Margaux Fragoso

 4.2 Sterne bei 38 Bewertungen
Autor von Tiger, Tiger.

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Tiger, Tiger

Tiger, Tiger

 (38)
Erschienen am 07.03.2011

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Rezension zu "Tiger, Tiger" von Margaux Fragoso

Rezension: Tiger, Tiger
killmonotonyvor 2 Jahren

Dieses Buch erzählt die Geschichte von Margaux Fragoso, die mit sieben Jahren auf den 51-jährigen Peter trifft. Was anfangs noch als unschuldiges Rumplanschen im örtlichen Schwimmbad beginnt, führt bald zu Küssen zur „Stärkung“ Peters, wenn der im Vergleich zu Margaux doch sehr alte Mann wieder mit seinen Rückenschmerzen etc. zu kämpfen hat und endet darin, dass die 20-jährige Margaux ungeschützten Sex mit ihm hat, um schwanger zu werden, da sie nur noch weg von zuhause will. Fragoso erzählt hier mit sehr nüchterner Stimme die bedrückende Geschichte ihres Lebens, zwischen einer Mutter mit einer unklaren Diagnose, die aber mental nicht gesund ist, einem cholerischen Vater und dem charakterlich jung gebliebenen Peter, dessen Haus ihr wie ein Schlaraffenland vorkommt. Zunächst sind sie „nur“ beste Freunde, doch hinter dem Rücken ihrer kranken und daher nicht immer aufmerksamen Mutter, die sie zu den Treffen begleitet, beginnt Peter, immer weiter zu gehen mit der damals Siebenjährigen. In erschreckend wahren Monologen versucht er ihr zu erklären, dass Kinder viel zu verklemmt erzogen werden, dass ihre Geschlechtsorgane beispielsweise immer als „schmutzig“ verurteilt werden und man durch diese Erziehung nicht im Einklang mit seinem Körper aufwachsen könne, da man von klein auf ein gestörtes Bild von sich selbst hat und man seinen Körper in seiner Natürlichkeit nicht akzeptieren könne. Und damit hat er vielleicht sogar Recht. Aber da hört es auch schon auf. Peter nutzt diese Ansprache und noch viele weitere, um die kleine Margaux zu manipulieren; was er damit bezwecken will, ist natürlich dem Leser von vornherein klar. Immer wieder bekommt er das kleine Mädchen dazu, sich auszuziehen und sexuell immer weiter zu gehen mit ihm. Und sie hinterfragt es nicht einmal, da sie ihm mittlerweile vollkommen hörig ist und natürlich seine Ansichten vertritt oder zumindest vertreten möchte. Deshalb gibt es von der kleinen Margaux auch keine Widerworte, als Peter gerne möchte, dass sie seinen Penis in den Mund nimmt.

Hier möchte ich lieber aufhören, die Beziehung detaillierter zu beschreiben. Fragoso beschreibt hier ihre eigene Kindheit, jedoch ist ihr Schreibstil so distanziert, dass man den Ekel der Situation und die Unangebrachtheit dieser „Liebe“ zwar nachvollziehen kann, aber man spürt es nicht. Der Stil der Autorin ist bei ihrem Memoir meiner Meinung nach unpassend, da man gerade hier doch meinen sollte, dass der Leser mitfühlen soll; mitfühlen, wie widernatürlich die Situation ist; mitfühlen, wie Margaux Peter trotzdem als ihren Schutzengel sieht; und vor allem mitfühlen, wenn ihre Eltern komplett versagen. Doch das schafft Fragoso hier leider nicht. Margaux‘ Eltern sind auch ein schwieriger Fall: Ihr Vater ist Choleriker und Putzteufel, ihre Mutter leidet entweder am Borderline-Syndrom, hat Depressionen oder ist schizophren, da sind sich die Ärzte nicht sicher. Margaux wird mit einer seltsamen Erziehung großgezogen und durch die jahrelange Beziehung mit Peter kann sie später, als sie auf Highschool und College geht, gar nicht mit dem richtigen Leben umgehen, da sie fast ihre gesamte Kindheit in dieser Blase verbracht hat. Sie hatte keinen gleichaltrigen Freund, und selbst mit 20, als sie ein Date mit ihrem möglicherweise baldigen Freund, mischt Peter (mit dem sie zu diesem Zeitpunkt nur noch eine platonische Beziehung führt) sich ein und möchte sowohl vorgestellt werden als auch am Abend teilnehmen, was ich – von der gesamten Beziehung der beiden natürlich einmal abgesehen – ziemlich verstörend finde. Margaux findet die Situation auch ein wenig unangenehm, denkt sich aber nichts weiter dabei bzw. unternimmt auch nichts, um endlich die Bande zwischen ihr und Peter zu trennen.

Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

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Rezension zu "Tiger, Tiger" von Margaux Fragoso

Tiger, Tiger - Margaux Fragoso
wortkulissevor 2 Jahren

Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt einen Beitrag zu dem Buch „Tiger, Tiger“ von Margaux Fragoso schreiben soll. Denn erstens weiß ich, dass es mir nicht leicht fallen wird und zweitens habe ich das Buch nicht zu Ende gelesen.* „Tiger, Tiger“ ist ein gutes Buch, es ist wichtig und erschreckend und abstoßend und verlangt beim Leser starke Nerven. Nerven, die ich nicht hatte.

Margaux Fragoso ist sieben als sie Peter kennenlernt. Sie freunden sich schnell an und Margaux und ihre Mutter verbringen gemeinsam viel Zeit bei Peter, der in einer Art Villa Kunterbunt voller Tiere, Spielzeuge und Disneyfilme lebt. Als Margaux und Peter sich das erste Mal küssen, ist das Mädchen noch immer sieben. Peter ist einundfünfzig. Sie ist acht, als sie ihm zum ersten Mal die Hose auszieht. Und zwölf als sie regelmäßig miteinander schlafen. Unbemerkt von den Eltern und allen Bekannten schleicht sich Peter, ein pädophiler Mann, in das Herz des kleinen Mädchens, manipuliert sie und überwindet ungesehen ihre Grenzen.

Margaux Fragoso ist dreißig als sie ihre eigene Geschichte in ihrem Roman „Tiger, Tiger“ festhält. In drei Teilen zeichnet sie die ungewöhnliche Beziehung zwischen Peter und ihr nach, die sich über mehr als ein Jahrzehnt erstreckte. Bereits im Vorwort wird deutlich, dass die Beziehung zu Peter für sie mehr ist, als ein einseitiges Ausnutzen. Margaux fand in ihm die Liebe und Zuneigung, die ihr Zuhause mit ihrer psychisch erkrankten Mutter und ihrem zu Wutanfällen neigenden Vater fehlte. Gemeinsam mit Peter zog sie sich aus ihrem eigenen Leben zurück, erfand eine Traumwelt, in der sie ein starker Tiger mit Flügeln war und in deren Zukunft sie einmal die Frau von Peter sein sollte. Und diese Bindung verschwindet auch dann nicht, als sich Peter im Alter von sechsundsechzig Jahren umbringt.

Ich spreche mit meinem Freund häufig über die Bücher, die ich lese. Erkläre ihm, was ich mag und was nicht. Als ich ihm von dieser Geschichte erzählte, habe ich einen Ekel empfunden, wie in meinem ganzen Leben noch nicht. Ich habe geweint, weil ich nicht verstehen konnte, wie ein Mensch so etwas tun kann. Weil ich es nicht ertragen habe, zu lesen, wie ein achtjähriges Mädchen, den Penis eines Mannes, der ihr Großvater sein könnte, in den Mund nimmt, um ihn nicht zu verlieren. Ich weiß, dass Pädophilie eine Krankheit ist und ich weiß, dass Menschen, die solche Neigungen haben, öffentlich darüber sprechen können müssen, damit sie behandelt werden können. Dass sie eben keine herzlosen Monster sind, wie sie in der Gesellschaft gern stilisiert werden. Ich weiß es, aber kann es nicht verstehen. Ich finde es unverzeihlich, einen Menschen zu manipulieren und ich finde es unverzeihlich, ein Kind zu berühren. Dieses Gefühl ist stärker als mein Wissen über die Krankheit.

Es war aber nicht nur der Inhalt des Buches, der mich so sehr schockiert hat. Es war auch die Art, wie Fragoso geschrieben hat. In den Teilen, die ich gelesen habe, hat sie sehr nüchtern geschrieben, ohne Emotionen. Sie schildert detailreich, wie Peter es geschafft hat, sie an sich zu binden, eine Abhängigkeit aufzubauen und scheut sich nicht davor auch die sexuellen Situationen bis ins Detail zu beschreiben. Ich denke, dass das einerseits wichtig ist, um als Leser*in das Ausmaß dieser Beziehung kennenzulernen, andererseits waren es aber nicht zuletzt diese Szenen, die es mir unmöglich gemacht haben, das Buch weiterzulesen. Schockierend finde ich zudem, wie unreflektiert die Autorin schreibt. Sie berichtet bis ins Detail aus ihrer Kindheit und dass sie ihn nicht verurteilt, kann ich nachvollziehen, das finde ich gut. Dass sie aber das Verhalten von Peter nicht kritisch hinterfragt, finde ich schlicht falsch. Zwar erwähnt sie im Nachwort, dass sie mit ihrem Roman Pädophilie nicht romantisieren möchte, aber davon habe ich während des Lesens nur wenig gespürt.

