Marie-Sabine Roger Heute beginnt der Rest des Lebens

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Inhaltsangabe zu „Heute beginnt der Rest des Lebens“ von Marie-Sabine Roger

Todgeweihte leben länger Es ist Mortimers 36. Geburtstag, und er wird heute sterben. So wie alle Männer aus seiner Familie mit 36 gestorben sind, immer um 11 Uhr vormittags, zurückzuverfolgen bis ins Jahr 1623. Völlig unerwartet bleibt Mortimer jedoch am Leben. Bloß: Was nun? Job und Wohnung sind gekündigt, und bisher hat er keinerlei Ziele oder Ambitionen gehabt. Nun muss er also lernen zu leben. Zum Glück unterstützen ihn Nassardine und Paquita, die einen Crêpe-Stand an der Ecke betreiben. Und dann gibt es da auch noch Jasmine, die seltsame Hüte entwirft und manchmal auf Parkbänken zu weinen anfängt, damit es ihren Mitmenschen besser geht ...

Schön geschrieben, kurzweilig!

— Meenama
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    Heute beginnt der Rest des Lebens
    Traeumeline

    Traeumeline

    03. September 2017 um 22:21

    In Mortimers Familie herrscht ein Fluch. Alle Menschen sterben am Tag ihres 36. Geburtstages - egal in welcher Form, aber immer um 11 Uhr. Auch er wird davon nicht verschont werden und hat sich am Tag seines 36. Geburtstages darauf vorbereitet. Er hat seine Wohnung und seine Arbeit gekündigt, alles verschenkt und weiter gegeben, sich einen schönen Anzug gekauft (er will keinen grausligen Anblick hinterlassen) und wartet auf DIE Stunde. Er liegt schicksalsergeben auf seiner Couch und wartet. Die Minuten verstreichen und... nichts passiert. Er lebt! Und ist völlig vor'm Kopf gestoßen, weiß nicht, was da vor sich geht. Es sind doch bisher alle gestorben, warum lebt er noch?! Nach dem ersten Schock begibt er sich auf Ursachenforschung und schwelgt immer wieder in Erinnerungen - und mit ihm seine beiden Freunde Paquita (eine vollbusige Dame) und ihr Gefährte Nassardine, die viel mit ihm über's Leben, verpasste Gelegenheiten und Neuanfänge philosophieren.Ich habe nichts anderes von Marie-Sabine Roger erwartet. Sie schreibt einfach Wohlfühlbücher, die einem das Herz erwärmen und man sich nach der letzten Seite einfach nur gut fühlt und hochmotiviert einen neuen Tag starten will.

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  • Einzigartig.

    Heute beginnt der Rest des Lebens
    Lovely90

    Lovely90

    18. December 2015 um 10:49

    Mortimer hatte eigentlich damit gerechnet, wie alle männlichen Vorfahren väterlicherseits pünktlich am 36. Geburtstag zu versterben - und lebt dann plötzlich immer noch. Gemeinsam mit seinen Freunden versucht er herauszufinden, warum der Fluch ihn verschont hat und lässt dabei sein bisheriges Leben Revue passieren. Immer wenn ich einen Roman von Marie-Sabine Roger beginne, bin ich sehr gespannt, was für eigene und zauberhafte Protagonisten sie zum Leben erwachen lässt. In diesem Roman erfahren wir in Rückblicken vieles über Mortimer, sein Leben und seine Charakterzüge. Die Menschen die ihn begleiten, Nassardine, Paquita und Jasmine, sind ebenso einzigartig und gleichzeitig doch so echt, als würde man sie selbst schon ewig kennen. Auch wenn in diesem Buch meiner Meinung nach nicht die Handlung im Vordergrund steht, sondern die Persönlichkeiten, ist diese durchweg spannend und hält Wendungen bereit. Sprachlich ist der Roman wunderschön. Er liest sich unglaublich flüssig, ist tragisch und witzig zugleich. Kaum ist die Träne im Augenwinkel getrocknet, muss man herzlich lachen. Allen Roger-Fans, aber vor allem denen, die sie noch nicht entdeckt haben (eine Schande!) lege ich sehr ans Herz: lest dieses Buch, taucht ein in Mortimers einzigartige Welt.

