Marica Bodrožić

 4 Sterne bei 23 Bewertungen

Lebenslauf von Marica Bodrožić

Marica Bodrožić wurde 1973 in Kroation geboren, zog aber bereits mit 10 Jahren nach Deutschland, wo sie eine Liebe zur deutschen Sprache entwickelte. Nach dem Abitur ging sie nach Frankfurt a. M., um dort Kulturanthropologie, Psychoanalyse und Slawistik zu studieren. Ihre ersten Erzählunge befassen sich mit der ihrer Vergangenheit und ihrem Herkunftsland, während sie sich in ihrer späteren Literatur mit Themen wie Mystik, Transzendenz, Erotik, Weiblichkeit und Liebe auseinandersetzt. Für ihre Werke wurde Marica Bodrožić mehrfach ausgezeichnet. Heute lebt sie in Berlin

Alle Bücher von Marica Bodrožić

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Das Gedächtnis der Libellen

Das Gedächtnis der Libellen

 (7)
Erschienen am 09.04.2012
Ein Kolibri kam unverwandelt

Ein Kolibri kam unverwandelt

 (4)
Erschienen am 29.01.2007
Sterne erben, Sterne färben

Sterne erben, Sterne färben

 (4)
Erschienen am 12.09.2016
Tito ist tot

Tito ist tot

 (3)
Erschienen am 04.08.2005
Der Spieler der inneren Stunde

Der Spieler der inneren Stunde

 (2)
Erschienen am 01.01.2005
Lichtorgeln

Lichtorgeln

 (1)
Erschienen am 24.07.2008
Kirschholz und alte Gefühle

Kirschholz und alte Gefühle

 (1)
Erschienen am 08.09.2014
Das Wasser unserer Träume

Das Wasser unserer Träume

 (1)
Erschienen am 12.09.2016

Neue Rezensionen zu Marica Bodrožić

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Elisabeth87s avatar

Rezension zu "Das Gedächtnis der Libellen" von Marica Bodrožić

Rezension zu "Das Gedächtnis der Libellen" von Marica Bodrozic
Elisabeth87vor 7 Jahren

Wer aber macht das Muster, das wir unser Leben nennen? Bin ich es, das Schweigen, oder sind es doch heimlich die anderen? Die, die draußen sind, außerhalb unserer Stille, alle Menschen, die wir kennen, die andere Namen tragen, anders aussehen als wir, andere Bücher lesen, und jene, die wir zeitgleich mit ihnen lesen, erzählen uns jeweils etwas anderes über uns und über die Welt.

Inhalt:
Marica Bodrožic erzählt in dem Buch „Das Gedächtnis der Libellen“ die Geschichte einer unmöglichen Liebe, von einer Frau, die schließlich von ihrem verheirateten Liebhaber Abschied nehmen muss und sich fragt, ob ihr Leben ohne diese Liebe überhaupt einen Sinn hat.

Zu Beginn des Buches sind die Tage noch schön, die Hauptperson namens Nadeshda fährt nach Amsterdam, um sich dort mit ihrem Geliebten Ilja zu treffen. Sie trägt Schuhe mit hohen Absätzen und freut sich schon auf Iljas Küsse. Auf dieser Reise erkennt Nadeshda jedoch, dass sie in Träume und Sehnsüchte verstrickt ist, die vermutlich niemals in Erfüllung gehen werden. Sie hat den Wunsch Ilja ganz für sich zu gewinnen, obwohl sie tief in ihrem Inneren sehr wohl weiß, dass sich dieser Wunsch niemals erfüllen wird. Denn Ilja hat sie nie hinters Licht geführt: Von der ersten Begegnung an sprach er davon, dass ihre Liebe keine Zukunft haben könne. Das hindert ihn aber keineswegs daran, Nadeshda dennoch weiterhin seine Liebe zu erklären.

Dieser Roman erzählt eine bedingungslose, jedoch auswegslose Liebesgeschichte und auch zugleich einen beispiellosen Verlust. Denn sie muss nicht nur Abschied nehmen von dem Mann, denn sie über alles liebt, sie muss auch von sich selbst als der Liebenden dieses Mannes Abschied nehmen. Dieser Abschied führt sie jedoch zu sich selbst und in ihre Vergangenheit zurück. Und diese Abschiede fallen Nadeshda vor allem deshalb so schwer, weil sie nicht weiß, wie sie weiterleben soll, ohne Ilja, wie sie sich jetzt in ihrem Leben definieren soll.

