Untenrum frei

von Margarete Stokowski 
4,5 Sterne bei37 Bewertungen
Untenrum frei
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once-upon-a-times avatar

So viele kluge Gedanken, dass ich das Buch wohl noch ein, zweimal lesen muss. Wow!

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Rollenbilder, Sex, Feminismus, Scham. Um all das geht es. Die Autorin macht Mut, das Schweigen darüber zu brechen und das Wort zu ergreifen!

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Inhaltsangabe zu "Untenrum frei"

In 'Untenrum frei' erzählt die Autorin und Spiegel-Online-Kolumnistin Margarete Stokowski, wie es ist, als Mädchen in Deutschland aufzuwachsen. Sie schreibt von unzulänglichem Aufklärungsunterricht, von Gewalterlebnissen, von Sex und von Liebe und zeigt: Noch immer besteht mit Blick auf die Geschlechtergerechtigkeit eine kollektive Schieflage. Für Veränderung im Großen, so Stokowskis These, bedarf es den Blick auf die Details. Ein persönliches, provokantes und befreiendes Buch.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499631863
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:24.04.2018

Rezensionen und Bewertungen

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr
    Sex, Liebe, Feminismus

    Ich bin sehr lange um das Buch von Margarete Stokowski geschlichen. Nicht weil mich das Thema nicht interessiert, denn das tut es, sondern weil ich meine Zweifel hatte, ob mir dieses Buch etwas Neues beibringen und mich unterhalten kann.
    Feminismus ist ein Thema mit dem wir heute sehr oft konfrontiert werden. Frauen die den Wunsch äußern die gleichen Rechte wie Männer zu haben, ohne eine Ahnung zu haben was das in Wahrheit  bedeutet. Untenrum frei hat mich nicht nur unterhalten, sondern auch die Augen geöffnet in manchen Hinsichten.

    Wir können untenrum nicht frei sein, wenn wir obenrum nicht frei sind.
    Ein Zitat, das mich persönlich berührt und bewegt hat und gleichzeitig auch die These der Kolumnistin, mit der sie automatisch die enge Verbindung der kleinen schmutzigen Dinge im Leben und die groß thematisierte Machtfrage vor Augen führt. Margarete Stokowski hält kein Blatt vor den Mund und zieht buchstäblich die Hose herunter. Die Kolumnistin gibt dem Leser einen sehr tiefen Einblick in ihr eigenes Leben, ihre Erfahrungen und Erlebnisse die sie als Frau gekennzeichnet haben.
    Die Autorin führt den Leser, in sieben bemerkenswerten Essays, durch die weite Thematik des Feminismus. Sie macht durch Erzählungen aus persönlichen Erfahrungen deutlich wie viel Feminismus schon geschafft hat, aber auch welchen langen Weg er noch vor sich liegen hat. Besonders mochte ich die Leichtigkeit und Vielseitigkeit von Stokowskis Schreibstil. Die Kolumnistin sammelt in ihrem Buch eine Menge an Informationen die sie unterhaltend weitergibt und schafft erfolgreich Tiefe und Humor zu vereinen. Dabei verweist sie in ihren Essays oft auf viele Werke feministischer Autor/innen und führt am Ende sogar eine Liste an Büchern an, die sie ihren Leser/innen ans Herz legen möchte.Margarete Stokowskis Buch Untenrum Frei ist ein Befreiungsschlag gegen gesellschaftliche Konventionen und veraltete Rollenbilder, die die Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen forciert hervorrufen. Mit Untenrum Frei bietet sich jedem ein unterhaltsamer, gut geschriebener, leichter, gesellschaftskritischer Einstieg in die Grundgedanken des Feminismus.
    Ich möchte das Buch jedem von euch und ganz besonders denen, die sich noch nicht viel mit diesem Thema beschäftigt haben, ans Herz legen.

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    Farbwirbels avatar
    Farbwirbelvor einem Jahr
    Einmal aufwachen, bitte.

