Agnes ist eine Geschichtenlauscherin, die gern anderen Menschen bei ihren Erzählungen genau zuhört und das Gehörte in sich aufnimmt, für sich hinterfragt und gern weiter erzählt. Als Kind erzählte sie das Gehörte am liebsten ihrer Mutter. Nun als Junge Frau, die von zu Hause ausgezogen ist und mittlerweile als Bürokraft in einer psychotherapeutischen Praxis arbeitet, lauscht und liest sie noch immer und erfährt somit viel über die Patienten, die Tag ein, Tag aus in die Sprechstunde kommen. Auf einem ihrer Nachhausewege stellt sie fest, dass sie so gar keine eigene Geschichte hat, ihr Leben langweilig ist. Doch ist das so? Der Eindruck verstärkt sich, als sie sich um einen ihrer Nachbarn kümmert, der viel über sich und sein Leben zu erzählen hat und für Agnes zu einem lieber Opa wird, der sie zum Nachdenken bringt. Somit begibt sich Agnes auf eine unbewusste und ein wenig schmerzliche Suche zu sich selbst.
Während des Lesens ist mir Agnes immer mehr ans Herz gewachsen. Sie ist eine starke junge Frau, die so viel über sich zu erzählen hat, sich jedoch immer in den Hintergrund stellt. Schon als Kind behält sie ihren Kummer für sich, um ihre liebsten nicht zu verletzen. Sie begegnet den Menschen mit viel Empathie und hat ein grosses Herz und eine berührende Geschichte.
Die Autorin hat mit viel Wärme und sehr ausdrucksstark Agnes Geschichte geschrieben. Ein Buch, in dem einem das mittlerweile zum Alltäglichen gewordene begegnet, über das jedoch niemand sprechen oder sich dem gar annehmen möchte.
Von Herzen eine klare Leseempfehlung. Dieses leise und herzlich aufzeigende Buch muss unbedingt gehört werden.















