Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen

von Maria Braig 
4,6 Sterne bei7 Bewertungen
Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen
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Neue Kurzmeinungen

Datahas avatar

Ein hochaktuelles Thema, das von der Autorin sehr feinfühlig und respektvoll aufgegriffen wurde.

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Wie viel ist "zu viel" - und gibt es das überhaupt?

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Inhaltsangabe zu "Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen"

Bundesweit sucht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ca. 300 tatkräftige, mutige und entscheidungsfreudige Frauen und Männer der Deutschen Post, um für 6 – 12 Monate als Entscheider alle anhängigen Asylverfahren verantwortungsbewusst zu bearbeiten.

Dieser Aufruf kommt Jule, die sich in einer Lebenskrise befindet und nach Neuorientierung sucht, gerade recht.
Sie glaubt, wenn sie dabei hilft die Flüchtlinge einzuteilen in solche die Schutz verdient haben und solche, die nur kommen, um ihrer Armut zu entfliehen, kann sie den wirklich Verfolgten helfen.
Doch je mehr Fluchtgeschichten sie anhört, umso schwerer fällt es ihr, die meist verzweifelten Menschen die zu ihr kommen und deren weiterer Lebensweg von ihrer Entscheidung abhängt, in richtige und falsche Flüchtlinge einzuteilen.

Auf einem Klassentreffen begegnet sie Cochise, die sich für offene Grenzen für alle einsetzt. Die beiden Frauen fühlen sich voneinander angezogen, ihre unterschiedlichen politischen Ansichten führen aber immer wieder zu Konflikten.
Dann begleitet Jule Cochise nach Griechenland, wo diese ein Prozess wegen „Schlepperei“ erwartet …

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783956673115
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:260 Seiten
Verlag:Verlag 3.0 Zsolt Majsai
Erscheinungsdatum:17.06.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    emma_vandertheques avatar
    emma_vanderthequevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wie viel ist "zu viel" - und gibt es das überhaupt?
    Hochaktuelles Buch über Ängste, Moral und die Werte unserer Gesellschaft

    Jeder hat sie vor Augen: Die Flüchtlingsströme auf der Balkanroute, die überfüllten Fischkutter in den Wogen des Mittelmeers, die verzweifelten Gesichter, die scheinbar alle versuchen, zu uns zu kommen und hier ein ein neues, glückliches Leben in Sicherheit und Wohlstand aufbauen wollen. Aber können wir uns das leisten? All diese Massen? Muss da nicht Einhalt geboten, eine "Grenze" gesetzt werden? Klar, sie alle haben gute Gründe, warum sie sich auf den Weg gemacht haben - aber sind die auch gut genug, um ein Bleiberecht zu erhalten? 
    Diese Fragen beschäftigen Juli als sie in der Zeitung ein Stellenangebot des BAMF entdeckt, welches dringend "Asylentscheider" sucht. Kurzentschlossen bewirbt sie sich, glücklich, endlich einer "sinnvollen" Tätigkeit nachzukommen. 
    Schon bald bahnen sich aber ganz andere Fragen ihren Weg: Hat es dieser einzelne, der hier gerade in seiner Verzweiflung vor ihr zusammen bricht, der alte Greis, der sein Leben lang geschuftet hat, um jetzt vor dem nichts steht, oder die Mutter mit den schrecklichen, traumatisierenden Erfahrungen und dem unermüdlichen Willen, für ihre Kinder ein sicheres, geborgenes Zuhause zu finden - haben sie es nicht alle irgendwie verdient, hierbleiben zu dürfen? Und dann ist da noch ihre Freundin, die ihrem neuen Job sehr kritisch gegenüber steht, gar anzweifelt, dass ein Aussieben tatsächlich notwendig ist...


    Ein sehr spannendes Buch, das einen tollen Einblick in die Arbeit der Behörde gibt, das Zweifel anspricht und den Menschen hinter den Akten ein Gesicht gibt, lesenswert!

