Margriet de Moor

 3.5 Sterne bei 222 Bewertungen
Autorin von Sturmflut, Erst grau dann weiß dann blau und weiteren Büchern.
Margriet de Moor

Lebenslauf von Margriet de Moor

Der Literaturstar der Niederlande: Die Niederländerin Margriet de Moor gehört zu den bekanntesten Autoren der Gegenwart ihrer Heimat. Ihre Romane und Erzählungen sind in alle Weltsprachen übersetzt und erreichen auch in Deutschland stets hohe Auflagen. Margriet de Moor wurde 1941 im niederländischen Badeort Noordwijk als viertes von zehn Kindern einer katholischen Lehrerfamilie geboren; die Mutter war ebenfalls Schriftstellerin. De Moor studierte am königlichen Konservatorium Den Haag Piano und Gesang, ehe sie sich dem Studium der Kunstgeschichte und Archäologie in Amsterdam zuwandte. 1988 veröffentlichte sie den Erzählband „Op de Rug gezien“, der mit dem niederländischen Literaturpreis „Goldenes Eselsohr“ für das meistverkaufte Debütwerk ausgezeichnet wurde. Einem weiteren Erzählband („Doppelporträt“) folgte 1991 der erste Roman „Eerst grijs dan wit dan blauw“, der zwei Jahre später auch in Deutschland unter dem Titel „Erst grau, dann weiß, dann blau“ veröffentlicht wurde und in den Niederlanden den prestigeträchtigen AKO-Literatur gewann. Weitere Bestseller gelangen ihr mit „Der Virtuose“ (1993) und „Kreutzersonate“, die die Affäre eines blinden Musikkritikers und einer Geigerin schildert. 2011 erschien „Der Maler und das Mädchen“. Geschildert wird eine Liebesaffäre im Amsterdam des 17. Jahrhunderts, dessen Hauptfigur deutlich an Rembrandt angelehnt ist. 2018 erschien der Roman „Von Vögeln und Menschen“.

Alle Bücher von Margriet de Moor

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Sturmflut

Sturmflut

 (54)
Erschienen am 01.12.2011
Erst grau dann weiß dann blau

Erst grau dann weiß dann blau

 (43)
Erschienen am 22.08.2016
Der Virtuose

Der Virtuose

 (38)
Erschienen am 21.04.2007
Von Vögeln und Menschen

Von Vögeln und Menschen

 (16)
Erschienen am 19.02.2018
Der Maler und das Mädchen

Der Maler und das Mädchen

 (15)
Erschienen am 01.02.2013
Kreutzersonate

Kreutzersonate

 (17)
Erschienen am 01.08.2007
Mélodie d'amour

Mélodie d'amour

 (13)
Erschienen am 24.02.2014
Herzog von Ägypten

Herzog von Ägypten

 (11)
Erschienen am 01.12.1999

Neue Rezensionen zu Margriet de Moor

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Rezension zu "Von Vögeln und Menschen" von Margriet de Moor

Ruhiger, poetischer Roman über menschliche Abgründe
Nadezhdavor 19 Tagen

Vor einigen Jahren habe ich Margriet de Moors Roman "Sturmflut" bis zur Hälfte gelesen und dann enttäuscht abgebrochen. Nun bin ich sehr froh, dass ich der Autorin eine zweite Chance gegeben habe, denn sonst wäre ein ganz wunderbares Buch an mir vorbeigegangen.


Der Roman spielt auf mehreren zeitlichen Ebenen. Oft nervt mich das, v.a. dann, wenn es meiner Meinung nach nicht wirklich dem Inhalt oder Erzählanliegen des Romans dient, sondern nur geschieht, weil das irgendwie gerade alle so machen und weil sich damit so schön Cliffhanger erzeugen lassen. Bei diesem Roman jedoch habe ich die zahlreichen Verschachtelungen als stimmig und sehr reizvoll empfunden, denn durch sie wurden die Schicksale von Louise und Marie Lina vielfach und raffiniert miteinander verknüpft, aufeinander bezogen, ihre Emotionen, Entwicklungen und Lebensbrüche feinfühlig dargestellt.


Es ist also vor allem eine Geschichte über Mutter und Tochter, beide (mit ca. 30 Jahren Abstand dazwischen) wegen Totschlags inhaftiert, doch nur eine der beiden hat wirklich getötet - aus Wut über das zerstörte Leben der Mutter, die eigene zerbrochene und nur oberflächlich gekittete Kindheit, wegen des Mordes, den in Wirklichkeit jemand anders begangen hatte. (Dies wird bereits im Klappentext erwähnt und in den ersten Kapiteln des Buches offengelegt, also verrate ich damit m.E. nicht zuviel.) Doch auch die anderen Figuren sind genau ausgearbeitet, man ist an entscheidenden Punkten ihres Lebens "dabei", kann Sympathien und Antipathien entwickeln. Wer ist die dritte starke Frau, frage ich mich nach der nochmaligen Lektüre des Klappentextes. Klazien? Hortense? Ich entscheide mich für die sanfte Hortense...


Wie sehr die Mordfälle, zusätzlich zu den unweigerlich eintreffenden "gewöhnlichen" Wendepunkten im Leben sowie einigen schon fast ironischen Schicksalsfügungen, die betroffenen Familien beeinflussen und wie versucht wird, dem Leben dennoch Normalität und Schönheit zu verleihen, hat mich sehr bewegt. Der Roman berührt große Themen wie Schuld und Sühne, abgrundtiefen Hass und eine Liebe, die selbst diese tiefsten Abgründe versteht und überbrückt - aber dies alles wird selten breit entfaltet, sondern viel öfter nur zart angedeutet, in poetischen Sprachbildern förmlich auf die Buchseiten gemalt. Das Bittere und auch Unerklärliche, Unsagbare der Geschehnisse wird von den Familien nicht abgespalten, sondern nach bestem Vermögen integriert, aufgelöst in einem Alltag von zärtlichem Verständnis und Füreinanderdasein, sodass die im Prinzip sehr traurige Geschichte doch mit viel Wärme und innerem Lächeln daherkommt und sicher noch eine Weile in mir nachklingen wird. Auch nach der letzten Seite des Buches begreife ich nicht alles, was geschehen ist und warum es so geschehen ist, aber ich kann es stehenlassen - es muss nicht immer alles bis ins Letzte aufgelöst werden, der Mensch darf sich selbst und anderen ein Rätsel bleiben, und man kann ihn trotzdem lieben.


Ich vergebe für dieses von der Kritik recht zwiespältig aufgenommene Buch fünf Sterne und freue mich auf weitere Romane von Margriet de Moor.

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Rezension zu "Kreutzersonate" von Margriet de Moor

Moor reicht nicht an Tolstoi heran
Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Monat

Das Buch ist nur bedingt mit dem Tolstois zu vergleichen. Es hat dieselbe Thematik, spielt aber im 20sten Jahrhundert. Die Gespräche zwischen van Vlooten und dem jungen Zuhörer erstrecken sich nicht auf die Zeitdauer einer Zugfahrt, sondern über mehrere Jahre. Sie treffen sich immer mal wieder auf einem Flughafen und benützen aus beruflichen Gründen dieselbe Maschine. Der Ich-Erzähler erzählt van Vlootens Geschichte.


Auch hier geht es um eine Liebe, eine Ehe, die in Eifersucht endet. Aber die Hauptperson "van Vlooten" ist nicht mit P. zu vergleichen, finde ich. Van Vlooten hat eine ganz andere Geschichte, als er Suzanna Flier begegnet. Er ist blind, weil er sich wegen einer unerfüllten Liebe selbst umbringen wollte, dies allerdings misslang, er gerettet wurde und lebenslange Blindheit zurückbehält.


Der Charakter van Vlootens ist meines Erachtens auch ein anderer, er wirkt trotz der negativen Beschreibungen auf mich sympathischer. Wirkt P. doch sehr grobschlächtig, brutal, kantig und egoistisch, so ist van Vlooten trotz allem eher feinfühlig, gebildet, schöngeistig und eher bemitleidenswert.


Stellenweise wirkt seine beschriebene Bosheit und "Brutalität" auf mich sehr aufgesetzt. Es passt nicht zu ihm und der Situation, in der sie stattfindet. Seine Stimme scheint trotz allem eher milde.


 Man merkt auch, dass das Buch von einer Frau geschrieben wurde. Das Frauenbild ist weitaus sicherer, selbständiger, selbstbewusster und weniger hilflos, als das Tolstois. Die Beschreibungen darüber, wie die Frauen die Männer betören oder im Griff haben, hören sich hier weitaus weniger negativ an.


Das Buch ist auch nicht so extrem aufgebaut. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, sondern auch Überlegungen, die ein Grau zulassen könnten. Es handelt sich auch nicht um einen Monolog van Vlootens (im Vergleich zu den Monologen P.). Hier ist alles aus der Sicht des Mitreisenden erzählt, der sehr viel aus seiner Sicht beiträgt und einfließen lässt.



