Marilyn Van Derbur

 4.7 Sterne bei 3 Bewertungen

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Tagkind - Nachtkind

Tagkind - Nachtkind

 (3)
Erschienen am 07.06.2011

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Rezension zu "Tagkind - Nachtkind" von Marilyn Van Derbur

Rezension zu "Tagkind - Nachtkind." von Marilyn Van Derbur
schneckevor 6 Jahren

Das Vergessen - das gibt's! Die vollständige Abspaltung traumatischer Erlebnisse, wenn Dinge passieren, die schmerzvoller sind als das Gehirn aufnehmen kann. Wenn weder Flucht noch Kämpfen möglich sind. Ein kleines Kind kann nicht flüchten, nicht kämpfen, wenn eine viel größere, stärkere Person etwas tut, was den Namen Missbrauch trägt.
Marilyn van Derbur hatte auch "vergessen". Ihr Leben bis zum ersten "Erinnern" glich einer Glamourwelt: Sie wurde "Miss America", ihre ganze Familie war stolz auf sie, insbesondere ihr Vater... Lynn reiste durch die Staaten, wurde bald berühmt für ihre Redegewandtheit und ihr herzergreifendes öffentliches Auftreten. Marilyn war eine gefragte und viel gebuchte Frau. Und das obwohl ihr (bis zu diesem Zeitpunkt) nichts mehr Angst bereitete als das Sprechen vor tausenden Menschen. Immer und immer wieder stellte sie sich bewusst-unbewusst dieser Angst und diesem Missfallen, hielt die körperlichen Schmerzen aus, die ihr die Angst bereitete. Ihr Vater war in all den Jahren ihr wichtigster Mentor. Ihre Mutter eine Frau "unter ferner liefen", die schroff und fremdartig in ihrer eigenen Welt lebt.
Marylin heiratete und liebte einen anderen. Ihr eigenes Verhalten war ihr größtes Rätsel. Bis zu jenem Tag, als ihr Vater starb. Am Grab stürzen die Erinnerungen auf die "Miss America" ein, die ein Leben zu führen schien, das einer Prinzessin glich. Den acht Jahre langen Missbrauch durche den eigenen Vater hatte Marylin abgespalten, verdrängt als ein "Tagkind-Nachtkind". Denn ohne diese Dissoziation hätte sie nie überleben können. Von diesem Tag an ging Lynn einen Jahrelangen schmerzvollen Weg durch Therapien und Erkentnisse - immer mit Larry an ihrer Seite und später Jennifer, ihre Tochter.

Ich muss gestehen, dass mir Marylin in ihrem Buch und Lebenswerk mit allzu viel Glamour, "Miss America"-Getue und ihren vielen Familienfotos auf den Seiten gehörig auf die Nerven ging. Das hatte dazu geführt, dass ich bei Seite 136 einen anderen Weg eingeschlagen bin und nicht mehr von vorne nach hinten in diesem Buch las. Im zweiten Teil erzählt Marylin van Derbur von all ihren Begegnungen mit anderen "Überlebenden", die Ähnliches wie sie erfahren haben. Sie bringt eine Vielzahl Statistiken und Zahlen aus Studien und Untersuchungen ein. Was geschieht im Körper und Gehirn von Kindern und Erwachsenen, die Missbrauch erlebt haben? Es gibt es - das "Vergessen". Aber der Körper erinnert sich... Betroffene gehen meist Jahre und Jahrzehnte durch das Dunkel ihres eigenen widersprüchlichen Verhaltens, legen einen weiten Leidensweg zurück. Das ist der Grund, warum viele "erst" im mittleren Alter Ende 30 bis 40 sich "erinnern". Und Heilung ist erst möglich, wenn die eigenen Verhaltensweisen in Zusammenhang gebracht werden können mit den Erlebnissen aus der Kindheit. Posttraumatische Belastungsstörungen sind meist eine der Diagnosen, eine Folge von dem, was ein Kind nicht verarbeiten, nicht hinnehmen, nicht kompensieren kann. Die Rolle, die die Mutter in einem solchen Leben spielt, hat bei mir plötzlich viel Klarheit verschafft. "Meist ist die Wut auf die Mutter viel größer als auf den, der es getan hat, weil sie es war, die nicht da war, die alles verneint, die nicht beschützt hat und die sagt: du lügst'."
Viele Wahrheiten, viele Erkenntnisse lassen sich aus Marylin van Derburs Buch erkennen. "Tagkind-Nachtkind" zu lesen, wirkt auf mehreren Ebenen - so empfand ich es. Es "befreit", es öffnet und es macht Mut, die eigene Scham und Angst zu erkennen. So viele Momente, in denen ich dachte: Ja, so ist es! Unglaublich viele Falbeispiele führt sie in diesem Buch an und erzählt aus ihrer späteren Arbeit mit "Überlebenden". Ein Buch, das erleichtert - wenn man erst einmal angefangen hat, den Weg zu gehen raus aus dem "Vergessen".
"Wir werden ganz unbewusst ganz automatisch in die gleichen Situationen hineingezogen, in denen sich unsere Vergangenheit wiederholt. Wenn man die Freiheit erlangen möchte, sein Leben selbst zu gestalten, muss man sich den ungelösten Schmerzen der Vergangenheit stellen, um zu heilen". Dies ist für mich die Botschaft, die dieses Buch trägt.

Natürlich kann man für ein authentisches Werk, eine Lebensgeschichte wie "Tagkind-Nachtkind" keine Beurteilung abgeben. Dieses Buch ist hilfreich - für selbst Betroffene, aber auch für Angehörige, Therapeuten und alle, die verstehen wollen, wie "Überlebende" überleben konnten und was dahinter steckt, wenn "wir" uns "merkwürdig", widersprüchlich, paradox verhalten.
Es gibt jedoch Bücher zu diesem Thema, in denen ich persönlich mich mehr wiedererkannt hab und die mich mehr "abgeholt" haben. Wer es sich kauft (für den stolzen Preis von 40 Euro), hat etwas zu bearbeiten... Es ist ein wichtiges Buch - für viele. Aber vielleicht nicht gerade die Einstiegsliteratur in eine Problematik wie diese.

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D

Rezension zu "Tagkind - Nachtkind" von Marilyn Van Derbur

Rezension zu "Tagkind - Nachtkind." von Marilyn Van Derbur
danny_zievor 7 Jahren

Marilyn van Derbur nimmt den Leser mit auf eine Reise durch ihr Leben. Sehr offen erzählt sie von ihrem eindrucksvollem Überlebenskampf als Opfer sexueller Gewalt. Ihre Geschichte zeigt auf, wie vielfältig und schwer die Auswirkungen eines solchen Erlebens sind und wie mühsam der Weg raus aus der Scham. Aber sie macht Betroffenen durch ihr Buch auch Mut sich auf diesen Weg zu begeben und "seine Arbeit zu machen".
Aber das Buch beinhaltet auch weit mehr als nur ihre Geschichte. Viele wertvolle Hinweise und Tipps zur Prävention und Hilfe runden es gelungen ab.
Fazit: unbedingt lesen!

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