jimmy jedoch einmal beginnt, seine Vergangenheit und die Ereignisse, die zur Katastrophe geführt haben, zu rekonstruieren, wurde es tatsächlich für mich interessant. Atwood rollt quasi das Feld von hinten auf. Je mehr man erfährt, desto besser kann man sich in der "Ist-Welt" (wie ich sie mal bezeichnen möchte) zurechtfinden, bis dann am Ende alle Fäden zusammenführen. Dann hat es endlich bei mir Klick gemacht und alles ergab einen Sinn: warum Jimmy jetzt Snowman heißt, warum die "Crakers" (die Leute, um die er sich kümmert) so naiv sind und man ihnen alles Mögliche erklären muss, wo Crake und Oryx sind, warum Jimmy/Snowman nie auf andere Menschen trifft. Dieser Aha-Effekt ist es, der mich zum Weiterlesen animiert hat. Ebenso die im Inhaltsverzeichnis angedeutete Dreiecksgeschichte zwischen Jimmy, Oryx und Crake. In der Beziehung war ich jedoch nicht ganz zufrieden. Was man hier definitiv nicht bekommt, ist eine emotionale, herzerweichende Liebesgeschichte. Ein Hin und Her à la Tribute von Panem bleibt einem hier also erspart (Ich finde die Trilogie toll, keine Frage, aber hier hätte so ein Durcheinander nur vom Wesentlichen abgelenkt). Das liegt zum einen an dem recht sachlichen Ton, in dem Jimmy seine Geschichte erzählt. Zum anderen liegt es an den Charakteren selbst. Alle drei sind nicht gerade Figuren, die einem sofort ans Herz wachsen. Crake beispielsweise ist das, was man wohl als (gutaussehenden) Nerd bezeichnen würde, weshalb er auch als Wissenschaftler bei CorpSeCorps arbeitet. Für mehr als seine Arbeit hat er eigentlich keinen Blick - abgesehen von Oryx. Und in der Beziehung kann man nicht wirklich von einer leidenschaftlichen Liebe sprechen. Jimmy ist da schon etwas emotionaler und handelt impulsiver, ordnet sich jedoch immer Oryx' Bedürfnissen unter. Das hat mir zunehmend missfallen. Und Oryx wiederum ist so undurchschaubar, dass ich kaum eine Bindung zu ihr aufbauen konnte. Um ehrlich zu sein, mochte ich sie nicht besonders. Mir ist schleierhaft, was Crake und Jimmy an ihr gefunden haben. Ich verstehe zwar, dass Jimmy das Bedürfnis hatte, sie zu "retten", aber das war's dann auch schon. Vielleicht ist es auch Oryx' Backgroundstory, die mich schlicht abgeschreckt hat. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie so grausam hätte sein müssen bzw. ob man sie so ausführlich hätte beschreiben müssen. Denn anstatt mich deshalb mit ihr verbunden zu fühlen oder Mitleid mit ihr zu empfinden, konnte ich nur den Kopf schütteln, weil sie sich scheinbar nicht bewusst ist, wie schrecklich ihre Kindheit eigentlich gewesen ist. Dadurch kam sie mir etwas dumm vor. Durch diese merkwürdige Konstellation war es mir fast schon ein bisschen egal, wie sich das Liebesdilemma auflösen würde. Wie aber oben angemerkt, war das ganz gut so, da der Fokus einfach auf den Vorgängen bei CorpSeCorps lag. 

    Fazit

    "Oryx und Crake" war für mich eine Überraschung in jeder Hinsicht, da nichts so ablief, wie ich es gewohnt war, auch wenn man auf typische Elemente nicht verzichten muss. Wissenschaft ist hier wesentlich bedeutsamer als rohe Gewalt und kann manchmal sogar mehr Schaden anrichten. Es gibt demnach kein actionreiches Gemetzel mitzuverfolgen, aber dennoch fließt Blut. Das Besondere ist aber, was und vor allem wie Margaret Atwood erzählt. Das Gegenwärtige geschehen wirft mehr Fragen als Antworten auf und kann nur entschlüsselt werden, wenn man die Vergangenheit kennt, die jedoch nur puzzleteilartig aufgelöst wird. Das macht es zu einem zunächst verwirrenden, aber faszinierenden Leseerlebnis.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    B
    bookwyrmvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Dies ist schlichtweg die beste Dystopie/ Utopie seit Huxleys Brave New World.
    Beste Dystopie/ Utopie seit Brave New World

