Marian Engel

 3,9 Sterne bei 29 Bewertungen
Autor*in von BÄR und Bear (English Edition).

Lebenslauf

Marian Engel (1933-1985) wurde in Toronto, Kanada, geboren. Sie studierte Franzöisch in Aix-en Provence und arbeitete als Übersetzerin in England. Für ihr Werk wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Toronto Book Award. »Bär« ist ihr bekanntester Roman, den sie 1976 veröffentlichte und für den sie mit dem General Gouverneurs Award, dem wichtigsten literarischen Preis Kanadas, ausgezeichnet wurde. Marian Engel war 1973 Gründungsmitglied und erste Vorsitzende der Writer‘s Union of Canada.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Marian Engel

Cover des Buches BÄR (ISBN: 9783442759569)

BÄR

(28)
Erschienen am 28.02.2022
Cover des Buches Bear (English Edition) (ISBN: B08Z852PVX)

Bear (English Edition)

(1)
Erschienen am 29.04.2021

Neue Rezensionen zu Marian Engel

Cover des Buches BÄR (ISBN: 9783442759569)
S

Rezension zu "BÄR" von Marian Engel

Schwaetzchen
Ein literarisches Juwel aus Kanada

Als der Roman „Bär“ der kanadischen Autorin Marian Engel 1976 erschien, löste er einen Skandal aus.
 In konservativen Kreisen galt das Werk als obszön, als literarischer Tabubruch. Heute, fast fünfzig Jahre später, lässt sich das Buch mit dem nötigen Abstand lesen, als das, was es vor allem ist: ein leises, hochkonzentriertes Meisterwerk über Einsamkeit, Selbstermächtigung und die Suche nach Nähe jenseits gesellschaftlicher Normen.

Die äußere Handlung klingt zunächst einfach: Lou, eine zurückgezogen lebende Bibliografin, wird von ihrem Chef auf eine abgelegene Insel im Nordosten Ontarios geschickt. Dort soll sie eine Privatbibliothek katalogisieren, die dem Historischen Institut, für das sie arbeitet, vererbt wurde.

Für Lou, die den Rückzug aus der Welt nicht fürchtet, sondern ersehnt, klingt diese Aufgabe wie ein Geschenk. Auf der Insel angekommen, erfährt sie, dass zum Anwesen ein Bär gehört, den sie verpflegen soll. Dieser Bär fasziniert sie noch mehr, als die Bücher, die die Familie des weiblichen Colonel hinterließ. Sie versucht, entgegen aller Warnungen, eine Beziehung zu diesem Tier aufzubauen, die mit der Zeit über ein übliches Maß an Tierliebe hinauswächst. Engels Beschreibung dieser Beziehung ist kühn, teilweise verstörend, aber auch von einer zärtlichen, beinahe unangenehmen Ehrlichkeit.

Was auf den ersten Blick wie eine bizarre Grenzüberschreitung anmutet, kann man als tiefenpsychologisches Porträt einer Frau lesen, die sich langsam, tastend aus gesellschaftlichen Zuschreibungen und Zwängen löst. Lou ist keine Heldin im klassischen Sinn, aber sie ist mutig in ihrer Unangepasstheit. Dass sie sich dem Tier näher fühlt als den Menschen, die sie in der Stadt zurückließ, lässt sich als Anspielung auf die Verlassenheit, ja Vereinsamung moderner Frauen lesen, in einer Welt, die stark von Männern dominiert ist.

Marian Engel, deren Hauptfiguren starke Frauen sind, wird in der kanadischen Gegenwartsliteratur in eine Reihe mit Alice Munro und Margaret Atwood gestellt, was ich nach der Lektüre ihres Buches „Bär“ sehr gut nachvollziehen kann.

Ihr Erzählstil ist unaufgeregt, lakonisch, nie anklagend, obwohl es Gründe dafür gäbe, denn sie wird als selbstständige und taffe Frau von Männern in allen Bereichen entsprechend den patriarchalen Klischees behandelt.

Dass diese ungewöhnliche Geschichte, übersetzt von Gabriele Brößke, in einer Neuauflage (btb 2022) mit einem interessanten Nachwort der Schriftstellerin Kristine Bilkau erschienen ist, ist ein Glück für alle, die Marian Engel jetzt für sich entdecken können.

