alias Grace

von Margaret Atwood 
4,2 Sterne bei93 Bewertungen
alias Grace
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Positiv (78):
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Absolutes Highlight! Auch die Serie ist eine perfekte Verfilmung!

Kritisch (5):
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Sehr Detail reiches Buch, dass hat die Spannung etwas versaut.

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Inhaltsangabe zu "alias Grace"

Toronto, 1843: Das junge Dienstmädchen Grace wird mit sechzehn des Doppelmordes an ihren Arbeitgebern schuldig gesprochen. In letzter Sekunde wandelt das Gericht ihr Todesurteil in eine lebenslange Gefängnisstrafe um. Sie verbringt Jahre hinter Gittern, bis man sie schließlich entlässt. Im Haushalt des Anstaltdirektors begegnet sie dem Nervenarzt Simon, der ihrer Geschichte auf den Grund gehen will: Ist Grace eine gemeingefährliche Verbrecherin oder unschuldig? Margaret Atwood hat einen Roman von hypnotischer Spannung geschrieben, der die Geschichte einer realen Gestalt, einer der berüchtigtsten Frauen Kanadas erzählt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492313476
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:624 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:02.10.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 17.11.2017 bei HörbucHHamburg HHV GmbH erschienen.

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    MosquitoDiaos avatar
    MosquitoDiaovor 4 Monaten
    Fesselnd und erschreckend

    Tatsächlich habe ich noch nie ein Buch der Autorin gelesen und dass es ausgerechnet Alias Grace werden würde, damit habe ich auch nicht gerechnet. Irgendwie hat mich das Buch einfach angelacht – und kaum habe ich die ersten Seiten gelesen, konnte ich es auch nicht mehr aus der Hand legen.

    Ein langer Vorlauf

    Wie der Titel schon verrät, geht es in dieser Geschichte um Grace, ein damals 16 jähriges Mädchen, für das alles anders kam als erwartet. Nun findet sich der Leser im Gefängnis wieder – doch was ist passiert?
    Durch verschiedene Perspektiven soll nicht nur die wahre Tat der Straftäterin ans Licht geführt werden, sondern vielmehr auch ihr Leben beleuchtet werden.
    In den Rückblenden durchlebt man Grace Vergangenheit und bekommt einen ganz eigenen Blick auf die Geschehnisse. Detailreich und ungestüm wird hier berichtet, wie ein junges Mädchen eine Flucht in ein anderes Land übersteht, nur um dann an ihr Ende zu kommen.

    Davon abgesehen werden aber auch noch Zeitungsausschnitte, medizinische Gutachten und Verurteilungen mit in die Geschichte eingebracht, die das Bild vervollständigen. Zwischenzeitlich war es mir fast ein bisschen zu viel, da es mich immer wieder von der eigentlichen Geschichte abgelenkt hat.
    Denn auch, wenn eine gewisse Ruhe von diesem Buch ausgeht, so will man als Leser doch unbedingt hinter das Geheimnis kommen. Denn schließlich dreht es sich hier nicht „nur“ um eine Romanhelding, sondern vor allem um eine reale Persönlichkeit.

    Es hat etwas von einer kleinen Zeitreise – auf zum Toronto des 19. Jahrhunderts!
    Allerdings sollte man sich diesen Ausflug nicht zu spaßig vorstellen, es gibt genügend Sitten und Bräuche, von denen ich unglaublich froh bin, sie in der heutigen Zeit nicht mehr zu kennen. Doch gerade was Straftaten und deren Konsequenzen angeht, bekommt man hier noch einmal etwas ganz anderes vorserviert.
    Dass die Emanzipation noch nicht wirklich fortgeschritten ist, muss wohl nicht erwähnt werden und so hat die Geschichte auch schon fast ihren Anfang genommen…

    undurchschaubar – unberechenbar

    Mir ist es selten so schwer gefallen, einen Charakter einschätzen zu können. Grace war für mich einfach undurchschaubar. Kaum habe ich Mitgefühl mit ihr gehabt, war ich auch schon wieder verunsichert mit meiner Einschätzung. Der junge Nervenarzt Simon, der sich ihrer angenommen hat, gestaltet das Ganze nicht einfacher.
    Wobei ich auch sagen muss, dass mich die aktuellen Szenen immer eher weniger angesprochen haben – schließlich wollte ich erfahren, was Grace ins Gefängnis geführt hat!

    Zu Beginn habe ich mich ein wenig schwer mit dem Schreibstil getan – gehört er einfach zur Autorin selbst oder sollte er zu Grace passen und die Geschichte authentischer wirken lassen?
    Alles ist ein wenig verworren, abgehackt und teilweise sehr naiv, was der Geschichte aber wirklich Leben eingehaucht hat. Die menschliche Psyche wird uns wohl, zumindest ein Stück weit, für immer ein Rätsel bleiben.
    Als dann der große Moment gekommen ist war ich hin und her gerissen. Eine Erkenntnis, die ich mir so nicht vorgestellt habe, bzw. sie mir doch mehr als Täuschung erhofft hatte. Wobei natürlich die Frage ist, wie sehr man eine reale Geschichte anzweifeln sollte.
    Dennoch hatte der ganze Verlauf der Geschichte etwas unglaublich anziehendes an sich, etwas, das zum Nachdenken anregt und auch dafür sorgt, dass das Gelesene im Kopf bleibt.