     Atwood hat den wahrscheinlich besten SF-Roman der letzten Jahre abgeliefert. Sie geht auf nahezu alle gesellschaftlichen und naturwissenschaftlichen Fragen unserer Zeit ein und verpackt sie in eine bitterböse bewegende, aber auch oft humorvolle Geschichte.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Endzeitszenario, beklemmend, irritierend und voller beißender Ironie.Man schwankt zwischen Verwunderung und Entsetzen und amüsiert sich.
    Zukunftsvision, bitterböse und amüsant

     
    Die Polkappen schmelzen, das Klima spielt verrückt, der Sommer ist jetzt im Februar und mittags kann man sich nicht im Freien aufhalten, weil dann die Mittagsgewitter kommen. Die Welt ist am Ende. Das hat man schon gelegentlich gelesen. Und obwohl Margaret Atwood dieses Buch lange vor dem großen Dystopien-Hype geschrieben hat, meint man, man liest hier eine neue, sehr finstere Variante. 

    Voller Zynismus und sehr eloquent erzählt hier Schneemensch, wie es so weit kommen konnte. Früher, als die Welt noch in Ordnung war, hieß er Jimmy. Allerdings lassen die Zustände in dieser „heilen“ Welt schon staunen. 
    Mit unglaublichem Ideenreichtum und gnadenloser Konsequenz spielt Margaret Atwood den Ernstfall durch. Wohin führen wohl Genexperimente, wenn Wissenschaftler Narrenfreiheit bekommen? Wie sieht die Gesellschaft aus, wenn Arm und Reich weiter auseinanderdriftet? 

    Auch wenn der Klappentext eine zarte Liebesgeschichte andeutet, haben wir hier keine leichte Kost. Die zarte Liebesgeschichte ist eine Randerscheinung und man kann sie durchaus auch verstörend finden. Es geht um Jimmy, der Schneemensch wurde, seinen genialen Freund Crake, der ein Gott wurde und die geheimnisvolle Oryx, die ein Mythos wurde.
    Dieses Endzeitszenario ist düster, beklemmend, irritierend und trieft vor beißender Ironie. Die ausgefeilte Sprache macht großen Spaß. Man schwankt zwischen Verwunderung und Entsetzen und amüsiert sich dabei.

    Oryx und Crake stand lange unbeachtet in meinem Regal, was es wirklich nicht verdient hat. Es ist etwas ganz Besonderes, unterhält, beeindruckt und wirkt lange nach. Die beiden Folgebände stehen bereit, die werde ich jetzt direkt in Angriff nehmen und freue mich drauf.

    Kommentare: 2
    19
    Teilen
    raven1711s avatar
    raven1711vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Erwachsen, intelligent und aktuell
    Erwachsen, intelligent und aktuell

    Inhalt aus dem Klappentext:
    Crake und Jimmy sind Freunde, und sie lieben dieselbe Frau: die rätselhafte Oryx. Sie leben in einer ständig von Klimakatastrophen bedrohten Welt in einer gar nicht so fernen Zukunft. Crake, ein Genie genetischer Manipulation, ist Wissenschaftler und arbeitet an der Entwicklung neuer Medikamente, die die Menschen gegen Epidemien im Gefolge der Umweltkatastrophen immunisieren sollen, aber er verfolgt darüber hinaus ganz eigene Pläne.

