Marina Naprushkina Neue Heimat?

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Inhaltsangabe zu „Neue Heimat?“ von Marina Naprushkina

Zuhause ist woanders – Flüchtlinge in Deutschland

Täglich lesen wir in den Medien über die Flüchtlings- und Migrations-Problematik und über die dringende Notwendigkeit, Integration neu zu denken. Die Performance-Künstlerin, Autorin und Aktivistin MARINA NAPRUSHKINA setzt mit einem hochaktuellen Buch neue Akzente.

Sie hat vor zwei Jahren eine Nachbarschaftsinitiative für Geflüchtete in Berlin gegründet. Sie taucht tief ein in den deutschen Flüchtlingsalltag zwischen überlasteten Ämtern, Arztbesuchen, Anwaltsterminen und maroden Heimen. Leere und ewiges Warten, beschrieben in kurzen Sequenzen.

»Neue Heimat?« zeigt, wie Integration gehen kann. Wie wir unser soziales Leben neu erfinden können. Wie wir über uns selbst hinauswachsen.
"Jeden Nachmittag malen und basteln wir mit den Kindern, machen Disco, Kino, Ausflüge, helfen den Eltern beim Arzt, beim Asyl-Amt, beim Rechtsanwalt. Es sind inzwischen über 100 Freiwillige. Wir kämpfen gegen fehlende Unterlagen, scheinbar korrupte Strukturen, Millionen von Staatsgeldern, die ohne Verträge an obskure Firmen bezahlt werden. Wir machen Sprachkurse, organisieren Kitaplätze, kochen gemeinsam mit Nachbarn und feiern ausgelassen …"

Naprushkinas Tagebuch macht betroffen, traurig, wütend - aber es nötigt einem auch tiefe Bewunderung ab.

— SitataTirulala

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  • Ich rufe dich an, wenn sie zum Abschieben kommen...

    Neue Heimat?

    SitataTirulala

    28. August 2016 um 12:47

    "Marina, wenn du nachts angerufen wirst, geh bitte dran. Ich rufe dich an, wenn sie zum Abschieben kommen..." Die deutsche Flüchtlingspolitik ist ein heikles Thema. Bei vielen weckt sie Beunruhigung bis hin zu Existenzängsten, trifft einen wunden Punkt, drängt viele in eine ablehnende Haltung. Was bei all dem Geschrei nahezu immer vergessen wird, egal ob es von Politikern betrieben wird oder von Privatpersonen, ist: was sich so abwertend unter dem Kollektiv "Flüchtlinge" zusammenfassen lässt sind Menschen. Einzelschicksale. Familien. Sie haben ihre Heimat verlassen, weil es dort Krieg gibt, weil sie Angst um ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder haben müssen. Sie haben es über gefährliche und oft qualvolle Wege hierher geschafft, in ein neues Land, ein sicheres Land, aber die Sprache ist ihnen fremd, die Kultur ist ihnen fremd, das System ist ihnen fremd. Den meisten mangelt es nicht an dem Willen, all diese Dinge zu lernen, zu arbeiten, sich zu integrieren. Aber das ist schwer über all die Steine hinweg, die die deutschen Behörden ihnen vor die Füße werfen. Was ihnen fehlt ist jemand, der sie an die Hand nimmt und ihnen dabei hilft. Diese Hilfe leistet Marina Naprushkina zusammen mit Freunden und Bekannten. Was als Bastelnachmittag für Kinder begonnen hat, wächst sich schnell zu einem Vollzeitjob aus. Marina wird zur Vertrauensperson, dolmetscht zwischen Behörden, Ärzten, Anwälten, der Polizei und ihren Schützlingen - zu jeder Tages- und Nachtzeit, denn wenn die Abschiebung droht nimmt niemand Rücksicht auf Freizeit, Familienbesuche oder Ausflüge. All das bereitet Naprushkina in kurzen, aber sehr aussagekräftigen Tagebucheinträgen auf. Es sind ganz alltägliche Situationen, die sie schildert, die einen betroffen, oft aber auch wütend machen. Wenn eine hochschwangere Frau, bei der aus medizinischer Sicht ein Kaiserschnitt notwendig wäre, nicht in einem Krankenhaus aufgenommen wird, weil der Pass fehlt. Wenn die Toilettentüren in einer Flüchtlingsunterkunft von der Leitung abgeschlossen werden und erwachsene Menschen für jeden Toilettengang um Erlaubnis und einen Schlüssel bitten müssen. Wenn Familien auseinander gerissen werden, weil es nicht Problem der deutschen Behörden ist, wenn irgendwo ein Kind fehlt. Wenn Kinder sich panisch zusammenkauern, weil irgendwo ein Hubschrauber landet, weil es in ihrer Heimat Krieg, Schmerzen und Tod bedeutet hat. Manchmal war ich wirklich fassungslos. Und gleichzeitig voller Bewunderung für die Autorin, die, und das beschönigt sie auch gar nicht, oft an ihre Grenzen stößt und trotzdem nicht aufgibt. Wenn sie mitten in der Nacht panisch angerufen wird, weil die Polizei sich Zugang zu einer Wohnung verschafft hat, setzt sie alle Hebel in Bewegung, um zu vermitteln, kümmert sich um Anträge, Terminkoordination, versucht zu helfen wo sie kann und das alles ohne sich in ihrem eigenen Buch in irgendeiner Form selbst zu beweihräuchern. Natürlich ist sie stolz auf die Veranstaltungen, die sie auf die Beine stellt, und ich finde das kann sie auch sein. Aber Marina hat dieses Buch nicht geschrieben, damit man ihr auf die Schulter klopft. Dieses Buch ist geschrieben und veröffentlicht worden, um uns die Augen ein wenig für die Situation dieser Menschen zu öffnen, die alles in ihrer Heimat zurückgelassen haben und denen ein Neuanfang hier oft so schwer gemacht wird. Zum Glück gibt es sehr sehr viele Menschen in Deutschland, die helfen wollen und auch helfen. Ich erlebe es selbst jeden Tag in der Bücherei, wie viele ehrenamtliche Helfer sich dort einfinden, übersetzen, Sprech-Cafés leiten oder Flüchtlingen einfach die Stadt zeigen. Menschen, die ihnen einfach dabei helfen anzukommen. Allen, die das für verklärtes Gutmenschentum halten, empfehle ich einfach Marinas Buch. Es ist nicht dick, aber es wiegt schwer.----------Rezension: http://licentiapoeticae.blogspot.de/2016/05/br-marina-naprushkina-neue-heimat.html

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