Mariko Tamaki

 3.7 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor von Ein Sommer am See und X-23.

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Ein Sommer am See

Ein Sommer am See

 (18)
Erschienen am 01.05.2015
X-23

X-23

 (0)
Erschienen am 11.06.2019

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pantaubookss avatar

Rezension zu "Ein Sommer am See" von Mariko Tamaki

Tiefgründig und einfühlsam, ein ganz besonderes Buch!
pantaubooksvor 2 Monaten

Ein 320 Seiten starker Comic über Teenies, die irgendwo zwischen dem Kind sein und Erwachsenalter hängen, sich selbst und die Welt um sie herum neu entdecken und dabei versuchen, einen Sommer wie jedes Jahr zu verbringen. Mich hat der Comic aufgrund seiner Tiefgründigkeit überzeugt, denn er verweilt nicht, wie so manch anderer Adoleszenzroman, an der pubertären Oberfläche der Figuren.

Windy ist meine Ferienfreundin, seit ich fünf war. Ihre Oma mietet immer ein Häuschen für sie und ihre Mom. Windy ist anderthalb Jahre jünger als ich. (S. 19)

Rose ist die Protagonistin der Geschichte und ca. 15 Jahre alt. Dass sie langsam erwachsen wird und keine Lust mehr auf die Spiele mit ihrer Ferienfreundin Windy hat, die immer noch gerne Sandburgen baut, wird schon zu Beginn der Geschichte deutlich. Rose ist nachdenklich, lächelt wenig, kann die Probleme, die ihre Eltern haben und die sich unweigerlich auf sie übertragen, selbst in den Ferien nicht so leicht vergessen. Roses Gefühlswelt wird kaum angesprochen, trotzdem wird sie durch die aussagekräftigen Zeichnungen thematisiert, sodass man als Leser das Gefühl hat, genau zu wissen, was Rose gerade bedrückt und empfindet. Rose findet im Gegensatz zu ihrer Freundin auch Jungs gar nicht mehr so blöd wie früher und lauscht gespannt den Gesprächen der Teenies aus dem Dorf, in denen es oft um Sex geht. Dass sie viel reifer ist, als so mancher der Jugendlichen, zeigt sich auch daran, dass sie Themen wie Homosexualität, Adoption, Sex und Schwangerschaft ernst nimmt.

Ein bisschen was weiß ich über Sex. Letztes Jahr mussten wir in Bio einen Fragebogen zum Thema Sex ausfüllen und ihn dann unseren Eltern zeigen. Dad fand’s lustig, dass ich Penis falsch geschrieben hab. (S. 66-67)

Rose muss in diesem Sommer nicht nur mit ihrer veränderten Gefühlswelt und Laune zurechtkommen, auch die Probleme ihrer Eltern wiegen schwer, denn der unerfüllte Wunsch ihrer Mutter nach einem zweiten Kind, zerstört zunehmend den Familienzusammenhalt. Ich habe den Konflikt zwischen Rose und ihrer Mutter mit sehr großem Interesse verfolgt, denn die Mutter vergiftet mit ihrer depressiven Stimmung die Ferien der Familie und gibt Rose gleichzeitig das Gefühl, als Einzelkind nicht auszureichen. Auch hier ist die Thematik sehr tiefgründig, denn auch Roses Vater sucht ein intensives Gespräch mit Rose und versucht ihr zu erklären, warum er die Familie eine Weile verlassen muss. Der Comic behandelt also einige schwierige Themen, die schon mal schwer auf einem Teenie-Gemüt lasten können, die hier aber toll aufgearbeitet werden.

„Das kommt bloß, weil es immer nach dir gehen muss. Du verdirbst allen die Stimmung. Ich wette, du willst immer noch ein Baby! Dad nämlich nicht, musst du wissen. Ich bin ihm genug.“ (S. 228-229)

Im Laufe der Geschichte ist schön dargestellt, wie die Interessen der beiden Freundinnen immer weiter auseinanderdriften und wie die beiden Mädchen jeweils damit umgehen. Während Windy die Jungs im Laden des Dorfes bescheuert findet, ihnen nachäfft und sich über sie lustig macht, kann Rose kaum den Blick von ihnen lassen, hängt ihnen an den Lippen und macht sich Gedanken über ihr Leben. Die Geschichte an sich läuft auf keinen grandiosen Höhepunkt hinaus, es geht vielmehr darum, einen einprägsamen Lebensabschnitt in der Entwicklung der Mädchen festzuhalten und durch großartige Zeichnungen zu visualisieren. Die Zeichungen des Comics sind sehr stimmungsvoll und ziehen den Leser in ihren Bann, obwohl sie ausschließlich in schwarzweiß gehalten sind.

