Wer nicht schreibt, bleibt dumm

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Wie die Zukunft der Handschrift aussehen? Die Prognose ist düster. Insgesamt ein durch und durch informatives wie fachkundiges Sachbuch.

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Für mein Empfinden eine Pflichtlektüre, die schon längst überfällig ist!

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Inhaltsangabe zu "Wer nicht schreibt, bleibt dumm"

Über 1,2 Millionen Kinder können nicht mehr richtig schreiben.

Die engagierte Lehrerin Maria-Anna Schulze Brüning beobachtet seit Jahren, wie sich die Handschrift ihrer Schüler rapide verschlechtert. Unsere Kinder sind jedoch keine Generation lernunwilliger Grobmotoriker, wie sie betont, sondern Opfer einer fehlgeleiteten Schulpolitik. Handschrift und Rechtschreibung werden in den Grundschulen vernachlässigt und dem Experimentieren preisgegeben. Lernfreude und vernetztes Denken bleiben dabei auf der Strecke, denn Krakelschriften werden für Kinder immer mehr zum Handicap. Gemeinsam mit dem Journalisten Stephan Clauss zeigt die erfahrene Pädagogin, wie ein kostbares Kulturgut aufs Spiel gesetzt wird und welche Konzepte Schülern wirklich helfen, um aus einer »Sauklaue« eine Handschrift zu machen. Denn gut und lesbar zu schreiben ist auch im digitalen Zeitalter kein Luxus, sondern elementar für die Zukunft unserer Kinder.

Gegen Schulfrust und Turbo-Pädagogik: Ein Plädoyer für den Erhalt der Handschrift.

»Für die Kinder sollte mit der Druckschrift alles einfacher werden – stattdessen werden sie dadurch dümmer.«
FAZ

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783492314312
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:304 Seiten
Verlag:Piper
Erscheinungsdatum:01.02.2019

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    seschatvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Wie die Zukunft der Handschrift aussehen? Die Prognose ist düster. Insgesamt ein durch und durch informatives wie fachkundiges Sachbuch.
    Die Handschrift geht unsicheren Zeiten entgegen

    Ein wirklich tolles Sachbuch zum Thema "Handschrift", das den desolaten Ist-Zustand in deutschen Klassenzimmern kritisch beleuchtet. In Zeiten von Social Media, Smartphone & Co führt das Erlernen der Schreibschrift immer mehr ein Schattendasein. Oft können Kinder bei ihrer Einschulung besser mit diversen Elektrogeräten umgehen als mit einem Stift. Doch nicht nur die unzureichende Motivation der Schüler, sondern auch der Lehrplan und der Stellenwert des Schreibenlernens in diesem stehen laut den Autoren auf dem Prüfstand. In den deutschen Bundesländern kocht schulisch jeder sein eigenes Süppchen, mit gravierenden Folgen für die Allgemeinheit. Schon heute kann man beobachten, dass die Druckschrift immer mehr die Schreib- und Schulschrift ersetzt. Das mag zum einen daran liegen, dass sich immer weniger Zeit zum Schreiben genommen wird und zum anderen daran, dass die Computertastatur den Füller oder den Kugelschreiber mehr und mehr ersetzt. E-Mail vs. handgeschriebener Brief - der Sieger des Duells dürfte hinlänglich jedem bekannt sein...

    Doch die individuelle Handschrift eines Menschen ist geradezu ein "Kulturgut" und sollte deshalb nicht einfach abgeschafft werden. Wichtige feinmotorische wie kognitive Fähigkeiten gingen verloren; von der Rechtschreibkompetenz ganz zu schweigen. Warum gehen wir mit der Kunst des Schreibens in der Gegenwart so stiefmütterlich um, wenn in der Vergangenheit (von den Alten Hochkulturen über Kopierwerkstätten in mittelalterlichen Klöstern und Martin Luthers Vereinheitlichung bis hin zur Alphabetisierung der Allgemeinheit) so hart dafür gekämpft und diese immer weiter entwickelt wurde?
    Vor allem die Herausbildung der Schrift ist ein spannendes Feld, was Autor Stephan Clauss anhand eines geschichtlichen Exkurses sehr eindrücklich zeigt. 

    Ich stimme mit den beiden Autoren darin überein, dass selbst in der heutigen Zeit das Erlernen der Schreibschrift ein essentielles Gut darstellt. Um flüchtige Gedanken festzuhalten bzw. Wissen zu verinnerlichen und besonders Wörtern nachspüren zu können, ist schreiben unverzichtbar. Zudem wird der motorische Reiz beim Schreiben sofort ans Gehirn weitergeleitet und wichtige neuronale Verbindungen bilden sich aus (sog. motorisches Gedächtnis). Auch die eigene Disziplin wird beim Schreibprozess trainiert.

