Marie Ebner-Eschenbach Unsühnbar

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Inhaltsangabe zu „Unsühnbar“ von Marie Ebner-Eschenbach

Zum 100. Todestag Marie von Ebner-Eschenbachs am 12. März 2016 Zu jung, um die beste Partie Wiens abzulehnen; zu leidenschaftlich, um dem Seitensprung mit dem heimlichen Schwarm zu widerstehen; zu aufrichtig, um der Scheinmoral nicht offen die Stirn zu bieten: Maria von Wolfsberg ist gleichermaßen sympathische Heldin wie tragisches Opfer von «Unsühnbar». Im Bemühen, sich von Schuld zu befreien, entgleitet ihr das Leben und läuft auf eine Katastrophe zu … Ein schillerndes Figurenensemble, sprühende Dialoge und Seitenhiebe auf die Bigotterie des im Niedergang befindlichen österreichischen Adels machen diesen Ehebruchsroman - erschienen fünf Jahre vor «Effi Briest» - zu einer Leseentdeckung. Eindrucksvoll unterstreicht er den Rang Ebner-Eschenbachs als herausragende Autorin des deutschsprachigen Realismus.

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  • Wo kein Kläger

    Unsühnbar
    BettinaR87

    BettinaR87

    30. June 2017 um 12:59

    … da kein Richter. Doch in Marias Fall ist ihr Gewissen der permanent aktive Richter, der die Wahrheit über ihre Fehlbarkeit ans Licht bringen möchte. Ein früher Roman über eine junge Frau, deren moralischer Anspruch an sich selbst sich zu einem echten Fallbeil ihres Lebens auswächst. Gräfin Maria Wolfsberg gerät in eine für junge Aristokratinnen aus dem 19. Jahrhundert typische Situation: Sie hat sich in einen Mann verschaut, der vom Vater abgelehnt wird. Zudem tritt ein anderer auf den Plan, der ganz artig alle offiziellen Instanzen durchläuft, bis er sie fragt, ob er um sie werben dürfe. Es kommt zur Hochzeit, zu der ihr Vater ihr gerne allerlei Rat geben möchte – unter anderem, dass „eheliche Treue“ seitens der Ehemänner etwas anders definiert wird als das der Frauen … Maria ist eine ehrliche Person und denkt sich nicht so viel dabei. Bis sie selbst den Ehebruch begeht und sogar ein Kind daraus entsteht. Ein unsühnbares Vergehen? Die Kritik Maria ist eine relativ einfache Figur: Sie ist klug, ruhig und beobachtet ihre Welt aufmerksam. In die Köpfe ihrer Mitmenschen kann sie aber nicht blicken, weswegen sie sich nur zu gut bewusst ist, dass die Informationen, die ihr vorliegen, niemals vollständig sind. Außerdem fürchtet sie sich, wie fast jeder Mensch, vor der Verurteilung anderer Menschen. Insbesondere, wenn diese ihre Achtung errungen haben. Beispielsweise ihr Mann, der durch seine Geduld, seine Zuneigung und seine unterstützende Art ein wichtiger Pfeiler für sie ist. Nie fordert er mehr, als sie bereit ist zu geben – damit ist er sowieso ein besonderes Exemplar seiner Art. Denn in dieser Zeit dürfen Männer Frauen nachstellen, sie ungestraft ins Unglück stürzen, herablassend behandeln, in der Ehe untreu sein gilt für sie als Selbstverständlichkeit. Nichts davon trübt Marias Ehe mit Hermann. Das lässt ihr Vergehen, die kurze Affaire mit Felix, noch schwerer wiegen – aus ihrer Sicht ein unsühnbarer Fehler. Jeder Mann dieser Zeit hätte das einfach durchgewunken, aber Maria geht ziemlich hart mit sich ins Gericht. Am Ende gesteht sie es vor allen Beteiligten, bevor die Familiengeschichte gar vor die Hunde geht (aus ihrer Sicht) und steht zu ihrem Verhalten. Wir haben es also mit einer sehr standhaften und ehrlichen Hauptperson zu tun, die genau weiß, wie sie sich den Umständen entsprechend und ohne Schaden durch den Tumult navigieren könnte – sich aber sehr bewusst dagegen entscheidet und sich damit so verhält, wie es die Herren der damaligen Zeit hätten tun sollen. Ihr größtes Manko ist die Uninformiertheit, mit der man sie hat aufwachsen lassen, eine direkte Kritik an der damaligen Gesellschaft. Die Hauptperson weiß prinzipiell um solches Verhalten und missbilligt es, wie Komtessen einem geeigneten Kandidaten an den Hals geworfen werden und versucht so gut wie möglich, ähnliches Verhalten bei sich selbst zu vermeiden. Das wird dadurch unterstrichen, dass Hermann um sie wirbt, die Hochzeit durch ihren Vater längst abgemachte Sache ist. Neben dieser direkten Kritik findet sich bei Marie von Ebner-Eschenbach immer wieder sanfter Sarkasmus zwischen den Zeilen, der sowohl erheiternd als auch mahnend wirkt. Sie weiß aus erster Hand, worüber sie schreibt, denn die Autorin gehörte selbst dem Adel an. Mit 49 Jahren absolvierte sie – ungewöhnlicherweise – eine Ausbildung zur Uhrmacherin und gehört damit wohl zu den frühen Vertretern eines „krummen Lebenslaufs“. Anstatt also einfach nur Uhren zu sammeln und auf dem Urteil anderer zu vertrauen, was die Mechanik und den Wert angeht, beschaffte sie sich selbst die fachliche Basis. Diesen Freigeist, diese gewollte Unabhängigkeit und Offenheit gegenüber ihrer Umwelt spürt man auch in der Hauptperson Maria. Da das Buch bereits 1980 erschien, ist der Schreibstil natürlich etwas komplexer und nicht ganz so einfach wie beispielsweise bei Keyerlings „Fürstinnen“. Dennoch ist der Lesefluss sehr gut, denn die Autorin schreibt pointiert und führt ihren Leser ohne pompöse Sprache genau auf die Information, die sie ihm vermitteln möchte. Ein wenig umständlich wird es nur, als die Hauptperson sich etwas zu sehr in ihre Fehlerhaftigkeit hineinsteigert – dann ringt sie die Hände, klagt ihr Leid dem Wind und gibt ganz die tragische Heldin. Das darf man aber getrost der Zeit zuschreiben, in der die Autorin gelebt und Maria positioniert hat. Wer sich über die Grenzen von Effi Briest emporheben möchte und gerne anspruchsvollere Literatur liest, die sich mit dem Innenleben der Hauptfigur beschäftigt, sollte sich „Unsühnbar“ unbedingt zu Gemüte führen.

