Margareta Magnusson

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Rezension zu "Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen" von Margareta Magnusson

Neues Lesefutter für die Wegwerfgesellschaft
Alaisvor 5 Monaten

Frau Magnusson gibt Tipps, wie man alles, was man besitzt, "in Ordnung" bringt. Dabei geht es ihr hauptsächlich darum, den Hinterbliebenen in der für sie sowieso schon schweren Zeit der Trauer Arbeit zu ersparen. Sie richtet ihr Buch aber auch an Jüngere, da sie, wie viele Entrümpelungsfans, der irrigen Ansicht ist, dass es alle Menschen glücklich macht, wenn sie sich von Überflüssigem befreien.
Dieses Buch und ich fanden leider nicht zusammen, was vielleicht auch nicht verwunderlich ist, denn ich gehöre eindeutig zu jenen Menschen, die der Autorin „skurril“ vorkommen, weil sie gerne umgeben von einem kreativen, fröhlich-bunten Chaos statt steriler Ordnung leben. Sehr schade - ich mag es, wenn Bücher mir neue Sichtweisen vermitteln und meine Vorurteile abbauen, dieses Buch hat aber leider meine Abneigung gegen den Entrümpelungshype sogar noch vervielfacht (und dass das noch möglich ist, ist erstaunlich).
Dabei ist mir die Autorin nicht unsympathisch und verfügt, was durchaus nicht bei allen Entrümpelungsfans der Fall ist, noch über die Gabe der Wertschätzung von Gegenständen und ihrer symbolischen Bedeutung. Ihre Vorgehensweise ist daher eher behutsam.
Und dennoch erscheint sie mir ein bisschen zu intolerant, zu kategorisch und zu sehr von Ordnung als einzig richtiger Lösung überzeugt. Genau das ist Ordnung natürlich auch für ordnungsliebende Menschen, aber muss man sie denn unbedingt auch anderen aufzwingen? Ich finde nicht, dass jeder, wie sie schreibt, die "Pflicht" hat, für den Todesfall seinen Krempel zu ordnen. Es ist sicher besser, aber Menschen sollten meiner Meinung nach auch die Freiheit haben, es aus den unterschiedlichsten Gründen, die nur sie selbst etwas angehen, nicht zu tun.
Das größte Problem hatte ich allerdings mit dem Kapitel "Haustier". Da ich mir wie alle, die die Verantwortung für ein Haustier übernommen haben, natürlich Sorgen mache, was mit dem samtpfotigen Wesen passieren würde, wenn ich vorzeitig sterben sollte, hatte ich große Erwartungen an dieses Kapitel. Ich erhoffte mir Tipps zur Vorbereitung für den Fall der Fälle (beispielsweise Erstellung einer Infomappe für meinen Nachfolger mit Auflistung von Vorerkrankungen, Tipps zu besonderen Vorlieben und Abneigungen des Katers, seinen Lieblingsgewohnheiten, seinen Lieblingsdecken etc.) und ich war völlig entsetzt, stattdessen lesen zu müssen, dass die Autorin ihren alten Hund einschläfern ließ, weil sie ihm einen Umzug in eine neue Familie nicht zumuten wollte ...
Natürlich, dieser Hund war aufgrund seiner besonderen Bedürfnisse ein Sonderfall, dennoch finde ich es einfach grauenvoll – kein Tier ist zu alt oder zu krank, um in einem neuen Zuhause neu anzufangen, und es gibt nicht wenige Tierschützer, die so wie ich vorwiegend Seniorentiere, auch sehr kranke Tiere, adoptieren. Bisher habe ich noch jede adoptierte Seniorenkatze nach einer kurzen Trauerphase um das alte Zuhause bei mir aufblühen sehen! Wir haben wahrscheinlich nur dieses eine Leben und jeder Tag ist kostbar, selbst wenn der Hund aufgrund von Altersschwäche nur noch wenige Tage in einer anderen Familie hätte verleben können, hätte sich das doch gelohnt.
Dabei hat die Autorin ein Herz für Tiere und plädiert selbst dafür, ältere Tiere zu adoptieren - wie schon erwähnt, ich finde sie nicht unsympathisch, nur konnten mich ihre Vorschläge leider größtenteils überhaupt nicht überzeugen.

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tine1211s avatar

Rezension zu "Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen" von Margareta Magnusson

Hilfreicher und sympathischer Ratgeber die letzten Dinge des Lebens zu ordnen
tine1211vor 6 Monaten

Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen von Margareta Magnusson

In Schweden gibt es eine Tradition, die sich Döstädning nennt – die Kunst die Dinge des Lebens zu ordnen. Es ist Minimalismus in ganz eigener Form, denn hierbei soll bewusst darüber nachgedacht, welche Dinge bewahrt und weitergegeben werden oder welche unwesentlichen Dinge entsorgt werden können.

Margareta Magnusson, die zwischen 80 und 100 Jahre alt ist, weiß darüber sehr gut Bescheid. Sie stand bereits mehrmals vor einem ganzen Haufen an überflüssigen Dingen, der z.B. nach einem Tod oder einem Umzug in eine kleinere Wohnung entsorgt und aussortiert werden musste. Sie entschied sich daraufhin bewusst, was sie weitergeben und was in Vergessenheit geraten soll. Dabei könnten die Dinge unterschiedlicher nicht sein: Von dem Facebook-Account, Familienerbstücken, Selbstgebasteltes der Kinder… Im Laufe des Lebens sammeln sich viele Dinge an. Aber es kommt der Tag, an dem Verwandte nicht nur den Verlust eines Menschen zu verarbeiten haben, sondern auch eine Haushaltsauflösung organisieren müssen. Frau Magnusson weiß, wie belastend diese Erfahrung sein kann und sich entschlossen, durch Döstädning sich und ihren Nachkommen das Leben zu erleichtern. In ihrem Buch erklärt sich auf unglaublich erfahrene Weise, wie jeder am besten vorgehen kann.

