Maria Àngels Anglada Die Violine von Auschwitz

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Inhaltsangabe zu „Die Violine von Auschwitz“ von Maria Àngels Anglada

Die Wiederentdeckung der Grande Dame der zeitgenössischen katalanischen Literatur! Auschwitz 1944: Der jüdische Geigenbauer Daniel erhält vom Lagerkommandanten den Auftrag, eine Geige nach den Maßen einer Stradivari zu bauen. Eine Aufgabe, die ihn inmitten des Grauens zumindest für kurze Zeit die schreckliche Realität vergessen lässt. Doch bald muss er erfahren, dass der Auftrag Gegenstand einer infamen Wette zwischen dem Lagerkommandanten und dem Lagerarzt ist – und so wird die rechtzeitige Fertigstellung des Instruments nicht nur zu einer handwerklichen, sondern auch zu einer menschlichen Bewährungsprobe.

Unfassbare Grausamkeit und mitten drin wird eine Violine gebaut. Unvorstellbar. LESENSWERT

— buchhase
buchhase

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  • Die Violine von Auschwitz

    Die Violine von Auschwitz
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. July 2014 um 16:08

    Auch unter den Nazis gab es Personen, die noch menschlich waren, zumindest halbwegs. Aus der Sicht eines KZ-Häftlings erzählt, der sein Verhalten den abstrusen Vorstellungen der Aufseher anpasste und dadurch überlebte.

  • Rezension zu "Die Violine von Auschwitz" von Maria Àngels Anglada

    Die Violine von Auschwitz
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    07. February 2013 um 10:47

    Der vorliegende Roman der 1930 in Vic in Katalonien geborenen und 1999 in Barcelona gestorbenen Autorin ist tatsächlich die literarische Entdeckung, als die ihn der Verlag in seiner Ankündigung beschreibt. 1996 erschien das Buch erstmals auf Katalanisch in Barcelona, doch erst seine Übersetzung ins Spanische elf Jahre später verschaffte ihm seinen unglaublichen internationalen Durchbruch mit Übersetzungen in mittlerweile über einem Dutzend Ländern. Jorge Semprun, selbst Insasse eines KZ`s der Nazis und Überlebender hat viel dazu beigetragen, denn er nannte "Die Violine von Auschwitz" von allen Texten über die Lager der Nazis, die nicht von Überlebenden stammen, jene Erzählung, die die meiste Wahrheit transportiere. Er war von dem Buch so bewegt, dass er ein Drehbuch verfasste, das bislang aber auf eine Verfilmung wartet. Maria Angels Anglada kleidet ihre bewegende Geschichte in eine Rahmenhandlung. Im Dezember 1991 lernt der Musiker Climent bei einem Gastspiel in Krakau die polnische Geigenspielerin Regina kennen. Er ist von dieser Geigerin, ihrem Spiel und vor allem von ihrem Instrument dermaßen beeindruckt, dass er unbedingt wissen möchte, was es mit Reginas Instrument auf sich hat. Und Regina erzählt ihm die Geschichte der Violine von Auschwitz" und übergibt ihm beim Abschied ihre mühsam ins Englische übertragenen Aufzeichnungen. "Du musst sie Angels geben, dachte ich nach den ersten paar Seiten..." Und das hat er getan und Angels hat einen Roman daraus gemacht, wie man ihn so tatsächlich in der Literatur über Auschwitz in dieser Kraft und Stärke selten gelesen hat. Erzählt wird von dem jüdischen Geigenbauer Daniel, der im Dreiflüsselager, einem Nebenlager von Auschwitz inhaftiert ist. Demütigende Arbeit bis weit über den Rand der Erschöpfung, katastrophales Essen und unvorstellbare hygienische Bedingungen kennen wir aus den Berichten von Primo Levi und vielen anderen. Daniel findet immer wieder Freunde und begegnet Gesten, die ihm das Überleben im Lager ermöglichen. Er bewältigt viele Situationen, die ihm das Leben retten. Doch seine größte Bewährungsprobe hat er zu bestehen, als der Lagerkommandant ihm den Auftrag erteilt, eine Geige nach den Maßen einer Stradivari zu bauen. Dieser eigentlich unerfüllbare Auftrag gibt Daniel Auftrieb. Während seiner akribischen Arbeit unter letztlich unmöglichen Bedingungen an der Geige kann er für kürzere Zeitabstände die Gräuel und die Todesherrschaft des Lagers vergessen und flieht phasenweise in seine eigene Welt, in der die Schönheit, die Eleganz und die Anmut der Musik und der sie hervorbringenden Instrumente dominieren. Doch es dauert nicht lange, da erfährt Daniel, dass die ihm gestellte Aufgabe Teil einer unmenschlichen Wette ist. Für den Fall, dass die Geige nicht den Vorstellungen des Lagerkommandanten entsprechen sollte, muss Daniel als Versuchskaninchen für die berüchtigten Experimente des KZ-Arztes Rascher zur Verfügung stehen. Dessen Unterkühlungsexperimente sind im ganzen Lager berüchtigt und haben auch schon vielen Menschen das Leben gekostet. Daniel weiß nicht, bis wann er die Geige fertig stellen muss, er weiß nur, das ihm wenig Zeit bleibt. Maria Angels Anglada hat aus dem ihr vorliegenden Material einen authentischen Roman gemacht, dem es auf 160 Seiten gelingt, eine Dichte und eine sprachliche Kraft zu entwickeln, die ihn zu den außergewöhnlichsten literarischen Zeugnissen über Auschwitz macht. Gleichzeitig ist er ein Dokument tiefer Menschlichkeit und ein Zeugnis von der Völker überspannenden Faszination der Musik.

