Marica Bodrožić

 4 Sterne bei 23 Bewertungen

Lebenslauf von Marica Bodrožić

Marica Bodrožić wurde 1973 in Kroation geboren, zog aber bereits mit 10 Jahren nach Deutschland, wo sie eine Liebe zur deutschen Sprache entwickelte. Nach dem Abitur ging sie nach Frankfurt a. M., um dort Kulturanthropologie, Psychoanalyse und Slawistik zu studieren. Ihre ersten Erzählunge befassen sich mit der ihrer Vergangenheit und ihrem Herkunftsland, während sie sich in ihrer späteren Literatur mit Themen wie Mystik, Transzendenz, Erotik, Weiblichkeit und Liebe auseinandersetzt. Für ihre Werke wurde Marica Bodrožić mehrfach ausgezeichnet. Heute lebt sie in Berlin

Neue Bücher

Poetische Vernunft im Zeitalter gusseiserner Begriffe

Erscheint am 26.04.2019 als Taschenbuch bei Matthes & Seitz Berlin.

Alle Bücher von Marica Bodrožić

Sortieren:
Buchformat:
Das Gedächtnis der Libellen

Das Gedächtnis der Libellen

 (7)
Erschienen am 09.04.2012
Kirschholz und alte Gefühle

Kirschholz und alte Gefühle

 (6)
Erschienen am 10.09.2012
Ein Kolibri kam unverwandelt

Ein Kolibri kam unverwandelt

 (4)
Erschienen am 29.01.2007
Sterne erben, Sterne färben

Sterne erben, Sterne färben

 (4)
Erschienen am 12.09.2016
Tito ist tot

Tito ist tot

 (3)
Erschienen am 04.08.2005
Der Spieler der inneren Stunde

Der Spieler der inneren Stunde

 (2)
Erschienen am 01.01.2005
Lichtorgeln

Lichtorgeln

 (1)
Erschienen am 24.07.2008
Quittenstunden

Quittenstunden

 (1)
Erschienen am 01.02.2011

Neue Rezensionen zu Marica Bodrožić

Neu

Rezension zu "Kirschholz und alte Gefühle" von Marica Bodrožić

Gedanken reiten auf unzähmbaren Pferden
Juanavor 6 Jahren

Mittels ihrer Mädchen- und Frauenfiguren lässt sich Marica Bodrožić gerne durch ihre Vergangenheit treiben. Sie schreibt sehr sinnlich über die Landschaften, Gerüche, Geräusche und Gesichter ihrer Kindheit und Jugend, übers Unterwegssein und die Zwiespältigkeit der Heimatliebe, über Erinnern und Vergessen, über Liebe, Distanz und die Ankunft in einem neuen Leben.

In ihrem neuen Roman „Kirschholz und alte Gefühle“, der nach „Das Gedächtnis der Libellen“ der zweite Teil einer Trilogie ist, richtet sich der Blick der Erzählerin Arjeta fast durchgehend nach innen. Arjeta lebt seit fünf Jahren in Berlin, aber erst die Wohnung, die sie soeben bezogen hat, wird ihr im Laufe des Buchs zur Heimat. Bisher steht nur der Kirschholztisch ihrer Großmutter darin, darauf ausgebreitet Fotos, die Arjeta in einem langen Gedankenfluss in die Vergangenheit tragen.

Dass dieser Bewusstseinsstrom nicht langweilig wird, liegt weniger an den Charakteren, die in ihren Handlungen und im Umgang mit anderen Menschen eher blass sind, als an der Sprache: Am freien Umgang der Autorin mit der Syntax, an Verknappungen und Neologismen, die einen ungewöhnlichen Ton ergeben; an Sätzen, die eine große Bandbreite von Emotionen und Assoziationen wecken und den Leser in einem tranceartigen Zustand durch das Buch tragen.

Marica Bodrožićs Sprache ist sehr lyrisch, ab auch mal pathetisch und nostalgisch. In diesem Roman „reiten die Gedanken auf unzähmbaren Pferden davon“.

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Kirschholz und alte Gefühle" von Marica Bodrožić

Kirschholz und alte Gefühle von Marica Bodrožić.
Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren

Arjeta, die Erzählerin, sitzt in ihrer Berliner Wohnung, am Kirschholztisch ihrer Großmutter und schaut sich Fotos an, die ihre Mutter in einer Plastiktüte aus dem zerschlagenen Jugoslawien mitgebracht hat. Arjetas Erinnerungen schweifen, zurück zu dem Tag an dem sie ihre Brüder auf tragische Weise an den Krieg verlor, zu dem Tag an dem sie ihr Philosophiestudium in Paris begann und zu dem Tag an dem sie Arik kennen lernte, den geheimnisvollen Mann, der seine Fäden durch ihr Leben in Paris spinnt, bis eine blaue Bluse nicht mehr nur eine blaue Bluse ist, sondern ein Sinnbild wird, für Arjetas gebrochenes Herz.