Fazit & Bewertung

Ein Sommer am See ist eine Lektüre, die man so weglesen kann. Die Geschichte über zwei Mädchen, die in einem Sommer dem Erwachsenenleben ein Stück näher kommen, ist tiefgründig und einfühlsam. Auch wenn es keinen Höhepunkt und klaren Spannungsbogen gibt, ist die Geschichte so viel mehr: Sie ist still bedacht, magisch und mitreißend. Der Fokus liegt hier auf den detailreichen Zeichnungen, die sehr atmosphärisch sind und die Stimmung und die Gefühlswelt der Mädchen unglaublich gut einfangen.

https://pantaubooks.wordpress.com/

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Marina_Nordbrezes avatar

Rezension zu "Ein Sommer am See" von Mariko Tamaki

Meine erste Graphic Novel und wie es mir damit ergangen ist
Marina_Nordbrezevor einem Jahr

An Graphic Novels habe ich mich bisher noch nicht rangetraut. Warum, kann ich gar nicht wirklich sagen. Mit dem Unterschied zwischen Comics und Graphic Novels habe ich mich auch nie näher beschäftigt. Ich kann berichten, dass ich Flix und "Schöne Töchter" sehr mag. Und durch Herrn Gatsby kenn ich Nicolas Mahler und find den auch recht gut. Das war es dann aber auch schon.

Und jetzt also "Ein Sommer am See" von Mariko Tamaki und Jillian Tamaki. Auf der Leipziger Buchmesse habe ich mit zwei lieben Bekannten gesprochen und dort wurde mir eben jenes Buch als Einstieg empfohlen. Weil ich den Beiden bei diesem Thema vertraue, habe ich mir eine gedankliche Notiz dazu gemacht. Auf der Messe selber bin ich nicht dazugekommen, das Buch zu kaufen, aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht wenige Tage später in einer Buchhandlung aufgeschlagen wäre. Schwuppdiwupp und schon lag das kleine Schwergewicht bei mir daheim.

Ein kleiner Kritikpunkt zu Beginn. Ich hab "Ein Sommer am See" an einem Abend ausgelesen und als verwöhnter Buchkäufer finde ich 29 Euro dann doch ein bisschen viel. Und mir ist sehr wohl bewusst, dass die Herstellung einer Graphic Novel etwas komplett anderes ist als bei einem Roman. Aber aus diesem Grund werde ich wahrscheinlich nicht beginnen, zahlreiche Graphic Novels zu kaufen. Fürs erste jedenfalls nicht.

Doch nun lieber zu den positiven Dingen. Die Geschichte von "Ein Sommer am See" hat mich sehr angesprochen. Wer kennt dieses Feriengefühl nicht, welches man als Kind hat? Diese Schwerelosigkeit, dieses sich treiben lassen in einer anderen Umgebung als sonst. Ich war mit meiner Familie auch öfter am selben Ort im Urlaub, irgendwann stellt sich ein Gefühl des Kennens und Erkennens ein. Und dieses Gefühl vermitteln Mariko Tamaki und Jillian Tamaki (Cousinen! Nicht Schwestern!) hervorragend. Insbesondere die reduzierten Bilder, die doch mit viel Liebe zum Detail gezeichnet wurden.

"Knirsch Knirsch Knirsch Knirsch"

Auch der Konflikt des Erwachsenwerdens, des Abspalten der kindlichen Welt wurde wunderbar eingefangen. Nicht nur durch die zerbröckelnde Freundschaft zwischen Rose und Windy, sondern auch durch die Schwärmereien für den älteren Dorfjungen, der so unerreichbar scheint. Und dazu – ein See! Mit Geschichten, die am Wasser spielen, kann man mich immer glücklich machen. Deswegen ist "Ein Sommer am See" eigentlich auch ein perfektes Sommerbuch für einen Tag am See. Oder am Fluss. Oder für die richtig coolen Kids am Meer. 

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liberiariums avatar

Rezension zu "Ein Sommer am See" von Mariko Tamaki

Ein Sommer am See
liberiariumvor 2 Jahren

PLOT
Als in diesem Jahr wieder die Ferien anstehen, hat sich für Rose einiges verändert. Eigentlich hat sie die sommerliche Zeit im Haus am See immer genossen, doch die Streitereien ihrer Eltern machen es ihr nicht gerade leicht, die freien Tage zu genießen. Rose hat eine Ahnung, was zwischen ihren Eltern steht. Auch zu ihrer Freundin Windy scheint sie nicht mehr so einen guten Draht zu haben: während Windy am Strand spielen und herumalbern möchte, wendet sich Rose lieber den älteren Jugendlichen zu. Sie steht zwischen ihrem Dasein als Kind und dem Erwachsenwerden.

MEINUNG

Das erste Mal bin ich mit dem Comic durch den Max und Moritz-Preis beim diesjährigen Comic-Salon Erlangen in Berührung gekommen. Ein Sommer am See von Jillian Tamaki und Mariko Tamaki wurde als bester internationaler Comic ausgezeichnet und weckte durch die diverse Thematik direkt mein Interesse. 

