Marilynne Robinson

 3.8 Sterne bei 40 Bewertungen
Autorin von Lila, Gilead und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Marilynne Robinson

Bedeutende Weltliteratur für alle: Marilynne Robinson ist 1943 in Idaho geboren. Sie studierte zunächst am Pembroke College und promovierte 1977 in Anglistik an der University of Washington. Durch ihre Arbeit als Schriftstellerin gelangte Robinson zu großem weltweiten Ansehen. Besonders ihre Romane werden in der Literatur als zeitgenössische Klassiker gehandelt: Den Anfang machte 1980 "Housekeeping", das auf Deutsch als "Das Auge des Sees" bzw. in seiner neuen Übersetzung als "Haus ohne Halt" erscheint. Noch erfolgreicher ist Robinsons Gilead-Trilogie, bestehend aus "Gilead" (2004), "Home" (2008) und "Lila" (2014). Robinson ist für ihre Arbeit mit mehreren wichtigen Preisen ausgezeichnet worden, darunter der angesehene Pulitzer Prize for Fiction für "Gilead". 2015 lernte sie den damaligen US-Präsidenten Barack Obama bei einem Besuch persönlich kennen. Neben dem Schreiben hatte Robinson mehrere Gastprofessuren an verschiedenen Hochschulen inne und unterrichtete zwischen 1991 und 2016 im Iowa Writers' Workshop. Noch heute lebt sie in Iowa City.

Alle Bücher von Marilynne Robinson

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Lila

Lila

 (18)
Erschienen am 22.06.2017
Haus ohne Halt

Haus ohne Halt

 (6)
Erschienen am 28.08.2012
Gilead

Gilead

 (7)
Erschienen am 24.10.2018
Zuhause

Zuhause

 (2)
Erschienen am 24.10.2018
Das Auge des Sees

Das Auge des Sees

 (0)
Erschienen am 01.01.1995
Gilead

Gilead

 (0)
Erschienen am 22.09.2016
Housekeeping

Housekeeping

 (4)
Erschienen am 26.06.2009

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Neue Rezensionen zu Marilynne Robinson

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Rezension zu "Zuhause" von Marilynne Robinson

Robinsons Romane haben über ihre hohe literarische Qualität hinaus eine große visionäre Kraft
WinfriedStanzickvor 13 Tagen


 

 

Marilynne Robinson, geboren 1943, gilt seit langem als eine der besten Schriftstellerinnen Amerikas. Die Protagonisten ihrer Bücher zeichnen sich durchweg aus durch eine Fähigkeit zur Empathie, die selten ist, und wie nicht von dieser Welt.

Marilynne Robinsons erst sehr spät in einer deutschen Übersetzung bei S. Fischer erschienene Romantrilogie um den erfundenen Ort Gilead zählt zu dem besten, was die zeitgenössische amerikanische Literatur zu bieten hat. Sie hat, ein Buch nach dem anderen, mit Gilead und seinen Menschen einen Kosmos geschaffen, der seine Leser mit jedem Buch mehr gefangen nimmt. In den USA erschienen die drei Romane in der Reihenfolge „Gilead“, „Zuhause“ und „Lila“.

In Deutschland hat S. Fischer 2018 mit dem letzten Roman begonnen, vielleicht weil die berührende Geschichte der ehemaligen Wanderarbeiterin Lila, die während des Koreakriegs nach Gilead kommt und den kongregationalistischen Prediger John Ames heiratet, dem schon über siebzigjährigen Mann einen Sohn schenkt und mit ihm herrliche und tiefsinnige theologische Debatten führt, auf dem deutschen Markt zunächst mehr Erfolg versprach.