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    Gartenkobolds avatar
    Gartenkoboldvor einem Jahr
    Kurzmeinung: schonungslos offen und ehrlich
    Offen und ehrlich

    Auf die Autorin Maria Braig wurde ich im Rahmen einer Wanderbuchrunde aufmerksam, das Thema hat mich sofort angesprochen, „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – Die Asylentscheiderin“ ein immer noch sehr aktuelles Thema.
    Die Protagonistin des Romans Jule, die nach einemfast 30jährigen Berufsleben bei der Post und einer gescheiterten Beziehung einen Neuanfang für sich sucht, liest einen Aufruf des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge), das tatkräftige, mutige und entscheidungsfreudige Menschen sucht, um für 6-12 Monate als Entscheiderin Asylverfahren verantwortungsbewusst zu bearbeiten. Sie bewirbt sich und wird nach erfolgreich bestandenem Crashkurs in Sachen „Entscheidungen“ als Entscheiderin für das BAMF tätig. Eher zufällig trifft sie ihre alte Klassenkameradein Cochise wieder, die ihrerseits aktiv in der Flüchtlingshilfe tätig ist und so ganz anders ist als Jule; zwischen beiden entwickelt sich langsam als stetig eine Freundschaft, trotz ihrer so völlig unterschiedlichen Auffassungen zur Flüchtlingspolitik. Als Cochise in Griechenland als angebliche Schlepperin verhaftet wird, gegen Kaution auf freien Fuß kommt, begleitet Jule, die immer mehr schwere Selbstzweifel an der Arbeit beim BAMF hat, Cochise zum Prozess nach Griechenland.
    Maria Braig hat mich mit dem Roman in ihren Bann gezogen, sie schreibt packend, fesselnd und voller Emotionen einerseits die widerstreitenden Gefühle und Ängste von Jule, andererseits aber auch die Geschichten der Flüchtlinge, die zu Jule als Asylentscheiderin kommen, Geschichten, die unter die Haut gehen, die betroffen machen. Geschichten, die das Leben schreibt und die verdeutlichen und sehr anschaulich schildern, welcher enorme psychische Druck auf den Beamten lastet, die als Asylentscheider tätig sind, denn die einzelnen Schicksale haben nicht zu interessieren, es wird nach Gesetzen entschieden.
    Die Autorin hat klar das deutsche Asylrecht beschrieben und lässt viel Hintergrundwissen über das Asylrecht einfließen, erläutert Begriffe wie subsidiären Schutz, sichere Herkunftsländer, die Dublin-Verordnung und Fluchtgründe.
    Ein Roman, der aufrüttelt, der veranschaulicht, dass dringend Handlungsbedarf besteht, Asylentscheider müssen zureichend geschult werden und im Rahmen von Mentoring Programmen begleitet werden und es ist unverantwortlich, wenn in Deutschland Menschen, die keine Qualifikationen nachweisen können, im Schnellverfahren zu Entscheidern ausgebildet werden, die über Sein oder Nichtsein von Menschen entscheiden können, in „Der Zeit“ war im Juni diesen Jahres ein Bericht, demzufolge viele der sogenannten Entscheider unzureichend ausgebildet sind, von den mehreren Tausend eingestellten Mitarbeitern haben bislang nur 21,6 % die notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen durchlaufen. 

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    kingofmusics avatar
    kingofmusicvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wichtiges Buch in unsicheren Zeiten!!!
    Wichtiges Buch in unsicheren Zeiten!

    Bei den meisten Autoren weiß man von vornherein, was einen erwartet. Das ist auch gut so, denn schließlich hat jeder von uns gewisse Schreiberlinge, deren neueste Werke er (neben interessanten Neuentdeckungen) regelmäßig „verschlingt“. So geht es mir seit einiger Zeit mit den Büchern der Autorin Maria Braig.
    Von ihr erhält man in lockeren Abständen Bücher, die sich zumeist mit den Themen Asyl, den Frauenrechten oder aber den Schwierigkeiten von Schwulen, Lesben und Transsexuellen in der Gesellschaft befassen. Es sind stets gut recherchierte Romane zu Themen, die kein Mainstream sind, die aber jeden von uns angehen (sollten), damit Intoleranz und Hass gegenüber Andersdenkenden endlich Einhalt geboten wird.

