Marie-Aude Murail Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler

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Inhaltsangabe zu „Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler“ von Marie-Aude Murail

Anlässlich des Erscheinens von ›Charity Tiddler‹ in Frankreich drückte Anna Gavalda der Autorin Marie-Aude Murail in der Zeitschrift 'Elle' ihre Bewunderung aus:

'Liebe Marie-Aude,
vor mehr als zehn Jahren, zu einem Zeitpunkt, als ich noch nichts veröffentlicht hatte und nicht zu hoffen wagte, dass jemals etwas von mir veröffentlicht würde, habe ich Ihnen einen Brief geschrieben. Ich schrieb darin ungefähr, dass ich alles hätte, um glücklich zu sein (insbesondere einen kleinen blonden Jungen und einen hübschen Schnellkochtopf), und dass mich Ihre Bücher trotzdem erheblich stärker rührten und verwirrten, als gut für mich war. Ich liebte Ihre Geschichten, musste am Ende aber immer weinen. Im Grunde war ich damals überhaupt nicht glücklich, und Ihr Schreiben (so klug!) und Ihre Figuren (so liebenswert!) und Ihre Feinfühligkeit (so beeindruckend!) offenbarten mir einen Mangel in meinem Leben. Den entscheidenden Mangel.
Sie haben mir damals geantwortet.
Heute, wo ich so erfolgreich bin, wie man es sich nur wünschen kann, wo der kleine blonde Junge fast größer ist als ich und mein Schnellkochtopf noch immer bestens in Schuss ist, muss ich Ihnen etwas gestehen: Als ich gestern die Lektüre von ›Charity Tiddler‹ abschloss, liefen mir wieder zwei dicke Tränen über die Wangen. Zwei dicke, dicke Tränen. Und wenn das nicht mehr das Zeichen für einen Mangel war, was war es dann? Ergriffenheit. Und Dankbarkeit.
Verflixt, ich habe zu viel von mir geredet und habe keinen Platz mehr, um ein Loblied auf Sie oder Ihre Heldin zu singen. Obwohl. genau darum geht es doch, nicht wahr? Um ein Leben im Korsett, ein Leben in Langeweile und voll großer Träume, die unterschwellig wirken. Ein Leben im Kokon.
Sie benutzen die zu einem Roman verarbeitete Lebensgeschichte von Beatrix Potter als Vorwand, um uns allen zu sagen: ob jung oder alt, reich oder arm geboren, mit Schleier oder ohne, einer angekündigten Krise zum Trotz, ehelich oder unehelich, ersehnt, geliebt oder ungewollt – wenn die Leidenschaft da ist, wenn das Feuer brennt, dann ist dieses Leben wert, gelebt zu werden.
Sie schreiben von Beatrix Potter, es hätte auch eine andere sein können, aber da sie Tiere liebt, werden gerade die jungen Leser sie ebenfalls lieben. Die größeren werden begeistert sein, Oscar Wilde und George Bernard Shaw live zu begegnen. Alle werden begeistert sein. Alle.'
(Aus dem Französischen von Tobias Scheffel)

((2. DS))
Ein neues Genre, ein neuer großartiger Roman: Murail entwirft für die Autorin von ›Peter Rabbit‹ einen fiktiven Lebenslauf als Charity Tiddler. Von Anfang an mag man die einsame, merkwürdige und neugierige kleine Charity. Das Mädchen untersucht Tiere und Pflanzen, malt akribisch Aquarelle, deklamiert Shakespeare und wartet unverdrossen darauf, dass eines Tages etwas geschieht.
Mit dreizehn verliebt sie sich in den unkonventionellen Kenneth. Doch bis sich diese Liebe erfüllt, vergehen viele Jahre. Der Leser taucht ein in Politik und Gesellschaft des viktorianischen Englands im Aufbruch, entdeckt das moderne Theater und Darwin. Und er sieht Charity zu, wie sie das wird, was George Bernard Shaw als 'moderne Frau' bezeichnet, sich emanzipiert und sich Unabhängigkeit erkämpft.

'Marie-Aude Murail präsentiert hier ein neues Meisterwerk.'
Lucie Cauwe, Le Soir

Die zauberhafte Geschichte der Kinderbuchillustratorin Beatrix Potter, erzählt als imaginäre Biographie. Sehr charmant!

