Margherita Giacobino Familienbild mit dickem Kind

(3)

Lovelybooks Bewertung

  • 1 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 2 Rezensionen
(2)
(1)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Familienbild mit dickem Kind“ von Margherita Giacobino

Ein altes Familienfoto. Ich sehe dieses Bild wie durch fließendes Wasser. Wer waren diese Frauen und Männer wirklich? Waren sie so rau und streng, wie sie aussahen? Liebten oder ertrugen sie sich? Was würden sie erzählen, wenn sie die Gewohnheit hätten, von sich zu erzählen, die ihnen gewiss fehlt? In ihrer Kindheit hat Margherita immer eine Schar von Tanten und Großtanten um sich: die sanfte Polonia, die als Hebamme alle im Dorf auf die Welt gebracht hat, Michin, die Seelenverwandte mit dem scharfen Witz, die schon als junges Mädchen mit ihren Schwestern in die Fabrik arbeiten geht, und vor allem Ninin, der Fixstern in dieser bitterarmen piemontesischen Bauernfamilie: Ninin mit ihrer unermüdlichen Arbeit und Hingabe für ihre Geschwister, für die Neffen und Nichten, auch für Maria, das Auswandererkind, das mit acht Jahren allein aus Amerika zurückkommt. Maria ist die erste der Familie, die sich mit einem Laden selbständig macht. Über ein Jahrhundert umspannt Margherita Giacobinos persönliche Familiensaga, in der sie die Ränder der großen Geschichte erkundet und vor allem den Frauen ein Denkmal setzt. Es ist eine Geschichte von bitterer Armut und harter Arbeit, eine Geschichte von Auswanderung und Wanderarbeit, von der Kriegsgefangenschaft des Vaters im fernen Deutschland, aber auch die Geschichte des ökonomischen Wandels und einer allmählichen Emanzipation der Frauen.

Eine intensive Reise zu den eigenen Wurzeln

— JulesBarrois
JulesBarrois

Stöbern in Romane

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Eine berührende Geschichte!

Fluffypuffy95

Sieben Nächte

Für mich persönlich etwas zu überbewertet. Statt vieler komplizierter Worte und Gedankengänge wären Taten interessanter gewesen.

Cailess

Vintage

Ein ganz, gaznz tolles Buch. Es hat alles was für mich einen perfekten Roman ausmacht.

eulenmatz

Die Geschichte der getrennten Wege

Wenn einen die Vergangenheit einholt und das Leben sich wendet...Spannend, tiefgründig und erwachsen!

Kristall86

QualityLand

Eine grandios humorvolle erzählte Geschichte, deren zugrunde liegende Dystopie eingängig und mit viel Hingabe zum Detail erklärt wird.

DrWarthrop

Wer hier schlief

Auf der Suche nach der verlorenen Frau ist Philipp, nachdem er für sie alles aufgegeben hat. Gut geschriebener Roman mit kleinen Schwächen.

TochterAlice

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Ein leider bisher viel zu wenig beachteter Roman

    Familienbild mit dickem Kind
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    02. January 2017 um 10:36