 

Tatsächlich schrieb neben anderen lobenden Rezension die Autorin Zsuzsa Bank schon bald nach Erscheinen des Buches begeistert:

„Etwas zutiefst Tröstliches liegt in dem Wissen, das zwei sich nicht nur finden können – sondern auch schützen und halten. Diese Annäherung wird so zurückgenommen, so tastend behutsam erzählt, dass man sich ein wenig schämt, wenn man Lila und John weiter beobachtet, während sie reden, sich öffnen und bekennen.“

 

Ähnlich wie auch in „Lila“ ging es in dem zweiten bei S. Fischer erschienenen Band „Gilead“ um viel Theologie und Glauben. Immer wieder ist bei Marilynne Robinson  die Rede davon und der Bedeutung des Glaubens dabei, die Ungeheuerlichkeit des Lebens zu begreifen, was allerdings immer nur in der Rückschau funktioniert. Beide Romane atmen eine tiefe Glaubensgewissheit, die tröstet.

 

Tröstend und sehr bewegend ist auch der hier vorliegende Band „Zuhause“, der wie eine Fortsetzung zu „Gilead“ gelesen werden kann.

In diesem Buch kehrt die Tochter des presbyterianischen Predigers Robert Boughton im Alter von vierzig Jahren mit relativ leeren Händen und alleinstehend nach Gilead zurück, um dort ihren mittlerweile verwitweten sterbenden Vater zu pflegen und ihm beizustehen.

 

Kurze Zeit später kehrt auch ihr Bruder Jack nach 20 Jahren in der Fremde heim. Jack ist ein Mann, der schon früh bei allen angeeckt ist, viel trinkt und mit nichts richtig Erfolg hat. Dennoch war und ist er den Liebling seines Vaters, der ihn deshalb aber zeitlebens nicht weniger streng angefasst hat.

 

Geschickt mit dem biblischen Thema des verlorenen Sohnes spielend, erzählt Robinson davon, wie sich Glory und Jack langsam annähern und wie auch der Vater versucht, trotz all seiner Enttäuschung wieder einen Draht zu seinem Sohn  zu finden. Doch was ist, wenn der verloren Sohn sich selbst für verloren hält, weil er eben schon immer so ist wie er ist, schlecht und verdorben. Die calvinistische Lehre von der Prädestination, mit der als Kind eines Predigers aufgewachsen ist, hat hier wohl volle Wirkung gezeigt. Alle Liebe seiner Schwester und alle Vergebungsbereitschaft des Vaters scheinen vergeblich.  Und auch dem Vater Robert Boughton scheint so etwas wie ein theologischer Lebensirrtum zu dämmern, als er in einem der zahlreichen theologischen Debatten mit seinem Freund John Ames, die man mit großer Lust in allen drei Romanen verfolgen kann sagt:

„Ja, ich habe lange gegrübelt, wie sich das Rätsel der Prädestination mit dem Rätsel der Erlösung in Einklang bringen lässt.“

 

Wahrscheinlich gar nicht, insinuiert Robinson, die nicht müde wird, in der Liebe und der Vergebung jenes Tor zu sehen, durch das die Menschen gehen müssen, um ihre alte Lasten abzulegen und neu mit ihrem Leben zu beginnen.

Robinsons Romane haben über ihre hohe literarische Qualität hinaus wie nur wenige Bücher eine große visionäre Kraft. Und das hängt mit der Zeitlosigkeit oder Ewigkeit des Glaubens an einen Schöpfer zusammen, aus dem ihre Protagonisten ihr ganzes Leben ihre Kraft und ihren Trost gezogen haben und von dem auch die Autorin tief durchdrungen scheint.

 

Nicht ohne Grund endet dieser ursprünglich zweite Teil der Trilogie mit den Worten „Groß sind die Wunder des Herrn.“ In „Lila“ wird diese Gnade noch einmal aus der Sicht von John  Ames und seiner jungen Frau erzählt.

 

Welche Reihenfolge man wählt bei der Lektüre dieser wunderbaren Bücher, man wird den Eindruck haben, den die jeder religiösen Überzeugung  unverdächtige Carolin Emcke so beschrieben hat:

„Was für ein Geschenk. Marilynne Robinsons Texte üben eine magische Wirkung aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Rezension zu "Haus ohne Halt" von Marilynne Robinson

Anspruchsvolle Literatur einer bisher in Deutschland kaum bekannten Schriftstellerin
Corsicanavor 19 Tagen

In ihrer Heimat USA gilt Marilynne Robinson schon lange als eine der wichtigsten zeitgenössischen Schriftstellerinnen. In Deutschland dagegen ist sie (noch) kaum bekannt. 

