Marie-Luise Schmidt

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Marie-Luise SchmidtWie Bäume ohne Wurzeln
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Wie Bäume ohne Wurzeln
Wie Bäume ohne Wurzeln
 (13)
Erschienen am 01.10.1995

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Rezension zu "Wie Bäume ohne Wurzeln" von Marie-Luise Schmidt

Die Vision von einem "Kinderhaus"
Anasavor 7 Monaten

Als ihre Tochter Tonia Anfang der 70er Jahre den kleinen David aus dem Kindergarten mit nach Hause bringt, der in einem Kinderheim im selben Dorf lebt, soll dies das ganze Leben der Schmidt’s verändern. Marie-Luise und ihr Mann entdecken unter welch traurigen, perspektivlosen Umständen die Kinder im Heim leben und beginnen sich zu engagieren. Über zwei Jahre lang verbringen sie regelmäßig Zeit im Heim mit den „Schmuddelkindern“, wie sie im Dorf genannt werden. Dann werden sie von der Heimleitung gebeten, eine Kindergruppe komplett zu übernehmen. Sie kündigt ihren Job, sie kündigen ihre Wohnung und ziehen in die Räumlichkeiten des Heims, die ihnen für ihre „Großfamilie“ zugeteilt wurden. Die Regeln und Strukturen des Heims werfen sie über den Haufen und verwirklichen ihre ganz eigene Vision „einer Familie“ für die Kinder. Dabei stehen sie immer wieder vor ungeahnten Schwierigkeiten und Herausforderungen. Ist es möglich, jemals „richtige Eltern“ für diese Kinder zu werden? Ist es möglich, wie eine „richtige Familie“ mit ihnen zusammen zu leben?

Mich hat das Thema des Buches aufgrund von persönlichen Erfahrungen angesprochen. Marie-Luise Schmidt schreibt in einer ehrlichen, emotional berührenden, aber auch humorvollen Weise über ihr Leben mit 11 Kindern. Sie schildert unterhaltsam, wie der Alltag mit ihren Kindern aussah. Besonders schön ist es, wie sie von Anfang an diese Kinder als „unsere Kinder“ betitelt. Die Verbundenheit wird dem Leser direkt deutlich. Die Vision, die Marie-Luise Schmidt und ihr Mann für die Heimkinder haben, ist toll und für die 70er Jahre fortschrittlich. Eine solche Entscheidung zu treffen, ist mutig und selbstlos. Wie viele hätten vielleicht schon nach dem ersten Besuch im Heim dem ganzen Gebäude und seinen „Schmuddelkindern“ einfach den Rücken gekehrt und sich weiter um ihr eigenes Leben gekümmert, statt so tätig zu werden und zu handeln? „Wenn wir wirklich etwas für diese Kinder tun wollten, mussten wir es konsequent und ausdauernd tun. Unzuverlässigkeit und Halbherzigkeit hatten sie in ihrem Leben oft genug erlebt.“ Als Leser entwickelt man immer mehr Bewunderung für diese Frau, die sich so tough für „ihre Kinder“ einsetzt und allen Widrigkeiten trotzt.

Viele dieser Hindernisse sind auch heute noch vielen Pflegefamilien sehr gut bekannt. Man fühle sich als Pflegeeltern nach Jahren des Behördenkriegs „missbraucht, ausgenutzt und verkannt“. Wie Marie-Luise sich aber einfach nicht unterkriegen lässt und für die Rechte der Kinder kämpft, ist inspirierend und ermutigend. Man erfährt hier und da etwas über die einzelnen Schicksale der Kinder und hat des Öfteren dabei einen Kloß im Hals. Marie-Luise schafft es, die vielen Jahre, die sie die Kinder großzogen, auf 364 Seiten fest zu halten und dem Leser einen guten Einblick in ihren Familienalltag zu gewähren, ohne sich arg zu verzetteln oder auszuschweifen.

Im Gegenteil - manches Mal hätte ich mir vielleicht sogar noch etwas mehr Tiefgang gewünscht. Manchmal wäre es übersichtlicher gewesen hier und da noch eine Leerzeile einzufügen und auch die Abfolge der Erzählungen konnte ich teilweise im Mittelteil nicht immer nachvollziehen (nicht durchgehend chronologisch, sondern auch thematisch gegliedert, teils schon Zukünftiges vorweggreifend, wirkt es manchmal etwas unstrukturiert und ist etwas verwirrend.). Das letzte Kapitel rundet für mich persönlich leider auch das Buch nicht so schön ab, denn hier wird die Autorin noch einmal sehr tiefgründig und ich hätte zudem auch in diesem Teil Anekdoten aus dem Alltag dann weggelassen.

In jedem Falle aber eine Leseempfehlung für thematisch Interessierte und ein super lesbares Buch, sehr lebendig.

 

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Rezension zu "Wie Bäume ohne Wurzeln" von Marie-Luise Schmidt

Rezension zu "wie Bäume ohne Wurzeln" von Marie-Luise Schmidt
Ein LovelyBooks-Nutzervor 4 Jahren

Ich habe schon einige Bücher aus der Reihe "Erfahrungen" von Bastei Lübbe gelesen und bin immer wieder erstaunt, welche Kraft die Menschen aufbringen, um eine Krankheit zu bekämpfen (manchmal auch verlieren) oder um dem Staat zu trotzen.
Hier geht es darum, wie einfach schwer es doch ist, helfen zu wollen und die größten Brocken in den Weg gelegt zu bekommen.
Marie-Luise Schmidt lässt sich davon aber nicht unterkriegen - sie kämpft und gewinnt.
In diesem Buch zeigt sie auf, was für Hürden sie zu nehmen hat; welche Rückschläge sie einstecken muss; dass nicht jede Niederlage beim Amt auch eine Niederlage zu Hause ist; dass das Leben nicht immer toll ist; und und und.
Für mich ist dieses Buch sehr authentisch, denn es werden nicht nur schöne Momente mit den Kindern genannt, sondern auch nervenaufreibende - einfach Momente, die jede Familie hat, egal ob es 1, 2 oder 11 Kinder sind.

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