“Kirschholz und alte Gefühle” ist ein melancholisches Buch, in Gedanken versunken wird es von Hauptfigur Arjeta erzählt, deren Blick mal hierhin, mal dorthin schweift, von den Fotografien auf ihrem Kirschholztisch in die Welten ihrer Erinnerungen herabgezogen. Schön sind diese Erinnerungen nur manchmal, meistens kurz bevor das Unheil kommt und Arjeta mit sich fort spült. Unheilsbringer ist hier nicht nur der Krieg, der Arjetas Heimat zerstört und ihr Leben aus der Ferne überschattet, sondern vor allem Arik, der wankelmütige Liebhaber, der Arjeta mit seinen Launen keine Ruhe lässt und dessen Chaos ähnlich dem des Krieges auch dann noch nachwirkt, als er längst verstorben ist.

Ich habe dieses Buch langsam, nahezu bedächtig gelesen. Denn so scheint es mir, will es auch gelesen werden, Seite für Seite, Kapitel für Kapitel, Pause und Atemzug dazwischen. Sieben Tage dauerte also meine Reise in Arjetas Erinnerungen, so wie auch das Erinnern selbst die Hauptfigur für sieben Tage in Anspruch nimmt. Sieben Tage in denen sie immer wieder an den Kirschholztisch zurück kehrt und darüber sinnt, was einmal war. Dabei springen ihre Gedanken von einem Erlebnis zum nächsten, sind nicht immer chronologisch, reisen von Paris nach Berlin und wieder zurück, auch wenn die Erzählerin selbst, ähnlich dem Leser, sich keinen Zentimeter bewegt hat. Man darf nicht abschweifen, muss aufmerksam sein, sonst verpasst man den Absprung und findet sich wieder in einer fremden Stadt, einer fremden Zeit, verläuft sich im Text. Doch gerade das war es, was mich so an dieser Erzählung faszinierte.

Eine Besonderheit der Prosa von Marica Bodrožić, zumindest in diesem Fall, ist, dass sie keinerlei direkte Rede enthält. Es wird zwar gesprochen, doch bleibt der Leser immer zusammen mit der gealterten Arjeta auf der Metaebene und kommt sich dort manchmal etwas ausgeschlossen vor. Gerne möchte man hinein springen in das Geschehen, daran teilhaben, nicht nur schauen, aber da ist diese Barriere zwischen dem Leser und dem Text, genannt Arjeta, die ihre Geschichte in einen Schaukasten sperrt und den Leser hineinschauen lässt, aber mehr auch nicht. Trotzdem bin ich froh am Kirschholztisch gesessen zu haben, wo ich Arjeta zuhörte und mit ihr die alten Fotos betrachten durfte. Denn “Kirschholz und alte Gefühle” ist ein schönes Buch, Arjeta eine glaubhafte Erzählerin und Marica Bodrožić, auch wenn dies mein erster Roman aus ihrer Feder ist, eine ganz besondere Schriftstellerin.

Eine melancholische Reise in die Erinnerungen einer manchmal tragischen, manchmal hoffnungsvollen Figur.

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Kirschholz und alte Gefühle" von Marica Bodrožić

Rezension zu "Kirschholz und alte Gefühle" von Marica Bodrozic
HeikeGvor 6 Jahren

