Mario Vargas Llosa Gespräch in der »Kathedrale«

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Inhaltsangabe zu „Gespräch in der »Kathedrale«“ von Mario Vargas Llosa

»Mario Vargas Llosas Kathedrale ist ein in flagrantem Widerspruch zu seinem hochtrabend-ehrwürdigen Namen schmieriges Lokal, Symbol dieser sehr wohlanständigen, sehr katholischen, sehr alten Stadt Lima. In diesem Lokal führen der Herrensohn Zavala und der schwarze Diener Ambrosio das lange, eine Vielzahl von Einzelschicksalen rekonstruierende Gespräch, das den Rahmen des Romans bildet. An diesen Schicksalen legt Vargas Llosa die gleichsam durch ein perverses politisches System in allen ihren Schichten, in jedem einzelnen, geprägte Gesellschaft bloß.Der historische Diktator Manuel Odría, von 1948 bis 1956 peruanischer Präsident, wie andere vor ihm vom Großbürgertum an die Macht gebracht und von den USA gestützt, solange über das Wie der im Land aufrechterhaltenen ›Ruhe und Ordnung‹ nichts nach außen verlautete, bleibt im Roman unsichtbar. Politische Hauptfigur ist seine Kreatur, der Sicherheitsdirektor Don Cayo, der für den Erfolg verantwortlich ist: die gefälschten Wahlergebnisse, die jubelnden Volksmassen bei offiziellen Kundgebungen, die gekaufte Presse und das schaurige Geschäft der Repression.«

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  • Rezension zu "Gespräch in der »Kathedrale«" von Mario Vargas Llosa

    Gespräch in der »Kathedrale«

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    13. June 2012 um 11:47

    Santiago Zavala, der Sohn eines reichen peruanischen Unternehmers, trifft bei einem Hundefänger in Lima den früheren Chauffeur seines Vaters, den Farbigen Ambrosio. Zusammen gehen beide in die Spelunke "La Catedral", wo sie bei ein paar Bier beginnen, über alte Zeiten zu plaudern. Bald geht es jedoch um wesentlich mehr, um das Leben der Beiden und ihrer Familien, bevor, während und seitdem sie sich getroffen haben, die Politik Perus insbesondere unter dem Odria-Regime, um einen skrupellosen Innenminister, zwei Prostituierte, die Zeitung, bei der Santiago inzwischen arbeitet. Wenige Werke werden, so oft und selbstverständlich als monumental bezeichnet. Tatsächlich gibt es kaum ein anderes Wort, das dieses Buch so treffend beschreiben könnte. Was im ersten Kapitel noch als eine leicht verständliche Geschichte in der Gegenwart beginnt, wird bald zu einem gigantischen Geflecht aus Vor- und Rückblenden, die sich ständig überkreuzen, sich mal kontrastieren, mal ergänzen. Nur sporadisch erkennbar durch Absätze getrennt, wechseln die Perspektiven mitunter innerhalb eines Satzes. In den komplexesten Momenten springt die Erzählung dabei zwischen vier verschiedenen Schauplätzen und Zeitebenen. Damit nicht genug, wird auch innerhalb dieser Ebenen nicht immer konsequent chronologisch erzählt, der Ausgang einzelner Schicksale, die sich über hundert Seiten erstrecken, wird mitunter schon in der ersten Erwähnung einer Person vorweggenommen. Zudem gibt es, neben dem gegenwärtigen Gespräch Santiagos und Ambrosios, einige weitere, die sich über fast über das ganze Buch erstrecken, hier und da eingeflochten, um dann drei Kapitel hintereinander nicht aufzutauchen, wobei die Auflösung, wer da eigentlich mit wem spricht, erst gegen Ende des Buches erfolgt. Noch nicht erwähnt sind innere Selbstgespräche oder Monologe, sowie die gelegentlich lang andauernde Auslassung von Namen zugunsten von Personalpronomina, was nicht eben für größere Übersichtlichkeit sorgt. Dass so ein Buch funktioniert, zeigt die erstaunlichen Fähigkeiten des Autors. Alles andere als leicht verständlich, ist Gespräch in der Kathedrale doch konsequent durchdacht und ausgeführt, Vargas Llosa verliert nicht ein einziges Mal den Überblick. Gleiches gilt für den Leser; obwohl die Handlung zum Teil seitenweise allein durch Dialog vorangetrieben wird, ist doch, zumindest ab einem gewissen Punkt, immer ersichtlich, wo man sich befindet, was gerade passiert. Es ist nicht anders denn als literarischer Kraftakt zu bezeichnen, wie hier die Geschehnisse miteinander vermischt und nach und nach ein gewaltiges Mosaik erschaffen wird. Allein aufgrund der Struktur bemerkenswert, ist der Roman auch auf der inhaltlichen Ebene gelungen. Die Schilderung korrupter südamerikanischer Politik ist dabei entlarvend und für den Leser erschreckend, letzten Endes aber, da durch ähnlich gelagerte Bücher bereits hinlänglich bekannt, noch am wenigsten erwähnenswert. Noch viel beeindruckender sind die zwischenmenschlichen Beziehungen dieses Romans, die natürlichen Dialoge, das Einfühlvermögen des Autors für jede einzelne seiner Figuren. Die Entfremdung Santiagos von seiner Familie, die stillen Leiden seines Vaters, sind außerordentlich rührend erzählt, ohne auch nur im Entferntesten ins Kitschige abzurutschen. Gespräch in der Kathedrale ist kein einfacher Roman, er erfordert vom Leser Konzentration und Durchhaltevermögen. Dem politischen Geschehen ist zum Teil nur sehr schwer zu folgen, hat man sich nicht mit der jüngeren Geschichte Perus beschäftigt. Die überragende Klasse des Werkes liegt aber ohnehin weniger darin was, sondern wie etwas erzählt wird. Jeder, der auch nur ansatzweise an der Technik eines Autors interessiert ist, wird dieses Buch lieben. Es ist ohne Zweifel ein Meilenstein und Beleg dafür, dass die Nobelpreisakademie selten eine bessere Entscheidung traf, als 2010 Mario Vargas Llosa auszuzeichnen.