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  • Tick tack, tick tack….die Uhr läuft

    Heute beginnt der Rest des Lebens
    Lesebienchen

    Lesebienchen

    18. September 2015 um 08:01

    Es gibt Fragen, die auf dieser Welt viele Menschen beschäftigt, ja vielleicht sogar fast alle. Es sind Lebensfragen, existentielle, mysteriöse Fragen, Fragen, die nicht beantwortet werden können und deshalb umso relevanter sind: Was geschieht nach dem Tod? Werde ich ein glückliches Leben führen? Wann werde ich sterben? Was passiert nun, wenn man plötzlich auf eine dieser rhetorischen Menschheitsfragen eine Antwort weiß? Wie geht man damit um, wenn man weiß, wann und um wieviel Uhr man sterben wird? Genau mit dieser Frage beschäftigt sich Marie-Sabine Rogers neuster Roman „Heute beginnt der Rest deines Lebens“.  Mortimer Decime steht kurz vor seinem 36. Geburtstag, nur noch wenige Stunden trennen ihn von der exakten Stunde seiner Geburt. Doch er bereitet weder eine Party vor noch scheint er in irgendeiner Feierlaune. Das Gegenteil ist der Fall: der Strom ist abgestellt, die Wohnung gekündigt, der Kühlschrank leer und ein schwarzer Anzug liegt zum Anziehen bereit. Doch nein, Mortimer hat nicht vor Selbstmord zu begehen, das ist gar nicht nötig, denn er weiß, dass er sterben wird: um 11 Uhr an seinem 36. Geburtstag. Er trägt dieses Wissen seit seiner Geburt mit sich, denn ein geheimnisvoller Familienfluch raffte bereits Generationen männlicher Decimes genau an ihrem 36. Geburtstag zur Stunde ihrer Geburt dahin. Warum weiß niemand, nur dass es so ist. Mortimer ist also vorbereitet, er legt sich brav mit gefalteten Händen ins Bett und wartet und wartet. Urplötzlich platzt seine gute Freundin Paquita in seine Wohnung und verwickelt ihn in ein Gespräch. Mortimers Gedanken schweifen ab, tauchen ein in die Vergangenheit, bis er eine Stimme hört: „Eine Stimme, die näher kommt, die immer lauter und klarer wird. Eine Stimme, die mir jetzt ins Ohr schreit: DU SPINNST WOHL, DU HAST MICH ERSCHRECKT!“ (S. 47) Nein, das ist nicht die Stimme Gottes, sondern Paquitas, denn sie glaubte, eine Spinne auf ihrer Schulter zu haben, da Mortimer sie unentwegt anstarrte. Sie konnte nicht wissen, dass sich hinter ihr die Uhr befand, auf die Mortimer unentwegt schaute, um genau zu wissen, wann es so weit sei. 11:03 Uhr…und Mortimer ist nicht tot. Er lebt, ist quicklebendig. Doch was nun? Marie-Sabine Rogers Roman zeigt auf witzige und dennoch ernsthafte Weise, wie das Leben eines Menschen verlaufen kann, der genau weiß, wann es zu Ende sein wird. Mortimers Lebensplan schwankt zwischen vollkommener Resigantion über waghalsige Aktionen, die ihm nur noch mehr verdeutlichen, dass er bis zum Tage seines Todes geradezu unsterblich ist, bis hin zum verzweifelten Festklammern an jeder einzelnen Sekunde, die verstreicht. „Man kann noch so sehr versuchen, das Unvorhersehbare vorherzusehen, es kommt immer etwas dazwischen zum denkbar unpassendsten Zeitpunkt.“ (S. 9) Denn so sehr sich Mortimer auch gegen Gefühle wie Liebe und Freundschaft wehrt, wird er dennoch von ihnen eingefangen. Da wären zum einen das traumhaft schrullige Pärchen Paquita und ihr Mann Nassardine, die mehr und mehr zu seinen Ersatzeltern werden. Und zum anderen Jasmine, eine eigenwillige junge Frau mit untragbaren Klamotten, deren Hobby es ist auf Parkbänken zu weinen, um andere Menschen glücklich zu machen. Alle erobern sein Herz und machen es Mortimer nur noch schwerer zu leben. In vielen Rückblenden reflektiert er sein bisheriges Leben, denkt über verpasste Chancen und Einsamkeit. Obwohl der Roman einen witzig-flüssigen Schreibstil hat und es immer wieder Episoden gibt, die zum Schmunzeln einladen, behandelt Roger das Thema „Wissen um den eigenen Tod“ sehr ernsthaft. Bisweilen lesen sich die Rückblenden zwar etwas schleppend aufgrund der depressiveren Grundstimmung, doch werden diese schnell wieder durch Figuren wie die unvergleichliche Paquita aufgelockert. Genauso wie Mortimer verliert sich auch der Roman nicht vollständig in einer schwermütigen Haltung, sondern zeigt vielmehr auf, was das Leben so lebenswert macht. Man kann sich als Leser gut in Mortimer unausweichlich scheinendes Schicksal einfühlen. Und immer wieder ertappt man sich selbst bei der Frage: Wie hätte ich gehandelt? Wie hätte ich mich gefühlt?