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  • Die Stunde der Erniedrigung

    Unsühnbar
    YukBook

    YukBook

    20. July 2016 um 08:26

    Wie bigott und frauenfeindlich die Wiener Adelsgesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts war, macht Marie von Ebner-Eschenbach in ihrem Roman „Unsühnbar“ deutlich. Opfer der biederen Konventionen wird die Protagonistin Maria von Wolfsberg, die den kunstliebenden Felix Tessin liebt. Die Gräfin fügt sich jedoch dem Wunsch ihres strengen Vaters und heiratet den biederen Graf Dornach. Als es zum Seitensprung kommt und Marie schwanger wird, schiebt sie ihrem Ehemann das Kind unter. Mit der Zeit lernt sie jedoch, Hermann zu lieben und die zahlreichen Vergnügungen der feinen Gesellschaft zu schätzen. Früher wollte sie um jeden Preis gefallen; nun wollen alle der Gräfin gefallen. „Ein ganzes Dasein der Rechtschaffenheit muss eine Stunde der Verirrung aufwiegen können“, versucht sie sich einzureden, doch ihre Gewissensbisse und Seelenqualen nehmen mit der Zeit zu. Die Stunde der Erniedrigung bleibt für sie unsühnbar. Da helfen auch ihre Zerstreuungsversuche in Form von opulenten Bällen, der Treibjagd oder Wintersport nicht. Auch ihr Streben nach Vervollkommnung durch Bücher und die Kirche misslingt. Maria, die so viel Wert auf Wahrheit legt, kann nur schwer ertragen, dass ihr eigenes Leben auf einer Lüge aufbaut, und stürzt immer weiter in den Abgrund von Schuld und Sühne. Auch wenn der pathetische Ton nicht ganz in unsere Zeit passt, werden Marias Leidenschaften und Seelenqualen so nuanciert beschrieben, dass man mit ihr fühlt. Der Roman, der erstmals 1890 erschien, illustriert sehr deutlich die Scheinmoral und die patriarchalische, durch ökonomisches Kalkül geprägte Gesellschaft der damaligen Zeit.

