Maria Braig Jetzt bin ich hier

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Inhaltsangabe zu „Jetzt bin ich hier“ von Maria Braig

Zur Entstehung der Anthologie Nicht immer läuft alles nach Plan, oder eigentlich eher selten. So war es auch hier. Ursprünglich sollte dies ein Sammelband mit Texten von Flüchtlingen werden. In der Ausschreibung hieß es: Für einen Sammelband mit Geschichten von Refugees suchen wir schreibfreudige Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder (auch Zeichnungen sind willkommen). Ob Sie schon Geschichten geschrieben und vielleicht sogar veröffentlicht haben oder ob Sie es einfach einmal versuchen wollen, wir freuen uns auf jeden Beitrag. Die Texte können sich mit der Flucht, dem Asylverfahren und dem Exil beschäftigen, schön wären aber auch Geschichten aus dem alltäglichen Leben zu Hause oder einfach spannende, lustige, traurige, schöne Geschichten und Texte zu jedem beliebigen Thema. Die Anthologie soll Ihnen die Möglichkeit bieten, Ihre Texte zu veröffentlichen Den Lesern/Leserinnen den Menschen hinter dem „Flüchtling“ nahebringen Refugees als aktive Menschen wie ‚Du und Ich aufzeigen‘ und nicht die „Opferrolle“ in den Vordergrund stellen, wie die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit oft ausschließlich ist Es blieb dann aber nicht bei Texten von Flüchtlingen, es kamen einige Texte von Migrant_innen und von Menschen mit dem sogenannten „Migrationshintergrund“ dazu. Ich frage mich allerdings immer wieder, wen dieses unsägliche M-Wort eigentlich meint. Wann hört der Migrationshintergrund auf und wo beginnt er? Wie viele Generationen müssen es sein und wie viele Kilometer bis zur Grenze? Ist ein Bayer in Hamburg mehr Migrant, als ein Däne? Oder ist es die Berlinerin am Bodensee weniger als die Polin in Berlin? Und wenn schon hier beliebige Grenzen und Definitionen herhalten müssen, wo unterscheiden sich dann noch Flüchtlinge und Migranten_innen? Im Grunde ist die Unterscheidung hinfällig, wer Böses denkt, sieht hier einen weiteren Schritt des Auseinanderdividierens von Menschen, um die herrschenden Machtstrukturen besser aufrechterhalten zu können. Hier die Deutschen, mit ausländischen Wurzeln allerhöchstens vor drei Generationen (diese Rechnung erinnert fatal an die jüngere deutsche Vergangenheit), da die Flüchtlinge aus aller Welt, die man möglichst schnell wieder loswerden will, und dort die Migrant_innen, die man nicht mehr loswerden kann und zu allem Übel oft auch noch braucht. Aber die Grenzen sind fließend. Flüchtlinge sind auch Migrant_innen und Migrant_innen fliehen in den meisten Fällen auch vor irgendetwas. Sei es vor dem Alltag, der Arbeitslosigkeit, der Unmöglichkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen – es gibt unzählige solcher Gründe. Die Geschichten, die erzählt wurden, hatten so viel Gemeinsames: Manche waren wegen des Krieges hierher gekommen, manche waren importierte Bräute, manche waren wegen der Armut hier und manche von ihnen waren hier geboren worden, lebten aber die Kultur ihrer Väter. (aus: Selvinaz Entscheidung) Überarbeitete Auflage 2015 Ich freue mich sehr, dass der Verlag 3.0 Zsolt Majsai es uns ermöglicht, „Jetzt bin ich hier“ in erweiterter Auflage herausbringen zu können. Es wurde einiges überarbeitet, zwei weitere Kurzgeschichten kamen hinzu und vor allem die Texte aus der Schreibwerkstatt wurden durch neue Texte, die im Lauf des Jahres 2013 entstanden und im 6. Geschichtswettbewerb „War was? Heimat im Ruhrgebiet“ im Juni 2014 mit dem Sonderpreis zur Migrationsgeschichte des Ruhrgebiets ausgezeichnet worden sind, ergänzt. Maria Braig, im Juni 2015 Es wird darauf hinweisen, dass alle Honorare als Spende an die Flüchtlingshilfe gehen.