    Um die insgesamt vierbändige „Napolitanische Saga“ der Napolitanerin  Elena Ferrante, deren zweiter Band im Januar 2017 bei Suhrkamp erscheint (die Bände drei und vier folgen noch im Jahr 2017) gab es in den letzten Monaten eine erregte Debatte, die sich leider manchmal mehr um die Aufdeckung des Pseudonyms drehte, unter dem die Autorin schreibt als um die literarische Qualität der Bücher. Die ganze Reihe ist von der Literaturkritik gelobt worden, wie ich finde zu Recht. Ich halte es für ein mit großer Kraft geschriebenes Meisterwerk über die große Macht und Kraft einer lebenslangen Freundschaft.Ich war atemlos begeistert von diesem auch sprachlich anspruchsvollen Buch.Doch nicht weniger begeistert – und deshalb setze ich es in eine Beziehung – war ich von dem hier anzuzeigenden Buch der in Turin lebenden Schriftstellerin und Regisseurin Margherita Giacobino, das unter dem Titel „Familienbild mit dickem Kind“ bei Kunstmann erschienen ist.Ebenso autobiographisch geprägt und authentisch wie Ferrantes Saga, erzählt sie eine mehr als ein Jahrhundert umspannende Familiengeschichte aus Piemont. Ein altes Familienbild steht am Anfang:„Ich sehe dieses Bild wie durch fließendes Wasser. Wer waren diese Frauen und Männer wirklich? Waren sie so rau und streng, wie sie aussahen? Liebten oder ertrugen sie sich? Was würden sie erzählen, wenn sie die Gewohnheit hätten, von sich zu erzählen, die ihnen gewiss fehlt?“Immer waren da die Frauen, die Margherita schon als Kind um sich hatte und die sie ausdrucksvoll charakterisiert, Tanten und Großtanten, die die Familie am Laufen hielten, während die Männer oft weit weg waren um Geld zu verdienen. Da ist die sanfte Polonia, die als Hebamme alle im Dorf auf die Welt gebracht hat, Michin, die Seelenverwandte mit dem scharfen Witz, die schon als junges Mädchen mit ihren Schwestern in die Fabrik arbeiten geht, und vor allem Ninin.Großtante Ninin ist die Konstante in dieser Familiensaga. Ihr setzt die Autorin ein besonderes Denkmal, da sie drei Generationen erzogen hat und eine prägende Gestalt in ihrem eigenen Leben war. Nach dem Tod der Mutter hatte Ninin für ihre Geschwister gesorgt.Nachdem Ninins Schwester in die USA ausgewandert war und deren Tochter Maria, die spätere Mutter der Autorin, als Waise in das Heimatdorf ihrer Eltern zurückkehrte, nahm sich Ninin auch dieses Kindes an. Auch die Autorin selbst wird hauptsächlich von Ninin groß gezogen, weil die Mutter - bei einem spiel- und alkoholsüchtigen Vater - für die Familie sorgen muss. Die Autorin erzählt die verschiedenen Abschnitte ihres Lebens jeweils passend aus der Sicht des Kindes, der Heranwachsenden und später aus der Rückschau der Erwachsenen, die über ihre Heimat und die Menschen, die sie prägten, dankbar nachdenkt. Das Buch ist eine Hommage der Autorin an die emanzipierten Frauen ihrer Familie und an das Bergdorf im Piemont ihrer Kindheit. Aus der Begegnung mit diesen Frauen und auch ihren Eltern, für die sie ein urteilsfreies Verständnis zu finden sucht, rekapituliert sie ihr eigenes Leben heute. Ein leider bisher viel zu wenig beachteter Roman, der den Vergleich mit Ferrantes Büchern nicht zu scheuen braucht.