Meine Meinung:
Ich habe mir dieses Buch rein zufällig herausgepickt, weil mich das Cover fasziniert hat. Nach einigem Lesen der ersten Seiten des Buches wurde mir klar, dass ich unbedingt erfahren muss, wie diese Geschichte weitergeht. Nadeshda ist am Balkan geboren und kommt zum Studieren nach England und später nach Paris. Sie fühlt sich wohl, ihre richtige Heimat findet sie dann jedoch erst in Berlin, das für sie das Sinnbild eines Neuanfanges ist.

Sie beginnt ein Studium der Physik, welches sie jedoch nach einiger Zeit wieder abbricht, um sich dem Studium der Literatur zu widmen. Genau wie ich, hat sie eine große Leidenschaft für Bücher und für Sprachen, was sie mir auf Anhieb sympathisch gemacht hat.

Ich mag Leute, die sich fremd in fremden Sprachen werden, bis die fremden Sprachen ihre Sprachen werden, bis alles fremd wird im Detail, weil doch das Menschsein an sich, en gros und en détail, das Fremde ist.

Als Leser verfolgt man ihre vielen Treffen mit Ilja, betrachtet diese kritisch und wundert sich teilweise, warum sie sich immer wieder mit ihm trifft, obwohl es klar ist, dass er ihr keine gemeinsame Zukunft geben kann. Mir war zwar klar, dass Nadeshda Ilja über alles liebt, aber mir wäre die Rolle der Geliebten und Ehebrecherin ehrlich gesagt nicht genug. Ich würde mich erstens niemals auf so etwas einlassen und zweitens die Beziehung sofort beenden, falls ich doch einmal in so eine Lage kommen sollte. Teilweise konnte ich ihre Handlungsweisen also wirklich nicht nachvollziehen. Dann jedoch macht sie wieder Aussagen, die nicht nur wunderschön sind, sondern die so passend sind, dass sie teilweise auch auf mein Leben zutreffen könnten, obwohl ich weder von meinen Eltern verlassen wurde, als ich noch klein war, noch jemals einen Krieg direkt miterlebt habe:

Ein Gedächtnis gleicht einem lange verschlossenen Haus. Es gibt unbekannte Zimmer in ihm, Schlüssel, die noch nie benutzt worden sind.

Ein einziger Kritikpunkt, den ich anmerken muss, gibt es jedoch. Ich hatte auf eine Auflösung des ganzen gehofft, es löst sich zwar das Rätsel um die Handlungen des Vaters und um ihre Rolle in dem kleinen Dorf im Balkan. Man versteht im Laufe der Geschichte die Gründe für ihre einsame Kindheit und das Verhalten der Mitmenschen. Aber die Auflösung der Liebesgeschichte zwischen Ilja und ihr fehlt mir ein bisschen, es gab niemals ein wirklich klärendes Gespräch. Ich habe beispielsweise auch die „bittere Wahrheit“, die sie anspricht nicht ganz verstanden.

Noch immer stecke ich im bitteren Teil dieser Wahrheit fest, ich sage sie mir immer wieder laut, denn so gelingt es mir, mich weiter in meiner eigenen Zeit aufzuhalten, an meinem eigenen Ort zu leben. Ich muss mich mit ihr anfreunden, auch wenn ich mein altes Leben am liebsten auslöschen würde. Ich weiß, solange ich das denke, wird die Vergangenheit immer versuchen, mich auszulöschen. Die Vergangenheit ist eine böse Hexe, ihr geschieht einfach nichts, aber du, du gehst kaputt an ihren leisesten Worten.

