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Warum geht Frau ins Kloster?

Oxfordshire, anno domini 1431.
Warum Frauen ins Kloster gehen und vor allem, warum sie dort bleiben wollen, hat auch schon zu dieser Zeit sehr unterschiedliche Gründe. Thomasine ist im Kloster sehr glücklich, auch wenn die Aufgaben sie ihrer Meinung nach zu sehr vom Beten abhalten. Gerne würde sie den lieben langen Tag beten. Doch unvermittelt gastiert ihre Ziehtante im Kloster und will sie "aus dem Fängen" des Klosters befreien. Schwester Frevisse, die sich um die Gäste des Klosters kümmert, sieht sich einer Frau gegenüber, für die der Ausdruck toben erfunden sein könnte. Sie wütet, beschimpft, bis sie erschöpft zusammenbricht. Während Thomasine neben dem Bett ihrer Tante betet, überschlagen sich die Ereignisse: Drei Tote und Thomasine ist in den Augen des Coroners die Mörderin.
Schwester Frevisse muss sich auf einmal nicht nur um die Gäste bemühen, sondern auch darum den Ruf des Klosters zu schützen.

Historische Krimis funktionieren ein wenig anders als Krimis, die in der Gegenwart spielen. Die Autorin kann nicht voraussetzen, dass sich der Leser in der Zeit auskennt. So muss sie im Vorfeld festlegen, welche Dinge sie nutzen und erklären will und welche als gegeben vorausgesetzt wird. Das Setting in Oxforshire, die Beschreibung des Klosters und die nach und nach einfließenden Erklärungen des Tagesablaufs sind gut gestaltet. Auch wird gut beschrieben, wie ein Kloster sein Geld generiert und was die Aufgaben der einzelnen sind. Der allgemeine geschichtliche Hintergrund bleibt ein wenig diffus, spielt aber auch für die Handlung nur eine untergeordnete Rolle. Der Krimi ist in meinen Augen solide. Gestaltet als klassisches Katz-und-Maus-Spiel wechseln die Motive, die Gelegenheiten und die Zeitpunkte freudig durcheinander, bis sich zum Schluss ein klärendes Bild ergibt.

Die Figur der Ermittlerin Frevisse ist für mich allerdings zu schwach gezeichnet. Da sie als Protagonistin fungiert, wechselt die Autorin viel zu häufig zu Novizin Thomasine und auch Schwester Claire. Schwester Frevisse schon zu diesem Zeitpunkt mit Miss Marple zu vergleichen, ist weit zu hoch gegriffen. Es ist schon möglich, dass sie sich zu so einem Charakter entwickelt, das müssen die Folgebände zeigen.

3,5 von 5 Klöstern

Cover des Buches Die Dame (ISBN: 9783612274632)
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Rezension zu "Die Dame" von Margaret Frazer

Imke_Brunn
spannender historischer Krimi mit unerwarteten Wendungen

Historischer Krimi aus der Zeit, als der Herzog von Orleans als Gefangener in England ist, kurz vor dem Friedensschluss, der ihm die Freiheit bringen wird.

Das Buch ist sehr schön geschrieben, durchdgehend spannend und mit vielen gut recherchierten Details zum Leben in England im 15. Jahrhundert. Ich habe es genosse es zu lese

Cui bono? Die ewige Frage der Ermittler

Man schreibt das Jahr 1431 und die junge Adelige Thomasine wünscht sich sehnlichst, endlich das Gelübde ablegen zu dürfen, das sie zu einer vollwertigen Nonne macht. Doch wenige Tage davor reitet ihre Großtante, Lady Ermentrude Fenner, mit Pomp und Trara im Kloster ein, um die Novizin mit sich zu nehmen und standesgemäß zu verheiraten. Das stößt naturgemäß auf Widerstand. Doch was sollen die ehrwürdigen Schwestern dagegen unternehmen? Die Auftritte von Lady Ermentrude sind ebenso gefürchtet wie die Drohung, dem Kloster die finanzielle Zuwendung zu entziehen. Da schlägt das Schicksal unerwartet zu: Lady Ermentrude stirbt im Gästehaus des Klosters.

 

Die kräuterkundige Nonne Claire vermutet sogleich eine Vergiftung. Der eilends herbeigerufene Coroner, der noch einen anderen Todesfall im Kloster untersuchen soll, sowie die aufgebrachte Verwandtschaft von Lady Fenner haben in Thomasine gleich eine Verdächtige ausgemacht. Ist die Novizin wirklich die einzige, die vom Tod Lady Fenners profitiert?

 

Schwester Frevisse, eine kluge Mitschwester, hält nichts von übereilten Entschlüssen und beginnt mit Erlaubnis der betagten Priorin Fragen zu stellen.

 Meine Meinung:

Gut gefällt mir, dass hier ein beschauliches Kloster als Schauplatz gewählt wurde. Auch die Epoche in der diese Krimi-Reihe spielt ist hoch interessant: Wir befinden uns zu Beginn der als „Rosenkriege“ bekannten Machtkämpfe zwischen den Familien Yorck und Lancaster. Noch ist der Konflikt nicht offen ausgebrochen, aber beide Seiten wetzen Schwert und Messer. Leider wird auf die geschichtliche Umwelt nicht näher eingegangen. Lediglich Thomas Chaucer, Sohn des angesehenen Dichters Geoffrey Chaucer, darf - quasi als Gegengewicht zum Klosterleben - weltoffen auftreten. Thomas Chaucer ist durch sein Mündel Schwester Frevisse dem Kloster tief verbunden.

Der bildhafte Schreibstil lässt das einfache Leben im Kloster grau und leise erscheinen, während Lady Fenner samt Gefolge bunt, laut und opulent vor den Augen der Leser auftritt.

Ich kann Lady Fenner lautstark ihre Befehle geben und Meinung kundtun hören. Das genaue Gegenteil ist die Priorin, die zwar leise, aber dennoch von einer starken Aura umgeben ist. Wir erfharen einiges aus dem Alltag im Klosterleben, über die strengen Regeln und, dass die Priorin auch Ausnahmen zulassen kann. Interessant ist für mich auch der Exkurs in das Kirchenasyl, das Thomasine vor dem Zugriff des nunmehrigen Clanchef Fenner schützt.

Die Charaktere sind recht gut gelungen. Besonders die kluge Frevisse stellt sich mutig gegen die Schergen der Fenners.

Fazit:
Margaret Frazer lässt Schwester Frevisse in vielen Bänden ermitteln. Diese historischen Krimis sind um die Jahrtausendwende auf Deutsch erschienen. Nun werden sie als E-books wieder aufgelegt und die Wiederentdeckung lohnt sich. Gerne gebe ich 4 Sterne.

 

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