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Bellis-Perennis

vor 2 Jahren

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Maria Braig schildert das Schicksal von Amra, die als Kind kosovarischer Kriegsflüchtlinge in Deutschland geboren wird, und kurz nach ihrem 18. Geburtstag in die ehemalige Heimat ihrer Eltern abgeschoben wird.

Mittellos und sprachlos (sie kann kein albanisch und fühlt sich als Deutsche) muss sie sich in einer absolut frauenfeindlichen Umgebung zurechtfinden. Um zu Überleben legt sie sich eine männliche Identität zurecht und nennt sich nun Amir. Amra/Amir lebt auf einer Müllhalde in Priŝtina und repariert Autos (sie hat in Deutschland Automechatroniker gelernt).

Nina und Stefan, ihre beiden deutschen Freunde, schleusen sie wieder nach Deutschland. Einige Monate später wird Amra/Amir als illegal eingereist erkannt und wieder abgeschoben.

Das Tragische an der Geschichte ist, das sich Amra/Amir zusätzlich zum Problem der Abschiebung, illegaler Aufenthalt usw., sich noch mit der Frage ihrer sexuellen Identität auseinander setzen muss. Sie empfindet sich als Mann und die Zeit, in der sie als Amir in Priŝtina gelebt hat, bestärkten diese Gefühle.

Dieses Buch handelt deswegen nicht nur von Abschiebung eines jungen Erwachsenen in eine ihm völlig fremde Welt, sondern auch von der Transgender-Problematik.

Das Buch ist in einer sehr interessanten Art geschrieben:

alle Menschen, die näheren Umgang mit Amra haben, kommen zu Wort. Jeder kann seine Sicht auf Amra/Amir darlegen.

Maria Braig schreibt sehr sachlich und dennoch einfühlsam. Man kann in die Geschichte eintauchen. Ich konnte das Buch kaum weglegen.

Ich kenne als Österreicherin die Gesetzeslage in Deutschland nicht, doch auch bei uns werden hier geborene Kinder von Flüchtlingen nach Erreichung der Volljährigkeit in die Herkunftsländer der Eltern abgeschoben. Die Gründe hierfür sind vermutlich vielfältig. Einer ist möglicherweise die Unkenntnis von gesetzlichen Bestimmungen und Rahmenbedingungen.

Autor: Maria Braig
Buch: Amra und Amir
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