    FAZIT

    Eine endgültige Bewertung fällt mir durchaus schwer. Alias Grace von Margaret Atwood hat etwas unglaublich Faszinierendes und Einnehmendes an sich, dennoch hat mich die Geschichte ein wenig unzufrieden zurückgelassen.
    Nichtsdestotrotz ein fantastisches Werk, über das ich sehr froh bin, es endlich gelesen zu haben!

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    S
    Steff8824vor 4 Monaten
    Krimi, Historienroman und Biografie in einem: eine Empfehlung

    Kurzrezi: „alias Grace“ von Margaret Atwood ~~~ Inhalt: 1843 werden Thomas Kinnear und seine Haushälterin Nancy Montgomery ermordet aufgefunden, schnell verdächtigt sind die beiden Angestellten, James McDermitt und Grace Marks, die auf der Flucht gefasst werden. McDermitt wird hingerichtet, Graces Todesurteil wird in eine Haftstrafe umgewandelt. 1859 sucht der junge Arzt Simon Jordan Grace im Gefängnis auf. Er interessiert sich sehr für psychische Krankheiten und wurde von einem Komitee, das sich um Graces Haftentlassung bemüht, beauftragt, Grace zu untersuchen. Diese kann sich auch in die Tat nicht erinnern, Simon hofft ihre Erinnerungen wach zu rufen und dadurch womöglich ihre Unschuld zu beweisen. ~~~ Meinung: Dieser Roman ist alles zugleich: spannender Krimi, Historienroman, Biografie ... Die Geschichte der Grace Marks, die 1843 zusammen mit ihrem angeblichen Liebhaber ihre Arbeitgeber ermordet haben soll, ist seit langem ein Mythos in der Geschichte Kanadas. Erst 16 Jahre alt wird Grace zuerst zum Tode verurteilt, dann begnadigt und muß die nächsten 30 Jahren hinter Gittern und in Nervenanstalten verbringen. 16 Jahre nach dem Doppelmord untersucht sie ein junger ambitionierter Nervenarzt und kommt zu dem Schluß, daß Grace unschuldig ist. Aus wenigen Fakten und widersprüchlichen Zeugenaussagen hat Atwood der historischen Figur Leben eingehaucht. Hervorragend recherchiert ist der zeitgeschlichtliche Hinergrund, das Quilten, die Rolle der Frau, und die Anfänge einer Psychologie wie wir sie heute kennen. Wie Atwood diese Informationen in einen spannenden Roman einbaut ist atemberaubend. Hier wird das Kanada Mitte des vorigen Jahrhunderts lebendig. Und die Charakterzeichnung ist einmalig. Mit wenigen Eigenschaften versteht es die Autorin, komplexe und glaubhafte Figuren zu schaffen. Mittlerweile habe ich mir auch die Serie auf Netflix angesehen und muss sagen, dass auch hier die Umsetzung sehr gelungen und sehr nah am Buch ist. ~~~ Fazit: Ein Roman, der in so viele Kategorien passt und sehr viel Tiefgang hat. Ohne aktionsreich zu sein, wird man dennoch an jede Seite gefesselt 5 von 5⭐️

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    Aspasias avatar
    Aspasiavor 8 Monaten
    Wiedersehen in Ontario..

    Manchmal tue ich, die zu diesen unerträglichen Menschen gehört, die gerne eine Meinung haben und noch viel "gerner" mit selbiger die Welt beglücken, mich furchtbar schwer ein gelesenes Buch zu rezensieren.

    Dann dauert das Schreiben oft länger als das Lesen auch des kürzesten Buches selbst. Ich beginne, verwerfe, finde keinen roten Faden, weiß nicht Recht wie ich sagen soll, was ich sagen will, weiß gar nicht, was ich will oder meine, verwerfe, lösche, sammle Material zum Autor und Thema, suche einen Aufhänger, ordne meine Gedanken neu, um dann doch nur wieder alles in den Zwischenspeicher zu schieben. So ging es mir auch mit diesem Roman alias Grace von Margret Atwood.

    Vielleicht liegt das in diesem Fall daran, dass alias Grace nach langer, langer Zeit der erste Atwood ist, den ich gelesen habe. In meiner Jugend haben mich die Romane der kanadischen Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels von 2017, einer sehr politischeren Ehrungen unter den Literaturpreisen, für die, die einen moralischen Kompass haben und öffentlich Haltung zeigen, stark beeindruckt. Sie gehört zu den Autoren, für die mein Herz so sehr brannte, dass der Kauf früher erschienener Werke und Neuerscheinungen automatisch erfolgte, dass es außer Frage für mich stand, dass mir ein Roman nicht gefallen könnte. Irgendwann war dieses Fantum dann zu Ende. Es war kein bewusster Abschied, ich erinnere mich auch an keinen bestimmten Grund. Ich kann nur sagen: Ich war jung, sehr jung, da ist Treue, auch literarische, nicht immer für die Ewigkeit angelegt.