    Meinung:
    Auf dieses Buch wurde ich durch eine Empfehlung aufmerksam, denn gekannt hatte ich es vorher noch nicht. Intelligente Endzeit-Romane mag ich wirklich sehr und dementsprechend neugierig war ich auf dieses Werk.
    Etwas über den Inhalt zu schreiben, fällt mir bei diesem Buch recht schwer, denn man möchte nicht zu viel über die Geschichte verraten. In diesem Buch begegnen wir Schneemensch, der in einer entvölkerten Zukunft lebt. Als Leser merkt man schnell, dass etwas sehr schlimmes mit der Menschheit passiert ist. Schneemensch nimmt uns mit in seine Erinnerungen und nach und nach zeichnet sich das Bild der Katastrophe und seiner Ursachen ab. Dabei spielen die Namensgeber dieses Romans natürlich auch eine Rolle...
    Hm, auch über die Protagonisten zu sprechen wird schwierig, ohne zu spoilern. Ich halte es daher mal eher allgemein: Die Charaktere sind sehr interessant umgesetzt und wirken authentisch und glaubhaft. Besonders werden sie vor allem dadurch, dass sie auch Schwächen haben, und mit diesen Entscheidend den Verlauf der Geschichte prägen. Das macht das Buch erschreckend real und ich denke, jeder wird sich in der einen oder anderen Charaktereigenschaft wiederfinden können.
    Geschrieben ist das Buch in der dritten Person, der Blickwinkel liegt dabei auf Schneemensch, bzw. Jimmy. Die Kapitel sind moderat und übersichtlich gehalten und unterteilen sich in mehrere Unterkapitel. Der Schreibstil ist fesselnd, die Geschichte intelligent und packend umgesetzt. Die Autorin weiß, wie sie ihre Leser bei der Stange hält und den Spannungsbogen aufrechterhält. Aber auch, wenn ich einige Dinge gegen Ende hin absehen konnte, hat es das Buch nicht weniger fesselnd gemacht.
    Margaret Atwood hält mit diesem Science-Fiction-Buch der Gesellschaft einen Spiegel vor die Nase. Sie weist auf Missstände in der Forschung und auf Größenwahn hin, zeigt mögliche draus resultierende Folgen auf und ist mit ihrem Werk zu jeder Zeit am aktuellen Zeitgeschehen. Denn obwohl das Buch 2003 im Original erschienen ist, hat es nichts von seiner Aktualität verloren.

    Fazit:
    Science-Fiction oder Endzeit? Egal in welches Genre man das Buch packen möchte, es ist eines der erschütterndes und packendes Werke, die ich bisher gelesen habe. Ich bin wirklich froh, dass ich auf diese Trilogie aufmerksam gemacht wurde, denn die Geschichte wirkt sehr lange nach.
    Von mir gibt es 5 von 5 Punkten.

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    NiWas avatar
    NiWavor 4 Jahren
    Als "Schneemensch" noch Jimmy war

    „Schneemensch“ wird er von den Crakern genannt. Diesen Kreaturen, nicht Mensch, nicht Tier, perfekte genetische Konstruktionen, die Crake im Labor gezüchtet hat. Und Schneemensch erinnert sich an die Zeit, als Crake sein bester Freund war, er noch Jimmy genannt wurde und sie beide in die mysteriöse Oryx verliebt waren.

    Und er erinnert sich an eine Welt, vom Klimawandel gebeugt, von Naturkatastrophen durchgeschüttelt und von Menschen bewohnt, die dem Jugendwahn verfallen waren und die sich durch Genmanipulation ein besseres Leben erhofften, jedoch ohne zu ahnen, dass dadurch aus Jimmy Schneemensch wird …

    Schneemensch wirkt auf mich wie ein moderner Robinson Crusoe, auf sich allein gestellt, bewohnt er eine unwirtliche Welt, hat nur die Gesellschaft der Craker, auf die er gut und gern verzichten könnte und erinnert sich an die Zeit davor, als er noch Jimmy war.

    Es ist der Beginn der MadAddam-Trilogie aus der Feder von Margaret Atwood. Dabei schafft die große Erzählerin es auf’s Neue mich durch ihren fragmenthaften Schreibstil für sich einzunehmen. Denn es sind mehrere Geschichten, die uns die Autorin erzählt.