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  • Rezension zu "Die Violine von Auschwitz" von Maria Àngels Anglada

    Die Violine von Auschwitz
    sabatayn76

    sabatayn76

    02. October 2011 um 17:52

    'Und ich komme an einen Ort, wo alles Licht erloschen ist.' Inhalt: Bei einem Konzert lernt der Pariser Musiker Climent die polnische Geigerin Regina kennen und zeigt große Begeisterung für den Klang ihrer Geige. Regina erzählt daraufhin von der Geschichte der Geige: ihr Onkel Daniel hat dieses Instrument im Konzentrationslager gebaut, an ihr hing das Schicksal und das Leben von Daniel, und sie ist das Einzige, das ihr von ihrer Familie geblieben ist. Mein Eindruck: Maria Àngels Anglada vermischt in ihrem Roman 'Die Violine von Auschwitz' Realität und Fiktion. Den einzelnen Kapiteln vorangestellt sind authentische Dokumente vom Lagerleben, die Geschichte selbst beruht jedoch nicht auf Tatsachen. Die Autorin selbst ist keine Überlebende der Shoa, ihr Roman zeugt nicht von ihren eigenen Erfahrungen in einem KZ, und meiner Meinung nach spürt man dies beim Lesen. Zwar liest sich der Roman flüssig, ist sprachlich überzeugend und packend erzählt, doch fühlte ich mich emotional unbeteiligt, und es fehlte mir das 'gewisse Etwas', das ich zum Beispiel beim Lesen der Bücher von Imre Kertész, Max Mannheimer oder Ana Novac habe. Mein Resümee: Sehr empfehlenswert!

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  • Rezension zu "Die Violine von Auschwitz" von Maria Àngels Anglada

    Die Violine von Auschwitz
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    02. February 2010 um 01:11

