Marie NDiaye Drei starke Frauen

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Inhaltsangabe zu „Drei starke Frauen“ von Marie NDiaye

Es war ein Überraschungserfolg, mit dem niemand gerechnet hatte: Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt, avancierte Marie NDiayes "Drei starke Frauen" erst in Frankreich, dann in Deutschland in kürzester Zeit zum Bestseller.

Drei Lebensläufe werden zum Panorama weiblicher Stärke. So tragisch ihre Schicksale auch sind, die Frauen in diesem ergreifenden Roman geben nicht klein bei, sondern bewahren sich ihre Würde. Im entscheidenden Moment weigern sie sich, so zu handeln, wie es ihre Umgebung von ihnen verlangt.

Die 3. Geschichte verdeutlicht ansatzweise die Gefahren einer Flucht nach Europa. Unfassbar was Menschen auf sich nehmen.

— buchhase

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  • Drei Frauenleben - eindrucksvoll geschildert

    Drei starke Frauen

    Ginevra

    01. November 2015 um 09:41

    Norah ist 38, arbeitet als Anwältin in Paris. Sie hat eine kleine Patchworkfamilie – und ist unglücklich, weil ihr Partner ihr unzuverlässig erscheint. Als ihr Vater sie drängt, in den Senegal zurückzukommen, um ihm bei einer wichtigen Angelegenheit zu helfen, fliegt sie sofort los – und gerät in einen Strudel der Erinnerungen. Aus dem reichen, protzigen Hotelbesitzer ist ein abgehalfterter Egozentriker geworden. Der Vater hatte vor vielen Jahren Norahs Mutter verlassen und den damals 5-jährigen Bruder Sony entführt, der nun – 30 Jahre später – in Schwierigkeiten steckt… Rudy Descas ist 43 und jobt als einfacher Arbeiter in der französischen Provinz – dabei war er im Senegal ein angesehener Gymnasiallehrer gewesen. Sein Vater war Geschäftspartner von Norahs Vater, gemeinsam hatten sie ein Feriendorf gegründet. Nach einem „Vorfall“ musste Rudy das Land verlassen und kehret zurück nach Frankreich, mit seiner geheimnisvollen Frau Fanta „im Schlepptau“. Als Rudys Chef der schönen Fanta nachstellt, dreht Rudy durch… Und dann ist da noch die junge Khady, die einfach nicht schwanger wird, die als junge Witwe von ihrer Familie verstossen wird und sich durch ein unerbittliches Land durchschlägt. Ihr Ziel: die Flucht aus dem Senegal nach Frankreich, zu ihrer reichen Cousine Fanta… Marie NDiaye wurde 1967 in Frankreich geboren. Ihr Vater, ein Senegalese, verließ die Familie früh und kehrte in seine Heimat zurück. NDiaye beschloss schon als Jugendliche, Schriftsellerin zu werden, und setzte sich in ihren Romanen mit der Problematik von Migration und Rückkehr auseinander. Nach einigen Wohnortwechseln lebt sie derzeit mit ihrer Familie in Berlin. Für den Roman „Trois Femmes Puissantes“ erhielt sie 2006 den renommierten Prix Goncourt. Mit einem eindringlichen, hypnotisierenden Erzählstil und eindrucksvollen Bildern verknüpft sie die afrikanische Erzähltradition mit der modernen. Ich konnte mich dem eigenartigen Bann dieses Buches kaum entziehen und musste viel über die Schicksale der beschriebenen Personen nachdenken. Alle drei Episoden dieses Buches sind inhaltlich miteinander verknüpft, und zeigen verschiedene Varianten des Themas Migration: erfolgreiche Anpassung, gescheiterte Anpassung, Flucht.  Die Wirklichkeit ist in allen drei Fällen ziemlich deprimierend, besonders die letzte Geschichte ging mir sehr ans Herz. Norah, die schon als Kind nach Frankreich kam, schafft es durch ihre Schulbildung, sich zu verwirklichen und hat sich in die moderne französische Gesellschaft integriert, dennoch lasten die Schatten der Vergangenheit schwer auf ihr und verhindern beinahe ihr Glück.  Fanta, die als Erwachsene nach Frankreich kommt,  bleibt im Hintergrund, passt sich an, scheint mit dem bescheidenen Wohlstand zufrieden zu sein, während ihr Mann damit hadert.  Und Khady bleibt nur die Flucht – aus einem armen Land, dessen Strukturen längst zerfallen sind. Fazit: ein absolut lesenswertes, poetisches und gesellschaftskritisches Buch – 5 von 5 Sternen!

