INHALT
„Invictus“handelt von Alice, die kürzlich ihren Vater verloren hat und mit diesem Verlust und der Trauer kämpft. Von ihrer Mutter abgelehnt und allein gelassen, weiß Alice nicht, was sie tun soll. Mit letzter Kraft bemüht sie sich, ihr kleines Lädchen bereit zu machen für die Eröffnung – dies war das letzte Projekt, welches sie gemeinsam mit ihrem Vater geplant hat. In all der Verzweiflung lernt sie James Forth kennen – ein New Yorker Geschäftsmann, den sie unheimlich anziehend findet, der aber mit seinen eigenen Dämonen kämpft…
MEINE MEINUNG
„Invictus“ ist in der Ich-Perspektive geschrieben. Bei dieser Perspektive dauert es bei mir oft etwas länger, bis ich richtig reinkomme – ich muss erstmal ein Gefühl für die erzählende Person entwickeln. Es gelang mir jedoch sehr gut, dank des flüssigen Schreibstils.
Die Stimmung des Buches ist bedrückend – die Thematik ist schwer und gleichzeitig in meinen Augen sehr wichtig. Auch wenn eine ganze Weile nie konkret erwähnt wird, wie Alices Vater gestorben ist, habe ich es bereits durch die Triggerwarnung wie auch die ein oder andere Formulierung in der Handlung geahnt. Tatsächlich deutlich gesagt wird es erst Richtung Ende des Buches. Das war aber nicht schlimm, denn durch diesen Umstand wird deutlich, wie sehr Alice leidet und sich weigert, sich mit dieser Tatsache auseinander zu setzen.
Ihre Gefühle, ihre Verzweiflung, ihre unverarbeitete Trauer sprechen aus jeder Zeile in diesem Buch. Maria-Grazia Ciardo schafft es sehr gut, diese Gefühle bei mir auszulösen. Auch die Phasen der Trauer hat sie sehr gut heraus gearbeitet und sind im Buch deutlich spürbar.
Ebenso gewinnt man als Leser einen sehr guten Eindruck in die Gefühlswelt von James und welche Kämpfe er mit sich selbst austrägt. Er trägt ein dunkles Geheimnis mit sich, welches ihn aufzufressen droht. Nur zusammen fühlen sich Alice und James lebendig.
Alice ist eine junge Frau, gebrochen durch den Tod ihres Vaters, ohne wirkliche Perspektive oder Unterstützung. Ich finde ihre Figur sehr gut ausgearbeitet und kongruent; ihr Verhalten wirkte an keiner Stelle an der Haaren herbeigezogen und ich fand sie sehr sympathisch.
James dagegen ist auf den ersten Blick der typische reiche Bad Boy; schnell wird aber klar, dass so viel mehr hinter der Fassade steckt. Auch in ihn konnte ich mich gut einfühlen und ich fand auch seine Figur ordentlich ausgearbeitet. Er hatte wirklich Tiefe und auch seine Entscheidungen waren für mich nachvollziehbar.
Es gab zwar den ein oder anderen Moment des Augenrollens – mit einem ehrlichen, offenen Gespräch wäre so einiges verhindert worden – aber selbst diese Tatsache wird aufgegriffen und ist James bewusst. Schlussendlich wird auch klar, warum er nichts sagt
Es hat etwa bis zur Hälfte gedauert, bis so richtig Spannung aufkam – bis dahin wirkte es wie die typische Story über das verzweifelte Mädchen, die den reichen, unterkühlten Geschäftsmann trifft und diesen auftaut. Doch ganz so einfach läuft es dann doch nicht – die frische Liebe wird von James‘ Geheimnis zerstört.
Und als es dann so richtig interessant wird, ist das Buch zu Ende: ein Cliffhanger! Ich bin schon neugierig, wie es weitergeht. Letztlich sind immer noch einige Fragen offen und ich möchte wissen, was aus Alice und James wird.
FAZIT
„Invictus“ war voll von bedrückender Stimmung, Verzweiflung und Trauer. Mir hat das Buch sehr gefallen, auch wenn ich gerne schon jetzt wüsste, wie die Story ausgeht.