Obwohl sich mir der Sinn gewisser Handlungen nicht vollständig erschlossen hat, bereue ich es nicht, dieses Buch gelesen zu haben, da ich so gefesselt war, dass ich bis um 1 Uhr in der Früh durchgelesen habe, ohne überhaupt zu bemerken, wie die Zeit verflogen ist. Ich hoffe sehr stark, dass ich in Zukunft noch mehr von dieser Autorin lesen werde, da ihr Umgang mit Wörtern und Metaphern einfach unglaublich ist. Ich habe viele Zitate gefunden, die mir sehr gut gefallen haben, die meiner Meinung nach schönsten habe ich mir herausgeschrieben:

Kleine Pfeiler der Zeit sind die Wunden, im dahinfließenden Leben. Kleine, kleine Hürden, die später den Namen Erinnerung tragen und in einer fernen Nacht, in einem ganz anderen Land, mit ganz anderen Menschen und in einer ganz anderen Sprache das Gleiche wie im Augenblick des Ersterlebten erzählen, und ich muss wieder zuhören lernen, so gut ich nur kann, mit meinen vielfältigen Ohren.

Mehr als froh bin ich, dass ich nicht mehr Physikerin bin und jedenfalls nicht mehr durchgängig in Formeln denke. Ich fühle Buchstaben und betrete mit Sätzen die Plätze dieser Welt. Natürlich würde ich viel, viel lieber schweigen, aber das Schweigen ist ein zweischneidiges Schwert. Es ist möglich in Wörtern still zu sein, und es ist möglich mit dieser Art Stille etwas zu sagen.

Fazit:
Dieses Buch hat mich fasziniert und ich bin sehr froh, dass es mir rein zufällig in die Hände gefallen ist, da es einen nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch meine Phantasie sich viele Dinge sehr schön ausmalen konnte. Viele Sätze haben mich berührt, weil sie so zutreffend waren, als wenn meine Gedanken in Worte gefasst worden wären. Alles in Allem kann ich dieses Buch an alle Leute weiterempfehlen, die ein Buch mit Tiefe lesen wollen und die sich nicht davor scheuen, eine Vergangenheitsbewältigung zu lesen, die Fragen offen lässt… Insgesamt gebe ich diesem Buch 4 von 5 Sternen, da es mir gut gefallen hat, wenn ich auch nicht alle Absichten verstanden habe.

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Nils avatar

Rezension zu "Das Gedächtnis der Libellen" von Marica Bodrožić

Rezension zu "Das Gedächtnis der Libellen" von Marica Bodrozic
Nilvor 7 Jahren

Sehr überlande, aber dennoch poetisch.
Der Roman "Das Gedächtnis der Libellen" von Marica Bodrozic ist eine sprachliche Wucht mit vielen schönen Sätzen und prachtvollen Wortspielen. Genau da liegt allerdings auch die Überforderung. Viele liebevolle Satzkonstruktionen reihen sich aneinander und verlieren dadurch an Markanz und gehen in der Fülle unter.
Die Feinheiten des Wortes stehen klar im Vordergrund und die Geschichte verliert sich im Hintergrund.
Ganz klar hat die Autorin eine wahnsinnig schöne und poetische Formulierungsgabe, aber die Dosierung der Gedanken und mächtigen Sätze würden gut tun. Ich bin gespannt wie die Entwicklung der Autorin die nächsten Jahre voranschreitet. Da ist Potential!
Da ich den Roman nicht zu Ende gelesen habe (noch nicht!), vermag ich mir kein Urteil über das Gesamtwerk erlauben. Das oben erläuterte bezieht sich ausschließlich auf die ersten 50 Seiten. Danach verlies mich die Geduld. Ich wünsche dennoch viel Spaß bei der Lektüre.

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Klaripoparis avatar

Rezension zu "Das Gedächtnis der Libellen" von Marica Bodrožić

Rezension zu "Das Gedächtnis der Libellen" von Marica Bodrozic
Klaripoparivor 8 Jahren

Langsam wird hier Bild für Bild eine Liebesgeschichte ausgewickelt. Eine Geschichte, die direkt ins Herz zielt, weil sie so nachvollziehbar ist. Eigentlich so banal, von jedem schon erlebt. Aber so anders erzählt. Die Bilder reißen einen mit. Wunderschön gleiten sie dahin und verzaubern den Lesenden.
Das Gedächtnis der Libellen sollte also nicht in einem kurzen Moment verschlungen, sondern mit jedem einzelnen Sinn genossen werden. Jedes Wort passt zu dem anderen. Für Freunde der schönen Worte und Bilder!

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Marica Bodrožić wurde am 03. August 1973 in Svib (Kroatien) geboren.

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