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  • Morty Reloaded

    Heute beginnt der Rest des Lebens
    steffchen3010

    steffchen3010

    13. June 2015 um 13:10

    “Familiengeheimnisse sind schwarze Spinnen, die uns mit einem klebrigen Netz umweben. Wir geraten immer tiefer hinein, irgendwann sind wir gefesselt, geknebelt, gefangen. Unfähig, uns zu regen, zu reden. Zu leben.” Zitat, Seite 165 Sein gesamtes Leben blickt Mortimer dem Ende entgegen: seinem frühen Tod. All die Jahre lebt er in den Tag hinein, bleibt unnahbar, lebt oberflächliche Beziehungen und verdrängt den Wunsch eine eigene Familie zu gründen, weil eine Sache so sicher scheint wie das Amen in der Kirche: Er wird das gleiche Schicksal erleiden wie all die Männer in seiner Familie und an seinem 36. Geburtstag sterben. Es scheint unausweichlich. Er kündigt seinen Job und seine Wohnung, bringt das letzte Mal den Müll raus und lässt seine Freundin Jasmine ziehen, die er eigentlich viel lieber behalten möchte. Er ist bereit das Zeitliche zu segnen. Doch der Tod lässt auf sich warten. Alles bleibt wie gehabt und Mortimers Geburtstag verstreicht ereignislos. Der erwartete Todeszeitpunkt tritt nicht ein, weshalb der gute Mortimer auch Stunden später noch in seinem Beisetzungsanzug und in allerbester Verfassung am Crêpestand seiner Freunde sitzt und die Welt nicht mehr versteht. War alles nur eine Farce? Mortimer muss nun endlich beginnen, zu leben und stellt fest, dass das Leben eine viel größere Herausforderung ist, wenn der Todeszeitpunkt in den Sternen steht. “Erzählen Sie mal herum, dass Sie mit Ihren Pflanzen reden, damit sie besser wachsen, dass Ihnen Ihre Großmutter im Traum erscheint, um Sie vor misslichen Ereignissen zu warnen, dass Sie aufs Gramm genau wissen, wie viel Sie wiegen, bevor Sie auf die Waage steigen – da landen Sie schnurstracks in einer Schublade mit all den anderen Spinnern, irgendwo zwischen Spiritisten und Zwiebelanbetern.” Zitat, Seite 42/43 Marie-Sabine Roger schreibt Geschichten rund ums Herz. In ihren Romanen widmet sie sich zwischenmenschlichen Problemen. Ihre Zeilen sind geprägt von Feingefühl, Toleranz und Nächstenliebe. Werte, die in all ihren Werken präsent sind. Zahlreiche Leserherzen hat sie dadurch bereits für sich gewonnen. Romane wie “Das Labyrinth der Worte”, “Der Poet der kleinen Dinge” oder auch “Das Leben ist ein listiger Kater” sind bereits in aller Munde. Auch in ihrem neuen Roman widmet sie sich einem eigenbrötlerischen Protagonisten, weshalb sich der Roman ganz harmonisch in das vertraute Genre einreiht. Mortimer Décime, kurz Morty, ist Mitte Dreißzig. Er steht kurz vor seinem Geburtstag und hat bereits alles für seinen Abgang aus dem Leben arrangiert. Er nimmt an, dass ihn dasselbe Schicksal erleiden wird, wie all den Décime Männern vor ihm: Der plötzliche Tod mit 36. Nun ja, warum also in ernsthafte Beziehungen investieren und eine Familie gründen, wenn er sich bereits mit Mitte Dreißig von ihnen