    Nun also dieser historische Roman, der im 19. Jahrhundert hauptsächlich in Kanada spielt, aufgeteilt in 15 Abschnitte jeweils nach einem bekannten Quiltmuster benannt, über das Leben jener, titelgebenden, historischen Figur Grace Mark. Als junges Mädchen ist sie mit ihrer kinderreichen Familie Anfang der 1840ern vor der Armut, dem Hunger und dem Alkoholismus des Vaters für einen Neuanfang von Irland über den Atlantik nach Kanada geflohen. Nachdem die Mutter während der Überfahrt stirbt, muss Grace von nun an ihre Pflichten übernehmen. Als 13-Jährige "verkauft" der Vater sie als Spülmädchen in einen bürgerlichen Haushalt nach Toronto. Nur drei Jahre später wird sie als Magd wegen Mordes und Beihilfe zum Mord an ihrem wohlhabenden Arbeitgeber Thomas Kinnear und seiner in der ländlichen Gemeinde als Haushälterin getarnten Geliebten Nancy Montgomery 1843 zu lebenslanger Haft verurteilt. Wobei die Frage ihrer Schuld oder Unschuld nachweislich immer wieder auch nach der Urteilsverkündung öffentlich diskutiert wurde. Ein Fall, der aufgrund der besonderen Umstände, der Brutalität bei der Durchführung und der Tatbeteiligung eines jungen, hübschen Mädchens in die kanadische Geschichte eingeht.

    Atwood benutzt die von ihr akribisch recherchierten widersprüchlichen Quellen wie Gerichtsakten, Zeugenaussagen, Beschreibungen der Sitzungen und der Angeklagten als Gerüst, um daraus einen wundervoll altmodischen Roman, im Stil des 19. Jahrhunderts zu schneidern. Ein viktorianischer Schinken, langatmig und fesselnd zugleich, mit deutlich ausschlagenden moralischem Kompass. Dazu finden sich zahlreiche Elemente der  Southern Ontario Gothic in ihm wieder. Der Begriff wurde erstmals in Graeme Gibsons Eleven Canadian Novelists (1972) verwendet und bezeichnet ein geographisch im ländlichen Süden der Provinz Ontario, im Osten Kanadas, an der Grenze zur USA, verortetes Subgenre des Gothic-Roman-Genres, welches traditionell die Rolle des Bösen in der menschlichen Seele untersucht und dazu dunkle, beängstigende Bilder heraufbeschwört, hinzukommen übernatürliche oder magisch-realistische Elemente. Die Southern Ontario Gothic kritisiert soziale Bedingungen in der Region, wie z.B. Rasse, Geschlecht, Religion und Politik. Typisch ist die strenge protestantische Moral, die dort das Leben der Kleinstädter prägt, die sich heuchlerisch gegen all die Menschen richtet, die diesen moralischen Ansprüchen nicht genügen, oder genügen wollen, deren Handlungen nicht regelkonform sind. Gerne bedient sch das Genre einer Form von Geisteskrankheit als Attribut eines oder mehrerer Charaktere. Viele dieser Elemente finden sich in alias Grace wieder, die zu Recht diesem Genre zugerechnet werden kann.

    Atwood widmet sich vordergründig der Frage nach Schuld oder Unschuld der verurteilten Mörderin und bedient sich dabei der Figur des jungen, aufstrebenden Nervenarztes Dr. Simon Jordan aus Massachusetts, USA Doch mehr noch geht es ihr um die Frage der Schuldfähigkeit junger Frauen, an denen die Gesellschaft sich schuldig gemacht hat.

    Dr. Jordan durch das Erbe seines Vaters mit einer gewissen finanziellen Unabhängigkeit ausgestattet, um sein Interesse an der Erforschung von Geisteskrankheiten ernsthaft verfolgen zu können, hat er zuvor verschiedene europäische Vordenker auf diesem Gebiet besucht und dabei Inspiration für die Errichtung einer von ihm geführten Nervenheilanstalt erhalten. Er hat sich eine gewisse Reputation geschaffen, und ausgestattet mit einer Empfehlung, hat ein christliches Komitee, das beseelt von der Überzeugung eine unschuldigen Seele zu retten, sich mit Verve, aber bis jetzt nach 15 Jahren immer noch erfolglos, für die Begnadigung der Delinquentin bei der kanadischen Regierung einsetzt, ihn als Gutachter bestellt.

    In täglichen Interviews, wir würden es heute als Gesprächstherapie bezeichnen, geführt im Handarbeitszimmer im Haus des Gefängnisdirektors, in dessen Haushalt Grace als Freigängerin tagsüber arbeitet, versucht der hoch motivierte junge Arzt der Diskrepanz zwischen Grace Geständniss vor Gericht die Tat gemeinschaftlich mit dem Knecht Kennears und ihrem vermeintlichen Liebhaber James McDermott begangen zu haben, und ihren späteren Aussagen sich an den Tag und ihre Beteiligung an den Taten nicht mehr erinnern zu können, zu ergründen. Dr. Jordan vermutet die Ursache dafür, ganz Vertreter der Wiener Schule, in ihrer Kindheit und bedrängt sie sich zu öffnen. 