Wirklichkeitssplitter - Scherben - Weltvermehrung im Meer der Erinnerung
.
"Der denkende Mensch zermartert ächzend sein Gehirn, er weiß, dass seine Erwägungen immer nur Möglichkeiten und keine Gewissheiten ergeben werden, dass andere Betrachtungen alles wieder in Frage stellen werden, er weiß nie, wohin er geht, er ist allem 'geöffnet', und die Welt hält ihn für einen Zauderer." (Jean-Paul Sartre)
.
Die 1973 in Dalmatien geborene und seit ihrem 10. Lebensjahr in Deutschland aufgewachsene Marica Bodrožić beschäftigt sich in ihrem neuen Roman gleichfalls mit Perspektiven, Wegen und Umwegen. Die Wege ihrer knapp vierzigjährigen Protagonistin Arjeta Filipo scheinen sich zuweilen mit denen der Autorin zu kreuzen. Auch sie hat ihre Wurzeln in Dalmatien. Allerdings ging sie erst kurz vor Ausbruch des Krieges nach Paris, um dort Philosophie zu studieren. Ihre Eltern blieben in der 1425 Tage belagerten Stadt zurück. Eine unglückliche Liebe zu dem Künstler Arik fesselt Arjeta mehrere Jahre, bevor sie sich endlich lösen kann. Sie folgt ihrer Freundin Nadeshda, um in Berlin ein neues Leben zu beginnen. In ihrer lichtdurchfluteten Wohnung im 5. Stock scheint sie endlich angekommen zu sein. Die ersten sieben Tage gleichen dem Öffnen eines Archives, dessen Schlüssel verloren schien. Arjeta erzählt vom Finden neuer Wege, "um auf das andere Ufer, die noch unbeschriebene Seite" ihres Lebens zu gelangen. Eine große Hilfe waren ihr dabei ihre Freunde: Nadeshda, Hiromi - die Japanerin, mit der sie sich in Paris eine Wohnung teilte - und der Deutsche Mischa, der ihr beinahe so etwas wie Vaterersatz wird. Lücken werden geschlossen, Leerstellen ausgefüllt, die "plattentektonische Gefühlsfabrik" beruhigt. Die Welt ist keine Überschreibung mehr für sie und der Grund der Dinge entzieht sich ihr nicht mehr. Ihr Leben wird fassbar und wartet nicht mehr in der Vergangenheit.
.
Doch bis sich Arjeta aus ihrem eigenen Inneren, den Gefängniszellen ihres Kopfes und ihren Selbttäuschungen befreit, bis sie erkennt, dass "die Vergänglichkeit nur dann wehtut, wenn man nicht um sie weiß oder gegen sie ankämpft" und bis sie den leuchtenden Faden, der alles verbindet, findet, vergehen zwanzig Jahre. Diese Zeit lässt sie in ihrem "Vögelchenzimmer", einem Raum der neuen Wohnung, der vollkommen leer bleibt, in dem sie nur atmen will und an ihrem Kirschholztisch, der bereits ihrer Großmutter Inge, einer Deutschen, die nach Istrien geheiratet hatte, gehörte, Revue passieren. Immer wieder setzt sie sich mit Fragen auseinander: "Welches Leben verpassen wir, während wir ein anderes ersehnen?" Worin besteht der Wert von einem Einzelnen, "wenn wir doch alle ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Menge der Namen, Nummern und Adressen verschwinden. Oder ist das gerade eine Möglichkeit, der eigenen Austauschbarkeit zu entkommen"? Was von der Zeit ist wesenhaft, was bleibt und was das Unzerstörbare? Und vor allem: Welches Leben ist das richtige und wer kann man in dem alles umgebenden Netzwerk aus Sprache und Stille, aus Wissen und Erinnern noch werden?
.
Der Erzählstil der Autorin gleicht einem mäandernden Erinnerungsfluss, einem ständigen treppauf und treppab, einem Archivieren von Gedanken. Vielleicht eine Art Weltverstehen.
Arjetas langer innerer Monolog ist ein zaghaftes, feinfühliges Herantasten, ein vorsichtiges Erobern, ein Abwägen und Hinterfragen an die Geheimnisse des menschlichen Lebens, eine Suche nach sich selbst, nach der eigenen, einsam hallenden Stimme. Marica Bodrožić versteht sich vortrefflich auf das Füttern von Imaginationen. Hervorzuheben ist das außergewöhnliche Sprachempfinden. Die auf deutsch schreibende Autorin findet Worte und Sätze, die im Kopf des Lesers zu Landschaften werden und die Lektüre zu einem fast fühlbaren sinnlichen Empfinden machen. Gleichzeitig ist jedoch durch ihre komplexen Gedankengänge und Zeitensprünge eine erhöhte Konzentration vonnöten, um die Komplexität und Tiefe ihrer Zeilen zu erfassen und zu verinnerlichen. Aber wie stellte die Autorin in ihrem Debütroman "Das Gedächtnis der Libellen" bereits so treffend fest: "Es ist in allem eine Zwickmühle drin, nur in der Liebe und im Erzählen nicht, da findet sich alles in der Vereinigung zusammen und wird dann allen Widersprüchen zum Trotz etwas Ganzes. Sprache."

Kommentieren0
8
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Zusätzliche Informationen

Marica Bodrožić wurde am 03. August 1973 in Svib (Kroatien) geboren.

Community-Statistik

in 38 Bibliotheken

auf 8 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks