Maria Jansen

 4,7 Sterne bei 6 Bewertungen
Autor*in von Schura und Maserungen.

Lebenslauf

Maria Jansen, geboren 1988 in Petrosawodsk, Russland, immigrierte im Alter von acht Jahren mit Eltern, Großeltern und Bruder nach Deutschland. Sie studierte Germanistik und Philosophie in Düsseldorf und Innsbruck sowie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Sie ist Gewinnerin des Publikumspreises beim Literaturwettbewerb Wartholz 2018 und bekam mehrere Stipendien für ihren Debütroman. Sie lebt und schreibt in Berlin.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Schura (ISBN: 9783312013197)

Schura

 (6)
Neu erschienen am 23.04.2024 als Taschenbuch bei Nagel & Kimche.

Alle Bücher von Maria Jansen

Cover des Buches Schura (ISBN: 9783312013197)

Schura

 (6)
Erschienen am 23.04.2024
Cover des Buches Maserungen (ISBN: 9783903406018)

Maserungen

 (0)
Erschienen am 16.02.2022

Neue Rezensionen zu Maria Jansen

Cover des Buches Schura (ISBN: 9783312013197)
Karola_Dahls avatar

Rezension zu "Schura" von Maria Jansen

Unverarbeitete Trauer und ein wenig märchenhafte Magie
Karola_Dahlvor 5 Monaten

Das Cover verdeutlicht bildlich, wie die junge Hauptfigur Schura auseinander fällt und lautlos weint in ihrer traumatischen Trauer. In dieser russischen Familiengeschichte geht es um die junge Schura und ihrem besonders engen Verhältnis zu ihrem ältesten Bruder Kostja, der plötzlich verschwindet. Ihr Zusammenleben mit Großeltern, Eltern und ihren älteren Brüdern in einer russischen Stadt in Karelien und auf der Datscha ihrer Großeltern wird umfassend liebevoll, teils mit deftig herbem Wortschwall beschrieben. In ihrer trauernden Seelenwanderung besonders während ihres Medizinstudiums bei Anatomiestudien erfolgt nach jahrelanger Wut und Feindseligkeit gegenüber ihrer Umwelt ein unerwartetes Wiedersehen mit Kostja – nur für sie sichtbar, geschaffen aus Erinnerungen und Traurigkeit. Beim Sezieren zwischen Brust und Bauchhöhle empfindet sie das dazwischen liegende Zwerchfell als Sitz der Seele vergleichbar mit der Rolle von Kostja in ihrer Familie. Mit der Romanfigur der Babka Jasja kommt ein märchenhaftes Erzählelement mit heidnischer Magie des slawischen Kulturraums ins Spiel, der der schwermütigen russischen Seele Erleichterung verschafft bis zur Erlangung neuer Freiheiten. Russisch/kyrillisch durchzieht das Buch zusammen mit Beschreibungen zu typischem Brauchtum und Ritualen. Ein interessanter, feinfühliger, bildhafter Sprachstil mit kreativen Wortkombinationen.

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Cover des Buches Schura (ISBN: 9783753000763)
Ingrid_Menzels avatar

Rezension zu "Schura" von Maria Jansen

Wenn der Verlust eines Menschen zu einer neuen Chance im Leben wird...
Ingrid_Menzelvor einem Jahr

Die Autorin Maria Jansen, geboren 1988 in Petrosawodsk, Russland, immigrierte im Alter von acht Jahren mit Eltern, Großeltern und Bruder nach Deutschland . In literarischer Dichte und mit viel psychologischen Feingefühl wird dieser Roman zu einem  Ausdruck  ihrer tiefen Verbundenheit zu ihrer Kultur, mit alten russisch-slawischen Mythologien und der Sehnsucht nach dem ursprünglichen Leben, Denken und Sein. 

Protagonistin ist Schura, das fünfte Kind und einzige Mädchen in einer russischen Familie, und wächst in "einer kleinen kalten Hauptstadt" auf. . Statt in der Obhut ihrer Eltern ist sie eher ständig in Begleitung ihrer Brüder Kostja, Mischa, Fedka und Grischa. Mutter und Vater sind emotional abwesend, aber auch streng. Schura weiß sich abzugrenzen und zu verteidigen. Es isr Kostja, ihr 10 Jahre älterer Bruder, zu dem sie das größte Vertrauen aufbauen kann, der von seinen drei jüngeren Brüdern eher als Schwächling angesehen wird. Diese führen Schura unverhohlen in ihre Welt ein, eine Welt, die sehr rauh ist und viele Übergriffe der Jungens zulässt. Schura entwickelt eine sehr harte Schale, weiß sich  vehement zu behaupten und läßt wenig Nähe von anderen zu, was sie aber auch in eine Isolation treibt, die echte Freundschaften verhindert. Halt geben ihr die Großeltern, Babuschka und Deduschka, wo sie immer die Sommerferien und viel Freizeit verbringt. Die beiden leben auf einer Datscha auf dem Land und verkörpern für Schura ein Stück Heimat, was ihr Geborgenheit und Sicherheit gibt und eine echte Alternative zu dem umtriebigen Stadtleben ermöglicht. 

"Babuschka und Deduschka lebten im Rhythmus eines Kartoffellebens. Sie wechselten ihren Hauptwohnsitz im Mai, wenn der Frost nachließ und sie Kartoffeln pflanzen konnten, und kehrten im September in ihre Stadtwohnung zurück, wenn die letzten Knollen ausgegraben waren..." Schura findet sich in diesem ländlichen Leben in einer Struktur wieder, die ihr Kraft gibt und ihre Naturverbundenheit stärkt. 

Eines Tages verschwindet Kostja. Vergeblich das Suchen und die Hoffnung, dass er zurückkommt. Für Schura ist das ein großer Verlust mit traumatischen Folgen, der sie nicht nur in die Entfremdung mit ihrer Familie führt, sondern sie auch in  irrationalem Denken und Verhalten gefangen hält.. Mt der weisen alten Baba Jasja findet sie schließlich einen realistischen Zugang zu ihrer Trauer und bekommt eine Ahnung davon, die Perspektive wechseln zu können. Der Geschmack von Freiheit bahnt sich ihren Weg.....

Der Roman ist ein literarisches Kleinod, das  nicht durch spektakuläre Ereignisse punktet, sondern durch die Seelenwanderung einer jungen Frau, die sich in ihrer Verlorenheit entwickelt zu einem bewussten jungen Menschen, der seinen Weg sucht und geht. Gleichzeitig die russische Seele, die tiefgründig Hintergründe erforscht und auch den Weg zu den Ahnen nicht verschließt, die eine nicht unbedeutsame Wirkung haben auf den Fortgang der menschlichen Entwicklung und Sozialisation. 

Ein Roman, der meine absolute Leseempfehlung erhält !!! 

Cover des Buches Schura (ISBN: 9783753000763)
KikiAnderss avatar

Rezension zu "Schura" von Maria Jansen

Sprachlich ein Juwel - Schwermütig liegt die russische Seele hier aufgeschlagen vor uns
KikiAndersvor einem Jahr

Schura ist die jüngste von fünf Kindern. Und das einzige Mädchen. Die Mutter ist lieblos, der Vater meist betrunken. Ihr Vorbild und Beschützer ist Kostja, ihr ältester Bruder. Liebe und Geborgenheit findet sie bei Babuschka und Deduschka. 

Wer oder was Babuschka und Deduschka sind, musste ich erst nach und nach erfahren. Die Namen sind die russischen Kosewörter für "Oma" und "Opa". Die russischen Bezeichnungen allein sind schon ein Einstieg tief in russische Seelen, Familienverhältnisse, Lebensweise. 

Kostja - auch wieder eine Verniedlichung, wie oft in der osteuropäischem Sprache und namentlich "Koschtschej" (der Unsterbliche) - starb. Und ist doch wieder da. Zwar nach einigen Jahren, aber jetzt eng an der Seite seiner kleinen Schwester Schura. 

Er gibt ihr Tipps und Hinweise, auch bei einer Schlägerei zwischen den lebenden Geschwistern und einer Bande nach einer Verunglimpfung. Was die Verunglimpfung genau war, bleibt für Leser, die nicht russisch sprechen, bzw. kyrillisch lesen können im dunklen. Man kann es nur ahnen. Russisch/kyrillisch durchzieht das Buch, auch der Schlusssatz ist auf kyrillisch. Ich fand das gar nicht störend. Im Gegenteil. Die Fantasie wird noch mehr angeregt, beim Versuch, durch diese tiefe, dunkle, kalte, unheilschwangerer Familiengeschichte einzutauchen und sie in sich aufzusaugen.

Es ist kein leicht zu lesender Roman. Doch es lohnt sich. Darin stehen Sätze, die zum Niederknien schön sind. Sätze, die aus Wortkompositionen gewebt sind, die noch niemals jemand zuvor gewebt hat. Und trotzdem nicht krude sind, sondern für jeden, der nur einen dieser Sätze liest, sofort verständlich sind und und bis aufs Mark nachfühlbar sind. 

Ein Beispiel: "Am Küchentisch, im Wohnzimmer, im Bad, überall wurde ich mit einer Lücke konfrontiert. Ich hatte vergessen,, dass der Schmerz über den Verlust eines Menschen am selben Ort entstand, an dem alle Erinnerungen an ihn gespeichert waren. " Oder "Streit war in unserer Familie wie Unkraut in ... Beeten: vertraut und ungemein anstrengend." Oder "Die Liebe ist das einzige Vergnügen, das umsonst ist." Oder "Meine Zunge war pelzig von dem zu süßen Pulverkaffee und schwer vom Zuhören." Oder "Sie sagte etwas Rührseliges, was mein Herz um einen weiten Bogen verfehlte."

Das sind nicht die besten Beispiele, es gibt noch viel mehr, die ich leider nicht angemarkert habe und jetzt gerade nicht finde. Eine Geschichte, die eine Mischung aus literarischem Roman und Fantasy ist und es schafft, sehr viel in russisches Alltagsleben und sein Brauchtum und Rituale zu vermitteln. Schön und traurig. 

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