    In ihrem neuesten Roman „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen – Die Asylentscheiderin“ geht es um Jule, die nach einem langen Berufsleben bei der Post und einer gescheiterten Beziehung etwas Neues „wagen“ will und sich durch eine Anzeige des BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) ermutigt fühlt, etwas in ihrem Leben zu ändern. Nach erfolgreich bestandenem Crashkurs in Sachen „Entscheidungen“ (wer darf bleiben, wer tischt Lügen auf und muss wieder gehen) wird sie in die Welt der Asylanträge und den Menschen, die hinter den Anträgen stehen, entlassen. Hochmotiviert macht sie sich an die Arbeit.
    Gleichzeitig trifft sie ihre alte Klassenkameradin Cochise wieder, die aktiv in der Flüchtlingshilfe tätig ist und langsam, aber sicher baut sich zwischen den beiden Frauen trotz ihrer gegensätzlichen politischen Weltanschauung (Wir haben Platz für alle Flüchtlinge auf der einen Seite und Wir müssen aussieben, damit die, die wirklich Hilfe nötig haben, auch Platz haben) eine Beziehung auf.

    Als Cochise in Griechenland ein Prozess wegen angeblicher Schlepperei erwartet, begleitet Jule ihre Freundin, da sie zusehends Zweifel an der Arbeit im BAMF bekommt und abschalten muss.
    Hier versteht es Maria Braig außergewöhnlich gut, die Sorgen und Ängste von Jule überzeugend darzustellen. Überhaupt weiß die Autorin den Leser zu packen, schildert sie doch immer wieder die Erlebnisse von Flüchtlingen, die bei Jule Antrag auf Asyl stellen. Der geneigte Leser wird sich immer wieder dabei erwischen, dass er beide Ansichten (sowohl Cochises als auch Jules) „vertreten“ kann.
    Es wird auch sehr deutlich, unter welch psychischem Druck die Beamtinnen und Beamten stehen und man bekommt Respekt vor der Arbeit der Entscheider, ist aber gleichzeitig froh, nicht dazuzugehören.

    Im Nachgang hat die Autorin Begriffe und Erläuterungen zu Gesetzestexten sowie Kurzportraits von Flüchtlingen und der Entscheidung ihrer Asylanträge aufgeführt.
    Das Thema „Asyl“ ist auch nach der Lektüre dieses wichtigen Buches in unsicheren Zeiten garantiert nicht leichter geworden, aber es steht für mehr Respekt gegenüber Flüchtlingen und der Arbeit des BAMF.

    Ich hoffe, dass dieses Buch so viele Menschen wie möglich erreicht und danke der Autorin für diesen wieder einmal gut recherchierten und wichtigen Roman!!!

    Kommentare: 2
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    supersusis avatar
    supersusivor einem Jahr
    Kurzmeinung: "Spüren Sie die Lüge auf!" und "wer einmal lügt, lügt immer" sind eine unglaubliche Unterstellung und Gemeinheit allen anständigen Flüchtlin
    Asyl oder Abschiebung

    Bewertet mit 4.5 Sternen

    Ich finde unsere Abschiebepolitik sehr schlimm (vor allem diese Nacht und Nebel Aktionen, die Menschen betreffen, die schon lange hier geduldet und integriert sind), aber auch, dass die Politik den Familiennachzug erschwert und dann noch diese absurden Behauptungen, manche Länder seien sicher...

    Seit vielen Jahren begegne ich immer wieder Menschen, die lieber sterben wollen, als in Länder zurückkehren zu müssen, wo sie vor dem Sterben noch gefoltert werden und die wegen Suizidversuchen zu uns in die Klinik kommen. Daher interessiert mich das Thema sehr, zumal es jetzt ja viel mehr Menschen betrifft und man in den Medien immer wieder von diesen ungerechten Abschiebepraktiken hört. Es ist unfassbar, welche unmenschlichen Entscheidungen da oft getroffen werden. Insofern wollte ich gerne wissen, wie die andere Seite aussieht und was in den Menschen vorgeht, die solche Entscheidungen treffen. Wie schaffen sie es , Nachts zu schlafen, wenn sie Familien auseinander gerissen haben ? Haben sie kein Herz ? Oder sind unsere Politiker und Gesetze schuld ?

    Ich habe durch ehrenamtliche Hilfe hier und in den Flüchtlingslagern auf Lesbos viele der Flüchtlinge kennengelernt, ihre Verzweiflung und Not, aber auch ihre Demut, Dankbarkeit unnd Bescheidenheit. Die tiefe Erleichterung und Erlösung, wenn sie es bis nach Lesbos geschafft haben, werde ich nie vergessen. Und die Vorstellung, wie sie wieder zurück in die Hölle geschickt werden, macht mich krank.