    Diese regelmäßigen Treffen sind für beide aus den unterschiedlichsten Gründen wichtig. Für die Eine, weil sie ihr die Freiheit, an die sie schon nicht mehr glaubt, in Aussicht stellen, aber ihr auch eine ungewohnte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ihr die einmalige Möglichkeit gegeben wird sich selbst dazustellen und als Angehörige einer unbeachteten Berufsgruppe und eines ungehörten Geschlechts gesehen zu werden, also ihr, der Machtlosen, Macht geben.                                                                                                           Für den Anderen, weil er die Macht hat mit seinem Gutachten über ihre Freiheit mitzuentscheiden, aber sie ihm auch die Möglichkeit geben, sich mit der erfolgreichen Anwendungen der neuen psychologischen Theorien eine berufliche Zukunft aufzubauen. Ihm die Möglichkeit gegeben wird, sich unabhängig von den Einmischungsversuchen seiner Mutter zu machen und aus dem Schatten seines Vaters zu treten, also ihm, dem Freien, wahre Freiheit ermöglichen.

    Dieses Ringen der beiden Figuren um die Wahrheit ist, der Dramatik eines Flamencos ähnlich, und in seinem Kammerspielcharakter ganz wunderbar konstruiert von Atwood. Der Leser erfährt abwechselnd von Grace und einem Dritte-Person-Erzähler über die Vergangenheit und Gegenwart der beiden Figuren, wobei Grace Stimme, ihr Vermögen ihre für Dr. Jordan wie den Leser fremde Welt zu beschreiben, von einer unerwarteten Poesie ist.

    "Die Hemden und die Nachthemden, die an einem sonnigen Tag in der Brise flatterten, waren wie große weiße Vögel oder Engel, die sich freuten, obwohl sie keine Köpfe hatten. Aber als wir die selben Dinge drinnen aufhoben, im grauen Zwielicht des Trockenraums, sahen sie anders aus, wie bleiche Geister von sich selbst, die dort in der Finsternis schwebten und schimmerten."

    In der Darstellung dieses viktorianischen Kosmos zeigt Atwood auf über 600 Seiten ihre Leidenschaft sich einem Thema voll und ganz zu widmen. Der Leser erfährt etwas über die esoterischen Anwandlungen des gelangweilten, meist weiblichen Bürgertums, die sich mit Bibelstunde und spiritistischen Sitzungen die Zeit vertreiben, wenn sie nicht gerade gemeinsam an einem Hochzeitsquilt  nähen, wird über die Kluft zwischen Theologie und Wissenschaft aufgeklärt, insbesondere die Auswüchse der noch jungen Psychologie werden ausgebreitet, bekommt einen Einblick in das alltägliche Leben des Bürgertums aus dem Blickwinkel der Bediensteten und erfährt welchen Gefahren diese, oft noch halbe Kinder, wenn sie in die Haushalte kommen, ausgesetzt sind. Mir war da an manchen Stellen etwas zu viel pädagogischer Übereifer am Werk, zu viel Sendungsbewusstsein, was erklärbar ist, wenn man erfährt,  dass Atwood diese Geschichte schon seit Jahrzehnten umtreibt. Schon während ihres Studiums versuchte sie sich an einem Operlibretto und schrieb 1974 ein Fernsehspiel "The Servant Girl", das auf den Aufzeichnungen S. Moodies, eine der zeitgenössischen Quellen des Romans, basiert. 

    Ich denke gerade das Vermögen dem Leser eine ganze, pralle fremde Welt anzubieten, in der sie ihr politisches Anliegen verortet, war der Grund, dass ihre Bücher meine Regalböden einst füllten, dass mir diesmal die Welt schon "zu" bekannt ist, liegt möglicherweise auch an Margret Atwood, die mein Leseverhalten und Bücherkonsum nachhaltig geprägt hat.

    alias Grace hat mir also nicht nur Einblicke in eines, der immer noch viel zu selten beschriebenen Frauenschicksale wie das der Grace Marks gegeben, sondern Atwood-typisch die gesellschaftlichen Mechanismen aufgezeigt, die dafür verantwortlich sind, und hat mir damit ganz nebenbei eine alte Bekannte, eine wichtige Autorin, zurück gebracht.

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    PMelittaMs avatar
    PMelittaMvor 9 Monaten
    Sehr empfehlenswert

    1843 werden Thomas Kinnear und seine Haushälterin Nancy Montgomery ermordet aufgefunden, schnell verdächtigt sind die beiden Angestellten, James McDermitt und Grace Marks, die auf der Flucht gefasst werden. McDermitt wird hingerichtet, Graces Todesurteil wird in eine Haftstrafe umgewandelt.

    1859 sucht der junge Arzt Simon Jordan Grace im Gefängnis auf. Er interessiert sich sehr für psychische Krankheiten und wurde von einem Komitee, das sich um Graces Haftentlassung bemüht, beauftragt, Grace zu untersuchen. Diese kann sich an die Tat nicht erinnern, Simon hofft ihre Erinnerungen wach zu rufen und dadurch womöglich ihre Unschuld zu beweisen.

    Margaret Atwoods Roman, in dem sich die Autorin eines echten Kriminalfalls annimmt, wurde bereits 1996 erstmals veröffentlicht. Die Autorin lässt ihre Protagonistin selbst erzählen, gleichzeitig fügt sie Simon Jordans Perspektive in der dritten Person ein. Der Leser erfährt so auch, was die beiden übereinander denken und wie ihr Leben neben den gemeinsamen Sitzungen aussieht. Simon Jordan ist allerdings fiktiv, wodurch die Autorin eine größere Freiheit hatte, über ihn zu berichten.