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  • Preisgekrönt, aber nichts für jeden Tag.

    Drei starke Frauen

    Lissy

    15. April 2013 um 18:21

    In dem Buch werden drei Geschichten von starken Frauen erzählt. Die erste Geschichte hat mich nicht vom Hocker gerissen, es geht um Norah und um ihr Verhältnis zu ihrem Vater und ihrem Bruder. Es ist mir schwer gefallen, einen echten Bezug zu den Figuren und zur Geschichte zu entwickeln, was sicherlich ein Stück weit auch an der wunderschönen, aber doch anstrengend zu lesenden Sprache lag. In der zweiten Geschichte geht es meines Erachtens nach nicht um eine Frau, sondern um Rudy und dessen Gedanken und  Komplexe und Ängste. Er ist mit Fanta verheiratet (das ist quasi die zweite starke Frau), aber sie spielt nur eine kleine Nebenrolle. Die Geschichte hat zwar mehr Handlung als die erste, ist aber sehr langatmig geworden.  Die dritte Geschichte ist klasse. Sie handelt von Khady Demba, die in Afrika lebt und nach dem Tod ihres Mannes zu dessen Familie ziehen muss. Sie lebt dort in ihrer eigenen Welt und eines Tages schickt ihre Schwiegermutter sie weg, zu Fanta, der vermeintlich reichen Verwandten in Europa. Kadya erlebt eine wahre Odyssee und bei allem Elend, das ihr passiert, ist sie immer stolz, dass sie Khady Demba ist. Mein Fazit: Es ist ein sprachlich brilliantes Buch, aber die geschliffenen Sätze fügen sich nicht zu einem runden Gesamtbild. Die dritte Geschichte entschädigt für die Durststrecke der zwei anderen. Es wäre besser gewesen, wenn das ganze Buch nur über Khady Demba gehandelt hätte. Dieses preisgekrönte Buch spart leider etwas am Lesegenuß. 

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  • Rezension zu "Drei starke Frauen" von Marie NDiaye

    Drei starke Frauen

    hexhex

    12. July 2012 um 16:04

    Hatte mir leider ganz was anderes vorgestellt und bin mit dem Buch überhaupt nicht warm geworden. Habe nach dem ersten Drittel aufgehört. Vielleicht hätte ich mich zu Hause weitergequält, aber im Urlaub ging das gar nicht.

  • Rezension zu "Drei starke Frauen" von Marie NDiaye

    Drei starke Frauen

    Gruenente

    06. January 2012 um 14:08

    Ich dachte: schon wieder so ein "Frauen in Afrika-Buch". Aber weit gefehlt. Das ist nicht nur eine Anprangerung der schlimmen Lebensumstände mancher Menschen uns insebisndere von Frauen, sondern eine literarisch anspruchsvolle Beschreibung dreier sehr unterschiedlicher Schiksale, die auch noch miteinander verknüpft sind. Das Buch ist auch voller mystischer Andeutungen und Symbolen. In der ersten Geschichte geht es um eine Frau mittleren Alters, die in Frankreich lebt und von ihrem verhassten Vater nach Afrika gerufen wird weil der Bruder wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Die zweite wird aus der Sicht eines Mannes erzählt, dessen Frau aus Afrika kam und ein Leben im Schatten fristet. Die letzte, ergreifendste, handelt von einer jungen Frau, die nach dem Tod des Mannes von den Schwiegereltern losgeschickt wird, in Europa Geld zu verdienen.

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  • Rezension zu "Drei starke Frauen" von Marie NDiaye

    Drei starke Frauen

    Elocin

    30. October 2011 um 15:27

    Das Buch erzählt drei einzelne Schicksale afrikanischer Frauen, die unterschiedliches Leid zu ertragen haben.

    Die Geschichten der Frauen sind eindrucksvoll und berührend geschrieben. Speziell die letzte über Khady ist wahnsinnig traurig und hinterlässt einen dicken Klos im Hals.