Ein Buch, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ich kann diese Anthologie jedem interessierten Leser wärmstens empfehlen.

— Igelmanu66
Igelmanu66
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  • Ein Buch, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

    Jetzt bin ich hier
    Igelmanu66

    Igelmanu66

    22. September 2016 um 21:29

    »Da sah ich afrikanische Leute und habe sie über Dortmund gefragt und ganz plötzlich habe ich angefangen zu weinen. Sie haben mich beruhigt und haben mir geholfen. Ich wollte sterben. Alles war fremd und viel zu viel. Ich werde diesen Tag nie vergessen.« Warum verlassen Menschen ihre Heimat? Dafür gibt es viele mögliche Gründe, manchmal sogar gute, weil einen z.B. die Liebe in die Fremde zieht. Meist jedoch geht es ganz simpel um Fragen des Überlebens, meist ist das Verlassen der Heimat nichts anderes als eine Flucht vor Krieg, Folter, Unterdrückung und/oder Hunger. In dieser Anthologie kommen Menschen zu Wort, die aus den verschiedensten Ländern nach Deutschland kamen. Ursprünglich sollten nur Texte von Flüchtlingen aufgenommen werden, es kamen dann aber noch weitere von MigrantInnen und Menschen mit Migrationshintergrund hinzu. Alles zusammen bildet eine beeindruckende Sammlung, die sowohl inhaltlich als auch von der Art der Texte her eine große Vielfalt aufweist. So finden sich neben sehr persönlichen Erfahrungsberichten Geschichten zu verschiedenen Themen, es findet sich ein umfangreicher Sachtext und einiges an Lyrik. Die Lektüre des Buchs ist entsprechend abwechslungsreich und kurzweilig. Zwar machen manche Texte sehr betroffen, andere hingegen sind einfach unterhaltsam zu lesen oder strahlen puren Optimismus aus. Beeindruckt haben mich in diesem Zusammenhang die positiven Gefühle, die in nicht wenigen Texten herauskommen, die Liebe zur alten Heimat, selbst wenn sie einem übel mitgespielt hat und die Verbundenheit mit der neuen Heimat, selbst wenn man sich dort noch fremd fühlt. Neben den Texten enthält die Anthologie auch einige sehr ausdrucksstarke und thematisch passende Bilder des Künstlers Bernard Bieling. Genau wie die Autorinnen und Autoren hat er auf sein Honorar verzichtet. Dieses geht, wie auch ein großer Teil der Erlöse aus dem Buchverkauf, an den Verein Exil e.V. in Osnabrück. Mit dem Kauf erwirbt man also nicht nur ein hochinteressantes Buch, sondern tut auch noch etwas Gutes. Fait: Ein Buch, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ich kann diese Anthologie jedem interessierten Leser wärmstens empfehlen. »Ich habe gelernt, dass Heimat nicht nur ein Ort ist, wo wir geboren sind, sondern es ist das Gefühl, das wir von Menschen bekommen, das Gefühl der Akzeptanz, der Zugehörigkeit und Liebe, und um dieses Gefühl zu entwickeln, müssen wir die Menschen zuerst akzeptieren. Wir müssen sie akzeptieren und lieben und langsam werden sie anfangen, uns zurückzulieben.«

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    • 7
  • Informativ und berührend

    Jetzt bin ich hier
    gaby2707

    gaby2707

    03. January 2016 um 13:36

    Die Herausgeberin Maria Braig gibt den hier bei uns Angekommenen eine Stimme. Sie schreiben ihre Geschichten auf, verfassen Gedichte, schreiben über Heimat und über ihre Gefühle. Über ihre alte Heimat und Deutschland, das sie sich ganz langsam als neue Heimat aneignen. Sie berichten, wie schwer es ist, die Heimat zu verlassen, von den Gründen, warum sie ihre Heimat verlassen haben oder mussten. Sie kommen in einer neuen Welt an, wo niemand ihre Sprache spricht, wo niemand sie versteht, wo alles soviel größer und schöner ist. Aber auch von einer Welt, wo sie in Sammelunterkünften hausen müssen, keinerlei Privatsphäre haben oder fürchten müssen, gleich wieder abgeschoben zu werden. Es ist ein bedrückendes, berührendes Buch mit Geschichten, die mich betroffen gemacht haben. Aber viele Geschichten sprechen auch von Hoffnung und Dankbarkeit. Vervollständigt wird das Buch mit Zeichnungen und Bildern, die sich wunderbar an die Erzählungen angliedern. Die große Schrift macht das Lesen leicht und ich habe nach jeder Geschichte eine kurze Pause gemacht um das Gelesene auf mich wirken zu lassen. Gerade jetzt, wo die Diskussionen über die vielen Flüchtlinge, die aus Krisengebieten zu uns kommen, und deren Integration besonders stark ist, passt dieses Buch sehr gut. Ich wünsche mir, dass viele Menschen dieses Buch zur Hand nehmen und die einfühlsamen, ganz besonderen Geschichten lesen.

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  • Rezensionsexemplare zu verschenken - Experiment

    Nennen wir sie Eugenie
    MariaBraig

    MariaBraig

    29. June 2014 um 13:27

    Ich starte hier und heute das Experiment: Rezensionsexemplare zu verschenken. Von Juli 2014 bis Dezember 2014 erhält in jedem Monat ein Rezensionsexemplar eines meiner Bücher, wer die meisten Veröffentlichungsangebote macht. Lovelybooks ist selbstverständlich, alles andere der Rezensentin/dem Rezensenten überlassen (Bücherblog, Printmedien, Shops, ....) Die Rezension soll bis zum Ende des folgenden Monats erscheinen und die Links dazu hier eingestellt werden. Es gibt pro Monat immer nur ein Buch pro Rezensent/in, Ihr könnt Euch aber selbstverstänbdlich später erneut für das zweite Buch bewerben. Für ganz Schnelle gibt es auch noch ein Exemplar für Juni :-) Los geht's

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  • Leserunde zu "Jetzt bin ich hier" von Maria Braig

    Jetzt bin ich hier
    MariaBraig

    MariaBraig

    Dies ist meine erste Leserunde, die ich eröffne. So ganz klar ist mir noch nicht, wie dsa funktioniert, ich hoffe aber, ich mache es richtig. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mitmacht und wir uns über das Buch austauschen können. Nicht immer läuft alles nach Plan, oder eigentlich eher selten. So war es auch hier. Ursprünglich sollte dies ein Sammelband mit Texten von Flüchtlingen werden. Es blieb dann aber nicht bei Texten von Flüchtlingen, es kamen einige Texte von Migrant_innen und von Menschen mit dem sogenannten „Migrations-hintergrund“ dazu. Ich frage mich allerdings immer wieder, wen dieses unsägliche M-Wort eigentlich meint. Wann hört der Migrationshintergrund auf und wo beginnt er? Wie viele Generationen müssen es sein und wie viele Kilometer bis zur Grenze? Ist ein Bayer in Hamburg mehr Migrant, als ein Däne? Oder ist es die Berlinerin am Bodensee weniger als die Polin in Berlin? Und wenn schon hier beliebige Grenzen und Definitionen herhalten müssen, wo unterscheiden sich dann noch Flüchtlinge und Migranten_innen? Im Grunde ist die Unterscheidung hinfällig, wer Böses denkt, sieht hier einen weiteren Schritt des Auseinanderdividierens von Menschen, um die herrschenden Macht-strukturen besser aufrechterhalten zu können. Hier die Deutschen, mit ausländischen Wurzeln allerhöchstens vor drei Generationen (diese Rechnung erinnert fatal an die jüngere deutsche Vergangenheit), da die Flüchtlinge aus aller Welt, die man möglichst schnell wieder loswerden will, und dort die Migrant_innen, die man nicht mehr loswerden kann und zu allem Übel oft auch noch braucht. Aber die Grenzen sind fließend. Flüchtlinge sind auch Migrant_innen und Migrant_innen fliehen in den meisten Fällen auch vor irgendetwas. Sei es vor dem Alltag, der Arbeitslosigkeit, der Unmöglichkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen - es gibt unzählige solcher Gründe.

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