Marian Engel starb 1985 im Alter von nur 51 Jahren. Wer weiß, welche Geschichten sie uns noch erzählt hätte. Geschichten, die, wie „Bär“, mutig genug sind, dorthin zu gehen, wo es wehtut, und dabei eine ungeahnte Schönheit finden.

„Bär“ ist kein Skandalroman. Er ist ein literarisches Kleinod. Wild, zart, und unbedingt lesenswert. 


Cover des Buches BÄR (ISBN: 9783442759569)
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Rezension zu "BÄR" von Marian Engel

simone_richter
Weibliche Sexualität anders geschildert, roh, grenzensprengend und provokant

Marian Engel wurde 1933 geboren und starb 1985. Sie gilt als  eine der bedeutendsten kanadischen Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit. Nur "Bär", ihr 1976 erschienener Roman, ist bislang in deutscher Übersetzung erhältlich, nun in einer Neuauflage von 2022.  

Lou ist Bibliothekarin und pflegt eher ein tristes Leben zwischen den staubigen Akten und Büchern. Sie hat ein leidenschaftsloses Verhältnis zum Direktor ihres Instituts. Dieser schlägt ihr aus Recherchegründen vor, in den Norden nach Kanada, in ein abgelegenes Haus zu reisen. Inmitten der einsamen, aber schönen Natur sichtet sie das Archiv der damaligen Hausbesitzer und muss auch einen alten gezähmten Bären betreuen.

Ein starker Roman, der mich in der ersten Hälfte voll in seinen Bann gezogen hat, mit dem Finden der Archivarin und den wundervollen Naturbeschreibungen. Er ist sachlich und nicht verklärt. Dann verlässt er jedoch mehr und mehr die realistische Erzählebene und irritiert und provoziert. Da geht nämlich Lou eine Liebesbeziehung mit dem Bären ein. Dieser Tabubruch verstört auch mich, aber er kann auch als Emanzipationsgeschichte gelesen werden. Nämlich als körperliche Selbstfindung. Denn von nun an wird sie nie wieder mit dem Museumsdirektor Sex auf dem Schreibtisch haben. Am Schluss schläft Lou noch mit dem freundlichen Nachbarn, das aber keine Spuren hinterlässt. Auf alle Fälle ein aufregender Roman mit einer ungewöhnlichen Protagonistin.

Wo verläuft die Grenze zwischen Tierlebe und Ausbeutung. Ist es richtig so etwas zu schreiben, um weibliches Begehren zu wecken. Das wird diskussionswürdig in klarer Sprache erzählt und mit vielen Metaphern. Lou unterdrückt den Bären und entrinnt selber ihrer eigenen Unterdrückung. 

Wichtig fand ich auch das Nachwort zum Roman von der Schriftstellerin Kristine Bilkau, welches den Roman rund macht. 



Cover des Buches BÄR (ISBN: 9783442759569)
F

Rezension zu "BÄR" von Marian Engel

fredefinske
Nicht kuschelig, sondern rau

Bereits 1976 erschienen , gehört Bär von Marian Engel wohl zu den Wegbereitern der feministischen Literatur, zu den ersten Büchern, die mit der weiblichen Sexualität spielen, sie ausleben und auf eine neue Ebene des Möglichen heben. 

Es geht um Lou, eine Bibliothekarin, die einsam in ihrem Haus lebt, für die Arbeit aus ihrer Höhle kommt und sich nach Berührung sehnt. Nur kennt sie niemanden in der Umgebung und hat stattdessen Sex mit dem Direktor des Instituts, bei dem sie arbeitet. Als sie im Sommer auf einer Insel den Nachlass von Oberst Jocelyn Cary katalogisieren soll, fragt sie sich zunächst, wie sie die absolute Einsamkeit überleben soll, doch sie ist nicht alleine: Auf der Insel lebt ein Bär, um den sie sich ebenfalls zu kümmern hat - hat ihr vorher nur niemand etwas von gesagt. Sein Fell ist kuschelig, seine Zunge rau, Lous Lust sprüht farbenfroh. 


Engel beschreibt die Beziehung zwischen Mensch und Natur, den Wandels Lous in Bezug auf den Ortswechsel, das Alleinsein und die neugewonnene Gesellschaft großartig, eröffnet Perspektiven und lässt viel Raum zur Interpretation. Sprachlich hatte ich Probleme, wirkt die Sprache oftmals doch ein wenig antiquiert, die Handlung ließ mich ein wenig zurückhaltend zurück. Dennoch: Ein wichtiges, fortschrittliches Werk!

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