Neben vielen völlig neuen Erkenntnissen auch für die praktische Pädagogik in unseren Schulen, hat die Hirnforschung in den letzten Jahren auch zahlreiche Weisheiten bestätigt, die erfahrene und lebensnahe Lehrer und Lehrerinnen schon seit Jahrzehnten umsetzen. „Kinder denken mit dem Herzen“, das bedeutet, dass sie nur dann nachhaltig lernen, wenn etwas sie emotional berührt. Erst wenn Leben, Lernen und Denken zusammengeführt werden, lernen Kinder „gehirngemäß“.
Es ist gut, dass diese alten Weisheiten nun auch mit wissenschaftlicher Begründung daherkommen, denn leider akzeptieren viele Eltern und Pädagogen sie nur so. Denn nur wenn sie sich mit konkreten Lebenssituationen sozusagen zu einem Gesamtkunstwerk, ähnlich der Struktur unseres Gehirns, verdichten, können sich unsere Erinnerungen und unser Wissen dauerhaft verankern.
Zwölf Prinzipien des Gehirns hat Margret Arnold in diesem für Eltern und Lehrer gleichermaßen wichtigen Buch beschrieben, die zeigen, „was Liebe und natürlicher Umgang für die Gehirnentwicklung eines Kindes vollbringen können“:
1. Lernen ist physiologisch
2. Das Gehirn ist sozial
3. Die Suche nach Sinn ist angeboren
4. Die Suche nach Sinn geschieht durch die Bildung von neuronalen Mustern
5. Emotionen helfen bei der Musterbildung
6. Das Gehirn verarbeitet Teile und das Ganze gleichzeitig
7. Zum Lernen gehören sowohl die gerichtete Aufmerksamkeit als auch die periphere Wahrnehmung
8. Lernen ist sowohl bewusst als auch unbewusst
9. Es gibt viele verschiedene Arten, Wissen zu ordnen und zu erinnern
10.Lernen ist entwicklungsbedingt
11. Lernen wird durch Herausforderungen gefördert und durch Angst und Stress verhindert
12. Jedes Gehirn ist einzigartig
„Wir brauchen deshalb eine Schule, die den Schülern optimalen Raum gibt, ihre ganz persönlichen Fähigkeiten, Vorlieben, sensiblen Phasen, Lernstile und Lerntechniken nach ihrem Wissensstand zu entfalten, und sie in ihrem persönlichen Tempo und Zeitplan lernen lässt. Die Aufgabe von Eltern und Lehrern ist, Kinder zu motivieren und in dieser Freiheit zu unterstützen.“
Mit diesen Worten endet ein Buch, dessen Erkenntnisse und zahlreiche Beispiele für die Begleitung und Förderung von Kindern durch ihre Eltern in der Familie und später dann durch die Lehrer in der Schule sehr hilfreich sind. Auch mit nach wie vor unzureichenden Rahmenbedingungen (zu große Klassen, steigende Zahl auffälliger Schüler etc.) kann man durchaus mit diesen Weisheiten arbeiten. Selbst kleine Interventionen aus diesem Geist heraus werden große Wirkungen beim einzelnen Kind haben. Dazu braucht es aber Eltern und Lehrer, die selbst nicht nur aus dem Kopf und dem Verstand leben und agieren, sondern die ihr Herz und ihre Emotionen dabei haben, wenn sie im Kontakt mit Kindern sind. Ja, nur dann sind sie wirklich „im Kontakt“ – mit sich selbst und mit den Kindern.