Ich habe dieses Buch auf einem meiner Lieblings-Blogs entdeckt und hatte zudem das Glück, dieses Buch vom Verlag zu Rezensionszwecken zu erhalten. Ich bin zwar Jahrzehnte von dem Alter der Autorin entfernt, doch dieses Thema betrifft Jung und Alt. Wir leben in Zeiten völligen überflüssigen Konsums und es sammeln sich so viele Dinge an, die man nach kurzer Zeit durch neue ersetzt. Mir wurde das das erste Mal so richtig bewusst, als ich letztes Jahr in eine kleinere Wohnung umzog und mit Entsetzen feststellen musste, wie viel Kram ich gehortet habe. Der Großteil davon steht noch immer unausgepackt im Keller, was für sich spricht. Seitdem betreibe ich mein eigenes Döstädning. Dies war auch der Grund, weshalb mich das Buch der liebenswerten Dame sofort ansprach.

Jeder kann von der Erfahrung der Frau Magnusson viel lernen und es macht Spaß, dieses Buch zu lesen. Der Leser sollte dieses Buch als Hilfsmittel betrachten und immer mal wieder hineinlesen, denn es entspricht eher einem Lebensratgeber für ein schöneres und aufgeräumteres Leben. Ich bin sehr froh, dieses Buch zu haben und werde die Tipps gerne umsetzen.

Dieses Buch eignet sich für Jung und Alt, denn längst ist es kein Thema der „Alten“ mehr, Ordnung vor dem letzten Gang zu schaffen. Auch junge Menschen, die sich immer mehr Konsum anhäufen, werden früher oder später in die Situation kommen, Bilanz zu ziehen, und sei es nur wie bei mir durch einen Umzug.

Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Es eignet sich vielleicht auch gut für Eltern als Geschenk.

Erschienen März 2018 beim S. Fischer Verlag

ISBN 978-3-10-397323-5

160 Seiten

 

 

 

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Rezension zu "Frau Magnussons Kunst, die letzten Dinge des Lebens zu ordnen" von Margareta Magnusson

Ordnen, bevor es zu spät ist
michael_lehmann-papevor 7 Monaten

Ordnen, bevor es zu spät ist

„Wenn man seine Dinge in Ordnung bringt und es einem gelingt, ist das äußerst tröstlich und der Gewinn unermesslich“ (Leonard Cohen).

Nicht umsonst stellt Margareta Magnusson dieses Zitat des Musikers und Sängers ihrer „Handreichung für die letzten Dinge“ vorweg. Denn, dass ist ihre Erfahrung zumindest, wer sich rechtzeitig ans „Aufräumen und Entrümpeln“ macht, wer sein Leben betrachtet, sich von Überflüssigem trennt, seine notwendigen Papiere und Wichtigkeiten nachvollziehbar auch für andere ordnet, der erleichtert gar nicht einmal in erster Linie den „Erben“ das Leben (auch wenn das natürlich ein wichtiger Nebeneffekt ist), sondern für den gilt:

„Denn wenn man an das denkt, was über den Tod hinaus bleiben soll, kommt überraschenderweise das Leben in Ordnung“.

Was nicht mit einem bloßen Entrümpeln und sich-Trennen von vielen materiellen Dingen einhergeht, sondern am Ende auch eine eigene, innere Struktur des Lebens, den eigenen roten Lebensfaden konkreter, für einen selbst und für die anderen sichtbarer, ins Leben treten lässt.

„Wenn ihr Hund länger lebt als sie, könnte das für ihre Hinterbliebenen zum Problem werden“.

Was sicher auch noch dazu gehört, was Magnusson liebevoll mit erwähnt, das Haustier eben, steht daher ebenso in einem größeren Zusammenhang, wie viele andere eher „klein“ wirkenden Überlegungen und Schritte, die im Buch sorgsam Schritt für Schritt aufgeführt werden.

„Dinge, Menschen und Haustiere loszulassen, wenn es keine bessere Alternative gibt, war für mich eine schwierige Lektion. Je länger ich lebte, desto öfter musste ich sie lernen“.

Eine reine Tatsache, aber auch ein innerer Prozess der persönlichen Reifung, den der Leser leicht und spürbar im Rahmen dieser gesamten Lektüre auch für sich emotional nachvollziehen kann. Und damit große Motivation erhält, die „Dinge des Lebens“ zu ordnen. Unabhängig von der vermuteten Zeit, die einem noch im Leben bleibt. Selbst wenn diese noch sehr lang zu sein scheint, die „Ordnung des Wesentlichen“ lohnt sich für das innere Wesen des Menschen, das ist die Quintessenz der Lektüre. Eine Ordnung, dass sollte man nicht falsch verstehen, die ebenso weit über ein „geordnet halten“ von Dingen in Schränken und Regalen hinausgeht, wie auch über ein einfaches „Entrümpeln“ alten Besitzes.

Sortieren, aussortieren, gut sortiert sein, Entscheidungen treffen, was aufbewahrt und erhalten oder was „wegkann“, praktische Hilfen bis hin zu Umzug in eine kleinere Wohnung im Alter werden dabei im Werk ebenso liebevoll bedacht, wie Briefe, Dokumente und Ähnliches. Neben allgemeinen, lebensphilosophischen Ratschlägen, die „schönen Stunden“ mehr wert zu schützen oder wie man das Thema mit älteren Menschen überhaupt ansprechen kann.

Eine empfehlenswerte, gehaltvolle und für das Leben „Diesseits“ bereits wichtige Lektüre.

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