  • Rezension zu "Drei starke Frauen" von Marie NDiaye

    Drei starke Frauen

    esmerabelle

    Norah, Tochter einer Französin und eines Senegalesen, ist in Frankreich aufgewachsen und hat sich dort ihr Leben aufgebaut, als sie von ihrem Vater, der die Familie früh verlassen und nur den Sohn mit sich genommen hatte, angefleht wird, wegen einer dringenden Familienangelegenheit zu ihm nach Dakar zu kommen. Fanta hingegen ist im Senegal groß geworden und hat dort ihren französischen Mann kennen gelernt, dem sie in seine Heimat folgt. Auch Khady wurde im Senegal geboren, heiratete aber einen Senegalesen. Als ihr Mann stirbt, zwingt seine Familie sie, sich auf den langen und gefährlichen Weg zur Cousine Fanta nach Frankreich zu machen. So die Grundkonstellationen in Marie NDiayes Roman „Drei starke Frauen“. Wobei der Begriff „Roman“ im Grunde irreführend ist. Außer einer lockeren Verbindung durch Namen und Orte hält die drei Geschichten wenig zusammen, so dass man sie im Grunde als Erzählungen betrachten könnte. Es wäre falsch, zu behaupten, dass das Buch schlecht geschrieben sei. NDiaye hat einen eigenen Stil, der durchaus als poetisch anerkannt werden kann. Sie kreiert eine ganz eigene Stimmung, ohne je in Platituden zu verfallen oder sich verbrauchter Bilder und Metaphern zu bedienen, und verwendet eine starke Symbolik, die sich durch alle Kapitel zieht. Ein Lesevergnügen ist das Buch leider trotzdem nicht. Das liegt zum einen an NDiayes unerfreulichem Ehrgeiz, jeden Abschnitt, egal wie lang, aus nur einen Satz bestehen zu lassen, der in langen Verschachtelungen mit Klammern, Gedankenstrichen und eingeschobener Rede daher kommt. Das kann funktionieren, tut es in diesem Fall bedauerlicher Weise aber nicht. Wo man vom Strom der Wörter erfasst werden sollte, holpert man als Leser nur ungemütlich dahin und muss sich zwingen, bei der Sache zu bleiben. Was besonders dadurch erschwert wird, dass die Figuren durchweg fremd bleiben und man besonders in den ersten beiden Kapiteln Probleme hat, ihre Sorgen und Nöte im vollen Ausmaß nachzuvollziehen. Da werden Selbstvorwürfe gemacht, irritierende Rückschlüsse gezogen, Panikattacken erlitten, Körperflüssigkeiten verloren, und eigentlich weiß man nicht wirklich, warum. Der Titel „Drei starke Frauen“ bleibt ein Rätsel, wenngleich Khady, die einzige, die einem wirklich schweren Schicksal ins Auge blicken muss, eine kleine und erfreuliche Ausnahme bildet. Die einzelnen Geschichten sind in ihrem Ansatz durchaus interessant, aber auch diese Option wird nicht im vollen Potential genutzt. Angedeutete Möglichkeiten werden nicht weiter verfolgt, Behauptungen gemacht, aber nie auf ihre Richtigkeit oder Falschheit überprüft und das Kapitel ist zu Ende, wenn man gerade das Gefühl hat, jetzt genug Einleitung auf sich genommen zu haben. Fanta, der „starken Frau“ des zweiten Teils, begegnet man erst gar nicht, sondern ist über 163 Seiten den unerfreulichen Selbstzermürbungen ihres Gatten ausgesetzt. Was am Ende bleibt, ist das Gefühl, sich mit viel Körpereinsatz durch ein zähes Meer gekämpft zu haben, das man lieber komplett umschifft hätte und das Bedürfnis, den Protagonisten nahezulegen, sich möglichst bald einem Therapeuten anzuvertrauen, bevor man so schnell wie möglich die Flucht ergreift. Aber trotz aller persönlicher Ressentiments sollte nicht verheimlicht werden, dass „Drei starke Frauen“ eine Reihe renommierte Preise erhalten hat, unter anderem den Prix Goncourt und den Internationalen Literaturpreis, und auch in der Kritikerwelt durchaus hoch gelobt wurde. Wer also neugierig geworden ist, soll sich an dieser Stelle ermutigt sehen, sich eine eigene Meinung zu bilden.