    Mehr
  • Ammi mi povera donna - Ach ich arme Frau

    Familienbild mit dickem Kind
    JulesBarrois

    JulesBarrois

    24. August 2016 um 07:03

    Ammi mi povera donna – Ach, ich arme Frau Familienbild mit dickem Kind - Margherita Giacobino (Autorin), 320 Seiten, Verlag Antje Kunstmann GmbH; Auflage: 1 (24. August 2016), 22 €, ISBN-13: 978-3956141195 Canavese, „eine Gegend des Piemont mit ungewissen Grenzen, ungewissen Zugehörigkeiten“ (Seite 21). Hier spielt die Familiensaga von Margherita Giacobino, die Geschichte einer jener Familien, die nach Tolstoi „unglücklich auf ihre eigene Weise sind.“ Wer schon einmal in dieser Gegend war, oder sonst wo im Piemont, der wird sie aus Restaurants und Hotels kennen, diese alten Familienfotos an den Wänden aus der Zeit um 1900: Niemand lächelt. Stolze, trotzige, herrische Männer mit Schnauzbart und Hut. Vorzeitig gealterte Frauen, tragisch und ausdruckslos. Kinder mit weit aufgerissenen Augen in den überraschten Gesichtern. Nirgends eine Spur von Wohlwollen. (siehe auch Seite 9) Und ein solches imaginäre Bild diente der Autorin als Ausgangspunkt ihrer eigenen Familiengeschichte. Wie ein übervoller Banketttisch so präsentiert sich dieser Roman. Sie verlässt die lineare Zeitschiene, von den Anfängen bis heute. Von der Urgroßmutter bis zur Nichte. Alle Geschichten sind gleichzeitig vorhanden und Margherita Giacobino lässt uns entlanggleiten und regt von Seite zu Seite unseren Appetit auf mehr an: kleine Häppchen, großzügige Schlucke ergeben am Ende ein komplettes Porträt. Trotzdem finden wir als Leser es schade, dass es aufhört. Wir sind immer noch hungrig, begierig, um mehr zu erfahren. Die Geschichte beginnt im späten neunzehnten Jahrhundert in einem Bauernhaus der Canavese, in dem alle zusammen leben, Jung und Alt. Und alle unterliegen den Gesetzen der Tradition. „Ihr Sakrament wird die Arbeit sein, ihre Religion die Pflicht.“ (Seite 12) Die Protagonisten sind Frauen, einfache Frauen, kantig, wild und mutig, ein wenig wie Hexen. Da ist die Magna Ninin, Schwester der Großmutter, ihre Schwestern Michin (Domenica), Margherita und Maria, die Lustige: Lachen „ist ein Luxus, den sich jeder leisten kann.“ (Seite 105). Stark und entschlossen verwalteten sie das Leben von Kindern, Männern und den Älteren. Und ohne ihren besonderen Humor hätten sie alle wohl nicht überlebt. Margherita Giacobino keine triviale Rekonstruktion einer Nostalgie. Nein. Das Buch ist getragen von Empathie, von einem Gefühl Situationen und Charaktere vor uns erscheinen zu lassen, die unvergleichlich ist. Sie verfolgt das Leben in all seinen Erscheinungsformen, lässt es in unsere Welt einfließen. Wie alle Familiengeschichten, die mehrere Generationen umfassen, kann als einfache Geschichte von Menschen gelesen werden. Oder stattdessen als ein Kompendium der italienischen Geschichte ab Ende des 19. Jahrhundert: Der Abstieg aus den Bergen in die Stadt, den Übergang vom Land in die Fabrik, dann aus der Fabrik in den Laden. Die temporären Emigrationen nach Frankreich und letztlich nach Amerika. Internierung in Deutschland und Rückkehr nach Italien. Der plötzliche Reichtum in den 60-er Jahren. Mehr als in vielen anderen Bücher findet jeder, was er will. Es gibt alles. Margherita Giacobino hat uns ein ansprechendes, sehr intensives Buch geschenkt, einen Roman von großer Reife. Sie erzählt in ihren Charakteren eine persönliche und kollektive Geschichte von einer Welt, die von den inneren Dimensionen bestimmt ist. Es ist eine tiefe Reflexion über Beziehungen, Identitäten, Nähe und Trennung, Vertrauen und Liebe – ein Weg zur Selbsterkenntnis Sie schreibt nachdenklich und ungestüm zugleich, manchmal lyrisch, von großer Schönheit. Nichts ist idealisiert. Sie schreibt mit einer Klarheit, die nicht die Augen vor den Verzerrungen und der Gewalt der Geschichte verschließt. Der ungleichen Beziehung zwischen Männern und Frauen, der Ungerechtigkeit der Armut und vor allem der Fähigkeit, sich von all dem durch den Mut zu Entscheidungen zu befreien, all dem verleiht die Autorin eine Sprache. Sie schafft diese kühne Verbindung zwischen Imagination und Reflexion. Gehen Sie als Leser mit diesem auf eine Reise. So können auch Sie ihre eigenen Wurzeln erkennen und lernen, sich zu bewegen, zu denken und zu hinterfragen. Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages http://www.kunstmann.de/titel-0-0/familienbild_mit_dickem_kind-1137/ Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

    Mehr