    Die einzelnen Abschnitte des Romans sind nach Quiltmustern benannt und werden von einer entsprechenden Zeichnung begleitet – sehr gelungen, wie ich finde, da auch Grace immer wieder an Quilts arbeitet und über die verschiedenen Muster sinniert. Eingeleitet werden die Abschnitte außerdem durch zur jeweiligen Thematik passenden Zitaten aus Originaldokumenten, wie z. B. Zeitungsberichten und Gerichtsakten. Sehr gut gefallen hat mir, dass das Geschehen um Grace und Simon hin und wieder unterbrochen wird durch Briefe, z. B. von Simons Mutter oder Arztkollegen, die die Geschichte zusätzlich bereichern und den Leser auch einmal zum Schmunzeln bringen.

    Grace erzählt Simon ihr Leben und so kann auch der Leser sie begleiten, durch ihre schwere Kindheit, die Auswanderung nach Kanada und ihre früheren Stellungen, bis zu jenem Schicksalstag, der Graces Leben auf immer veränderte. Atwoods Grace macht es dem Leser schwer, an ihre Schuld zu glauben, und Atwood bietet auch eine mögliche Lösung an.

    Auch von Simon erfährt man einiges, und nicht nur Gutes, zunehmend erkennt der Leser, dass auch er seine dunkle Seite hat, und am Ende ist man womöglich enttäuscht von ihm. Beide Protagonisten sind überaus gelungen charakterisiert. Neben diesen beiden gibt es noch eine ganze Reihe anderer Charaktere, die die Autorin zwar nur aus Sicht Graces oder Simons, oder durch die Briefe, aber dennoch eindrücklich charakterisiert.

    Neben dem Blick auf die Charaktere erhält der Leser außerdem einen gut recherchierten Blick auf das Leben jener Zeit, vor allem, aber nicht nur, aus Sicht der kleinen Leute. Das macht den Roman letztlich zu einem sehr lesenswerten historischen Roman. In einem Nachwort geht die Autorin zudem noch einmal auf die echte Grace Marks ein.

    Bereits vor 20 Jahren war ich von dem Roman begeistert und auch jetzt habe ich ihn sehr gerne gelesen, er hat mich gut unterhalten, konnte mich aber auch emotional packen und mich über das Leben Grace Marks nachdenken lassen. Ich empfehle den Roman sehr gerne weiter, man sollte ihn aber eher als historischen Roman als als Krimi ansehen.

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    katzenminzes avatar
    katzenminzevor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Interessante Geschichte, gewohnt großartig geschrieben. Gegen Ende hing es leider ein wenig. Trotzdem sehr lesenswert!
    Der Fall Grace Marks

    Der Fall Grace Marks

    Es war jetzt schon das dritte Mal, dass ich zum Jahreswechsel Margaret Atwood las. Und ich kann mir kaum einen besseren Start ins Lesejahr vorstellen. Wie auch schon in ihren anderen Romanen, gefiel mir auch bei alias Grace ihr Schreibstil einfach unglaublich gut.

    In der ersten Hälfte des Romans fliegt die Geschichte nur so dahin, obwohl nicht viel passiert. Anhand von Zeitungsartikeln, Berichten und anderen nicht immer seriösen Quellen erfahren wir zu Beginn grobe Details über den Doppelmord an Mr Kinnear und seiner Haushälterin Nancy. Grace Marks wurde für diese Tat zu Lebenslanger Haft verurteilt, ihr „Komplize“ hingerichtet. Doch sie selbst behauptet, ihr fehle die Erinnerung an den Mord. Wurde die junge Frau zu unrecht verurteilt? Erinnert sie sich wirklich nicht oder ist das die Schutzbehauptung einer kaltblütigen Mörderin?

    Der Arzt Simon Jorden, will Grace nun „heilen“ und ihre Erinnerungen wiederherstellen. Dafür lässt er sich von ihr ihre Lebensgeschichte erzählen. Und die ist wirklich interessant. Ihre Kindheit in Armut und die Einwanderung nach Kanada, der Tod ihrer Mutter oder ihre erste Anstellung an Dienstmädchen. Grace erzählt akkurat und detailverliebt und wirkt absolut ehrlich. Es macht einfach Spaß ihr zuzuhören. Besonders der Dienstmädchenalltag ist toll beschrieben und dass man dem Tag der Morde Stück für Stück näher kommt, sorgt für Spannung.

    Besonders gefielen mir wieder einige sprachliche Blüten Awoods, wie zum Beispiel die erste Begegnung von Simon und Grace, die an ein Madonnenbild erinnert. Auch einige herrlich bissig ironische Stellen gibt es, die mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht haben. Die Briefe von Simons Mutter – vor allem gegen Ende - sind einfach köstlich! Und allein der Blick in die Klassengesellschaft der 1850er Jahre, das Frauenbild oder die Gedanken der Zeitgenossen über beispielsweise Prostitution war die Lektüre wert!