— Anmara

Ein wunderbares Buch! Die Sensibilität mit der die Autorin einem Charity's Charakter näher bringt ist wunderschön!

— DarkChocolateCookie

Es war ein wunderschönes Buch! Nach anfänglichen Einstiegsschwierigkeiten, habe ich die zweite Hälfte in einem Tag verschlungen.

— FeliFelice

Ich habe mich von Anfang an in dieses Buch verliebt

— Lolagiljon1

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    Marina_Nordbreze

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    VanaVanille

    24. February 2016 um 15:47
  • Rezension zu "Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler" von Marie-Aude Murail

    Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler

    Lialiest_

    02. October 2012 um 14:53

    Das Cover zeigt Charity Tiddler, auf einem Sofa sitzend, mit Master Peter, ihrem geliebten Kaninchen. Die Farbe altrosa wirkt so herrlich altmodisch. Der Titel ist schön, jedoch ruft er zum Widerstand auf. Denn das Leben der Charity ist alles andere als unbedeutend. Die Protagonistin Charity wächst einem ans Herz, sie ist sehr symphatisch. Sie ist sehr neugierig und wissbegierig, besonders bei Tieren. Deshalb wundert es einen auch nicht, dass sie einen kleinen und bescheidenen Zoo besitzt. Master Peter ist Chariys Liebling, ein Kaninchen, das sie sehr gut dressiert hat. Mademoiselle Désirée, eine zahme Maus, Petruchio, ein Rabe und Miss Tutu sind weitere Tiere, die bei Charity eine sehr liebevolle und tierliebe Mama gefunden haben. Charity lernt Französisch (bei Madame Blanche, mit der sie sich hervorragend versteht) und Deutsch (bei Herrn Schmal), und sie entdeckt die Kunst für sich. Aquarellmalen gefällt ihr besonders. Am liebsten malt sie ihre Tiere und erfindet kleine Geschichten, die sie beim Verlagshaus King veröffentlicht und zur Bestsellerautorin wird. Sie hat sich gerne um ihren kränklichen Cousin Phillip gekümmert und sie liebt Kenneth Ashley seit 1875. Dieser liebt das Theaterspielen und macht dies zu seinem Beruf. Wenn er die Ratschläge von Charity annimmet, hat er Erfolg. Aber schließlich wird er entlassen und gerät auf die schiefe Bahn.. Der erste Satz lautet: "In meiner Kindheit gleich ein Sonntag dem anderen." Er ist sehr einfach und zeigt eine Regelmäßigkeit, sagt jedoch relativ wenig aus, was den Verlauf der Geschichte betrifft. Der Schreibstil von Marie-Aude Murail ist sehr anspruchsvoll und ihre Art, wie sie schreibt, gefällt mir besonders. In diesem Buch sind viele hübsche und bunte Illustrationen. Leider weiß ich nicht, wer diese gemalt hat. Er ist jedoch anzunehmen, dass es ein Mitglied Murails Familie ist, da es heißt, dass sie aus einer Künstlerfamilie stammt.

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  • Rezension zu "Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler" von Marie-Aude Murail

    Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler

    catbooks

    03. July 2012 um 18:00

    Es ist schon sehr merkwürdig eine Autobiographie zu lesen, die nicht passend zu der Autorin ist, sondern sich um eine komplett andere Person dreht. Aber schon allein diese Tatsache macht dieses Buch zu etwas Besonderes! Diese Biographie ist keine richtige Biographie von Beatrix Potter, wie man es eigentlich erwartet, sondern eine Adaption, die mit vielen neuen Details und einem neuen Namen der Protagonistin bestückt wurde. Schon nach den ersten Seiten ist mir schnell klar geworden, dass Charity Tiddler kein normales Mädchen ist, sie denkt anders, verhält sich anders und verfolgt auch ganz andere Interessen und Ziele als andere Mädchen in ihrem Alter. Sie liebt die Wissenschaft und ihre vielen Haustiere, die ihr viel Zeit und Liebe abfordern. Charity wirkt schon etwas verrückt, was besonders ihrer Mutter etwas Angst einjagt und die Sorge bei ihr, ob sich Charity sich auch gut entwickeln wird und später reich verheiratet werden kann, wächst. Charity macht sich darüber so gut wie keine Gedanken. Das wichtigste für sie ist, neben ihren Haustieren, eine berühmte Kinderbuchautorin zu werden. Um diesen Traum von der Idee in die Tat umsetzen zu können muss Charity einige Höhen und Tiefen überstehen, bei denen sie sich immer wieder aufrappeln und ihren Glauben an sich selbst auffrischen muss. Es ist nicht gerade einfach für ein solch junges Mädchen, doch man merkt schnell, dass sie zäh selbstbewusst, mutig und zu jeder Zeit sehr hilfsbereit ist. Ein junges Mädchen, das mir sehr sympathisch ist. Ein besonderer Hingucker in diesem Buch sind die Illustrationen von Charity und ihren tierischen Freunden. Besonders Peter Hase, der eine besondere Rolle in diesem Buch spielt, ist für mich das Highlight! Vielen, vielen Dank, dass dieses Buch mit diesen wundervollen Bildern ausgestattet wurde ohne diese Bilder wäre es nur halb so toll gewesen!! ♥ Wie ich schon in meiner Einleitung geschrieben habe, bin ich auf dieses Buch allein durch das Cover und den Titel Aufmerksam geworden und das soll schon etwas heißen! ;) Ich liebe schlichte und einfache Cover. Sie machen mich immer neugierig und animieren mich zum Kauf! lach An dieser Stelle wurde auf jeden Fall alles richtig gemacht! Zum Schluss möchte ich euch gerne auch noch auf die Bücher von Beatrix Potter Aufmerksam machen z.B. “Die gesammelten Abenteuer von Peter Hase“, “Die Geschichte von Peter Hase” und “Peter Hase und seine Freunde“. Die Bilder und die Geschichten sind herzallerliebst und werden auf jeden Fall demnächst auch in mein Regal einziehen!!! :D Neben dem Buch “Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler” wurde zu Ehren von Beatrix Potter auch ein Film gedreht “Miss Potter“, in dem Renée Zellweger und Ewan McGregor die Hauptrollen spielen! Hier gelangt ihr zum Trailer dieses wunderbaren Films. ♥ Fazit: Marie-Aude Murail hat einen unglaublich tollen und einnehmenden Schreibstil, der mich sofort zusammen mit dem Inhalt in seinen Bann gezogen hat. Ich habe mich in der Geschichte sehr, sehr wohlgefühlt, die Figuren waren allerliebst und die Gestaltung hat dem Ganzen noch das Krönchen aufgesetzt! ♥ Ein Buch, dass ich euch nur empfehlen kann!

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  • Rezension zu "Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler" von Marie-Aude Murail

    Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler

    Fantasie_und_Träumerei

    23. January 2012 um 17:06

    KLAPPENTEXT: Von Anfang an mag man die einsame, merkwürdige und neugierige kleine Charity. Das Mädchen untersucht Tiere und Pflanzen, malt akribisch Aquarelle, deklamiert Shakespeare und wartet unverdrossen darauf, dass eines Tages etwas geschieht. Mit dreizehn verliebt sie sich in den unkonventionellen Kenneth. Doch bis sich diese Liebe erfüllt, vergehen viele Jahre. Der Leser taucht ein in Politik und Gesellschaft des viktorianischen Englands im Aufbruch, entdeckt das moderne Theater und Darwin. Und er sieht Charity zu, wie sie das wird, was George Bernard Shaw als »moderne Frau« bezeichnet, sich emanzipiert und sich Unabhängigkeit erkämpft. ZUR AUTORIN: (Quelle: Fischerverlage) Marie-Aude Murail stammt aus einer Schriftstellerfamilie aus Le Havre, Frankreich. Sie studierte Philosophie an der Sorbonne. Sie zählt zu den beliebtesten zeitgenössischen Kinder- und Jugendbuchautorinnen Frankreichs und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt. 2008 wurde ihr Roman ›Simpel‹ von der Jugendjury mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Ihre Jugendbücher erscheinen auf Deutsch exklusiv bei Fischer Schatzinsel. EIGENE MEINUNG: „Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler“ ist eine kleine Hommage an Beatrix Potter, die Autorin von „Peter Hase“, die in einem Zeitalter, in dem Frauen schicklich und in schönen Kleidern ein schmuckes Beiwerk sein sollten, Konventionen und Normen über Bord warf und als tüchtige Geschäftsfrau ihre Bücher mit eigenen Illustrationen verkaufte und später auf einem Bauernhof ihrer Liebe zu Tieren und Natur nach ging. Marie-Aude Murail kreiert eine fiktive Biografie dieser bewundernswerten Frau, die sie voller Liebe zum Detail mit mehr oder weniger wahren Elementen spickt. Dargestellt wird Beatrix Potter von der jungen Charity Tiddler, die als einziges Kind ihrer Eltern (in der Realität: Beatrix Bruder ist im Internat, im Buch: sie hat zwei Schwestern, die schon als Säuglinge verstorben sind) aufwächst und kaum Kontakt zu anderen Kindern hat. Um ihrer Langeweile zu entgehen beginnt sie schon bald allerhand Getier einzusammeln und findet vor allem an kranken Tieren und deren Pflege großen Gefallen. Dem viktorianischen Zeitalter angemessen soll Charity eigentlich den Pflichten eines jungen Mädchens nachkommen. Das bedeutet: sie soll nähen und stricken lernen, aber auch in der Gesellschaft vorzeigbar sein, weshalb es ratsam ist Gesang und Klavierspiel zu praktizieren und Französisch zu sprechen. Damit Charity dem auch nachkommen kann wird eine junge, zarte und sehr liebenswerte Gouvernante eingestellt, die außer dem verrückten und sehr abergläubischen Kindermädchen Tabitha, bald zu Charitys engster Vertrauten wird. Doch Charity ist so unmusikalisch, dass auch die Mademoiselle sehr schnell einsieht, dass es keinen Zweck hat, diese „Talente“ zu fördern. Sie bringt ihr lieber die Auquarellmalerei bei und schon bald kristallisiert sich heraus, das darin Charitys wahre Begabung liegt. Diese kann sie außerdem mit ihrem wissenschaftlichen Drang verbinden und schon bald beginnt sie nicht nur das Leben ihrer Tiere aufzuzeichnen, sondern führt kleine Experimente, z.B. mit der Zucht von Pilzen, durch. Ihre einzige kindliche Gesellschaft sind ihre Verwandten. Die Cousinen Lydia und Ann, von denen eine Feiern, große Bälle und Festessen, liebt und die andere von sehr neidischer und missgünstiger Natur ist. Beide entsprechen also eher weniger Charitys Charakter. Einzig Cousin Philipp, der sich sehr für Literatur interessiert, aber aufgrund seiner kränklichen Ader oft bettlägerig ist, und der kleine Edmund, Charitys größter Bewunderer, sind mit ihr auf einer Wellenlänge. Der unbedarfte Umgang mit ihnen ist allerdings nicht sehr schicklich. Charity Tidler ist eine ganz wunderbare Figur. Teils fiktiv, teils mit realistischem Hintergrund begeistert sie zwar weniger ihre Familie, die typisch für das Zeitalter (Ende 19. Jahrhundert) Kinder eher als Objekte ansehen, die vorzeigbar sein und wenig Arbeit machen sollen, dafür aber umso mehr ihre Leser. Erst später entdeckt man ja die Kindheit als solches und dass man individuell auf den kindlichen Charakter eingehen sollte. Ein Kind sollte also keine Unannehmlichkeiten machen. Charitys Mutter wird sowieso alles immer sehr schnell zu viel. Geplagt von Ohnmachtsanfällen überlässt sie schwierige Angelegenheiten lieber ihrem Mann, der sich allerdings in erster Linie für seine eigenen Interessen und viel weniger für die seiner Familie interessiert. Ihre Tochter findet sie eher etwas dümmlich, da diese Shakespeare Sonette rezitieren kann. Es gibt allerdings einen jungen Mann, der bemerkt, dass das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tidler gar nicht so ganz und gar unbedeutend ist, da sie eine sehr starke und außergewöhnliche Persönlichkeit ist. Spielerisch duelliert er sich häufig mit ihr, die weder die Herausforderung noch den wahren Hintergrund seiner Spielchen bemerkt. Doch ganz zaghaft und leise schleicht er sich damit in ihr Herz ... Besonders schön sind die Abschnitte über Charitys Kindheit. Wie sorgfältig sie mit ihren Tieren umgeht, ihnen Namen gibt und Kunststücke beibringt und dabei entgegen aller Konventionen ihrem revolutionären wissenschaftlichen Drang nachgibt, ohne sich darum zu kümmern, was man über sie denkt. Dabei betrachtet sie alles aus ihrem liebevoll, naiven, kindlichen Blickwinkel, der vielen Dingen eine ganz neue Bedeutung gibt. Einer ihrer besonderen Lieblinge ist der Hase Peter, dem sie tolle Kunststücke beigebracht hat, und der später das Vorbild ihres ersten Kinderbuches wird. Die Schreibe Marie-Aude Murails ist sanft poetisch, voller Charme und Herzenswärme, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Wörtliche Rede wird wie ähnlich wie in einem Theaterstück gekennzeichnet. Der Name der sprechenden Person steht in Großbuchstaben dem gesagten voran. Besonders begeistert hat mich die Autorin mit ihren liebevoll ausgearbeiteten Figuren, die jedoch jeder unbedingt selbst kennen lernen muss. Illustriert wurden Charitys Geschichten von Philippe Dumas, der dem Stil von Beatrix Potters Büchern treu bleibt und wundervolle Aquarelle zeichnet. Ich habe außerdem so viel Lust bekommen die Bücher über „Peter Hase“ und seine Freunde zu lesen. FAZIT: „Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler“ ist, besonders in dieser wundervollen Ausführung mit den schönen Zeichnungen von Philippe Dumas, ein kleiner Schatz, der von der Unbedarftheit der Kindheit und einem stillen und heimlichen Kampf für ein bisschen mehr Freiheit erzählt. Formidable!

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  • Rezension zu "Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler" von Marie-Aude Murail

    Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler

    VanaVanille

    12. November 2011 um 12:03

    Eine Autobiographie, die nicht von der Autorin selbst verfasst wurde? Wie soll man das verstehen? Was Frau Murail in diesem Werk geschaffen hat, ist sozusagen ein ganz neues und geniales Genre. Anstatt eine detailgetreue Biographie der Beatrix Potter zu schreiben, nahm sie sich ihrem Leben an und erzählte die Geschichte aus den Augen der erfolgreichen Kinderbuchautorin. Dabei nutzte sie einen anderen Namen und wich auch sonst etwas von der Wahrheit ab, was sie allerdings an keiner Stelle bereuen muss. Als Leser bemerkt man schnell, dass es sich bei der liebenswürdigen Charity Tiddler keinesfalls um ein gewöhnliches Mädchen handelte. Sie war, im Gegensatz zu ihren Altersgenossen, nie an Schicklichkeit, gutem Ruf und einer ruhmreichen Hochzeit interessiert, sondern widmetet sich stets ihren wissenschaftlichen Studien und ihren sehr außergewöhnlichen Haustieren. Ganz zum Missmut ihrer strengen Mutter, entwickelte sich aus dem kleinen Mädchen bald eine selbstbewusste und doch ein wenig verrückte junge Frau, deren größtes Ziel es wurde eine berühmte Kinderbuchautorin zu werden. Ich bin selbst Stunden nach Beendigung der Lektüre noch hin und weg von diesem wunderschönen Buch. Nicht nur Murails zahlreiche, liebevollen Figuren haben mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert, sondern auch ihr unvergleichlicher, zum 19. Jahrhundert passende Humor, der einen wünschen lässt, mancher würde heute noch so sprechen. Dies alles trug dazu bei, dass sich das Buch wie eine köstliche, heiße Schokolade lesen ließ, von der man immer mehr und mehr haben will. Dabei existierte darin weder Spannung, noch Antrieb, was die Geschichte hätte beschleunigen können, sondern nur ein kleines, entzückendes junges Fräulein, welches mit Charme und viel Gefühl ganz einfach bezauberte. Aber was wäre die große Beatrix Potter ohne Peter Hase und ihren anderen, zuckersüßen Tierchen? Das dachten sich scheinbar auch die Verleger des Werkes, denn neben dem wunderschönen Text Murails, schmücken auch Philippe Dumas' Illustrationen die vielen Seiten der Autobiographie. Dabei orientierte er sich oft an vorhandenen Zeichnungen der Beatrix Potter und kopierte sie mit seinem eigenen, unverkennbaren Stil. Mein Urteil: Gott sei dank hat man sich nach drei Jahren nun doch entschieden dieses wunderschöne Werk auch im Deutschen zu veröffentlichen. Es verbindet Wahrheit, Fantasie, Herz und Kunst so geschickt, dass ich es ohne viele Umschweife als Meisterwerk bezeichnen will und damit eine laute Leseempfehlung in die Welt hinaus schreie. Fünf Sterne reichen da absolut nicht aus.

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