"Die Welt summt in b-Moll" von Mari Strachan ist eine ganz nette kleine Familiengeschichte, die aus der Sicht der knapp 13-jährigen Gwenni erzählt wird. Gwenni lebt in einem kleinen Dorf im Wales der 50er Jahre zusammen mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester Bethan.
Im Grunde geht es um Gwenni Familienleben zu eben jenem Zeitpunkt im ländlichen Großbritannien. Die auf dem Klappentext erwähnte Kriminalgeschichte spielt dabei eine eher nebensächliche Rolle und wird wohl wieder einmal bloß als Köder für Käufer benutzt.
Gwennis Geschichte ist ganz nett. Man lernt viele Dorfbewohner und Familienmitglieder kennen. Man erfährt, dass das Mädchen keine leichte Kindheit mit einer depressiven und ständig nörgelnden Mutter hat und einer Schwester, die oft richtig gemein ist.
Die Erzählerin ist Gwenni selbst, die zwar schon fast 13 ist, aber deutlich jünger wirkt und mir eher wie eine 8- oder 9-jährige vorkommt.
Insgesamt habe ich ein wenig mehr erwartet, denn Gwennis Geschichte ist absolut unspektakulär und plätschert größtenteils vor sich hin. Vieles wiederholt sich dabei, z.B. die ständigen Ermahnungen der Mutter oder auch die häufigen Kirchen- oder Basarbesuche. Etwas wirklich Aufregendes passiert nicht.
Auffällig ist, dass viele keifen, schreien und stöhnen, und insgesamt ziemlich unzufrieden wirken.
Leider für mich kein Highlight, sondern eher was für zwischendurch, das nicht lange im Gedächtnis bleibt.
Mari Strachan
Alle Bücher von Mari Strachan
Die Welt summt in b-Moll
Nachts singt die Welt
Taschenbücher / Ein Hauch von Leben
The Earth Hums in B Flat
Neue Rezensionen zu Mari Strachan
Nachts singt die Welt ist ein poetischer Roman aus der perspektive der Heranwachsenden Gwenni. Obwohl die Geschichte alles andere als bequem ist - denn in diesem 50er Jahre Idyll ist eigentlich nichts wirklich idyllisch - lässt es seinen Leser mit einem angenehm wohlig-warmen Gefühl zurück. Strachan schafft es, den Eindruck zu vermitteln: Auch wenn lange nicht alles gut ist, das Leben geht weiter und nichts ist wirklich NUR schlecht im Leben.
Auf „Die Welt summt in B-Moll“ bin ich wegen des besonderen Titels, sowie des tollen Covers, das einerseits sehr still gestaltet ist, andererseits durch den Fuchs, der um den Rand des Buches schaut neckisch wirkt, aufmerksam geworden.
Hauptfigur dieses in den 1950er Jahren in Wales spielenden Buches ist die zwölfjährige Gwennie. Sie ist ein außergewöhnlich phantasiebegabtes Kind und vor allem für ein Mädchen der damaligen Zeit sehr lebhaft und eckt dadurch oft an in ihrem, kleinen Dorf, in dem konventionelle Sichtweisen, sowie Klatsch und Tratsch den Ton angeben. Sie mag sich einfach nicht einfügen in die engen Vorgaben, wie ein Mädchen zu sein hat und streift lieber durch die Natur, denkt sich Geschichten aus, fliegt in ihrer Fantasie über das Land und spielt mit den beiden kleinen Töchtern ihrer Lehrerin, auf die sie manchmal aufpasst. Diese gibt ihr auch Bücher und damit dem wissbegierigen Mädchen weiteren Stoff für seine Fantasiewelten. Gwennies Gedanken sind pfiffig, lebhaft und brachten mich beim Lesen oft zum Schmunzeln. Auch, wie sie in ihrer noch recht kindlichen Naivität durch ihre Intelligenz unwissentlich tief philosophisch wird, ist fabelhaft umgesetzt.
Das Porträt der Kleinstadt gelingt der Autorin sehr gut, sowohl die dörfliche Enge kann man nachempfinden, als auch den Platz, der jedem Mitglied dieser Gemeinschaft zugedacht ist und der Einschränkung und Sicherheit gleichermaßen bedeutet. Das eintönige Dorfleben der 1950er Jahre wird bis ins Detail beschrieben, so dass man Gwennies Gefühl des Eingesperrtseins durch die engen Grenzen der Dorfgemeinschaft, in der über jeden Geklatscht wird, der nicht bis ins Kleinste der Norm entspricht, gut nachvollziehen kann. So geht alles seinen scheinbar gleichförmigen Gang und Gwennie hat manchmal das Gefühl darin zu ersticken.
Doch dann verschwindet der Ehemann der Lehrerin, Mrs. Evans, plötzlich spurlos. Gwennie möchte ihrer Freundin helfen, ihn zu finden und begibt sich auf Spurensuche. Dadurch tritt sie so manchen Stein los, ohne es zu wollen und deckt Stück für Stück so manches Geheimnis auf. Noch ahnt sie nicht, wie sehr sie selbst und ihre Familie darin verstrickt sind.
Am Anfang bin ich etwas schwerfällig in die Geschichte rein gekommen. Gwennies Gedanken sind manchmal etwas wirr, aber dadurch hebt sie sich auch angenehm von all den angepassten Dorfbewohnern ab, die sich das selbst-denken längst abgewöhnt haben. Sie ist pfiffig, intelligent und eine angenehme Protagonistin. Ich wurde dann doch warm mit ihr und bin ihr gerne durch die Geschichte gefolgt. Auch ihren Vater und ihre Großmutter mochte ich gern, während mir Mutter und ältere Schwester ziemlich auf den Geist gingen. Überhaupt gab es so manchen Charakter, der sehr eigenartig war und die kleinkrämerische Lebensweise des Dorfes haben mich ziemlich genervt. Dadurch konnte ich Gwennies Gefühle, nicht so richtig dazuzugehören, sehr gut nachvollziehen. Aber sie bekommt auch immer Hilfe, wenn sie welche braucht und Antworten auf ihre zahlreichen, teils sehr indiskreten Fragen. Manchmal blieb mir das Buch insgesamt aber zu sperrig, zu unzugänglich und obwohl sich am Ende alles zu meiner Zufriedenheit – und Überraschung! Wie angenehm! – aufgelöst hat, ziehe ich ein Sternchen ab.
Gwennie in ihr Dorf und ihre Zeit zu folgen empfehle ich dennoch gern.
Gespräche aus der Community
Welche Genres erwarten dich?
Community-Statistik
in 50 Bibliotheken
auf 4 Merkzettel