    - Achtung: Ab hier könnte es als Spoiler aufgefasst werden! -


    Im letzten Drittel stockt die Geschichte leider etwas. Es gibt Überraschungen, die aber nicht konsequent genug durchgezogen werden. Ich war vor allem etwas enttäuscht, dass der Fall „Grace Marks“ nicht auf der Fantasie Atwoods beruht, sondern sie sich sehr stark an einen realen Kriminalfall gehalten hat. Zwar finde ich es gar nicht schlimm, dass man sich letztlich doch selbst Gedanken über die Tat machen muss, doch das hätte passieren sollen, weil die Autorin es so plante und darauf hinarbeitete und nicht, weil es „in Echt“ eben auch nicht genau geklärt wurde. Ich habe mir sehr gerne Gedanken über die Schuld oder Unschuld Grace' gemacht, aber ich fand es schade, dass dahinter kein tieferer Sinn zu stecken schien.

    Insgesamt fand ich alias Grace eine toll geschriebene Geschichte mit einer interessanten Hauptcharakterin und einem verworrenen Kriminalfall. Bis auf ein paar Schwächen gegen Ende gefiel es mir sehr gut. Für mich eine lesenswerte Geschichte, die vielleicht besser ankommt, wenn man weiß worauf man sich vor allem im Bezug auf das offene Ende einlässt.

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor 10 Monaten
    Fesselnde Geschichte mit schwammigem Schluss

    Ich bin ein großer Fan von Margaret Atwood. Ich liebe Bücher über wahre Begebenheiten und der Fall von Grace Marks war zu seiner Zeit, und auch noch lange darüber hinaus, aufsehenerregend.
    Von diesem Buch hatte ich mir ein wenig mehr versprochen.

    Das Dienstmädchen Grace Marks war erst 16 Jahre alt, als sie 1843 in Toronto wegen Mordes an ihrem Dienstherren verurteilt wurde. Bis dahin galt sie als brav, besonnen und fleißig. Wie kann sie in diese Situation geraten?
    Margaret Atwood rollt ihre ganze Lebensgeschichte auf. Grace erzählt dem jungen Psychiater Dr. Simon Jordan alles, woran sie sich erinnern kann. Es ist 1851 als er auf ihren Fall aufmerksam wird. Acht Jahre lang ist sie schon im Gefängnis, zwischendurch sogar im Irrenhaus.

    Wirklich fesselnd und detailreich wird hier der Alltag eines armen Mädchens geschildert. Man liest, staunt und wundert sich, dass man sich so gar nicht langweilt, obwohl streckenweise nicht viel passiert. Frau Atwood beherrscht ihr Handwerk.
    Grace´ Bericht wird immer wieder unterbrochen durch Vernehmungsprotokolle, Zeitungsberichte oder Briefe, die den historischen Mordfall betreffen. Das ist interessant und sagt viel aus über den Zeitgeist. Biedermeierliche Doppelmoral lässt zu, was „die Gesellschaft“ im Verborgenen treibt, prangert aber gnadenlos an, was bekannt wird. „Fehlverhalten“ jeder Art wird in den unteren Klassen erbarmungslos geächtet. Bisweilen reicht ein Gerücht, um die Stellung zu verlieren. Und Frauen geraten sehr viel schneller in Verruf als Männer. Auch in Grace Fall trägt die Gerüchteküche maßgeblich zur Verurteilung bei.

    Der Fall der Grace Marks ist mysteriös und wurde nie aufgeklärt. Auch in diesem Buch legt sich die Autorin nicht fest und das ist das, was mir nicht gefallen hat. Zwei Drittel des Buches erzählen eine plausible Geschichte. Alle Figuren werden plastisch vorgestellt, Handlung und Motive sind äußerst nachvollziehbar, aber je näher es auf den eigentlichen Mord zugeht, desto schleierhafter wird das Geschehen. Wenn es brenzlig wird, fällt Grace in Ohnmacht und kann sich später nicht erinnern, zahlreiche Träume verwirren, bei einem Hypnoseversuch sprechen plötzlich Geisterstimmen, sehr schade. Eigentlich liest man einen Thriller und bekommt den Mörder nicht geliefert. Wenigstens eine Theorie hätte man uns gönnen können.

    Trotzdem hat mich dieses Buch zum Großteil absolut gefesselt. Es ist lesenswert, erzählt es doch immerhin plausibel, wer Grace Marks war.






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    Federfees avatar
    Federfeevor 10 Monaten
    Zuerst interessant und spannend, zunehmend verworren, unbefriedigendes Ende

    Es fing so interessant an, die Geschichte der 16-jährigen Grace Marks, die auf wahren Begebenheiten beruht. Sie wurde wegen Doppelmordes zu 'lebenslang' verurteilt, wobei nicht ganz klar ist, ob sie Mittäterin, Mitwisserin oder Anstifterin war. Das versucht der Nervenarzt Simon Jordan in langen Gesprächen mit ihr herauszufinden, vor allem, ob sie wahnsinnig ist.

    Im Laufe dieser Gespräche erfährt der Leser alles über ihre Kindheit und Jugend, ihre Anstellung als Hausmädchen und vor allem, wie rechtlos Frauen niederen Standes damals waren, wie sehr sie der Willkür ihrer Dienstherren ausgeliefert waren. Detailliert schildert Grace ihre Arbeit, die sie zunehmend selbständig und sehr fleißig ausführt und das ist nicht einmal langweilig, denn es gibt Aufschluss über das Leben am Ende des 19. Jahrhunderts.