    Bereits in den ersten Geschichten, die Kinder von ihren Eltern vorgelesen bekommen, kann man die krude Einteilung in gut und böse, alt und jung, schön und hässlich erkennen. Mythen, Märchen und Sagen, deren Wurzeln wohl ganz nah beieinander liegen, wenn man auch die Mythen als grundlegenden Ursprung aller Geschichten begreift, fassen die Urgedanken der Menschen in schriftlicher Form zusammen und präsentieren Geschichten, die auch immer von Macht und Unterdrückung sprechen. Fast immer ist dies ein Tauziehen zwischen oppositionären Parteien, und paradoxerweise, vielleicht gar absurderweise, kann auch die Geschichtsschreibung viele Lieder davon singen. Die Herrschaft der Nationalsozialisten und die damit einhergehende Unterdrückung, Vernichtung und "Ausschlachtung" der Juden gilt, wenn man dies einmal so ketzerisch bezeichnen darf, als "Paradebeispiel". Politik, Geschichtsforschung, Kultur-, Literatur- und Sozialwissenschaft, die Liste könnte man wohl unendlich fortsetzen, haben sich immer wieder mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt, und natürlich sind es die Einzelschicksale, die uns Menschen berühren, und wichtig ist es, diese realen Geschehnisse zu bewahren, sie weiterzutragen, damit das Einfühlen der Nachkommen ermöglicht werden kann, denn das Einfühlen und Nachempfinden, wie es beim Lesen eines Romans der Fall ist, gestaltet eine ganz wichtige Instanz zur Selbstbewusstwerdung in Bezug auf eine Welt, die sich oft mit recht grobschlächtigen Einteilungen beschäftigt und doch so viel tiefer gehende Nuancen vorzuweisen hat. Mit Maria Àngels Angladas "Die Violine von Auschwitz" liegt in der deutschen Übersetzung von Theres Moser der als ihr bekanntestes Werk bezeichnete Roman vor, der sich mit genau den vorstehend beschriebenen Phänomenen auseinandersetzt. Der Roman ist letztlich am Schicksal Daniels, eines Geigenbauers, orientiert, der in Auschwitz inhaftiert war. Doch die personale, an Daniels Perspektive orientierte Erzählung ist in eine in der Gegenwart spielende Rahmenhandlung eingebettet. "Immer wenn ich ein Konzert gegeben habe, fällt es mir schwer, nachts einzuschlafen. So als ließe ich ein Tonband laufen, das sich pausenlos wiederholt, kehrt es dann ständig in mein Gedächtnis zurück. (...) Vor allem der Klang der Geige hatte meine Aufmerksamkeit erweckt. Die Konzertmeisterin, eine ältere Frau, spielte sie mit äußerst reiner Intonation und, wie mir schien, mit echter, verhaltener Leidenschaft." Climent, ein Musiker aus Paris, lernt auf einer Gastspielreise in Krakau die polnische Geigerin Regina kennen. Sie begeistert ihn, und sein großes Interesse für diese besondere Violine führt dazu, dass er Bekanntschaft macht mit Regina. Sie sprechen bis in die Morgenstunden miteinander. Ein fast erotisches Verhältnis hängt da in der Luft, zumindest fühlt Climent dies so. Doch die Wege der beiden trennen sich, und er erhält durch die Kollegin und Cellistin Gerda ein Manuskript, das ihm die Geschichte von Reginas Geige erzählt. Damit beginnt die Haupthandlung, "die Geschichte der Geige meiner Freundin (...), die ich niemals mehr werde vergessen können." Die einleitende Geschichte gibt somit die Weiterreichung menschlichen Schicksals an die Nachfahren wieder, um Bewusstwerdung zu erzielen, um Mitgefühl und ein moralisches Lernen damit in Verbindung zu setzen. Ganz reell und konkret betrachtet, bietet diese Ausgangssituation natürlich auch eine sehr verbindende Beziehung zwischen Leser und Text. Der Leser wird zum Musiker Climent, der selbst das Manuskript der zusammengetragenen Geschichte von Reginas Adoptivvater Daniel in Händen hält. Zum Anderen schürt dieser letzte Satz der Rahmenhandlung, zu der der Text nie wieder zurückkehren wird, eine enorme Erwartungshaltung an die folgende Geschichte. Spannung wird erzeugt und Authentizität schon allein dadurch erreicht, dass jedem einzelnen Kapitel offizielle Dokumente vorangestellt sind, die den behördlichen Alltag im Getto widerspiegeln und gleichzeitig kontrastiv zum Einzelschicksal stehen, das Daniel erlebt und dem Leser somit in seiner Individualität ganz klar zu Herzen geht. Daniel ist ein Internierter im Auschwitzer Getto wie jeder