    Einerseits behandelt sie die Lebensgeschichte von Jimmy, seine Kindheit und sein Leben in der von Naturkatastrophen bedrohten Welt, andrerseits berichtet sie von einer Gesellschaft, die der unsrigen gar nicht so fremd ist und webt viele aktuelle Themen, wie zB den Jugendwahn, Organspende und Genmanipulation, ein.

    Dann erzählt sie von Schneemensch, der einst Jimmy war, wie er sich um die Craker kümmert, weil er ansonsten ganz alleine wäre, und wie er sich im Überleben versucht, denn er scheint der Letzte seiner Art zu sein. Und er erinnert sich, wie es dazu kam, dass aus Jimmy Schneemensch wurde.

    Margaret Atwood spielt mit den verschiedenen Erzählsträngen, hält den Leser mit gerade so viel Informationen an der Stange, dass man nicht ganz orientierungslos davon treibt und vereint die Fragmente letztendlich leise zu einem ausgefallenen, doch bestürzenden, Trilogie-Auftakt, der einem sofort nach dem 2. Band greifen lässt.



    Die MaddAddam-Trilogie:
    Oryx und Crake
    Das Jahr der Flut
    Die Geschichte von Zeb

    Kommentare: 8
    78
    Teilen
    Weltverbesserers avatar
    Weltverbesserervor 4 Jahren
    Ein spannendes und wichtiges Thema, Potenzial leider nicht ausgeschöpft

    Unsere Welt in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft.

    Eine Welt in der unsere Nahrungsmittel fast ausschließlich synthetisch erzeugt werden, Länder existieren in ihrer heutigen Form nicht mehr, sie sind in Komplexe und das "Plebsland" unterteilt. Eine freie Meinungsäußerung ist schwer möglich, zumindest für "Andersdenkende", immer wiederkehrende Verhöre gehören sonst zur Tagesordnung. In dieser Welt leben die beiden Jungen Jimmy und Crake. Sie werden richtig dicke Freunde und verbringen fast jeden Tag miteinander. Sie surfen täglich im Internet, vor allem auf dubiosen Pornowebseiten. Auf einer dieser Webseiten sehen sie auch das erste Mal Oryx, ein junges Mädchen in das sich Jimmy sofort verliebt.
    Als junge Männer gehen sie dann unterschiedliche Wege, Jimmy wird eine Art Werbetexter und Crake geht in die Forschung. Ihr Kontakt wird immer seltener, bis Crake Jimmy eines Tages um einen Gefallen bittet. Auch Oryx ist in diesen Gefallen involviert. Kurze Zeit später gerät die komplette Menschheit außer Kontrolle.

    ----------

    Leider blieb mir dieser Roman an vielen Punkten zu oberflächlich. Ich konnte mir anhand der Beschreibungen überhaupt kein Bild davon machen wie die Umgebung (also das Plebsland) aussieht. Weder als es noch Menschen gab, noch, als die Menschen dann fast gänzlich verschwunden waren.
    So fand ich es auch unheimlich schwer mir die Umgebung vorzustellen in der Jimmy (aka Schneemensch) allein haust. Ein grobes Bild hatte ich zwar schon, aber mir haben Details gefehlt.
    Auch der Charakter von Oryx ist für mich nicht greifbar geworden.

    Ich habe mich ab der Hälfte nur noch bemüht, bis zum Ende durchzuhalten. Das Ende wurde weitaus spannender, da der Leser dort erfährt wie es zur Katastrophe kam. Trotzdem blieb bei mir nur der Beigeschmack einer faden Unterhaltung; der Funke ist nicht über gesprungen, daher 3 Sterne.

    Ich denke, dass die Aufteilung der Geschichte dazu beigetragen hat, dass ich mich ein wenig gelangweilt habe, da der Leser erst am Ende erfährt, wie es zur Katastrophe gekommen ist. Vielleicht wäre es anders herum besser gewesen, aber das ist sicherlich auch eine Geschmackssache.

    ----------

    Ich werde die Fortsetzung "Das Jahr der Flut" auch lesen, da ich trotzdem neugierig bin wie es weiter geht und ob die Story noch etwas an Fahrt gewinnt.