    Dieses Buch stand schon Lange auf meiner Wunschliste, denn ich habe einige Menschen getroffen, die sehr angetan von der Lektüre waren. Zudem hat sich mein Interesse an der Geschlechterproblematik in den letzten Jahren deutlich gesteigert und ich wollte gern ein erstes Werk zum Feminismus lesen. Dabei sei gleich einmal gesagt, dass es Stokowski nicht darum geht, den Feminismus als Ismus mit erhobenen Zeigefinger zu verstehen, sondern vielmehr als eine Einstellung, die Gleichberechtigung bringen soll – ob mit oder ohne Achselhaare. Wer also bisher Angst oder großen Respekt vor dem Wort Feminismus hatte: Buch lesen und verstehen.

    Das Buch hat einen biographischen Anklang, denn die ersten Kapitel beschäftigen sich mit einer Art Nacherzählung von Kindheit und Jugend, bis am Ende die Zeit als Studentin beleuchtet wird. Dabei geht Stokowski darauf ein, wie stark sie von ihrem Umfeld vorgeprägt wurde, wann sie erkannt hat, dass sie sich als Feministin versteht, wie der Weg dahin war. Dabei ist sie auch herrlich amüsant in ihren alltäglichen Beobachtungen, die ich so gut nachvollziehen kann:

    Leute, die sich im Seminar melden und wiederholen, was schon mehrfach gesagt wurde, oder den Text nachlabern, fangen an, mich zu nerven. Ich merke, dass selbst einige der Leute, die sich auf Kant beziehen - „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ -, sich gern damit begnügen, Zitate rauszuballern, aber nichts eigenes. Was für eine absurde Ironie. - S. 171

    Gleichzeitig kann ich extrem einschneidende Erlebnisse, von denen sie berichtet, genau so nachvollziehen und habe das Gefühl, sie trifft die richtigen Worte:

    Etwas ist kaputt.

    Ich rede mir ein, dass alles gut ist, dass dieser Vorfall in der Nacht kein besonders krasser Fall war – ich wurde nicht verletzt, es waren nur wenige scheußliche Minuten und ich ging am Tag danach ganz normal zur Uni und arbeiten. Aber ich fühle, dass es ein riesiges Problem gibt, dessen Ausmaße ich gerade erst anfange zu erahnen. - S. 157

    Das Werk liest sich sehr angenehm, das die Autorin einen lockeren Schreibstil hat, der mich stark an den Plauderton meiner Heimatstadt Berlin erinnerte. Dabei schafft sie es dennoch spielend, Philosophen und Soziologen, Psychologen und Schriftsteller mit Zitaten und Paraphrasen einzubinden und ihre Ansichten zu untermauern – ich spreche hier übrigens von Beauvoir, Hegel, Sontag und Kant.

    Man wird von der Autorin wachgerüttelt – alltägliche Begegnungen und Tätigkeiten werden hinterfragt. Dabei geht es natürlich um Rollenbilder, geschlechterspezifische Zuschreibungen und Machtverhältnisse, denn primär befasst sie sich mit den sozialen Unterschieden von Mann und Frau. Es wird während der Lektüre nie langweilig, es ist aber auch kein Werk, dass man nebenbei lesen sollte, auch wenn es sich anböte. Ein Verharren nach jedem Kapitel bietet sich an, um den Inhalt wirklich sacken zu lassen und nicht nur durch das Sachbuch durchzurauschen.

    Am Ende geht es um Gleichberechtigung, Respekt und Wertschätzung, also wesentliche Aspekte einer achtsamen Gesellschaft. Der frische Blick der Autorin macht nur einmal mehr deutlich, dass Weiterentwicklung notwendig ist. Der gegenwärtige Zustand ist eben nicht ideal und Stagnation sollte nie die Lösung sein.

    Sogar die, die noch so klein sind, dass Wörter für sie nur Geräusche sind, spüren: Einsamkeit ist keine Option, wenn man groß werden will. - S. 216

    Kommentare: 5
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    wortkulisses avatar
    wortkulissevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein Rundumschlag gegen alle gesellschaftlichen Konventionen und veralteten Rollenbilder. Unterhaltend, persönlich und unglaublich gut!
    Untenrum frei - Margarete Stokowski

    Ich bin vergleichsweise lange um das Buch "Untenrum frei" von Margarete Stokowski herum geschlichen. Nicht, weil mich das Thema nicht interessiert (das tut es!) und nicht, weil ich das Buch optisch nicht ansprechend finde (das ist es!), sondern weil ich Zweifel hatte, ob es mir noch etwas Neues beibringen kann. Ob es mir meine Augen noch weiter öffnen kann. Das hat es – nicht wahnsinnig, aber das hat es. Und dabei hat es mich wunderbar unterhalten.