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  • Unsühnbar

    Unsühnbar
    JoBerlin

    JoBerlin

    12. March 2016 um 20:41

    Marie von Ebner-Eschenbach gilt als eine der wichtigsten deutschsprachigen Erzählerinnen des 19. Jahrhunderts. Zum 100. Todestag im März 2016 bringt der Manesse Verlag in gewohnt guter Ausstattung nun die Erzählung „Unsühnbar“ neu heraus. Von Anfang an gelingt es der Autorin eine geheimnisvolle Aura um das Leben der Protagonistin Maria von Wolfsberg zu schaffen. Ihr Vater will sie gut verheiraten und hat sie dem Großgrundbesitzer Hermann von Dornach versprochen. Maria liebt einen anderen, doch für den Vater steht fest, Hermann soll sein Schwiegersohn werden. „Der Verstand sagt, der klare Blick sieht - hier ist ein Mensch, so vortrefflich, dass eine Frau mit ihm glücklich werden muss.“ Maria zögert, doch fügt sie sich und geht die Ehe mit dem ungeliebten Hermann ein. Mit fein eingestreuten Andeutungen versteht es die Autorin, die Spannung zu halten, ja – ein Geheimnis um gibt die Familie Wolfsberg und als Marias eigentlicher Favorit wieder Kontakt zu ihr aufnimmt und eine Begegnung mit ihr herbeiführt, ahnen wir die mögliche Tragödie. Wird sie dem Ehemann untreu, ihn verlassen? Nun kommt Ehebruch im 19. Jahrhundert natürlich auch in der guten, adeligen Gesellschaft vor und ist kein Grund, am Leben zu verzweifeln – dies gilt für Männer wohlgemerkt. „Eine scheinbare Vernachlässigung, eine flüchtige Zerstreuung des Gatten, wird von dem Weibe, das sich selbst achtet, übersehen. Was ist ein kurzer Sinnenrausch, dem gewöhnlich klägliche Ernüchterung folgt, im Vergleiche zu der unerschütterlichen, dankbaren Anhänglichkeit an die verehrte Lebensgefährtin, die niemals Nachsicht braucht, aber immer Nachsicht übt“ so die weitverbreitete patriarchalische Auffassung. Marie von Ebner-Eschenbach erzählt die Geschichte des unsühnbaren Ehebruchs so dicht, so wunderbar, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Exzellent ist ihre genaue psychologische Beobachtungsgabe, die sich auch in Tierbeschreibungen zeigt, so erzählt sie ein kleines „Gespräch“ unter Hunden und zeigt sinnlose Vergnügungen des Adels in Beschreibung einer Jagdgesellschaft mit ihrer brutalen Hetzerei und Töterei. Zwar ist „Unsühnbar“ inhaltlich dem 19.Jahrhundert angehörig, doch werden andere, bessere, freiere Zeiten kommen, dass ist im Text bereits spürbar: „Seltsamerweise hatte Maria die öffentliche Meinung gewonnen durch die heroische Geringschätzung, die sie ihr bewies. Die große Welt verzieh, statt zu verdammen“. Ebner-Eschenbachs schriftstellerisches Können, ihre deutliche Kritik am Verhältnis Mann-Frau und am Gebaren des Adels sind jedenfalls bereits einer neuen Zeit verhaftet und so interessiert, berührt und fesselt uns ihr Werk auch heute noch.

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