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  • Rezension zu "Gespräch in der »Kathedrale«" von Mario Vargas Llosa

    Gespräch in der »Kathedrale«

    Boris

    12. January 2010 um 18:56

    Ich habe mich sehr schwer getan mit diesem Roman. Ein Gespräch in einer düsteren Kneipe - die Kathedrale - zwischen einem Weißen aus der Oberschicht und einem Schwarzen nicht aus der Oberschicht. Eigentlich einfach, aber... In dieses Gespräch werden Geschichten von Leuten aus dem Umkreis der beiden verschränkt. Der Erzähler kann innerhalb eines Absatzes ohne Vorwarnung durch den Autor wechseln. Deswegen dauerte es bei mir auch fast 300 Seiten, bis mir die Figuren des Romans, die zu allem Überfluss auch noch mit verschiedenen Namen - Vornamen, Nachnamen, Spitznamen - vorgestellt werden, und die Beziehungen zwischen Ihnen klar wurden. Durch diese Erzählmethode, die auch in der Zeit vor und zurückspringt, macht es der Autor dem Leser alles andere als leicht. Es ergibt sich dadurch aber ein dichtes Bild vom Peru der 50iger und 60iger Jahre. Sehr düster, ohne Hoffnung auf persönliche und politische Veränderung, Status Quo einer zutiefst korrupten Gesellschaft. Sehr schade finde ich, daß der Suhrkamp Verlag dem Leser keine Hilfe in diesem Dickicht liefert. Ein Personenregister oder Anmerkungen zu realen Persönlichkeiten aus der Politik Perus würden helfen und den Einstieg in dieses dann doch faszinierende Buch erleichtern. Druckfehler und eine manchmal etwas holprige Übersetzung tun ihr Übriges.

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