verabschieden muss? Er vermeidet es, in die Fußspuren seiner Vorfahren zu treten um Schmerzen und Tränen des Abschieds vorzubeugen. Er bleibt unnahbar, oberflächlich und emotionslos. “Ich könnte mich auf eine Bank setzen und heulen, soviel ich wollte. Ich würde mir die Tränen eines ganzen Lebens ausweinen, bevor sich auch nur ein Passant für mich interessierte. Ich würde so viel Wasser vergießen, bis ich erschöpft, verschrumpelt, ausgetrocknet wäre.” Zitat, Seite 141 Er fährt gut mit seiner Strategie. Die Menschen in seiner Umgebung nehmen ihn kaum wahr. Eigentlich verspürt kaum jemand Lust, den unattraktiven leicht übergewichtigen Morty kennenzulernen. Seine Bekanntschaften sind spärlich gesäht. Einzig und allein Paquita und Nassardine, die Besitzer eines Crêpestandes, werden für ihn zu einer Art Ersatzfamilie. Nach dem Tod des Vaters hat sich Mortys Mutter schnell aus dem Staub gemacht; verzweifelt, mit dem Tod ihres Sohns nicht umgehen zu können. Morty bleibt alleine zurück. Als Morty erfährt, dass er vorerst gar nicht sterben wird, sitzt der Schock tief. Seine Strategie war für den Arsch. Die ganzen Jahre verschwendet. Selbst die Beziehung zu der verrückten Jasmine, in der er das perfekte Gegenstück findet, lässt er zerbrechen. Er hatte schließlich fest mit seinem Tod gerechnet. Doch mit der Aussicht auf weitere Lebenszeit wächst auch die Hoffnung auf eine zweite Chance im Leben. Eine Chance, die er nicht ungenutzt lassen darf. “Dieses Mädchen war wie Alufolie zwischen zwei Zahnkronen, wie eine Papierschnittwunde am Zeigefinger, eine rissige Lippe, die immer wieder aufgeht, wenn man lacht. Etwas völlig Belangloses, das aber unheimlich nerven kann. Ich hatte Lust sie zu schütteln, sie zu zerkrümeln, sie zu zerkratzen.” Zitat, Seite 143 “Sie baute Luftschlösser, ich rechnete und zählte. Sie war die Grille, verschwenderisch und sorglos, ich war die Ameise, die an Worten sparte und mit dem Herzen geizte. Ich hatte Gewissheiten, sie glaubte an Dinge. Ich würde eines Tages sterben. Sie lebte die ganze Zeit. Vielleicht war es das, was ich am meisten an ihr liebte. Dieses übersprudelnde Leben, das sie mit einer Aura von Wünschen und Verlangen umgab. Ich lebte mehr und besser, wenn ich mit ihr zusammen war.” Zitat, Seite 160 Roger erzählt uns in “Heute beginnt der Rest des Lebens” die Geschichte eines Außenseiters. Es sind leise Töne, mit denen die einfühlsame Autorin uns die Geschichte erzählt. Töne, die von Mitgefühl und Toleranz getränkt sind. In ihren Zeilen fehlt es weder an schwarzen Humor noch hilfreichen Lehren. Mit ihren Figuren schenkt sie uns ein exotisches Potpourri von Menschen: Einen bunten Haufen Exoten, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich dennoch perfekt ergänzen. Roger gelingt ein humorvoller und zugleich phantasievoller Roman mit klitzekleinen Längen – unterhaltsam, lehrreich, anrührend. Alles Roger eben!

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  • Heute beginnt der Rest des Lebens