    Doch bei aller Kritik an den heutigen Krakelschriften der sog. Head-down-Generation, die auch durch falsche Sitz- und Stifthaltung entstehen, gibt es Mittel und Wege dem Negativtrend zu begegnen, nämlich vorrangig durch Übung und ausführliche Schriftdidaktik. Darüber hinaus muss der Wille zum Schreiben mit der Hand gestärkt werden.

    Schulze Brünings dystopischer Ausblick in eine Zukunft mit virtuellem Lehrer und einem PC als Schreibgerät stimmt sehr nachdenklich. Und ich hoffe, dass es erst gar nicht so weit kommen wird.

    FAZIT
    Insgesamt ein durch und durch informatives wie fachkundiges Sachbuch, das sich allumfassend mit der Thematik auseinandersetzt. 

    Wie wird wohl die Zukunft der Handschrift aussehen? Die Prognose ist düster. 

    Kommentare: 3
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    Sommerregens avatar
    Sommerregenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Für mein Empfinden eine Pflichtlektüre, die schon längst überfällig ist!
    Für mein Empfinden eine Pflichtlektüre, die schon längst überfällig ist!

    Das muss man sich erst einmal vor Augen führen: "Jedes sechste Kind kann nicht richtig schreiben". Ein mir unvorstellbar hoher Anteil der Schüler leidet unter diesem Problem, das nicht nur ein "ästhetisches Manko" (S. 50) ist. Schließlich sichert das Schreiben als Kulturtechnik schon so lange die Weitergabe und das Vermitteltbekommen von Wissen. daher bedeutet eine mangelnde Schriftkompetenz ein fehlendes Fundament des Lernens - für die betroffenen Schüler ist es in soweit eine Katastrophe, als dass Hausaufgaben und Mitschriften zur Belastung werden.
    Tatsächlich sollte, so die Autorin, Handschrift als Werkzeug dienen und darf deswegen keine Umstände machen, sondern sollte nebenbei geschehen, damit man sich auf den Inhalt konzentrieren kann. Wird dieses Werkzeug jedoch nicht hinreichend beherrscht, kann diese mangelhaft ausgebildete Fähigkeit im Zweifelsfall "aus einem normal begabten Schüler einen Schulversager machen". (S.50)
    Erstaunlicherweise sind alle sozialen Schichten und Lernniveaus betroffen, weswegen sich diese erschreckende Tendenz auch an allen Schulformen - zum Beispiel ebenfalls an Gymnasien - gleichermaßen erkennen lässt.
    So sucht die Autorin unter Anderem nach den tieferen Ursachen, welche beispielsweise in einer Neubewertung der Bedeutung dieser Kulturtechnik liegen, da in Zeiten der Medien die Notwendigkeit der Handschrift in Frage gestellt wird. Somit wird ihr ein neuer Stellenwert im bildungspolitischen Gesamtkonzept zuteil - mit verheerenden Folgen, wie man merkt.
    Zudem ist ein Problem, welches aus dem gerade Genannten ergibt, dass die Kinder sich die Handschrift größtenteils - ebenso wie die korrekte Rechtschreibung mehr oder weniger eigenständig aneignen sollen. Dies kann nur zu Misständen anstelle von der vielfach angepriesenen Selbstständigkeit führen, da die Kinder bei diesem komplexen Gebilde unterstützt und angeleitet sowie Fehler korrigiert werden müssen.
    Somit liegt das Problem also definitiv nicht in einem motorischen Unvermögen und könnte so leicht umgangen werden...
    In Grundschulen wird häufig lediglich die Druckschrift gelehrt - schließlich haben viele Schüler Schwierigkeiten mit der verbundenen Schreibschrift gehabt. Anstatt an der Wissensvermittlung zu arbeiten und den Schreibunterricht zu verbessern - und aus Erfahrung als Lehrerin weiß Maria-Anna Schulze Brüning, dass bis auf wenige Ausnahmen jeder Schüler, möge seine Schrift noch so unleserlich sein, gerne Schreibunterricht erhält - vereinfacht man alles. Nur ist diese Vereinfachung keine Entlastung, sondern bloß ein Ver- und Aufschieben des Problems. Im Grundschulalter sollte der Grundstein für eine adäquate Handschrift gelegt werden, da mit fortschreitendem Alter und damit verbundener Übung der angeeigneten Handschrift, die Abläufe beim Schreiben automatisiert wurden und daher immer schwieriger zu korrigieren sind.
    Da die Kinder mit dem Erlernen der Handschrift meist auf sich allein gestellt sind, malen sie Buchstaben häufig anstatt sie zu schreiben. So ähnelt ein a nun einmal einem Kreis mit einem Strich und wird genauso zu Papier gebracht. Tatsächlich sieht ein solches a nicht nur anders aus, sondern ist im Schreibfluss noch dazu viel hemmender als die über lange Zeit optimierte und weitergegebene Art, es zu schreiben.
    Aufgrund der Tatsache, dass dieses Problem nicht erst seit Kurzem besteht, befinden sich mittlerweile bereits Lehrer an den Schulen, die selbst kaum noch per Hand schreiben. So kann der Teufelskreis immer weiter angeheitzt werden.
    Eine weitere Schwierigkeit ist die Vielzahl verschiedener Schriftarten, welche erlernt werden können. Die Entscheidung, welche man den Schülern vermittelt, wenn man sich als Grundschule überhaupt dazu entscheidet Schreibschrift zu lehren, ist enorm und verwirrend.
    Und so entlarvt das Autorenpaar immer mehr Problempunkte bei denen man ansetzen könnte und dringend müsste. Nur über Schrift, so lässt ein Blick in die Geschichte zu Beginn des Buches erkennen, ermöglicht kognitiven Fortschritt und eine Weitergabe von Kultur und Wissen.