Andere. Als Tischler hat er sich ausgegeben bei der Ankunft, denn dies schien ihm nützlicher als sein wahrer Beruf, Geigenbauer, zu sein. Bei einem Auftrag, der ihn in das Haus des Kommandanten führt, hört er zufällig das Spiel der jüdischen Musiker, die zur Belustigung der Nationalsozialisten spielen. Der schräge Klang der Geige führt beinahe zu einer deftigen Bestrafung des Musikers Bronislaw, doch dies weiß Daniel zu verhindern, indem er dazwischen geht und erklärt, dass dafür einfach ein Riss in der Geige verantwortlich ist, den er schnell beseitigen könne. So bekommt er letztlich vom Kommandanten des Lagers, der ein fanatischer Instrumentensammler ist, den Auftrag, eine Geige "in bester italienischer Tradition" anzufertigen. Doch dieser für ihn seelisch rettende Arbeitsauftrag ist gekoppelt mit einer teuflischen Wette zwischen dem Kommandanten und dem Lagerarzt: Sollte Daniel den Bau der Geige im vereinbarten Zeitraum bewältigen, bekommt der Kommandant eine Kiste Wein - sollte er scheitern, wird Daniel zur Versuchsperson für die Experimente des Lagerarztes. Die als Manuskript ausgegebene Geschichte um Daniel changiert zwischen verschiedenen Erzählperspektiven, die zu Beginn ganz klar den Fokus auf Daniels Gefühle und Wahrnehmungen richten, dann aber in die Innenperspektive des Musikers Bronislaw übergehen. Der Roman ist des Weiteren in all seinen Kapiteln mit verschiedenen Epigrafen versehen, wie zum Beispiel vor dem 8. Teil des Buches: "So wie in den Wäldern, rafft die erste Kälte des Herbstes die Blätter hinweg. / Vergil Äneas, VI-309". Damit wird eine intertextuelle Verwebung vorgenommen, die letztendlich bedeutet, dass es hier nicht nur um das Schicksal Daniels und die Bestialität der Nazis geht, die Teil der kulturellen Geschichte ist und weitergetragen werden soll, sondern auch um die menschliche Existenz generell, die so leicht zwischen Grausamkeit und Schönheit schwankt und deren Miteinander- und Nebeneinander-Bestehen wohl Grundlage des Lebens überhaupt ist. Die Tiefe der Geschichte wird durch diese Zitate in jedem Fall erweitert, dennoch krankt das Buch in seiner sprachlichen Poesie deutlich. Die Rahmenhandlung fühlt sich ein wenig gezwungen an, die Sätze sind kurz gehalten, wirken zeitweise schwerfällig, so, als ob sie unsicher zustande gekommen wären. Man kann diese Form des Erzählens, die sehr roh und wie eine Aneinanderreihung von Tatsachen erscheint, auch als die authentische Form eines Menschen begreifen, der wiederum Anderen die Geschichte von Daniel, dieses Schicksal, das nicht vergessen werden soll, nahebringen möchte. Doch der Roman sendet in all seinen Teilen die deutlichen Signale, er möchte emotional sein und berühren, ja, auch von der Schönheit, vom Schaffen, von der Musik erzählen - das aber scheint Maria Àngels Anglada nicht ganz gelungen zu sein. Die Perspektivenwechsel, die zeitweise allwissend gehaltene Erzählweise, das Ich aus der Rahmenhandlung, die Verschränkungen der Personen machen kein einheitliches Bild möglich, da in der Kürze des Buches, es umfasst 176 Seiten, die Entwicklung der einzelnen Figuren gar nicht möglich ist, aber die Erzählung ja vorangetrieben werden muss, weil es ja allein um die Geschichte der Geige geht. Dennoch, das muss man festhalten, ist die Idee dieses Romans wunderbar. Jorge Semprún, der später das Drehbuch für diese Geschichte schrieb, behauptete, dass sie eine der glaubhaftesten Geschichten einer Autorin ist, die selbst nicht Opfer des Holocaust war. Damit hat er unbedingt recht; die Verdeutlichung des Lageralltags, die nicht so verschwommen daher kommt wie die allgemeine Auffassung der Nachfahren ist, die alles eigentlich nur noch vom Hörensagen kennen, gibt einen bleibenden Eindruck davon, wie ein Gefangener von morgens bis abends im Lager gelebt hat. Diese Perspektive und das plastische Darstellen der Umstände muss man der Autorin ganz klar zugutehalten. Der Rest scheitert gewissermaßen an der Unentschiedenheit der Erzählweise, die es aber dennoch möglich werden lässt, sich als Leser mit der Geschichte zu identifizieren und das Buch als eine Bereicherung des Lesealltags zu empfinden. [Erstveröffentlichung: www.sandammeer.at]