    „Wir können untenrum nicht frei sein, wenn wir obenrum nicht frei sind.“ Das ist die These von Margarete Stokowski und damit zieht die Kolumnistin eine dicke Verbindungslinie zwischen den kleinen schmutzigen Dingen und den großen Machtfragen, denn diese beiden Dinge hängen eng miteinander zusammen. In sieben fabelhaft geschriebenen Essays führt uns die Autorin durch das weite Feld des Feminismus, räumt mit unbegründeten Vorurteilen auf, macht deutlich wie viel der Feminismus schon geschafft hat und welch langer Weg noch vor ihm liegt und macht ihren Lesern dies alles durch persönliche Erfahrungen greifbar.

    "Aber je mehr man sich an den Gedanken gewöhnt hat, dass Anerkennung von anderen das Ziel ist, desto schwieriger wird es, zu akzeptieren, dass die eigenen Fähigkeiten auch einfach mal gut und genug sind." – S. 107

    Margarete Stokowski lässt die Hosen runter. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sie gibt einen erstaunlich tiefen Einblick in ihr Leben und ihren Weg, den sie zurücklegen musste, um die Frau zu werden, die sie jetzt ist. Eine Frau, die sich für die Gleichbehandlung aller Menschen einsetzt, alte Rollenbilder aufbricht und deutlich macht, dass die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern zwar bei jedem einzelnen anfängt (und nein, dabei stellt sie keine Männer an den Pranger oder tut gar so, als wären alle Frauen selber daran Schuld), aber dennoch in einen viel größeren Zusammenhang eingebettet ist.

    Ich mochte die Leichtigkeit, mit der Stokowski schreibt, und ihre Vielseitigkeit im Tonfall. Mal hat sie beruhend auf Fakten neutral analysiert, mal hat sie regelrecht gepöbelt und ihren Gedanken freien Lauf gelassen bis sie wieder mit viel Humor über ihre Erfahrungen oder die ihrer Freundinnen plauderte. Dabei verweist Stokowski in ihren Essays auf viele Werke feministischer Autor*innen und führt am Ende sogar eine Liste an Büchern an, die sie ihren Leser*innen ans Herz legen möchte. Darunter ist neben "Das andere Geschlecht" von Simone de Beauvoire, das schon eine ganze Weile in meinem Regal steht und von mir gelesen werden will, auch Aldous Huxleys "Schöne neue Welt".

    "Ich glaube, Wut ist eines der wichtigsten Gefühle, die man Mädchen heute beibringen muss zu behalten. Gefühle muss man Leuten nicht beibringen, deswegen schreibe ich nicht: „…die man Mädchen heute beibringen muss“. Man muss ihnen nur helfen, die Wut nicht zu verlernen." – S. 41


    Während ich diesen Beitrag schreibe, geht mir ein Zitat nicht aus dem Kopf, das zwar nicht von Stokowksi stammt, sondern von Laurie Penny, ich euch aber dennoch nicht vorenthalten möchte. Sie schreibt: „Wenn alle Frauen dieser Erde morgen früh aufwachten und sich in ihren Körpern wirklich wohl und kraftvoll fühlten, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen.“ Überlegt euch, was dann mit diesen ganzen Frauenzeitschriften passieren würde, die uns gleichzeitig einreden, dass eine Frau natürlich sein soll und sich drei Seiten später über irgendeinen Star kokettieren, der es (welch ein Wahnsinn!) gewagt hat, keinen BH anzuziehen. Oder den Werbungen für bestimmt widerlich schmeckende Diätdrinks, in denen eine Frau halbnackt am Strand entlang joggt, um von Männern angegafft zu werden. Welche Aufgabe sollte eine Frau denn sonst erfüllen?