Leider kann ich nicht so ins Detail gehen, ohne Spoiler zu produzieren. Aber mit diesem Buch konnte ich „mehr anfangen“, weil es vielleicht einerseits neuere, gemeint sind modernere Gedanken zum Ausdruck bringt, die nicht so absolut und extrem sind und die Hauptperson und alle anderen Figuren zugänglicher für mich sind, aber….


 Andererseits zeigte mir dieses Buch aber auch, wie „genial“ Tolstoi geschrieben hat. Er hat es mit seiner Sprache und Darstellung viel besser geschafft, die Menschen, wie auch uns, dazu zu bewegen Stellung zu beziehen. Dabei soll es erst mal egal sein, welche Art dieser Stellungsbezug ist. Moor schafft das mit ihrem Buch nicht. Zumindest nicht bei mir. So paradox es klingt: Tolstois Kreutzersonate fand ich ausdrucksstärker. Ein weichherziger und bemitleidenswerter P. wäre irgendwie lächerlich in dieser Geschichte. Dabei spreche ich allerdings bewusst nicht von dem, w a s er schreibt. 


Moors Kreutzersonate liest man, denkt noch ein wenig daran und das war es. Tolstoi dagegen, wird mir und ich schätze allen, die das Buch hier gelesen haben in der einen oder anderen Form immer irgendwie im Gedächtnis bleiben. Moors „Schreibstil" wirkt auf mich oberflächlicher und weniger emotional. War es laut Klappentext scheinbar auch beabsichtigt „distanziert“ zu schreiben, so finde ich es bei dieser Thematik nicht so angebracht.



 



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Rezension zu "Von Vögeln und Menschen" von Margriet de Moor

Wut, Schuld und Sühne
Caro_Lesemausvor 3 Monaten

Vor dem Amsterdamer Hauptbahnhof klafft eine Baugrube. Auf dem schmalen Steg davor begegnen sich zwei Frauen. Schreiend beginnt die jüngere auf die ältere einzuschlagen, bis diese in die Grube stürzt und den Tod findet. Seit ihrer Kindheit hat Marie Lina den Gedanken an Rache im Herzen getragen, an diesem Tag bricht er sich Bahn. Marie Linas Mann ist Vogelvertreiber am Flughafen, sie führen eine gute Ehe. Die tiefe Wut seiner Frau aber kann er nicht vertreiben. Warum hat Marie Linas Mutter einst einen Mord gestanden, den sie nicht begangen hat? 


Dieses Buch war mein erstes von Margriet de Moor. Ihr Schreibstil hat mir gut gefallen. Die Sprache ist ruhig und sachlich. Das hat nur leider meist den Nachteil, dass eine gewisse Distanz zu den Figuren bleibt. So auch in diesem Fall. Das war schade und hat für mich im Gesamteindruck dann den Sternabzug zur Konsequenz. 
Das Buch ist eine episodenartige Erzählung, in der drei Frauen näher unter die Lupe genommen werden. Immer wieder wechseln die Perspektiven bzw. Schwerpunkte zwischen den Frauen und auch die Chronologie geht etwas durcheinander. Sowas finde ich aber eigentlich immer reizvoll. In diesem Buch war es auch zwischen den Kapiteln deutlich genug, dass keine extra Kennzeichnung erfolgen musste. Außerdem gibt es noch einen Perspektivwechsel zu Marie Linas Ehemann Rinus, der Vogelvertreiber am Amsterdamer Flughafen ist (von einem solchen Beruf habe ich das erste Mal gehört). Die Kapitel sind sehr kurz und lesen sich so sehr schnell hintereinanderweg. Im weitesten Sinne kann man den Roman wohl als Charakterstudie sehen. Margriet de Moor reißt gleich zu Beginn menschliche Abgründe auf (hier also die zwei Morde) und sinniert nachfolgend über die Beweggründe für das Handeln. Sie beschreibt die Hintergründe auf eine Art und Weise, dass man die Mörderinnen sogar verstehen kann. Marie Lina fordert ihre Bestrafung regelrecht ein, möchte eine längere Haftstrafe und härtere Bedingungen. Sie ist ganz bewusst zur Mörderin geworden. Warum? Das erklärt Margriet de Moor im Laufe des Buches häppchenweise in kleinen Episoden.

Fazit:
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die z. T. skurril anmutende Geschichte wird in einem angenehmen Schreibstil erzählt, dessen Sachlichkeit gleichzeitig leider dazu führt, dass eine Distanz zu den Figuren bleibt. Für die fehlende Nähe ziehe ich einen Stern ab. 




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Zusätzliche Informationen

Margriet de Moor wurde am 20. November 1941 in Noordwijk (Niederlande) geboren.

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