Ich konnte gar nicht anders – in einem Zug habe ich den über 300 Seiten starken Titel gelesen. Das lag nicht nur an den spannenden im Comic angesprochenen Themen, sondern auch an der Aufmachung. Man begegnet vielen beeindruckenden Einzelseiten, die wahnsinnig detailreich gezeichnet sind. Ob es sich dabei nun um Waldkulissen handelt oder um Rose, die auf ihrem Bett lümmelt: Jillian Tamaki begeistert mit großen Aufmachungen. 
Der Comic ist schwarz-weiß, oder vielmehr blauschwarz-weiß gehalten. Ich empfand die fehlende Farbe jedoch keineswegs als störend, sondern eher als hilfreich, um die Geschichte intensiv zu erzählen. Neben den größeren Einzelseiten besticht der Comic mit einer Schlichtheit an Panels und wirkt daher nie aufdringlich oder überlaufen. Das gilt auch für die Sprechblasen und den allgemeinen Texteinsatz, wodurch die Atmosphäre, die beim Lesen entsteht, unterstützt wird. 

Mariko Tamaki erzählt eine packende Geschichte rund um das Erwachsenwerden. Es fiel mir von Anfang an leicht, mich mit Rose zu identifizieren. Sie steht für das, was jeder einmal durchmacht, wenn man zwischen den Grenzen der Kindheit und des Erwachsenenlebens steht. Rose ist noch unerfahren und tauscht sich daher mit ihrer – ebenso unerfahrenen – Freundin Windy aus, um dem Erwachsenendasein auf die Sprünge zu kommen. 
Das zeigt sich vor allem durch ihre Gespräche über Sexualität. Rose und Windy schnappen eine Unterhaltung zwischen älteren Jugendlichen über Oralsex auf und fragen sich sogleich, was das eigentlich bedeutet. Aufklärung ist ein relevanter Aspekt, der immer wieder in der Erzählung auftaucht. So wird durch die Eltern kaum Aufklärung betrieben, sondern findet diese eher im Schulunterricht statt. Eine Heranführung an die Sexualität ist kaum gegeben, sodass sich Windy und Rose ganz natürlich gegenseitig befragen.
Auf diese Weise ist auch Schwangerschaft ein wunder Punkt: Ein Sommer am See legt dar, wie es ist, schwanger zu sein und das Kind nicht zu wollen. Auf der anderen Seite wird aber auch behandelt, was in jemandem vorgehen kann, der Kinder kriegen will, jedoch nicht kriegen kann. Dass dadurch nicht nur die Frau betroffen ist, sondern auch ein ganzes Umfeld daran leiden kann, wird stark herausgestellt. 

Es wird deutlich, dass nicht nur der Körper im zentralen Mittelpunkt der Geschichte steht, sondern auch der Übergang vom Kind zur Frau. Rose und Windy spielen das Mash-Spiel, bei dem schlussendlich nur Merkmale einer Person herausgestellt werden, wie beispielsweise welche Art von Haus oder Wohnung zu in der Zukunft beziehen oder wie viele Kinder sie mit welchem Mann bekommen. Windy kommt das Spiel schlussendlich merkwürdig vor, weil die Frage nach dem zukünftigen Beruf gänzlich ausbleibt. Mir gefiel es gut, dass Windy genau diesen Aspekt hinterfragt, wo der Job doch ein wichtiger Lebensabschnitt darstellt.
Rose beobachtet nicht nur viel, sondern auch intensiv die älteren Teenager am See. Sie stellt immer mehr fest, dass sie eigentlich kein Kind mehr ist, allerdings noch nicht zu den Jugendlichen oder gar Erwachsenen gehört. Sie wird von den Älteren ausgeschlossen und versucht sich einen Zugang zu ihrer Welt zu schaffen, indem sie mit ihrer Freundin beispielsweise Horrorfilme ab 18 ausleiht, auch wenn ihr nicht immer wohl dabei ist. 

Ich war begeistert davon, dass nicht nur die sozialen Probleme von Rose angesprochen werden, sondern auch aufgezeigt wird, wie ihre Eltern an ihren persönlichen Krisen zu knabbern haben. So stehen Eheschwierigkeiten und der Umgang mit Adoption im Fokus. 

FAZIT

Ich war rundum begeistert von der Geschichte und wurde nicht enttäuscht. Gerade die großen Illustrationen auf einer Doppelseite ließen mich staunen und konnten mich beeindrucken. Mir hat es gut gefallen, dass man sich selbst ein wenig in Rose sehen konnte, die ganz ungeniert und doch mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf schwebend über Sexualität und Erwachsenwerden spricht. Das Tempo und die Erzähldynamik waren durchweg gelungen, sodass ich den Comic in einem Zug verschlungen habe, was immer ein gutes Zeichen ist, dass eine Erzählung begeistert. Ich vergebe daher für Ein Sommer am See von Jillian Tamaki und Mariko Tamaki fünf von fünf Lesebrillen!

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