    "Und je mehr man darauf hinarbeitet, anderen gefallen zu wollen, desto eher verliert man ein Gefühl dafür, sich selbst einzuschätzen – und im schlimmsten Fall verliert man auch ein Gefühl für die eigenen Grenzen: Wie weit will ich gehen für das Gefühl, das andere mir geben?" – S. 107


    Ich schweife ab, aber ich denke ein Punkt wird deutlich: Der Feminismus geht jeden von uns etwas an und ich bin Margarete Stokowski unheimlich dankbar für ihre großartigen Essays, in denen sie so viele Informationen sammelt und unterhaltend an ihre Leser*innen weitergibt, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Ich möchte das Buch jedem von euch und ganz besonders denen, die sich noch nicht viel mit diesem Thema beschäftigt haben, ans Herz legen. Lest es! Es ist unterhaltend, sehr gut geschrieben und ein wunderbarer gesellschaftskritischer Einstieg in die Grundgedanken des Feminismus.

    Margarete Stokowskis Essaysammlung Untenrum frei ist ein Rundumschlag gegen alle gesellschaftlichen Konventionen und veralteten Rollenbilder, die die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern künstlich hervorrufen. Mit viel Humor, einem umfangreichen Wissen und scharfer Beobachtungsgabe ermöglicht Stokowski ihren Leser*innen einen leichten und unterhaltenden Einstieg in den Feminismus. Ach ja, und „Warum eigentlich ‚untenrum‘? Unten sind die Füße, Mann! Das weiß ich – eigentlich“ – S. 18.


    Mehr Rezensionen von mir findet ihr auf wortkulisse.net.

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    vivreavecdeslivress avatar
    vivreavecdeslivresvor einem Jahr
    Untenrum frei | Rezension

    Margarete Stokowski Buch hat mich definitiv belehrt und mir ganz neue Einsichten in mein heutiges Denken gegeben. Seit ich ihr Buch gelesen habe, achte ich mich viel mehr auf Alltagssexismus und mein Bewusstsein hat sich allgemein einfach verschärft. Dinge, die klein erscheinen, es aber nicht sind. Zum Beispiel Pärchen Pullover von bekannten Youtubern Deutschlands auf denen steht: HIS Queen und THE King. Wieso gibt es solche sexistische Mode? Weshalb werden die Frauen immer als Besitzeigentum der Männer dargestellt? Ich stelle mir solche Fragen, genau auch wie Margarete Stokowski in ihrem Buch. Sie geht solchen Fragestellungen bis ins Detail nach und bespricht sie ganz genau. Ich finde es grossartig, wie sie es schafft zugleich kritisch, humorvoll und ernst zu bleiben. Eine Kombination, die einem das Buch leicht lesen lässt und es trotzdem nicht lächerlich wirken lässt. Schon im Vorwort konnte mich Stokowski mit ihrer lockeren Art, die Dinge zu beschreiben, überzeugen. Folgendes Zitat ist mir geblieben:

    "Man wird aus diesem Buch auch nicht erfahren, ob ich mich beim Sex lieber im Bett oder auf dem Küchentisch befinde, aber man wird erfahren, dass ich weder das eine noch das andere für emanzipiert oder langweilig halte, sondern denke, dass die Qualität des Liebemachens auch davon abhängt, wer den Küchentisch am nächsten Morgen decken wird und wer die Bettwäsche wechselt."
    Das Buch ist eine Sammlung von literarischen Essays aus verschieden Zeiten ihres Lebens. Am Anfang des Buches erzählt Margarete Stokowski von ihrer Kindheit, von kleinen Erlebnissen, die ihr geblieben sind und an die sie sich jetzt zurückerinnern möchte. Wie bereits erwähnt ist Alltagssexismus eines der grössten Themen, die mich auch immer wieder aufs Neue schockierten. Was die Bravo und anderer Zeitschriften für junge Mädchen bedeuten kann und was für schlechter Kontent sich darin befindet, war mir zwar bewusst, aber dass darin in diesem Masse Scheisse veröffentlicht wird, habe ich erst jetzt so richtig erkannt. Shame on me.

    "Wir wissen aus dem Global Gender Gap Report 2015, dass es - wenn alles so weitergeht - bis ungefähr 2133 dauern wird, bis Männer und Frauen in der Arbeitswelt gleichgestellt sind."