    Ich bin also mit großer Neugier an dies Buch heran gegangen und wurde nicht enttäuscht. Ich fand allein schon den Anfang sehr stark. Erst diese Zitate, die schon sehr erschrecken und nachdenklich machen, wie die Politik mit Menschen umgegangen ist und es jetzt wieder tut, und dann der Alptraum der Asylentscheiderin, die ja eigentlich Postbeamtin ist. So sollte es eigentlich allen Entscheidungsträgern gehen, vor allem auf politischer Ebene, damit nicht so eiskalt über Menschenleben entschieden wird. Viele Fragen der Hauptperson stelle ich mir auch. Mit welchem Recht entscheiden Menschen, die die Situation der anderen nicht wirklich kennen, über das Schicksal und das Leben der anderen ? Wie kann ich wissen, ob ein Land wirklich für alle sicher ist, wenn ich selbst nicht den Altag erlebt habe? In dem Buch wird sehr anschaulich geschildert, wie man in so einen Job reinrutschen kann. Allerdings ist die Figur etwas blauäugig und glaubt brav, was ihr eingeredet wird, nämlich, dass nicht genug Ressourcen für alle da seien und man daher "Wirtschaftsflüchtlinge" abschieben müsse. Sie geht da in meinen Augen von einer falschen Prämisse aus und ich hätte es spannender gefunden (und aufschlußreicher), wenn sie nicht die Möglichkeit gehabt hätte, glauben zu können, etwas Gutes zu tun. Wie ist das also mit den anderen Asylentscheidern ? Dachten diese auch zu Anfang etwas Gutes zu bewirken und sind dann lediglich abgestumpft ?

    Besonders erschreckend und erschütternd fand ich den Lehrgang, den die Postbeamten im Eilverfahren absolvieren und die Dogmen, die sie dort eingetrichtert bekommen. Das ist wirklich harter Stoff und ich bin entsetzt darüber, aber anders kann man wohl auch nicht verstehen, was Menschen dazu bewegt, andere in die Hölle zurückzuschicken. Diese Sätze "Spüren Sie die Lüge auf!" und "wer einmal lügt, lügt immer" sind eine unglaubliche Unterstellung und Gemeinheit allen anständigen Flüchtlingen gegenüber und legen den Grundstein für Mißtrauen und Ablehnung. Ich selbst hatte einen Patienten mit völlig vernarbten und verkrüppelten Füßen, was eindeutig auf mehrmaliges Foltern zurückzu führen war und er berichtete, wenn er abgeschoben würde, würde er direkt vom Flughafen wieder ins Gefängnis kommen  und dort hingerichtet werden. Ich fand schon schlimm, was er bereits durchgemacht hatte, dann zeigte er mir seinen Abschiebebescheid. Als Begründung stand da, er hätte sich die Wunden auch selbst zufügen können, um Asyl unrechtmäßig zu erschleichen. Ich war fassungslos über diese Unterstellung und Wortwahl. Und selbst wenn, wie groß muß die Verzweiflung und das Leid sein, um sich soetwas anzutun ?   Er wird nie wieder laufen können und es hätte gar nicht selbst zugefügt sein können. Auch wurde kein Arzt zur Beurteilung hinzugezogen. Wenn die Behördenangestellten aber so gedrillt werden...Nein, eigentlich kann ich diese eiskalte Unmenschlichkeit auch dann nicht verstehen. Und dann diese Aufforderung, sich hinter den Gesetzen zu verstecken, wenn das Gewissen oder Mitgefühl in die Quere kommt. Da kriege ich eine Gänsehaut, denn sowas hatten wir schonmal. Eigentlich sollten die Gesetze für die Menschen gemacht werden und nicht gegen sie, aber ich schweife ab.