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  • Rezension zu "Die Violine von Auschwitz" von Maria Àngels Anglada

    Die Violine von Auschwitz
    Mr. Rail

    Mr. Rail

    04. January 2010 um 11:19

    “Nein Daniel, es stimmt nicht, dass die Musik Bestien zu zähmen vermag, letztlich ist aber alles Gesang.” Vielleicht sollten Sie beim Lesen dieser Rezension einfach den Variationen über das Follia-Thema von Arcangelo Corelli andächtig zuhören und sich vorstellen, sie würden von einer gespielt. https://www.youtube.com/watch?v=axSxQImltZA „Alles Asche außer der Musik“ Der begnadete jüdische Geigenbauer Daniel überlebt die todbringende Selektion an der Rampe des Konzentrations-lagers Auschwitz nur durch die Lüge, er sei Tischler. Als arbeitsfähig wird er der Reihe von Menschen zugeteilt, die nicht unmittelbar nach ihrem Eintreffen in Auschwitz den Weg in die Gaskammern antreten müssen. Die unmenschlichen Härten des Lageralltags unter ständiger Lebensgefahr lassen Daniel fast zerbrechen - allein die Hoffnung auf ein Leben danach mit seiner großen Liebe Eva, die im Frauenlager des KZ interniert ist, hält ihn aufrecht. Sein handwerkliches Geschick verschafft ihm Zugang zum Haus des Lagerkommandanten, er wird dort Zeuge eines Konzertes des KZ-Orchesters und erlebt, wie eine beschädigte Geige fast zum Todesurteil für einen der Musiker wird. Daniel rettet dessen Leben indem er seinen wahren Beruf preisgibt und das Instrument mit unglaublichem Geschick repariert. Doch nun wird er zur Zielscheibe und zum Spielball des perfiden Machtwahns des Kommandanten. Dieser wettet mit dem berüchtigten Lagerarzt um den Einsatz einer Kiste Wein, dass es Daniel auch schafft, unter den extremen Bedingungen der Internierung, eine perfekte Stradivari zu erschaffen. Wenn er scheitert, bekommt der Arzt Daniel als Objekt für seine teuflischen Unterkühlungsexperimente. Man stellt Daniel alles zur Verfügung was er zum Bau der perfekten Geige benötigt, hält ihn aber im Ungewissen, wie viel Zeit ihm zur Lösung des unmöglichen Problems verbleibt. Es beginnt ein dramatischer Wettlauf zwischen Perfektion, Liebe zum Instrument, Leidenschaft für das warme Holz und dem faszinierenden Geschick der fast erfrorenen Hände eines begnadeten Geigenbauers. Er baut um sein Leben… Maria Àngels Anglada nimmt uns an die Hand und lässt uns die Werkstatt inmitten eines Vernichtungslagers betreten. Mit staunenden Augen und aller Hilflosigkeit der Welt im Herzen erleben wir dort einen jungen Menschen, der in eine andere Welt abtaucht, alles um sich herum vergisst und ein Instrument entstehen lassen will, von dem er weiß, dass es nicht nur ihn selbst überleben wird. Hoffnung inmitten des Untergangs. „Unseren Musikern hat man die Hände abgehackt, unseren Sängern die Münder mit Eisen verschlossen. Die süßklingende Geige liegt auf der Erde, einer unbeweglichen Wiege gleich, sie hätten das Neugeborene wiegen sollen, doch sie töteten es, noch bevor es zur Welt kam.“ Wird Daniels Instrument jemals das Follia-Thema von Arcangelo Corelli erklingen lassen? Lesen Sie ein Meisterwerk über ein Meisterwerk.