    Ich bin fünfzehn Jahre alt und habe das Gefühl, dass ich im Gegensatz zu anderen Mädchen in meinem Alter relativ viel über Sexismus und Feminismus weiss. In einem Grossteil des Buches schreibt die deutsche Autorin mit polnischen Wurzeln nämlich von ihrer Zeit als Fünfzehnjährige. Sie erzählt uns, was sie da vom Leben, von Sex und allem möglichen gedacht hat. Ich denke in vielen Punkten nicht gleich, ich habe mich wohl bereits mehr mit diesen Themen befasst als sie in meinem Alter und trotzdem lassen mich viele Punkte denken: Was? Ist das nicht so? Ich habe immer gedacht, dass das so ist...  Lauter Aha- Momente. Von daher kann ich auch ganz klar sagen, dass mich das Buch aufgeklärt hat, dass ich viel Neues gelernt habe und das obwohl ich wohl in dem Sinne nicht die Zielgruppe bin. Wahrscheinlich spricht Stokowski Frauen in ihrem Alter an und nicht unbedingt Jugendliche. Selbst wenn ich eben nicht unbedingt zu dieser Gruppe Menschen zugehöre, hat mir das Buch die Augen geöffnet, wenn nicht schon aufgerissen und mich auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt: Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Frau regelrecht zum Sexobjekt gemacht wird, zur derjenigen, die lockt wobei der Mann immer noch derjenige ist, der erhält - der Eroberer der Frau, ihr Besitzer. 
    "Es stimmt aber nicht. Wir sind nicht umgeben von Sex, sondern von einem diffusen Versprechen von Sex - gerade so diffus, das es sich meist auflösen lässt in einen Zusammenhanf von einerseits nackter Haut, vollen Lippen und langen Haaren und andererseits zu kaufenden Produkten oder zu konsumierenden Medien."

    Ich habe mit dieser Lektüre so viel Neues erfahren, dass ich hier allen Dingen gar nicht gerecht werden kann, dafür müsste man das Buch schon selber lesen, was ich euch allen herzliche empfehlen mag. Wieso gibt es Ausdrücke wie Karrierefrau und kein entsprechendes Pendant für den Mann? Wieso nennen wir Kleinkinder des männlichen Geschlechts häufig der kleine Mann und sagen das nicht auch zu unseren kleinen Mädchen? Rollenbilder. Überall nur Rollenbilder. Es fängt schon vorgeburtlich an: An einer Stelle schreibt Stokowski, dass schon Väter Fussballspiele mit ihrem Sohn im Kopf durchgehen, sobald sie erfahren, dass sie einen Jungen zur Welt bringen. Ich möchte Frauen da nicht rausnehmen, ganz klischeehaft erhoffen sich wohl auch viele eine Shoppingtour mit ihrem Mädchen. Aber selbst hier zeigt sich ja: Mädchen und Frauen werden häufig auf ihr Aussehen reduziert, und reduzieren sich auch selbst darauf. Rollenbilder begegnen uns täglich und oft fällt es uns nicht einmal mehr auf, oder es fällt uns auf und wir finden es geradezu grausam, dass es solche Szenen überhaupt noch gibt. Ein Beispiel: Wieso werden Mädchen im Alter von zehn bis fünfzehn Jahren an einem Tanzwettbewerb entweder Wäsche aufhenkend oder Po wackelnd auf der Bühne gesehen?
    "Frauen unterschätzen sich und werden unterschätzt, immer noch. Sogar Stürme mit Frauennamen werden unterschätzt: Hurrikane mit Frauennamen töten mehr Menschen als solche mit Männernamen, weil Leute sich vor ihnen seltener in Sicherheit bringen."