    In dem Buch wird die menschlichre Not und Verzweiflung gut dargestellt, manchmal auch sehr drastisch, indem z.B. so nebenbei jemand erwähnt wird, der aus dem Fenster gesprungen ist, weil er keinen Ausweg mehr sah. Die Figur der Cochise stellt ein bißchen den Gegenpol oder das Gewissen dar und so langsam beginnt die Asylentscheiderin ihr Tun in Frage zu stellen. Die Wende in ihrem Denken und Handeln kommt durch einen Traum, den sie sehr realistisch erlebt. An ihrem Denken, dass Menschen, die mitansehen müssen, wie ihre Kinder verhungern, weil kein Geld für Essen da ist, die sterben, weil sie sich keine medizinische Versorgung leisten können, die niemals eine Arbeit im Heimatland finden werden, weil sie einer bestimmten Minderheit angehören, nur "Wirtschaftsflüchtlinge" sind und dass wir überfordert seien diesen Menschen zu helfen, hat sich nichts geändert. Aber sie hat sozusagen die menschliche Seite der Not gesehen, die Verzweiflung, die Menschen dazu bringt, sich auf den gefährlichen Weg in eine unsichere Zukunft zu machen. Nun bekommt sie diesen Spagat zwischen Gestzesauflagen und Gewissen nicht mehr hin und dekompensiert.

    Was mich etwas gestört hat, ist, dass es in diesem Buch schon wieder eine lesbische Beziehung gibt. Ich finde, das nervt etwas, weil es den Eindruck macht, als würde die Autorin sich diesbezüglich auf einem Kreuzzug befinden. Das hat irgendwie nichts mit dem Thema zu tun. Wenn die Asylentscheiderin sich wenigstens Gedanken darüber machen würde, wie offen, frei und ohne Angst sie das Verlieben in eine Frau ausleben kann, ohne im Gegensatz zu den von ihr abgelehnten Afrikanern um Leib und Leben fürchten zu müssen, dann fände ich die Erwähnung dieser Beziehung sinnvoll. So finde ich das etwas überflüssig. Eigentlich stört mich das nicht, aber wenn es in 4 Büchern 3x vorkommt (im 4. Buch kommen Flüchtlinge selbst zu Wort), dann denk ich schon irgendwann ; "Nicht schon wieder ! Was hat das mit dem Thema zu tun ?" Aber sei´s drum. Es tut der Geschichte ja auch keinen Abbruch.

    Erschütternd wieder am Schluß die einzelnen Schicksale und die haarsträubenden Begründungen für die Ablehnungen. Ich hatte immer gedacht, wir schützen Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt werden und denen bei Rückkehr Folter und Tod droht, aber dem ist nicht so. Die Infos zu einzelnen Begriffen z.B. was ist subsidärer Schutz oder was besagt diese schwachsinnige Dublin Verordnung finde ich sehr hilfreich.

    Insgesamt ein starkes, wichtiges und lesenswertes Buch und ich finde es klasse, dass sich die Autorin unermütlich bemüht, dieses Thema immer wieder von allen Seiten zu beleuchten. Wie wir mit diesen Menschen, die so dringend unsere Hilfe benötigen, umgehen, und wie blind wir für ihr Leid sind, aus Sorge, wir müßten kürzer treten, wenn wir ihnen helfen, ist ein solcher Skandal, dass die Bücher von Maria Braig an den Schulen gelesen werden sollten, um wieder so etwas, wie ein soziales Gewissen und Mitmenschlichkeit zu wecken.

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    Engel1974s avatar
    Engel1974vor einem Jahr
    Kurzmeinung: ehrlich, authentisch, eine Thematik die uns alle angeht und über die man sich eigentlich so keine Gedanken macht
    ehrlich, authentisch, eine Thematik die uns alle angeht und über die man sich eigentlich so keine Ge

    Mit ihrem Buch „Die Guten ins Töpfen, die schlechten ins Kröpfchen“ gibt die Autorin Maria Braig einen Einblick in die Arbeit einer Asylentscheiderin. Nach dem Gesetzt und mit bestem Wissen und Gewissen soll sie entscheiden, welcher Flüchtling in Deutschland bleiben darf und welcher abgeschoben wird. Dass dies keine leichte Aufgabe ist und selbst die Bearbeiter dieser Anträge vor so manche Gewissensfrage und Herausforderung stellen kann, das kann sich sicherlich jeder vorstellen. Nicht zuletzt steckt hinter jedem Asylantrag auch ein Menschenschicksal.