    Heute beginnt der Rest des Lebens
    Fantasie_und_Träumerei

    Fantasie_und_Träumerei

    01. June 2015 um 18:51

    "Egal, auf welches Datum ihre Geburt fiel, alle Männer meiner Familie sind also um elf Uhr früh geboren. Und das Amüsante ist: Alle, ohne jede Ausnahme, sind an ihrem sechsunddreißigsten Geburtstag gestorben, noch bevor sie ihre Kerzen ausgeblasen und ihren Kuchen gegessen hatten, denn elf Uhr morgens ist eine ungünstige Zeit. Jedenfalls was den Nachtisch angeht." Mortimer wird von einem Fluch begleitet, der seine Familie schon seit mehreren Generationen belastet. Zumindest die männlichen Mitglieder, denn sie alle sterben an ihrem sechsunddreißigsten Geburtstag. Schon seit Mortimer denken kann, steht dieser Tag im Fokus der Familie und somit auch in Mortimers Leben. Er wartet regelrecht darauf, dass sein Tod endlich eintritt. Doch dann kommt es anders und Mortimer überlebt tatsächlich seine eigene Todesstunde. "Ich steckte in einem kleinen Leben fest, das kaum atmete, in einem winzigen Leben mit verschleimten Bronchien. Ich brauchte Luft, Raum, Atem. Ich verlor sinnlos meine Zeit, dabei hatte ich wirklich keine übrig." Mortimer lebt zurückgezogen und allein. Bindungen ist er lieber nicht eingegangen, denn er hatte ja immer vor Augen, dass diese vorzeitig durch Ableben beendet werden. Seine einzigen Kontaktpersonen sind Paquita und Nassardine, das Pärchen vom Verkaufsstand, an dem es den besten Crepes und den schlechtesten Kaffee gibt. Die beiden wissen was vom Leben, kennen sich damit aus und sind deshalb Mortimers erste Adresse, um sich einen Rat zu holen. Plötzlich zu leben ist nämlich gar nicht so einfach. "Im nachhinein habe ich verstanden, dass mein Vater depressiv war und mit der Aussicht seines vorzeitigen Todes nicht klarkam. Letztlich hat ihm sein Tod das Leben versaut." Auch mit ihrem neusten Roman "Heute beginnt der Rest des Lebens", hat sich Marie-Sabine Roger, deren Roman "Das Labyrinth der Wörter" verfilmt wurde, wieder in mein Herz geschrieben. Ich mag nicht nur ihre poetische Schreibe und ihren klugen Witz sehr gerne, sondern die Art, wie sie dem Buch Leben einhaucht. Mit ganz besonderen Charakteren, die mit einem Hauch an Tragik und Unglück, aber auch viel Eigensinn und Herz ausgestattet sind, dass eine gewisse Verbindung zwischen Leser und Figuren entsteht. "Alles hätte mich davon überzeugen müssen abzuhauen, zu reisen, jeden Tag zu nutzen wie einen kostbaren Schatz, aber nein, ich tat genau das, was wir alle tun: Ich vergeudete meine Zeit und jammerte darüber, wie sie verrann." In "Heute beginnt der Rest des Lebens" gerät der Hauptdarsteller Morti ein wenig in den Hintergrund. Das lebhafte Ehepaar Paquita und Nassardine stehlen ihm mit ihrer liebenswerten Art, mit ihrer Lebensfreude, ihrer gegenseitigen Zuneigung und ganz viel Herzlichkeit wirklich etwas die Show. Dennoch ist Mortimer ein Protagonist, den man ins Herz schließt und dem man wirklich nur Gutes wünscht. Umso mehr freut man sich, dass er seinen Todestag überlegt und trägt die Hoffnung, dass er jetzt alles aus seinem Leben herausholt was geht. Was das ist, weiß weder Morti, noch ich selbst genau. Roger hat mich aber zumindest dazu gebracht darüber nachzudenken, was mir in meinem Leben fehlt und über welchen Verlust, welches nicht erlebte Abenteuer ich im Falle eines vorhersagbaren Todezeitpunkts, traurig wäre. Letztendlich wissen Mortimer und ich was im Leben wirklich zählt. Es sind nicht die großen Erlebnisse, die uns dauerhaft glücklich machen, sondern die Menschen, die diese Erlebnisse mit Freude mit uns teilen.

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  • Wie geht das Leben weiter, wenn es eigentlich aus ist?

    Heute beginnt der Rest des Lebens
    Callso

    Callso

    26. May 2015 um 10:43

    Das Buch umgibt diesen Hauch von Poesie, von Kreativität und anders denken. All das hat mich im Vorwege auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Aber ich möchte dann bitte auch eine Geschichte lesen, die mich fasziniert und die eine Entwicklung nimmt. Für mich war der Roman dann doch ernüchternd und unbefriedigend. Die Ausgangslage, die schon auf dem Klappentext stand, beinhaltet für mich den spannenden Plot, doch erst auf den letzten 50 Seiten kam die französische Autorin wieder an die Stelle zurück. Vorher waren es überwiegend lange Rückblenden, die mich weniger fasziniert haben.  Mich hat das Buch leider nicht überzeugt. Ich kann mir vorstellen, dass die Langsamkeit indes bei vielen anderen Lesern gut ankommt.