    Gespannt warten Dr. Jordan und der Leser auf den Teil der Erzählung, der Näheres über den Mord aufklären wird und über die Rolle, die Grace dabei gespielt hat. Sie selbst beruft sich auf eine teilweise Amnesie.

    Das alles wird in Mosaiksteinchen unterschiedlicher Textsorten (Zitate, Briefe, Zeitungsausschnitte, Berichte, etc.) und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, teilweise sehr detailliert und ausführlich und dennoch nicht langweilig.

    Je näher wir dieser Stelle kommen, um so mehr kippt für mich die Handlung, die Personen werden unglaubwürdig in ihren Verhaltensweisen, es wird teilweise gerafft erzählt und am Ende bleiben für mich zu viele Fragen ungeklärt, zu viele Handlungsstränge offen.

    Obwohl gesellschaftliche Missstände angesprochen werden und sprachlich auf hohem Niveau erzählt wird, hat mich dieser Roman enttäuscht. Ich kann nicht daraus mitnehmen und es hat mich nicht bereichert, ihn zu lesen.

    Kommentare: 2
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    Sturmherzs avatar
    Sturmherzvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Grossartige Lektüre - braucht aber Zeit um die Geschichte zu kommen.
    War sie es oder war sie es nicht?

    Alias Grace von Margaret Atwood liegt schon lange auf meinem "ich will es lesen" - Stapel. Jetzt endlich habe ich das Buch zur Hand genommen und konnte nicht mehr damit aufhören. 


    Grace Marks, ein junge Irin wandert mit ihren Eltern, der Armut wegen, von Irland nach Kanada aus. Dort aber ist es nicht besser und leichter, im Gegenteil, alles ist noch schwerer und zudem ist Grace, nach dem Tod der Mutter nicht nur dem gewalttätigen Vater alleine ausgesetzt sondern ist auch noch für ihre kleinen Geschwister verantwortlich. Ein Bärendienst, wenn man bedenkt dass das Mädchen erst 13 Jahre alt ist.
    Der Vater schickt jedoch Grace weg, sie soll ihr eigenes Geld verdienen, damit die Familie ernähren und gefälligst nicht mehr nach Hause zurückkehren. Grace bekommt eine Anstellung in einem vornehmen Haushalt wo sie ihre beste Freundin, Mary Whitney kennenlernt. Anfangs scheint dort alles gut zu sein, sie hat genügend Essen, ein Dach über dem Kopf, eine Freundin und fühlt sich soweit sicher. Eines Tages aber geht mit Mary, eine heimliche Rebellin, eine Veränderung durch. Immer öfters kehrt sie in der Nacht erst spät ins gemeinsame Zimmer zurück und ist oft sehr angespannt und gemein zu Grace. Es stellt sich heraus das Mary wohl einem jungen Mann, der ihr die Ehe versprochen hat auf den Leim gegangen ist. Sie ist schwanger und weiss, wenn das rauskommt wird sie ihre Arbeit verlieren und mit dem Kind auf der Strasse stehen. Es gibt also keine andere Lösung als das Kind heimlich wegmachen zu lassen. Für Grace ist einmal mehr das Gefühl von Sicherheit weg, denn auch in diesem Haushalt ist sie nicht sicher vor Übergriffen durch Männer und sie weiss, sollte das passieren hat sie keine Chance. Frauen haben in dieser Zeit nichts zu sagen, sondern müssen alles hinnehmen und akzeptieren. Mary überlebt die Abtreibung des Kindes nicht und so verliert Grace ihren einzigen Halt im Haus. Kurze Zeit später wird sie von einer Haushälterin, Namens Nancy Montgomery abgeworben. Sie soll als Hausmädchen zu ihr, in ihren Haushalt kommen. Dort verdient sie nicht nur auch besser sondern ist auch sicher keinen Übergriffen ausgesetzt. Und es scheint, das Nancy zudem auf der Suche nach einer guten Freundin ist. 
    Grace, inzwischen 16 Jahre alt, arbeitet also bei Nancy Montgomery und Thomas Kinnear als Hausmädchen und wähnt sich sanft in Sicherheit. Jedoch bemerkt sie schnell, das Nancy und Thomas mehr verbindet als nur ein Angestellten-Verhältnis. Sie beobachtet einen intimen Moment der beiden und geht von da an auf Distanz, zu gross ist ihre Angst das sie zwischen die beiden und so die Eifersucht von Nancy auf sich ziehen könnte. Diese nämlich ist öfters sehr launisch, gemein und tatsächlich eifersüchtig auf Grace. 
    Es kommt, wie es kommen muss. Grace und James McDermot, ebenfalls ein Angestellter von Thomas Kinnear ermorden Nancy Montgomery und Thomas Kinnear. Dies weil Nancy die beiden entlassen wollte und James das nicht akzeptieren kann. Die beiden werden jedoch auf der Flucht gefunden und ins Gefängnis eingesperrt. Ein Prozess der Superlative beginnt. 
    Jahre später, Grace ist inzwischen schon über 15 Jahre im Gefängnis will ein junger Arzt, Simon Jordan, mittels psychologischen Untersuchungen herausfinden ob Grace die Tat wirklich begangen hat oder ob sie unschuldig im Gefängnis sitzt. 