    „... ich entschied nicht über Leben und Tod und auch nicht über das Recht darauf, ein bestimmtes Leben zu führen. Die Entscheidung war doch längst gefallen. War von anderen getroffen und in Gesetzte gegossen worden. Ich sortierte lediglich die Menschen anhand eben dieser Gesetzt in die passende Box, ich entschied lediglich, wer wo seinen Platz hatte. Und wer meinte in der falschen Box gelandet zu sein, konnte ja immer noch gegen meine kleine Entscheidung vor Gericht ziehen.“ (Zitat aus dem Buch S. 125)

    Die Autorin schreibt offen und ehrlich von ihrem Werdegang von der Postbeamtin, die jahrelang am Schalter stand und Kunden bediente, ihrer Vorstellung und Entscheidung sich zur Asylentscheiderin umschulen zu lassen und vor welche Herausforderung sie dieser Job dann tagtäglich stellte. Dabei schreibt sie auch von Machtlosigkeit und psychischen Problemen, die für sie vor Gericht und mit einer schweren Depression endeten.

    Meinung:

    Tagtäglich werden auch wir mit Flüchtlingen konfrontiert, sie es in Berichten von Medien oder im persönlichen Kontakt, doch mal ehrlich, wer hat sich über diese Menschen schon einmal ausführlich Gedanken gemacht? Und wann dann doch sicherlich in negativer Hinsicht, vielerorts hört man ständig die Angst der Menschen, Angst davor das die Kriminalität zu nimmt, das man im eigen Land nicht mehr sicher sein kann, Angst vor Arbeitslosigkeit, Angst vom eigenen Wohlstand etwas abgeben zu müssen und. Doch wer hat sich darüber schon einmal Gedanken gemacht, wer diese Menschen überhaupt sind? Welche Entbehrungen sie in ihrem bisherigen Leben h8innehmen mussten? Welche Gründe diese Menschen bewegt haben ihre Heimat zu verlassen und sich auf eine doch sehr gefährliche Flucht nach Europa zu begeben.

    In ihrem Buch zeigt die Autorin nun welche Schicksale hinter diesen Menschen verborgen sein können und gibt der Thematik Flucht und Flüchtling ein Gesicht. Ein Gesicht, dass es möglich macht diese Thematik einmal von einer ganz anderen Seite, mit ganz anderen Augen zu betrachten. Und auch wenn dies nur ein kleiner Tropfen auf einem heißen Stein ist, ist dies ein Anfang und ein sehr wichtiger zugleich.

    Nebenbei bettet die Autorin ihre Erzählung noch in eine Geschichte zwischen eine Freundschaft, Anziehungskraft und Zuneigung zweier Frauen zueinander ein. Alles liest sich so zwar ein ein Roman, der dennoch auf Wahrheit, auf Realität beruht, die uns alle angeht und die man gelesen haben sollte.

    Mich hat dieses Buch sehr bewegt und so einiges vor Augen geführt, über das ich mir so eigentlich noch keine Gedanken gemacht habe, denn um ehrlich zu sein ist es doch viel einfacher alle Menschen über einen Kamm zu scheren, als jedes einzelne zu betrachten.

    Mein einziger Kritikpunkt ist das abrupte Ende, ein Ende das mich neugierig und mit Fragen zurücklies. Fragen darüber ob Jule wieder in ihrem Job zurückgekehrt ist, wie sie im Nachgang ihren Job betrachtet und was aus den Menschen, deren Fälle hier im Buch beschrieben sind geworden ist. Und neugierig bin ich natürlich auch, was aus der Beziehung zu Cochise geworden ist. Hier wäre ein Nachwort sinnvoll und schön gewesen.

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    maraAngel2107s avatar
    maraAngel2107vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein wunderbarer Einblick in die Arbeit einer Asylentscheiderin
    Die Sichtweise von Asylsuchenden sowie Einblicke in die  Sichtweise einer Asylentscheiderin

    Ich durfte hier wirklich einmal wieder ein wahres Meisterwerk der Autorin Maria Braig kennen lernen! Allein das Cover läd schon zum lesen ein, sowie der Klappentext,
    der den Leser richtig neugierig macht, indem ein Schlepperei-Gerichtsverfahren angedeutet wird und zudem Jule, hier die Hauptprotagonistin, die Entscheidung
    der Asyl-Suchenden treffen muss.