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    • 3

    esmerabelle

    07. October 2011 um 10:30
  • Rezension zu "Drei starke Frauen" von Marie NDiaye

    Drei starke Frauen

    Leserrezension2010

    24. August 2010 um 21:03

    A188 Drei starke Frauen von Marie NDiaye Kategorie: Allgemein Suhrkamp Verlag, erste Auflage 2010 Nein, es ist kein freundliches Buch.. Ich habe es gelesen, weil es den Prix Goncourt erhalten hat und bei der einschlägig bekannten Literaturkritik gut angekommen ist. Nun kann man sich auf diese Kritiker manchmal verlassen...manchmal aber auch nicht. Dies wollte ich mit der Lektüre von „Drei starke Frauen“ selbst herausfinden. den ersten Teil habe ich grad gelesen....weiss noch nicht....mhhmmm erstmal den Rest lesen... flirrig geschrieben....wollen wir mal nachschauen, wie ein Flammenbaum aussieht...aha: Je weiter ich im Buch vorankomme, desto mehr muss ich mich quälen, durchzuhalten. Die Geschichten finde ich nicht weiter interessant, die Sprache durchaus, aber was nützen die schönsten Sätze, wenn der Inhalt derartig spröde ist? Ich kann mir einfach überhaupt nicht vorstellen, dass jemand so seltsame Gedanken hat. Wie kommt man auf sowas? Ich finde alles eigenartig konstruiert, die Geschichten, die Gedanken, die endlose Hitze. Wieso muss "richtige" Literatur so durchweg frei von Humor sein? Die mittlere Geschichte ist derartig quälend, dass ich diesen seltsamen Ehemann am liebsten von seinem Elend erlösen möchte. Wenn mich jemand in nächster Zeit fragen sollte, ob das Buch unbedingt gelesen werden möchte, würde ich sagen: Ich kann es nicht empfehlen, würde lieber etwas anderes zur Hand nehmen, aber ich werde Dich nicht abhalten.... Sehr kurze Inhaltsangabe der drei Geschichten: Juristin, die sich alles selbst erarbeitet hat, wird vom Vater gebeten, Ihren Bruder juristisch zu vertreten, der die Frau des Vaters umgebracht haben soll. Was in dieser Geschichte wahr ist und was nicht, ist schwierig zu entscheiden und man hat das Gefühl, dass die Frau immer mehr durchdreht und am Ende selbst nicht mehr weiss, was Wahrheit ist. Mann sinniert über seine Frau, sein Kind, seine Arbeit, seine Kindheit, seine Vergangenheit, seine Mutter, eben über die Stationen in seinem Leben. Auch erscheint nicht zu wissen, wie und was ihm so geschieht. Dies ist der längste und zugleich mühsamste Teil. Eine Frau in Afrika lebt mehr schlecht als recht bei der Familie des Ehemannes, der nach kurzer Ehe verstorben ist. Die Familie schickt sie irgendwann mit ein bisschen Geld weg, mit dem Auftrag nach Frankreich zu flüchten. Die Flucht gelingt nicht, sie verletzt sich, das Geld kommt ihr auch bald abhanden und sie „verdient“ neues Geld als Prostituierte. Die Flucht endet tödlich. Keiner der Personen in diesem Buch scheint irgendeinen Plan zu haben, alles ist von Zufälligkeiten durchdrungen. Hier könnte meine Beurteilung zu Ende sein...doch halt stop....ich habe das Buch nun ausgelesen und habe mich gefragt: Was für Gefühle hat es bei mir ausgelöst? Was für Fragen sind bei mir entstanden? Zum Beispiel: Bei der ersten Geschichte: Warum sagt die Tochter Ihrem Vater, der ein echter Widerling zu sein scheint, nicht mal die Meinung? In der zweiten Geschichte, macht mich dieser Mann aggressiv, der nichts auf die Reihe bekommt und die dritte Geschichte macht mich wütend, weil dieser Frau so übel mitgespielt wird und sie sich in Ihr Schicksal ergibt, ohne ein einziges Mal aufzubegehren.. Das Buch berührt mich insofern, dass es Gefühle der Wut bei mir auslöst. Wie halten diese Frauen das aus? Soll das Ihre Stärke sein? Sie kampflos dem Schicksal ergeben? Man kann Kunst intellektuell analysieren oder es weckt Emotionen irgendeiner Art. Das Buch hat mich auf seltsame Weise berührt und nach der Lektüre habe ich also wieder neue Fragen.. Insofern ist für mich das Buch gelungen, ob die Autorin es auch so gemeint hat...mir egal. Ich finde das Buch eigenartig, deswegen mag ich es.

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  • Frage zu "Drei starke Frauen" von Marie NDiaye

    Drei starke Frauen

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Hat jemand schon Marie NDiayes "Drei starke Frauen" gelesen? Wenn ja, ist es zu empfehlen? Ist es eher ein "Frauenbuch" (mag den Begriff eigentlich nicht, aber manchmal trifft er eben zu)?