    Der Roman beruht auf wahren Begebenheiten und beschäftigt heute noch die Gemüter. Grace war jung, naiv und schön. Wusste selber vom Tathergang nichts mehr, die Meinungen war geteilt ob sie eine solch schreckliche Tat begangen hatte oder eben nicht. 


    Margaret Atwood lässt uns als Leser selber entscheiden ob Grace schuldig war oder nicht, das ist nicht Jedermanns Sache, mir zum Bespiel hat es Kopfzerbrechen bereitet und mich zwischen den Zeilen lese lassen. 


    Nichtsdestotrotz kann ich das Buch sehr empfehlen, jedoch sollte man Zeit einrechnen und dran bleiben.

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    Penelope1s avatar
    Penelope1vor einem Jahr
    Doppelmord im 19. Jahrhundert - ein wahrer Fall !

    Dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich im Jahr 1843 in Kanda zugetragen hat: Die junge Grace Marks wird verurteilt, ihren Arbeitgeber und dessen Haushälterin umgebracht zu haben.

    16 Jahre nach ihrer Verurteilung interessiert sich ein junger Nervenarzt für den Fall – und für Grace – er erhofft sich neue Erkenntnisse... Er besucht sie regelmäßig im Gefängnis, je öfter er sie besucht, je mehr erfährt er über Grace's Vergangenheit, ihr Leben, ihre Persönlichkeit.

    Auch der Leser taucht immer tiefer in die Geschichte und den Mordfall ein, kann sich sogar anhand von meist historischen Briefen, Schilderungen usw. selbst ein Bild von der jungen Frau machen und für sich selbst ein „Urteil“ bilden. Zumindest kann er es versuchen – denn trotz aller Perspektiven, vorliegender Zeugenaussagen und Dokumenten fällt dem Leser genau dies bis zur letzten Seite schwer – Widersprüche, Subjektivität und nicht zuletzt die undurchschaubare Grace, die sich selbst nicht an den Tatzeitpunkt erinnert, machen eine „Urteilsfindung“ oder gar eine genaue Rekonstruktion des Tathergangs quasi unmöglich.

    Der Autorin gelingt es nicht nur meisterhaft, den Leser in diesen spannenden Gerichtsfall hineinzuziehen, sondern gleichzeitig ein lebhaftes Bild der Gesellschaft zu zeichnen.

    Fazit:
    Ein spannender Roman um einen wahren Kriminalfall des 19. Jahrhunderts. Hervorragend ge- und beschrieben, unter Einbindung verschiedener Perspektiven, historischer Dokumente und psychischer Elemente. Kein Buch für „zwischendurch“, aber dafür eines, das dem Leser sicherlich auch nach dem Beenden noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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    Fornikavor einem Jahr
    Grace

    Mitte des 19ten Jahrhunderts wird die 16jährige Grace Marks wegen Mordes an ihrem Dienstherren verurteilt. Ihr Komplize landet am Galgen, sie selbst im Gefängnis. Doch ist Grace wirklich schuldig? Immer wieder kommen Zweifel auf. Jahre später befasst sich der Nervenarzt Dr. Simon Jordan mit ihrem Schicksal…

     Margaret Atwood hat sich den realen Fall von Grace Marks vorgenommen und daraus eine meisterhafte Erzählung gemacht. Sie lässt Grace ihre Geschichte berichten und man ist als Leser schnell für das junge Mädchen eingenommen. Eine sympathische Figur, die allerlei Scheußliches erlebt. Immer wieder muss man sich in Erinnerung rufen, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt, auch wenn Atwood die Lücken in der Historie natürlich füllen musste. Schuldig oder nicht, das ist die große Frage, die jedoch immer wieder in den Hintergrund rückt. Denn Atwood thematisiert u.a. die gesellschaftlichen Strukturen, die Frauenrolle im 19ten Jahrhundert und auch den Umgang mit den „Irren“ in dieser Zeit. Interessante Thematiken also, die sich rundum gelungen mit Grace’s Geschichte verbinden. Unterlegt wird das fiktive Geschehen mit vielen Zeitungsausschnitten, Briefen und Gedichten aus jener Zeit, sodass ein sehr authentisches Bild entsteht. Fasziniert hat mich auch wie unterschiedlich Grace in den historischen Quellen dargestellt wurde: auf der einen Seite das durchtriebene Flittchen mit mörderischen Absichten, auf der anderen Seite die harmlose Irre, die unschuldig im Gefängnis sitzt. Wo die Wahrheit dazwischen liegt, lässt sich bis heute nicht abschließend klären.

    Auch Atwoods Erzählstil hat mir sehr gut gefallen, sie findet sowohl für Grace selbst, als auch für Jordan den richtigen Ton. Geduldig rollt sie die Geschichte auf und trotz des etwas holprigen Einstiegs, war ich von der ersten Seite an fasziniert und gefesselt.

    Ein Roman, der Realität und Fiktion meisterhaft verbindet. Absolute Leseempfehlung!

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