Das könnte sich ändern. Das sollte sich ändern. Auch wenn es sich um anspruchsvolle Literatur handelt - das Lesen bringt Genuss. Die poetische Sprache, die bildhafte Beschreibung einer schon fast archaisch anmutenden Welt.

Das Buch spielt an einem See in den Rocky Mountains. Die Winter sind lang und hart - und wenn der Schnee schmilzt gibt es oft schlimme Überschwemmungen. Aber die Einwohner von Fingerbone, dem fiktiven Handlungsort, nehmen das Leben, wie es eben ist. Nachgedacht und geredet wird eher wenig. Vielleicht wäre dann auch vieles unerträglich.
So erträgt die Großmutter der Erzählerin stoisch den Tod des Großvaters (er stürzt bei einer Eisenbahnfahrt in den See) und genauso stoisch übernimmt sie die Erziehung der Enkelkinder, nachdem ihre Töchter sie verlassen haben - auf manchmal tragische Weise.

Richtig schwierig wird das Leben für die Enkelkinder - von denen eine die Erzählerin ist - jedoch erst, als die Großmutter stirbt. Und die beiden Großtanten sich nicht in der Lage sehen, die Erziehung zu übernehmen. Also kommt eine der Töchter zurück in das Haus am See. Aber Sylvie, die Tochter, hat jahrelang als Landstreicherin gelebt. Und sie kann sich nicht an ein häuslichen Leben gewöhnen. Und sie ist auch unfähig dazu. Der Haushalt verkommt weitgehend, die Kinder gehen wochenlang nicht zu Schule. Sylvie  hat andere Prioritäten und Lebenserfahrungen. Und während Ruth - die Erzählerin - sich zu Sylvie und ihren Lebensansichten hingezogen fühlt, möchte ihre Schwester Lucille ein ganz normales Leben mit regelmäßigen Mahlzeiten, Balettunterricht und schicken Klamotten. Und so zerfällt der Zusammenhalt der kleinen häuslichen Gemeinschaft immer mehr - genau so wie das Haus.

Im letzten Teil des Buches nahmen die religiös-philosophischen Betrachtungen meiner Meinung nach zu viel Raum ein. Aber davor und insgesamt handelt es sich um einen sehr besonderen Roman, der in einer lakonisch-poetisch-realistischen Sprache  von Außenseitern der Gesellschaft erzählt. 
Erwähnenswert ist dabei, dass es sich um weibliche Außenseiter handelt - während viele andere Außenseiter-Helden amerikanischer Romane männlich sind. Auch dies eine Besonderheit des Buches. Und eine Thema der Autorin, dass sich wohl auch durch ihre anderen Werke zieht.



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M

Rezension zu "Zuhause" von Marilynne Robinson

Sensible Darstellung von Famlienverhältnissen
michael_lehmann-papevor 3 Monaten

Sensible Darstellung von Famlienverhältnissen

Da ist Jack nach 20 Jahren zurückgekehrt. Macht das alte Auto in der Scheune wieder fit. Möchte seinem klapprigen, kranken Vater was Gutes tun, eine Ausfahrt über die Straßen der kleinen Stadt Gilead.

Und hat es nicht mehr im Kopf oder ist mit den Gedanken woanders und wählt eine Strecke, die für den Vater mental belastet ist. Schnell wird umgekehrt.,

Nur eine kleine Episode zwischen Jack, dem zurückgekehrten Sohn mit der schwierigen Lebensgeschichte inklusive einer Zeit der Inhaftierung, einer heftigen Romanze, eines Sohnes, alles weit weg aktuell (und unstet verlassen), seinem Vater, dem Pfarrer des Ortes und seiner Schwester Glory (nomen est omen in diesem Roman), die zur Pflege des Vaters ebenfalls mit gemischten Gefühlen in das Elternhaus zurückgekehrt ist.