    So schonungslos wie sie schreibt lässt sie einem mit einfachen Fakten die Kinnlade herunterklappen. Sie hat mich hinterfragen gelernt und mir mein Bewusstsein massiv verschärft. Margarete Stokowski schreibt von Freiheit und möchte uns eigentlich vor allem eine entscheidende Mitteilung auf den Weg geben: Tut alles, was ihr tut freiwillig und seid euch bewusst, was ihr denn dabei macht. Sie betont mehrmals, dass es sehr wohl auch Menschen - Frauen sowie Männer gibt, die gerne ihre traditionellen Rollenbilder denken und diese auch ausleben möchten. So lange sie das wollen, ist das auch völlig in Ordnung. Trotzdem soll man nicht alles zur Kenntnis nehmen, man soll nachhaken, hinterfragen, offen sein, ja man soll anders sein. Dabei zitiert sie vor dem sechsten Kapitel ihres Buches auch Wonder Woman, die sagt, dass jetzt, also immer, ein guter Zeitpunkt ist, geschlossene Türen zu öffnen und zu hinterfragen. Stokowski macht mir nämlich auch klar, dass ich zu schlecht aufgeklärt bin, dass wir alle zu wenig wissen und uns deshalb bilden und informieren müssen. Ich empfehle dieses Buch aus tiefstem Herzen, weil ich finde, dass es extrem wichtige Bilder und  Werte vermittelt, die verbreitet werden sollten. Ich könnte noch Stunden lang auf jeden von Stokowski erwähnten Aspekt eingehen, das Buch regt nämlich extrem zum Nachdenken an, aber das würde einfach viel zu lange dauern. Ich habe schon jetzt das Bedürfnis dieses Buch erneut zu lesen, ich habe schon wieder so viel vergessen und möchte noch so viel weiter lernen.
    http://wonderful-ne-books.blogspot.ch/2017/04/untenrum-frei-feministische.html

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    once-upon-a-times avatar
    once-upon-a-timevor 3 Monaten
    Kurzmeinung: So viele kluge Gedanken, dass ich das Buch wohl noch ein, zweimal lesen muss. Wow!
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    Poesiesosos avatar
    Poesiesosovor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Rollenbilder, Sex, Feminismus, Scham. Um all das geht es. Die Autorin macht Mut, das Schweigen darüber zu brechen und das Wort zu ergreifen!
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    Siri_quergetipptblogs avatar
    Siri_quergetipptblogvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Hilfreicher Einstieg zum Thema Feminismus und Umgang mit unserer Sexualität plus ausführlicher Literaturliste.
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    Cirillavor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Ein ganz, ganz tolles Buch!
    SarDine_liests avatar
    SarDine_liestvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: MEGA... mehr fällt mir dazu nicht ein.
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    ju_theTrues avatar
    ju_theTruevor einem Jahr
    Kurzmeinung: wow, einfach nur wow.
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    Der neue Feminismus hat hier einen coolen Auftritt: witzig und böse. Macht das Thema genussvoll für alle Seiten.

    Margarete Stokowskis Texte sind bitterböse und lustig, persönlich und polemisch. Sie beweist: Feminismus und Humor schließen sich nicht aus.

    Dieses Buch sollten möglichst viele Mädchen und junge Frauen lesen, und Jungs und junge Männer natürlich auch.

    Eine sehr persönliche Bestandsaufnahme der sexuellen Freiheit heute.

    Ein unendlich wichtiges Buch. Bisweilen hat man beim Lesen das Gefühl, es würden sich neue Synapsen im Gehirn ausbilden, die einen veränderten Blick auf die Welt eröffnen.

    'Untenrum frei' ist ein Coming-of-Age-Essay darüber, wie es sich anfühlt, als Mädchen im Nachwendedeutschland aufzuwachsen. Und obwohl Stokowski ihre Argumentation mittels schlaglichtartiger Bezüge auf ihre Biografie strukturiert, versäumt sie nicht, die eigenen Erfahrungen zu größeren Zusammenhängen und Diskursen in Beziehung zu setzten. Genau darin liegt die Stärke dieses Buches.

    Ein wichtiges Buch. (.) Reflektiert, mit viel Authentizität und einer ehrlichen Stimme, in passenden Momenten gespickt mit Humor.

    Dieses Buch ist anders. Es packt selbst solche, die sich mit diesen Themen schon lange beschäftigen.

    Das Buch wird euch wütend machen. Es ist nämlich alles andere als dogmatisch und belehrend. Im Gegenteil: es stellt die richtigen Fragen.

    Ein Buch voller feministischer Gesellschaftskritik mit rotzigem Witz, Knalleranalysen und Unbeugsamkeit.

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