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  • Heute beginnt der Rest des Lebens...

    Heute beginnt der Rest des Lebens
    Alexandra_Luchs

    Alexandra_Luchs

    09. May 2015 um 10:57

    In Mortimers Familie sterben alle Männer an ihrem 36. Geburtstag, um 11 Uhr vormittags um genau zu sein. Seinen Urgroßvater, Großvater und Vater traf dieses Ereignis jeweils recht unpassend und unvorbereitet. Meist vor dem Geburtstagskuchen (11 Uhr ist auch eine wirklich ungünstige Zeit zum Sterben). Mortimer hingegen ist bestens vorbereitet, legt sich an seinem 36. Geburtstag im Beerdigungsanzug aufs Sofa und… stirbt nicht. Als sich zeigt, dass weder Kalender noch Uhr täuschen, merkt Mortimer, dass er die Chance hat ein Leben zu führen, das er für sich längst als beendet glaubte. Die Bücher von Marie-Sabine Roger sind eigentlich eher geschriebene Bilder, als große Romane. In ihren kurzen Geschichten erzählt sie meist von den einschneidenden Erlebnissen im Leben ihrer Protagonisten. Kurze Ausschnitte vom Aufbruch, vom Sich-selbst-finden oder eben vom Nicht-sterben. Da die Geschichten meist sehr reduziert sind, stehen weniger die reine Handlung, als vielmehr die grandios schrillen, skurrilen Protagonisten im Vordergrund. Auch hier sind es vor allem Mortimer sowie seine Freunde Paquita und Nassardine, die diese Geschichte tragen. Mortimer der eigenbrötlerische Pechvogel mit dem schweren Familienschicksal war mir sofort sympathisch. Die Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt, wir erfahren viel von ihm, seiner Familiengeschichte und seinen Ängsten. Der humorvolle und augenzwinkernd-kluge Ton seiner Erzählung hat mir besonders gefallen. In Rückblenden und Abschweifungen führt er uns durch die Geschichte und erzählt nebenbei auch mal die Liebesgschichte seiner Freunde, in einem Kapitel das treffend mit „Kurze Abschweifung“ übertitelt ist. Paquita und Nassardine sind es dann auch, die in dieser Geschichte den absoluten Kontrast zu Mortimer bilden. Sie sprühen vor Lebendigkeit und Plänen, leben im jetzt und träumen dennoch vom später. Die beiden sind so witzig und völlig überzeichnet dargestellt, das sie einerseits schon unrealistisch verrückt wirken, aber eben auch genau die richtige Portion Humor in diese Geschichte tragen. Das Buch hätte sich schnell zu meinem Lieblingsbuch dieser Autorin mausern können: Setting und die Personen sind für meinen Geschmack perfekt. Auch sprachlich macht Marie-Sabine Roger einfach alles richtig. Humor und kleine Weisheiten wechseln sich ab, alles hat Atmosphäre, kein Satz ist Zufall. Sie zeichnet wunderschöne Bilder in meinem Kopf. Der einzige echte Wermutstropfen an dieser Geschichte ist für mich, dass der titelgebende „Rest des Lebens“ viel zu kurz zur Sprache kommt. Es ist zwar üblich für diese Autorin, dass wir die Protagonisten meist verlassen, wenn sie sich auf den (neuen) Weg machen, die Andeutungen über ihre Ziele waren sonst aber konkreter, detaillierter ausgearbeitet. Hier habe ich mich ein bisschen plötzlich aus der Geschichte geschubst gefühlt, der kleine Blick durchs Schlüsselloch hat mir einfach gefehlt. Insgesamt bin ich wieder sehr verliebt in dieses Buch und kann Marie-Sabine Roger nach wie vor jedem empfehlen, der Literatur für die Seele sucht. „Heute beginnt der Rest des Lebens“ war nur einfach nicht ganz so perfekt wie die übrigen Bücher dieser Autorin.

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