Ein Familienwochenende voller Risse…
Das Konfirmationswochenende von Linnea steht bevor. Die gesamte Familie ist eingeladen, doch schon vor der Zusammenkunft sind Spannungen spürbar: Linneas Tante Hanne kommt nach vielen Jahren wieder in den Heimatort zurück. Sie lebt fernab in der Großstadt, hat sich äußerlich sehr verändert und bringt ihre neue Partnerin mit zur Feier. Doch kurz nach der Ankunft brechen schmerzhafte Erinnerungen aus der Vergangenheit über sie herein.
Linneas Vater Bård scheint äußerlich mit seinem Leben zufrieden, ist erfolgreich und kümmert sich um die Familie. Doch hinter der Fassade sieht es anders aus, ein Geheimnis will unbedingt gelüftet werden. Und auch die junge Linnea selbst wünscht sich eigentlich ganz weit weg und ihr Opa Nils hofft, alles richtig zu machen.
Und so nimmt das Wochenende seinen Lauf…
Die Handlung spielt an dem besagten Wochenende, das Freitag mit Hannes Ankunft beginnt. Die Kapitel sind nicht sehr lang und wechseln regelmäßig zwischen verschiedenen Blickwinkeln der Familienmitglieder. Schnell wird klar, dass alle mit eigenen Sorgen und Problemen zu kämpfen haben. Wie erfahren u.a. einiges aus Hannes Leben, die in ihrer Kindheit ein Mobbingopfer war - dieses ist sehr traurig und bewegend. Aber auch die anderen Charaktere sind in ihren Gedanken versunken, hadern mit sich und haben Geheimnisse.
„In meiner Brust regt sich immer noch etwas, wenn ich sie ansehe. (…) Das Schöne und das schrecklich Schmerzhafte, direkt nebeneinander, so dicht, dass sie untrennbar sind.“
– Seite 199
Nach und nach wird die Familiendynamik klarer und es werden Risse sichtbar. Der Schreibstil ist eher nüchtern, aber oft auch eindringlich. Immer wieder gibt es gut eingefangene Momentaufnahmen, die einiges deutlich machen:
„Noch ist alles wie immer, bald werden die anderen aufstehen, aber unter mir schwankt der Boden und die Wände wirken zerbrechlich wie hauchdünnes Glas, bald werde ich sie einschlagen, und alles wird zersplittern. Ich schlucke und halte den Muminpapabecher ins Licht.“
- Seite 91
Dennoch hat mir ab und an die Tiefe gefehlt. Einiges wird zu sehr ausgedehnt, anderes wiederum wird zu kurz abgehandelt. Ich hätte mir bei diesem Roman gerne noch einige Seiten mehr gewünscht, da ich gern erfahren hätte, wie es nach dem Wochenende weitergegangen wäre.
Mein Fazit: Ein Familienroman voller Geheimnisse – mit gut eingefangenen Momentaufnahmen, jedoch auch mit kleinen Schwächen. Die verschiedenen Blickwinkel sind gut gewählt und auch die verschiedenen Sorgen, Ängste und Geheimnisse der Charaktere werden sichtbar. Es wird auch mal ernst und bewegend mit eindringlichen Momenten – diese sind jedoch manchmal etwas kurz und knapp gehalten.
Auch wenn sich der Roman gut lesen lässt, hätte ich mir ein paar Seiten mehr gewünscht, da auf den 208 Seiten manchmal die Tiefe gefehlt hat. Aber insgesamt ein lesenswerter Roman, dem ich 3,5 Sterne gebe.
Marie Aubert
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Eigentlich bin ich nicht so von Marie Aubert
Ein Roman, in dem wir uns wiederfinden, so heißt es in der Ankündigung.
Ich konnte mich aber in der Geschichte leider nicht wieder finden.
Es ist kein Roman, der bei mir hängen bleiben wird, aber er ließ sich sehr gut und leicht lesen. Es fehlte mir aber sehr an Tiefe, alle Personen blieben mir fremd und konnten mich nicht berühren. Sie wurden leider nur sehr oberflächlich beschrieben.
Die Grundidee, die Geschichte aus den verschiedenen Perspektiven der einzelnen Protagonisten zu erzählen, hat mir sehr gut gefallen. Leider konnte mich die Umsetzung dann doch nicht so begeistern, wie ich es mir auf Grund des Klappentextes erhofft hatte. Alles wirkte auf mich irgendwie sehr gewollt, sehr klischeehaft und konnte mich nicht wirklich berühren. Vielleicht liegt es auch an dem eher kühlen, distanzierten Schreibstil, der für mich zu wenig Gefühl transportierte.
Familienfeiern, auf der einen Seite liebt man sie, auf der anderen Seite fühlt man sich unwohl und man weiß nie, welche Bombe ihr bei den „geliebten Verwandten“ platzen könnte. Das ist das Setting bei Aubert. Jedes Familienmitglied trägt sein Päckchen mit sich, von dem die anderen Familienmitglieder aber nichts wissen oder höchstens davon ahnen. Jedes Familienmitglied bemitleidet sich selbst, scheut sich aber davor mit den anderen Familienmitgliedern über die Probleme zu sprechen, so dass die Familie ein ganz falsche Bilder von sich hat. Ein insgesamt sehr realistisches Szenario und sowas mag ich.
Außerdem fand ich es interessant, dass die drei Tage an denen der Roman spielt, aus vier verschiedenen Perspektiven geschildert wird. Hanne, ihr Bruder Bard, ihr Vater Nils und ihre Nichte Linneas erzählen aus ihrer Sicht, wie sie gewisse Situationen erleben und wie sie sich fühlen. Dabei wird nicht ein und die selbe Situation aus den vier Perspektiven geschildert, sondern die Handlung schreitet ständig voran und wird dann aus jeweils wechselnden Perspektiven weitererzählt. Mit allen vier Figuren konnte ich mit identifizieren und ihre Schilderungen und Gefühle waren für mich absolut nachvollziehbar, nur Hanne war mir manchmal zu bockig.
Ich hatte zunächst gehofft, dass es am Ende ein richtig großes Drama gibt, aber im Rückblick bin ich froh, dass dies ausblieb. Es ist jetzt kein Roman, der ewig bei mir hängen bleiben wird, aber er ließ sich sehr gut weglesen, entwickelte eine Sogwirkung und ich habe keine größeren Kritikpunkte vorzubringen
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