    Kommentare: 2
    32
    Teilen
    Alexandra_Luchss avatar
    Alexandra_Luchsvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: "Oryx und Crake" ist eine realitätsnahe, kluge Dystopie und darum umso beängstigender! Spannend geschrieben und toll konstruiert. Lesen!
    Realitätsnahe, kluge Dystopie

    Die Welt, in der Jimmy und Crake aufgewachsen sind, ist schon sehr befremdlich. Die Eliten leben in abgeschirmten Bereichen und werden von dem „einfachen Volk“ strickt getrennt, sie genießen höhere Bildung und gesonderte Privilegien. Doch die Welt, in der Jimmy jetzt lebt, ist noch um einiges härter. Aus den anfangs zukunftsträchtigen Forschungen einiger Wissenschaftler entwickelt sich Stück für Stück eine apokalyptische Vision. Die Geschichte die Jimmy (alias Schneemensch) erzählt, ist die einer globalen Katastrophe und einer ganz persönlichen Liebesbeziehung. Ich fand diese Verbindung von Anfang an sowohl ungewöhnlich, als auch äußert gelungen. Da ist einmal der dystopische Teil des Buches. Ich habe bisher kaum eine so kluge, realistische und darum so beängstigende Dystopie gelesen wie „Oryx und Crake“. Alle Entwicklungen scheinen so nah im Bereich des Möglichen und spiegeln tatsächliche Entwicklungen unserer Welt, dass ich diesen Schilderungen fassungslos folgen musste. Besonders überzeugt hat mich, dass alle Entwicklungen, vom Organschwein über die politischen Konflikte wegen einer nur auf Gewinn ausgerichteten Argrarkultur, so ehrlich beschrieben schienen. Nichts ist einfach nur schlecht, weil es neu ist. Aber es passiert, dass auch kleine Eingriffe in die Natur oder gut gemeinte Forschungen in schlimme Folgen münden. Der Teil über die Beziehungen von Oryx, Crake und Schneemensch ist dagegen deutlich leiser und privater. Crake und Schneemensch sind beide in die schöne aber geheimnisvolle Oryx verliebt, wirklich haben kann sie keiner. Und auch die Lebensgeschichten der drei Protagonisten sind schon, jede für sich, besonders erzählenswert. Alles verwebt sich in diesem Buch zu so einer dichten Handlung, dass ich völlig von der Geschichte gefangen war. Wen „Oryx und Crake“  jetzt nicht schon allein wegen der Thematik und der grandiosen Szenerie in seinen Bann zieht, der sollte spätestens von der tollen Atmosphäre und dem grandiosen Schreibstil gefangen werden. Die Stimmung hat von der ersten Seite gestimmt und die Erzählweise aus Jimmys Sicht ist perfekt gewählt. Alle Beschreibungen sind so stimmungsvoll und detailliert, dass sich ein genaues Bild dieser Welt entwickelt. Dabei wird man nicht mit einer langen Vorgeschichte in die Szenerie eingeführt, sondern erfährt nur Stück für Stück, was dazu führte, dass sich Schneemensch nun ganz allein durchschlagen muss. Dieser Aufbau der Geschichte war für mich deutlich spannender als lange, konstruierte und im schlimmsten Fall unglaubwürdig beschriebene Vorgeschichten, die in anderen Dystopien auf Krampf für Stimmung sorgen sollen. „Oryx und Crake“ ist mein zweites absolutes Highlight in diesem Jahr und hat mich restlos begeistert. Ich konnte das Buch in keiner freien Minute zur Seite legen, bis ich es ausgelesen hatte. Und auch die Tage danach hing ich noch völlig in der Welt von Oryx und Crake fest. Das Buch bietet so viel Unterhaltung, aber auch so viele ernste Themen, denen man sich selbst stellen muss, dass ich es nur unbedingt jedem empfehlen kann.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Tapanis avatar
    Tapanivor 5 Jahren
    Eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe

    So wie George Orwells "1984" recht nah an unsere Gegenwart kommt, könnte Margaret Atwood "Oryx und Crake" eine realistische Einschätzung für unsere Zukunft sein. Darüber hinaus habe ich noch kein Buch gesehen, dessen Klappentext und das Cover so irreführend sind wie hier. Hier geht es nicht um eine bezaubernde und romantische Liebesgeschichte, sondern hauptschlich um den Untergang der menschlichen Zivilisation. Davor und danach. Die Romantik, die das Cover und unterschwellig auch der Klappentext verspricht ist kaum bis garnicht vorhanden. Es geht um Postapokalypse, Gentechnik und Geheimnisse.