    Jule, die lange als Postangestellte arbeitete und nun, nachdem eine Postfiliale nach der anderen geschlossen wurde, nicht wirklich mehr weiß wohin, da erfährt sie
    von den zu vergebenden Stellen als Asyl-Entscheider/innen. Sie ist sehr engagiert und möchte unbedingt solch einen Posten "ergattern", tut alles dafür und wird am Ende
    tatsächlich eingestellt. Sie glaubt hier endlich etwas sinnvolles zu tun und Menschen zu helfen indem sie entscheidet das die "Richtigen" hier bleiben dürfen und die "Falschen"
    wieder ins Heimatland zurück müssen. "Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen".
    Doch so einfach, wie Jule es sich vorstellt, ist das ganze nicht. Es stellt sich sogar als sehr schwierig heraus, vor allem mit ganz viel Emotionen.
    Da sitzen diese Menschen vor ihr, weinen, klagen ihr Leid und wollen unbedingt hier bleiben. Doch es gibt Gesetze nach denen sie entscheiden muss,
    da haben Emotionen nichts zu suchen, das merkt sie sehr schnell und ist völlig am Boden zerstört.
    Sie wird "heimgesucht" von diesen Menschen, kann nicht mehr abschalten und fragt sich, ob es wirklich richtig war, diese Stelle anzutreten.
    Vor allem als sie eine alte Schulfreundin, Cochise, auf einem Klassentreffen wiedersieht. Sie gerät immer wieder mit ihr in Konflikte über Entscheidungen und über
    ihre Arbeit, so daß zwischendrin immer mal wieder Sendepause zwischen den beiden herrscht.

    In diesem Buch bekommt man einen sehr guten und tiefen Einblick in die Arbeit einer Asylentscheiderin, wie schwierig im Grunde diese Arbeit ist und vor allem wie
    schwierig zu entscheiden. Das alles was von außen so einfach wirkt, ist im Grunde eine sehr sehr schwierige Arbeit, vor allem hier jedem Gerecht zu werden und vor
    allem auch gerecht zu entscheiden. Es ist ein sehr guter Roman bei dem man viel Hintergrundwissen über das Asyl-Recht sowie einzelne Situationen erhält.
    Die eine oder andere hätte man als Laie vielleicht ganz anders eingeschätzt und meiner Meinung nach ist es der Autorin richtig gut gelungen die einzelnen Entscheidungen spannend
    und gleichzeitig realitätsnah rüber zu bringen.
    Es hat sicherlich viel Recherche gebraucht, um die einzelnen Asyl-Antragssteller zu beschreiben, die Gründe zu beschreiben, warum gerade sie hier bleiben möchten, und wie
    teilweise schon vorab klar ist, das bestimmte Menschen zurück in ihre Heimat müssen.
    Der Leser bekommt ein sehr klares Bild davon wie die Gesetze tatsächlich sind und warum viele Entscheidungen in bestimmte Richtungen getroffen werden. Das hier sicherlich
    auch einmal der eine oder andere Fehler passiert...das kann gar nicht ausbleiben....

    Sehr interessant war auch die Geschichte, bei der Cochise als "Schlepperin" erwischt wurde. Sie hatte keine Ahnung von ihrer "zusätzlichen" Ladung und wurde umgehend in
    Griechenland ins Gefängnis gesteckt, alle diese Erlebnisse passieren, diese Menschen, die flüchten, wissen oftmals keinen anderen Ausweg mehr, als sich in LKW´s zu verstecken
    und selbst wenn sie von den Fahrern entdeckt werden .... wer will diese einfach im Stich lassen ... was wäre,  wenn es die eigene Familie ist, die flüchten muss.
    Ein unglaublich schwieriges Thema wurde hier aufgegriffen und für den Leser sehr einfach in einem Roman erklärt, doch so einfach wie es scheint, ist es ganz bestimmt nicht.

    Ich wünsche und hoffe das dieses Buch in viele Leserhände findet, denn gerade dieses absolut aktuelle Thema geht uns alle an, und ich finde wir können nicht genug Hintergrundwissen
    bekommen, um objektiv zu bleiben. Das ist nicht einfach und schnell sind die Vorurteile in den Köpfen wieder da, ob man will oder nicht.

