Marie Moutier "Liebste Schwester, wir müssen hier sterben oder siegen."

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Inhaltsangabe zu „"Liebste Schwester, wir müssen hier sterben oder siegen."“ von Marie Moutier

Eine beeindruckende Sammlung persönlicher Zeitdokumente. Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation in Berlin ist in Besitz von 16.000 Briefen, die deutsche Soldaten im Laufe des Zweiten Weltkrieges an ihre Verwandten daheim geschrieben haben. Die französische Germanistin und Historikerin Marie Moutier hat eine Auswahl aus dieser großen Sammlung getroffen. Chronologisch und nach Kriegsschauplätzen (Polen, Frankreich, Norwegen, Afrika, Russland, Normandie) geordnet, liefert diese Feldpost gleichsam eine Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Briefen. Sie zeigt einfache Soldaten und Gefreite, die gegenüber ihren verwandten Briefpartnern oft enormes Mitgefühl und Einfühlungsvermögen beweisen und die zugleich von der Rassenideologie des Nationalsozialismus durchdrungen sind. Jedem Brief ist jeweils ein kurzer Lebensaufriss des Absenders vorangestellt. Die Veröffentlichung dieser Briefe ist ein bedeutender Beitrag zum Verständnis des Zweiten Weltkrieges und der Mentalität der Soldaten.

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  • Absicht dieses Buches ist es, mit der Idee einer deutschen Kriegsmaschinerie aufzuräumen

    "Liebste Schwester, wir müssen hier sterben oder siegen."

    Strigoia

    26. March 2016 um 19:50

    „Für den Verbrecher ist das Verbrechen ein Element der Geschichte und nicht die Hauptsache. Für das Opfer ist das Verbrechen die Geschichte selbst.“  -Seite 6Marie Moutier präsentiert uns hier eine Sammlung persönlicher Zeitdokumente, die beklemmende Eindrücke in das Innere der deutschen Wehrmachtssoldaten eröffnen. Chronologisch und nach Ländern geordnet, vermischen sich in der Feldpost private und politische Dinge. Dem Leser offenbart sich hier eine ganz neue Sichtweise auf die Geschehnisse direkt an der Front. Das Buch ist schwer zu beschreiben. „Absicht dieses Buches ist es, mit der Idee einer deutschen Kriegsmaschinerie aufzuräumen und stattdessen die Gemütsverfassungen, die Überzeugungen, die Leiden und die Freuden der Wehrmachtssoldaten kennenzulernen.“ (S.12)Aus den Briefen kann man wirklich viel herauslesen, allerdings muss man oft wirklich sehr zwischen den Zeilen lesen, da die Briefe der Zensur unterlagen. Es durften keinerlei militärische Informationen weitergegeben werden, später wurde dann alles zensiert, was nicht der Nazi-Ideologie entsprach. Diese Zensur wirkte stark abschreckend, deshalb unterwarfen sich die Soldaten einer Art Selbstzensur. Diese starke Einschränkung macht die Briefe aber gerade interessant! „Wenn man seiner Familie keine Details über die Militäroperationen mitteilen darf, was schreibt man ihr dann?“ (S.15)Diese Briefe zeigen uns die Gefühlswelt der Wehrmachtssoldaten und wie sie als Menschen gehandelt haben. Jeder Krieg wird von Menschen gegen Menschen geführt. Um dieses Buch im Ganzen zu verstehen, muss man die Kriegsmaschinerie ausblenden.Krieg ist nun mal nichts, was am Schreibtisch abgewickelt wird. Er wurde, wird und wird immer von Menschen geführt werden. Und diese Menschen hinter dem Krieg, die kann man in dieser Sammlung an Briefen kennen lernen. Dabei stößt man nicht nur auf leichten Widerstand, sondern auch auf starke Indoktrination, auf Sorge, versteckte Angst und auf vollständige Führertreue. Und immer wieder auf den ideologischen Rassenbegriff der NSDAP. Mehr als einmal trifft man auf die mehr als unmenschliche Behandlungsweise den Juden gegenüber. Aber auch die Russen, Engländer und Polen spielen eine große Rolle. „Heute waren wir in der Stadt; da könnt ihr was sehen; wo unsere Stukaflieger reingefunkt haben, da liegen ganze Straßen in Schutt und Asche, denn die faulen Polen räumen nichts wieder auf; die Juden haben sie alle zusammen gedrängt; es ist mit Stacheldraht umzogen […]“ -(S.144, Kurt S. am 04.09.1941)Die Briefe sind ergänzt durch Kurzbiographien der Soldaten. Diese helfen dem Leser, den Menschen hinter dem strengen Marschschritt zu erkennen. Damit auch tatsächlich jeder Brief in vollem Umfang verstanden wird, sind die Texte immer wieder durch Fußnoten ergänzt. Das erschwert das Lesen an sich zwar, hilft dem Verständnis aber sehr. Für Geschichtsinteressierte ist diese Sammlung ein tolles Werk, wenn auch teilweise recht anstrengend beim Lesen. Wenn man aber einmal drin ist, dann liest es sich auch einfach so weg. Und am Ende stecken viele kleine Post-It-Zettel zwischen den Seiten! 

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  • Dieses Buch regt zum Nachdenken an.

    "Liebste Schwester, wir müssen hier sterben oder siegen."

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    22. May 2015 um 21:36

    Ein solches Buch ist meiner Meinung nach besonders schwer zu rezensieren. Die vielen Eindrücke und Geschichten der Soldaten musste ich erst einmal ein wenig sacken lassen. Beeindruckend ist es allemal was Marie Moutier hier gelungen ist. Sie hat es geschafft auf 383 Seiten dir Briefe so zu suchen und zu drucken, dass man das Gefühl hatte bei den Soldaten zu sein und ihnen beim Schreiben über die Schulter schauen zu können. Dieses Buch ist wirklich sehr berührend. Man wird zum nachdenken gezwungen und fragt sich wirklich, ob man einen seiner Liebsten in dieser Situation haben wollen würde. Man darf nicht vergessen, dass diese Soldaten Befehle ausgeführt haben, die von anderen Menschen kamen. Denn Krieg wird nun mal von Menschen entfacht und von niemandem sonst. Dieses Buch ist einfach klasse und regt wirklich zum nachdenken an. Volle Sternenzahl! ★★★★★ Die ganze Rezension findet Ihr auf meinem Blog.

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