    Die Autoren behandeln eine Vielzahl von Themengebieten und Schulze Brüning lässt zahlreiche zum Teil selbst durchgeführte Erhebungen mit einfließen sowie einiges an Fachliteratur - über die Bedeutung, Entstehung sowie Entwicklung der Schrift, vom Recht- und Schlechtschreiben über häufige Fehler beim Schreiben (bestimmter Buchstaben) bis hin zu Ansätzen um die Handschrift angemessen zu vermitteln. Des Weiteren werden Bereiche wie die Entwicklungspsychologie ebenfalls ins Blickfeld gerückt.
    Sehr gut ist meines Erachtens auch das Kapitel "Wie können Lehrer und Eltern Kinder beim Verbessern der Handschrift unterstützen?", da es konkrete Handlungsmöglichkeiten bietet und damit schon längst überfällig ist.
    Darüber hinaus wird eine Schülerbefragung zum Ende des Buches dargelegt: Wie wichtig ist die Handschrift? Welche Bedeutung hat sie? Sollte man sie überhaupt noch unterrichten? Äußerst spannend ist, dass lediglich etwa 30% der Befragten pädagogische Gründe für den großen Stellenwert der Handschrift anführten - die restlichen Begründungen sind äußerst vielseiteig. Einen sehr schönen Aspekt, finde ich, stellt die Begründung dar, die Handschrift zähle zu der, bilde und zeige die Persönlichkeit.

    Aus meiner Grundschulzeit kenne ich selbst das Schreiben mit der Anlauttabelle. Unsere Lehrerin vertrat - wie offenbar erschreckend viele Lehrer auch - die Auffassung, die Schüler könnten sich die Rechtschreibung problemlos, schnell und sehr effizient selbst beibringen. Nur korrigieren dürfe man die von den Kindern selbst ausgewählte richtige Schreibweise nicht, da dies dem Prozess des Erlernens der Handschrift nicht nur nicht förderlich sei, sondern ihm sogar noch schade.
    Zum Glück haben meine Eltern von dem "Lesen durch Schreiben" nicht sonderlich viel gehalten und mich bei der Rechtschreibung angeleitet anstatt mich, wie andere Eltern aus der Klasse, mit Hinlfestellungen wie "E wie Esel" der Anlauttabelle alleine zu lassen. Meiner Handschrift- und Rechtschreibentwicklung hat dies sicherlich nicht geschadet; wenn ich mir jedoch vor Augen führe, dass jeder sechste Schüler nicht richtig schreiben kann und daran denke, welche Schwierigkeiten Mitschüler auch noch in der Oberstufe beim Schreiben hatten, gibt mir das zu denken...

    Meiner Meinung nach ist "Wer nicht schreibt, bleibt dumm" ein längst überfälliges Werk, welches hoffentlich viel gelesen wird und zahlreiche Menschen wachrüttelt - denn eines ist klar: So, wie es zur Zeit läuft, darf es nicht weitergehen.

    Ich vergebe volle 5 Sterne für dieses Werk!

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