    Die Geschichte handelt von Jimmy, der sich nach einem einem vernichtenden Virus alleine, ohne andere Menschen, in einer mittlerweile feindlichen Umgebung durchschlagen muss. Die Tierwelt ist gefährlich geworden, Naturkatastrophen wüten und verwüsten den Planeten, Nahrungsmittel sind aum auffindbar. Alles, was er bisher kannte, ist verschwunden. Auch sein bester Freund Crake. In seiner Einsamkeit erinnert sich Jimmy Stück für Stück daran, wie es zu einem Ereignis kommen konnte, das Geschichte geschrieben hätte. An seinen besten Freund und an seine große Liebe. Hätte Jimmy die Menschheit retten können?

    Margaret Atwood mag zwar einen flüssigen und gut leserlichen Schreibstil haben, ist aber alles andere als eine leichte Kost. Man muss kein Experte in Biologie oder Genforschung sein, um dem Buch folgen und es verstehen zu können, aber es ist doch recht anspruchsvoll. Folglich dauerte es ein bisschen länger, bis ich mich durch die knapp 400 Seite gearbeitet hatte. Ihre Zukunftsvisionen sind überzeugend, und es würde einen nicht wundern, wenn die Menschheit sich wirklich zu dem entwickeln würde, was sie in "Oryx und Crake" beschreibt. Die Tendenz weist ja schon den Weg. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich das gesamte Buch über ein ziemlich mulmiges Gefühl hatte. Sie hat ihre Welt sehr autenthisch präsentiert und es sich auch nicht nehmen lassen, einige Überraschungen einzubauen. Das Buch braucht etwas Zeit zum Nachwirken. Man muss nochmal (zwangsweise) in Ruhe darüber nachdenken, um sich wirklich bewusst zu werden, wie genial das gesamte Zusammenspiel der Geschichte ist. Einige Dinge fügen sich erst nachträglich als wichtig ins Gesamtbild ein, weil sie im ersten Moment eher nebensächlich und banal erschienen sind.

    Von der Liebesgeschichte, die der Klappentext für sich beansprucht, findet man allerdings nicht viel. Meine lieben Romantiker unter euch: Falls ihr nach einer Liebesgeschichte sucht, dann werdet ihr hier enttäuscht. Es gibt kein romantische Gesäusel und so ziemlich alles, was mit dem Thema Liebe und Sex zu tun hatte, wurde sehr distanziert berichtet. Die Liebesgeschichte läuft eher im Hintergrund ab. Ab und an taucht sie auf und ist dann wieder für eine Weile verschwunden. Und das ist auch gut so, denn romantisches Rumgeschmachte hätte hier einfach nicht reingepasst. Weder von den Beteiligten noch von den Ereignissen. Es wäre einfach lächerlich geworden. Daher finde ich diese dezenten Bahnen, in der dieses Thema behandelt wird, sehr passend. Die Geschichte wird so dennoch etwas aufgelockert und man verliert trotz alledem das Wesentliche nicht aus dem Blick.

    Ich verstehe nicht, wie dieses Buch so wenig Aufmerksam bekommen hat, da es sich hier um ein wirklich tolles Buch handelt. Dennoch verstehe ich jeden, der aufgrund des Covers und des Klappentextes einen komplett falschen Eindruck bekommen hat und enttäuscht wurde. Hier wurde wirklich Mist gebaut und ich hätte mir auch etwas komplett anderes unter "Oryx und Crake" vorgestellt.

    Kommentieren0
    6
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    »Ein beißender Kommentar auf den Zustand unserer Welt.« NDR

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks