Drei Worte auf einmal

von Maria Knissel 
4,5 Sterne bei4 Bewertungen
Drei Worte auf einmal
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Eine bewegende Geschichte über Musik, Behinderung und Bruderliebe.

UlrikeSosnitzas avatar

Unbedingt empfehlenswert.

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Inhaltsangabe zu "Drei Worte auf einmal"

Rüsselsheim, späte 70er Jahre. Zwei Brüder müssen zueinander finden. Klaus, der ältere, ist schwer behindert. Chris, der jüngere, lebt für seine Musik. Über die Musik findet er nicht nur einen Weg zu sich, sondern auch zu seinem Bruder.
Auf der Grundlage einer wahren Begebenheit erzählt Maria Knissel schnörkellos und mitreißend die Geschichte zweier Brüder, die lernen, einander zuzuhören und sich gegenseitig zu bereichern. Unterhaltung mit Tiefgang - eine Art "Ziemlich beste Brüder".

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783942921824
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:365 Seiten
Verlag:Societäts-Verlag
Erscheinungsdatum:01.01.2012

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    NiWas avatar
    NiWavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine bewegende Geschichte über Musik, Behinderung und Bruderliebe.
    Eine bewegende Geschichte über Musik und Bruderliebe


    Chris ist ein normaler Junge. Er mag Fußball, seine Noten sind ok und endlich darf er wie sein Vater das Saxophon spielen. Immer schaut er zum großen Bruder Klaus auf, der lässig in seinem verrauchten Zimmer sitzt und die Beatles liebt. Doch dann klopft es eines Nachts an der Tür und damit ändert sich das ganze Leben. Klaus hatte einen Motorradunfall und wird nie mehr derselbe sein.

    Maria Knissel hat einen ergreifenden Roman geschrieben. Es geht um Behinderung, um Perspektiven und um die menschliche Würde. Gleichzeitig spielt Musik eine wichtige Rolle, die dem tristen Alltag eine schöne Note gibt.

    Chris ist ein kleiner Junge als der ältere Bruder Klaus mit dem Motorrad verunglückt. Er weiß noch wie Klaus ganz leger in seinem Zimmer saß, eine Zigarette im Mundwinkel und voller Optimismus in die Zukunft sah. An mehr erinnert er sich von damals nicht. Klaus hat es schlimm erwischt und er hat es grad noch so geschafft. Geistig und körperlich behindert, wird nun das familiäre Leben von seinen Bedürfnissen bestimmt und die Familie ergibt sich der Hilflosigkeit.

    Die Geschichte von Chris und Klaus spielt in den 70er-Jahren und beruht auf einer wahren Begebenheit. Zwar sind etliche Elemente erfunden, dennoch gab es Klaus wirklich, der hier stellvertretend für verunfallte Koma-Patienten steht. Dabei erstreckt sich die Erzählung über mehrere Jahrzehnte und man sieht, dass sich bei der Behandlung und Therapie solcher Patienten etliches getan hat.

    Zuerst erlebt man die erschreckende Situation, wie aus dem vitalen, großen Bruder mit den langen Haaren ein hilfloses, kahlrasiertes Bündel geworden ist. Der Mund steht offen, Sabber rinnt ihm aus dem Mundwinkel und Chris kann nicht begreifen, was da geschehen ist.

    Mich hat gewundert, dass die Eltern nicht mit ihm über Klaus gesprochen haben. Niemand hat ihm erklärt, was ihm zugestoßen und wie nun mit dem großen Bruder umzugehen ist. Sie haben Chris einfach ausgeklammert und sich nur mehr auf Klaus konzentriert. Chris ist keinesfalls böse auf Klaus, sondern ich hatte das Gefühl, dass er der Einzige ist, der ihn genauso liebt wie er ist. Als Musiker weiß er wie wichtig es ist, zuzuhören und dringt dadurch zu seinem großen Bruder vor.

    So spielt die Musik durchgehend eine große Rolle. Chris ist begeisterter Saxofonist und gibt sich im späteren Berufsleben der Musik hin. Dabei ist es immer Klaus, an den er denkt, weil ihm der große Bruder sehr wichtig ist.

    Die Musik an sich sind die wenigen fröhlichen Momente, denn der gesamte Roman ist von einer schwermütigen Atmosphäre durchtränkt: die Mühe der Eltern, das harte Leben, das dadurch entsteht, und die Hilflosigkeit gegenüber der Behinderung, mit der sie umgehen müssen.

    Maria Knissel geht vor allem auf den Umgang mit behinderten Menschen ein. Sie zeigt, dass sie für die Gesellschaft häufig gar nicht mehr ‚menschlich‘ sind. Sie werden selten persönlich angesprochen oder ihnen wird kaum echte Hilfestellung gewährt. Es gilt, das ‚Problem‘ so rasch wie möglich aus den Augen zu schaffen, weil sich niemand damit auseinandersetzen will.

    Chris begehrt sein Leben lang gegen diese Einstellung auf und schafft es, dass sich Klaus zumindest in seiner Gegenwart als Mensch fühlen kann.

    „Drei Worte auf einmal“ ist daher eine bewegende Geschichte über Musik, Behinderung und Bruderliebe, die ich interessierten Lesern ans Herz legen kann.

    Kommentare: 5
    127
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    Sabine17s avatar
    Sabine17vor 4 Jahren
    Wenn das Schicksal zuschlägt

    Maria Knissel erzählt sehr eindrucksvoll die Geschichte von Chris und seinem Bruder Klaus. Die beiden wohnen mit ihren Eltern in Rüsselsheim und an dem Tag, an dem man die Leiche von Hanns Martin Schleyer findet, verunglückt Klaus schwer mit seinem Motorrad. Er hat ein Schädel-Hirn-Trauma und liegt anfangs im Koma.

    1977 war es noch nicht üblich mit diesen Patienten Therapien und tägliche Übungen zu machen, um möglichst viele ihrer alten Fähigkeiten wiederherzustellen.

    Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Chris. Als sein Bruder verunglückt, ist er 11 Jahre alt und seine Eltern erzählen ihm wenig und erklären noch viel weniger. Die nächsten Wochen sind sie täglich im Krankenhaus. Als sie ihn endlich einmal mitnehmen, ist nicht auf das vorbereitet, was ihn erwartet. Chris lebt für den Fußball, doch seine Eltern nehmen von seinen Leistungen nun keine Notiz mehr. Auch in der Schule geht es bergab und Chris wird dort zunehmend aggressiv. Schließlich muss er vom Gymnasium auf die Realschule wechseln. Allein sein Saxofon spendet ihm noch Trost.

    Seine Eltern sind so sehr mit ihren Sorgen, um den Bruder beschäftigt, dass sie Chris‘ Ängste und Nöte nicht sehen.

    Die häusliche Situation bessert sich auch nicht, nachdem die Eltern den sehr pflegebedürftigen Klaus nach Hause holen. Chris versucht immer wieder, einen Zugang zu seinem Bruder zu bekommen.Doch das ist nicht einfach.

    Dieses Buch hat mich trotz seiner nüchternen Art sehr berührt. Es war erschreckend zu lesen, wie der Unfall von Klaus das Leben seiner Eltern und seines Bruders beeinträchtigt und seitdem bestimmt hat.

    Nebenbei erfährt man noch, wie sich in späteren Jahren in der Medizin viel in der Behandlung und Betreuung von Patienten mit Hirnverletzungen geändert hat.

     

    Fazit: ein interessantes Thema, gut aufgearbeitet, mit einem eindrucksvollen Blick in das Leben der Angehörigen, nüchtern erzählt und dabei doch sehr betroffen machend – sehr empfehlenswert!

     

     

    Kommentare: 10
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    BrittaRoeders avatar
    BrittaRoedervor 5 Jahren
    Wer es nicht gelesen hat, hat was versäumt

    Es ist die bewegende (auf einer wahren Geschichte beruhende) Lebensgeschichte zweier ungleicher Brüder. Der eine durch einen Motorradunfall schwerstbehindert, der andere gesund. Maria Knissel schreibt mit viel Liebe zum Detail und verliert sich dennoch nie im Unwesentlichen. Sie beschreibt gefühlvoll und doch niemals kitschig. Sie schafft es dem Leser ein Außenseiterschicksal wirklich nahe zu bringen und dabei immer die Würde ihrer Protagonisten zu wahren. Ja man könnte sogar sagen, dass sie ihnen erst die verdiente Würde verleiht. Ein Buch, das mich sehr bewegt hat und lange nachwirkt nachdem man es weg gelegt hat.  Das Thema ist anspruchsvoll, und auch sehr ernst, aber der Roman ist immer gut und leicht zu lesen.

    Kommentare: 1
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    UlrikeSosnitzas avatar
    UlrikeSosnitzavor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Unbedingt empfehlenswert.

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