    Ich werde dieses Buch unbedingt weiter empfehlen, vor allem an Schulen und an Jugendliche sollte es appelieren, denn wir können nicht offen genug sein, um diesen Menschen
    ein zu Hause geben zu dürfen. Wir sollten gut darüber nachdenken, was wir tun würden in einer sehr schwierigen Situation, Krieg, Familienverlust, Verfolgung .... wir kennen diese
    Situationen nicht (jedenfalls die meisten von uns) und ich bin sicher genau das möchte Maria Braig hier erreichen, ein Umdenken der Menschen, ein objektives und ehrliches Denken,
    gerechtes Denken und keine Urteile über Menschen, deren Situation wir nicht kennen und demnach überhaupt kein Recht haben zu "verurteilen".
    Sie möchte dem Leser sicherlich auch nahe legen, diesen Menschen freundlich zu begegnen mit dem Hintergrundwissen diesen Buches. Wir würden in einem fremden Land auch
    gerne herzlich behandelt werden und vor allem respektvoll!

    Ich kann nur sagen: Lest dieses Buch, so viele Menschen wie möglich, und ich hoffe die Botschaft der Autorin kommt bei jedem einzelnen an.
    Hier kann es nur 5 von 5 Sternen geben, so viel Recherche und Ausdauer wie hier benötigt und mehr als gut umgesetzt wurde.

    Danke liebe Maria Braig für die Offenheit und den Mut ein solches Buch zu schreiben!



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    Datahas avatar
    Datahavor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Ein hochaktuelles Thema, das von der Autorin sehr feinfühlig und respektvoll aufgegriffen wurde.
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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    MariaBraigs avatar

    Bundesweit sucht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ca. 300 tatkräftige, mutige und entscheidungsfreudige Frauen und Männer der Deutschen Post, um für 6 – 12 Monate als Entscheider alle anhängigen Asylverfahren verantwortungsbewusst zu bearbeiten.

     Originaltext einer Ausschreibung des BAMF aus dem Jahr 2016.

     Was macht es eigentlich mit den Betroffenen beider Seiten (den Asylsuchenden genauso wie den Asylentscheider*innen), wenn völlig fachfremde Menschen in einem Crash-Kurs angelernt und nach wenigen Wochen ins kalte Wasser geworfen werden, um über menschliche Schicksale zu entscheiden?

    Dieser Frage gehe ich in meinem neuen Roman „Die Asylentscheiderin – DIE GUTEN INS TÖPFCHEN, DIE SCHLECHTEN INS KRÖPFCHEN“ nach.

     

    Das Buch gibt es ab 17. Juni 2017 in jeder Buchhandlung zum VK von 12,80 Euro. Vorab könnt Ihr es direkt bei mir bestellen. Ebenfalls direkt bei mir kostenlose Rezensionsexemplare zur Besprechung in Print- und Online-Medien anfordern: braigm@t-online.de

     Gerne lasse ich mich auch zu Lesungen aus meinem neuen, aber auch aus meinen bereits erschienenen Büchern, die allesamt die Themenbereiche Flucht/Asyl/Abschiebung behandeln, einladen.

    (Nächster Lese-Termin am 27. Juni in Köln aus "Nennen wir sie Eugenie")

    Herzliche Grüße

    Maria Braig

     

    https://diebuchwerkstatt.wordpress.com/2017/06/05/die-asylentscheiderin-neuerscheinung-17-juni-2017/

    Inhalt:
    Bundesweit sucht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ca. 300 tatkräftige, mutige und entscheidungsfreudige Frauen und Männer der Deutschen Post, um für 6 – 12 Monate als Entscheider alle anhängigen Asylverfahren verantwortungsbewusst zu bearbeiten.

    Dieser Aufruf kommt Jule, die sich in einer Lebenskrise befindet und nach Neuorientierung sucht, gerade recht.
    Sie glaubt, wenn sie dabei hilft die Flüchtlinge zu unterscheiden in solche die Schutz verdient haben und solche, die nur kommen, um ihrer Armut zu entfliehen, kann sie den wirklich Verfolgten helfen.
    Doch je mehr Fluchtgeschichten sie anhört, umso schwerer fällt es ihr, die meist verzweifelten Menschen die zu ihr kommen und deren weiterer Lebensweg von ihrer Entscheidung abhängt, in richtige und falsche Flüchtlinge einzuteilen.

    Auf einem Klassentreffen begegnet sie Cochise, die sich für offene Grenzen einsetzt. Die beiden Frauen fühlen sich voneinander angezogen, ihre unterschiedlichen politischen Ansichten führen aber immer wieder zu Konflikten.
    Dann begleitet Jule Cochise nach Griechenland, wo diese ein Prozess wegen „Schlepperei“ erwartet …

     

     



     

     

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