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  • Rezension zu "Die Violine von Auschwitz" von Maria Àngels Anglada

    Die Violine von Auschwitz
    Lieblingsbuchhandlung

    Lieblingsbuchhandlung

    09. December 2009 um 23:27

    Dieses Buch ist wahrlich vollkommen. Vollkommen disparitär. Als ich es sah, imponierte mir sogleich sein Äußeres: Schlicht, aber ausgesprochen kunstvoll in Bezug auf das Motiv, der Schriftsatz in Farbgebung und Anordnung harmonisch, das Papier vertikal reliefiert. – Sollte dieses Buch bei der Stiftung Buchkunst nicht mindestens Erwähnung finden, verstünde ich die Welt nicht mehr. In jedem Fall sei an dieser Stelle Roland Eschlbeck & Ruth Botzenhardt gedankt, die sich für die Umschlaggestaltung verantwortlich zeichnen. Zum Inhalt: Es gibt eine knappe und fast schon provisorische Rahmenhandlung, in der ein Musikertrio [Climent, Gerda und Virgili] bei einem Gastspiel in Krakau die polnische Geigerin Regina kennenlernt. Reginas Spiel bewegt und fasziniert Climent so sehr, dass er sie und ihr -unbekannt vollkommen [da ist es wieder] klingendes- Instrument näher kennenzulernen versucht. Und hier beginnt die eigentliche Geschichte: Die Geige ist ein Einzelstück, das Reginas Onkel, Daniel Cracoviensis, zu Zeiten seiner Nazi-Gefangenschaft in einem Nebenlager von Auschwitz anfertigte. Und sie ist noch viel mehr: Auftragsarbeit und Chronist einer unmenschlichen Wette zwischen dem Lager-Kommandanten und –Arzt. All das wird in der Folge minutiös nachgezeichnet und aufgearbeitet… Die Geschichte hätte also durchaus großes Potenzial, gäbe es da nicht das Problem mit der Distanz - der Distanz zwischen dem Leser und der Handlung. Wie ausgerechnet bei dieser Thematik das [Mit-]Gefühl ausbleiben kann, war mir vorübergehend ein Rätsel, aber der Erzählton und –stil ist hierfür überwiegend zu neutral. Der beauftragte Geigenbau ist für Daniel eine emotionale Flucht aus der Gefangenschaft: In gewisser Weise ist er privilegiert, indem er seiner Leidenschaft und seinem Beruf in dem Lager nachgehen kann. Trotzdem bleibt es eine fürchterliche Gefangenschaft, zumindest für Daniel - nicht aber für den Leser: Die Erzählung gerät an diesem Punkt aus der Balance, findet sie aber später -glücklicherweise- wieder, spätestens auf Seite 143. Bis auf ein/zwei sperrige bis wundersame Begriffe [„funkelnagelneu“, S.88] kommt dieses Werk sprachlich fast schon poetisch schön daher: „Ein Schatten tiefer Traurigkeit umwölkte ihre hellen Augen und verstärkte die Falten in ihrem schönen Gesicht. Ihre Hand strich wirkungslos über das blonde, von Silberfäden durchzogene Haar.“ Trotzdem vermag es nicht zu begeistern oder zu bewegen. Es erinnert an eine Mischung aus „Eine exklusive Liebe“ von Johanna Adorján und „Lea“ von Pascal Mercier, wobei es in der Tiefe beide Bücher nicht erreicht. Es ist kein schlechtes Buch, das ganz sicher nicht, aber eben auch kein überragendes. Und doch: Wenn man das Buch abschließend zuklappt und noch einmal den Umschlag betrachtet, dann hat man plötzlich das Gefühl, dass es auch von Daniel, diesem feinsinnigen Künstler geschaffen sein könnte: Die Maserung des Holzes als Relief im Papier. „Die Violine von Auschwitz“ von Maria Àngels Anglada [ Übersetzerin: Theres Moser / Originaltitel: „El violì d’Auschwitz“ ] Bewertung: 3.5 / 5

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