    • 5
  • Rezension zu "Drei starke Frauen" von Marie NDiaye

    Drei starke Frauen

    Wolkenatlas

    12. July 2010 um 16:49

    Marie NDiayes Roman „Drei starke Frauen“ ist ein gewaltiges, unvergessliches Prosawerk. Ein spannendes, insistierendes Prosagebilde, für das die 1967 geborene und aus Protest gegen Nicolas Sarkozys Einwanderungspolitik mit ihrer Familie in Berlin lebende Autorin verdienterweise den begehrten Prix Goncourt, den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs erhalten hat. In drei Teilen portraitiert sie drei starke Frauen, die sich den ihnen auferlegten Zwängen nicht beugen, die ihren eigenen Weg gehen, egal wie hoch der Preis sein mag. Im ersten Teil ist es Norah, die ihren Vater auf sein Drängen hin in Dakar besucht. Während des Besuchs tun sich unvorhersehbare Abgründe auf. Die Erinnerung an die Vergangenheit wird zu einer Art Flucht, und während Norah immer mehr über die Beweggründe hinter der Aufforderung ihres Vaters erfährt, scheint ihre eigene, mühsam hart erkämpfte heile Welt an Farbe, an Realität zu verlieren. Eine Welt, zusammen mit ihrer Tochter, die schon vor einiger Zeit erste Risse bekommen hat, als ihr Freund mit seiner Tochter bei ihr eingezogen ist. Während sie immer wieder vergeblich versucht, ihre Familie in Frankreich zu erreichen, bleibt der Leser als quasi voyeuristischer Beobachter dieses Prozesses der Entfremdung durch Erinnerung direkt am Ball. Dass Norah ihren Freund mit den beiden Kindern zufällig auf der Terrasse eines Hotels entdeckt, viele Flugstunden von daheim entfernt und diese Situation als gegeben hinnimmt, eröffnet, wie viele andere Momente, einen wiederum neuen Blickwinkel auf die Wahrnehmungsebene dieser Prosa. Eine weitere, durch das Buch durchgehende Ebene ist die metaphorische, bzw. auch eine Ebene der Symbolik der Vögel. Während es bei Khady die Krähen des Todes sind, wird Rudys innerer Kampf von einem Bussard verfolgt. Norah geht einen ganz anderen Weg, sie wird praktisch zum Symbol per se. Im zweiten (und längsten) Teil erleben wir Fanta, die zweite starke Frau, ausschließlich aus der Perspektive ihres Mannes Rudy, der als ehemaliger Lehrer nun paranoider, neurotischer und vor allem schlechter Küchenverkäufer ist. Langsam erfährt man mehr über den Grund der Rückversetzung nach Frankreich und des Lehrverbots. Eine Begegnung mit Fanta, die nur durch die wirren Gedanken des Protagonisten möglich ist. Auch hier findet ein Prozess der Erinnerung statt, der sich jedoch ganz anders auflöst, als erwartet. Im dritten (und kürzesten) Teil erleben wir, wie die junge Witwe Khady aus Geldnot zu den Verwandten ihres verstorbenen Mannes ziehen muss, dort aber, da kinderlos und unvermögend, nur geduldet und missachtet wird, bald aber nicht einmal mehr geduldet wird. Sie wird von ihrer Schwiegermutter auf ein Flüchtlingsschiff verfrachtet, um illegal nach Frankreich zu kommen, wo sie eine entfernte Verwandte aufsuchen solle, die ihr helfen würde. Ihre Flucht verläuft jedoch ganz anders als erhofft. Drei lose bis gar nicht miteinander verbundene Frauenschicksale, die dank Marie NDiayes präziser Prosa wie ein aus Stein gemeißeltes Ganzes dastehen. Wunderbar, wie fein und genau die unterschiedlichen Stimmen stilistisch wiedergegeben werden. Beeindruckend, wie lebendig und komplex die Figurenzeichnung in „Drei starke Frauen“, wie perfekt konstruiert die Gesamtform dieser drei Teile dieses „Romans“ ist. Ein Roman, der in gewisser Weise auch als Beispiel einer französischen Variante des magischen Realismus gesehen werden könnte. „Drei starke Frauen“ ist ein großartiger, origineller Roman, der Lust auf mehr Literatur von Marie NDiaye macht und ein mehr als würdiger „Prix Goncourt“ Sieger. Absolute Empfehlung.

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