„Tiger, Tiger“ von Margaux Fragoso ist ein wichtiger, erschreckender und abstoßender Roman, der Abgeklärtheit und starke Nerven verlangt. Genau das hat mir gefehlt, sodass ich es emotional nicht geschafft habe, das Buch vollständig zu lesen. Vielleicht hätte es dem Buch besser getan, wenn Fragoso ihre Kindheit nicht in Form eines Romans, sondern einer Biographie festgehalten hätte, um reflektierter mit ihrer Vergangenheit umzugehen. Dennoch hat sie all meinen Respekt, denn ebenso wie das Lesen dieses Buches für mich, muss auch das Schreiben des Buches für die Autorin selbst alles andere als leicht gewesen sein.

*Ich habe das Buch ungefähr bis Seite 230 gelesen, danach nur noch Auszugsweise, den dritten Teil des Buches (423-Ende) habe ich komplett gelesen, ebenso wie das Nachwort.


Weitere Rezensionen von mir könnt ihr auf wortkulisse.net lesen.

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sweetpiglets avatar

Rezension zu "Tiger, Tiger" von Margaux Fragoso

Tiger, Tiger
sweetpigletvor 2 Jahren

"Tiger, Tiger" ist ein Buch, für das man ein gutes Nervenkostüm braucht, denn es handelt sich dabei um einen autobiografischen Roman, und Margaux Fragosos Leben ist nicht voll von Blumen und schönen Erinnerungen. Bereits im Vorwort erfahren wir, wohin sich die Geschichte entwickeln wird, dennoch beobachtet man als Leser schockiert und entsetzt die Lebenstationen von Margaux und vor allem ihr wirklich krankhaftes Verhältnis zu Peter. 
Am Anfang werden wir in die Lebensverhältnisse von Margaux eingeführt. Sie wohnt als Einzelkind zusammen mit ihrer depressiven Mutter und ihrem arbeitswütigem Vater zusammen. Schon allein dieses Familienbild hat auf mich keinen guten Eindruck gemacht, Margaux wird dort schon als Kind viel zu viel Druck ausgesetzt, sie ist ein Tauseil zwischen ihren beiden Elternteilen und leidet darunter. Da sie aber nun mal ein Kind ist, kann sie damit nicht wirklich umgehen, und genau an dieser Stelle, als man das Gefühl hat, sie ist verlassen und allein, tritt Peter in ihr Leben. 
Und Peter ist der wohl fragwürdigste Charakter, denn ich seit langem in einem Buch erlebt habe, denn Peter ist Mitte fünfzig und hat pädophile Neigungen. Zwar wissen wir davon bereits durch das Vorwort, dennoch hatte ich beim Lesen oft schreckliche Bilder im Kopf, bei denen man auch einfach mal das Buch weg legen muss. Wie schon erwähnt ist dieses Buch, vor allem durch die Beziehung von Peter und Margaux wirklich nichts für schwache Nerven, man muss einfach mit allem rechnen.
Unabhängig davon, wie schlimm die Geschehnisse sind, hat Margaux Fragoso mit ihrem Buch "Tiger, Tiger" eine Autobiografie niedergeschrieben, die skandalös ist, aber auch die Augen öffnet. Sie hat so viel schreckliches erlebt und durchgemacht, und dennoch sind ihre Gefühle nicht immer logisch oder rational. Sie schafft es, sowohl ihre Gefühle zu beschrieben , die Taten nochmal zu durchleben, und dennoch auf eine verquere Art Sympathie für den Mann zu schaffen, der sie als Kind vergewaltigt hat. In dem sie diesen Schritt geht, und offen über ihre Gefühle, ihre Liebe und Verbindung redet, wird klar, dass eine solche pädophile Neigung vielschichtiger ist als man es sich als Außenstehender vorstellen kann.
Ich möchte an diesem Punkt dennoch darauf hinweisen, dass dieses Buch keine Befürwortung solcher Neigungen darstellt, in ihrem Nachwort distanziert sich die Autorin auch klar davon, und macht deutlich, dass das Rechtssystem viel eher reagieren und arbeiten muss, um die jungen Leben zu schützen, und den Kindern ein sicheres Umfeld zu geben.
Fazit: Margauxs Worte sind ergreifend, erschüttern und schockierende, aber auch ehrlich und aufrichtig. Obwohl mich viele Szenen und Ereignisse im Buch regelrecht angeekelt und entsetzt haben, ist es eine Autobiografie die wichtig ist, um zu verstehen. Auf ihre Art und Weise ist Margaux eine moderne Lolita, die nun auch endlich zu Wort kommen darf, um aufzuzeigen, wie Schmal der Grad zwischen Liebe und Hass wirklich ist. Eine Autobiografie, die lange im Gedächtnis bleibt und zum Nachdenken anregt.

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