Was insgesamt nicht nur grob an die Geschichte vom „verlorenen Sohn“ aus der Bibel erinnert, dieses alte Grundmotiv geschickt aufnimmt und, vor allem, weiterführt. Denn kann ein solch unsteter Mensch durch einen herzlichen Empfang bei der Rückkehr im Kern verändert werden? Oder tauchen die alten Probleme irgendwann wieder auf, wenn die schwierige Situation (in der Jack sich befindet), sich wieder beruhigt hat?

Denn trotz aller Eskapaden, inneren Distanz als Grundkonstitution seiner Person und der nicht einfachen Geschichte mit seinen Eltern und seiner Familie (allein schon, was um die Beerdigung seiner Mutter alles nicht geschehen ist, reicht in der Regel bereits für ein Leben ohne weiteren Kontakt zueinander), war und ist dieser Jack der Lieblingssohn des Vaters. Nicht unbedingt zur hellen Freude von Glory oder anderer Familienangehöriger.

„Und gingen wir trotzdem fort, würde uns das obendrein unsere kleine Schwester entfremden, auf die wir uns in erstaunlichem Maße zu verlassen gelernt haben“.

Aber ist das so, dass auf der Schwester nur etwas abgeladen wird? Oder findet sich in diesem angespannten Geschehen auch für Glory am Ende Frieden? Vielleicht mehr sogar, als für den unsteten, lebensfreudigen Jack? Verdient hätte sie es, die immer im Schatten des Bruders gestanden hat.

Sensibel wirft Robinson all diese Fragen auf. Die Kindheit und der dort ständig vorherrschende kleine „Verrat“, das Scheitern im Leben, das eher ein Scheitern an sich selbst ist. Doch wer macht einen? Wer prägt? Wer gestaltet die eigene Person und ist man wirklich Herr seines Schicksals, oder kann nur in bestimmten Momenten die Zugkräfte im Inneren im Zaum halten, bis sie sich wieder Bahn brechen?

Denn das ist, was Zeile um Zeile mitschwingt, dass dieser Jack ein Getriebener ist, der es sicher besser weiß, aber immer wieder nicht gegen sich selbst besteht.

Vielfache Themen des Glaubens, von schlicht (wie Glory) über fest (der Vater) bis zum wollen, aber nicht umfassend können und damit gebrochen (Jack), das alles in einem christlich-symbolischen Ort (Gilead) lässt sich tief auf das Innere des Menschen ein und geht durchweg auf der Grenze zwischen dem, was Menschen selber vermögen und dem, wozu sie „mehr und andere Kraft“ als die eigene benötigen.

Mit vielen anrührenden Momenten versehen, nimmt Robinson den Leser sprachlich fein gewirkt auch emotional mit hinein. In ein Verstehen der Personen, aber auch ein Ärgern über Eigenarten und ein Ahnen von wiederum drohendem Unheil.

Ein Roman über die großen Themen der Persönlichkeit, der darin, aber auch sprachlich, zu überzeugen versteht und mit einer überraschenden Wendung am Ende dafür sorgt, dass der Ausblick in die Zukunft mit Hoffnung versehen wird.

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Gespräche aus der Community

Neu
Dies ist eine Leserunde der Gruppe SuB-Aufbau mit Niveau die wiederum aus der Roman Challenge von Aba entstanden ist. Es wird kein Buch verlost, nur gemeinsam gelesen und zwar das Buch Lila von Marilynne Robinson.
Die Seiten in den Leseabschnitten beziehen sich auf die deutsche Taschenbuchausgabe.
Jeder kann mitmachen!
Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

Marilynne Robinson wurde am 26. November 1943 in Sandpoint, Idaho (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

Community-Statistik

in 107 Bibliotheken

auf 27 Wunschlisten

von 4 Lesern aktuell gelesen

von 1 Lesern gefolgt

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