Marion Detjen

 4 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf von Marion Detjen

Marion Detjen studierte Geschichte und Germanistik und promovierte 2005 über Fluchthelfer nach dem Bau der Berliner Mauer. Sie unterrichtete an der Humboldt-Universität zu Berlin und forschte am Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam. Sie ist Teil des Redaktionskollektivs 10nach8 bei ZEIT Online und Mitbegründerin des Aktionsbündnisses WIR MACHEN DAS. Zur Zeit lehrt sie Migrationsgeschichte am Bard College Berlin. Sie arbeitet seti 1994 biographish und kulturgeschichtlich zu Helen Wolff, die ihre Großtante war.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Marion Detjen

Cover des Buches Hintergrund für Liebe (ISBN: 9783938803967)

Hintergrund für Liebe

 (6)
Erschienen am 01.03.2020
Cover des Buches Hintergrund für Liebe (ISBN: 9783499006258)

Hintergrund für Liebe

 (2)
Erschienen am 22.03.2022
Cover des Buches Ein Loch in der Mauer (ISBN: 9783886808342)

Ein Loch in der Mauer

 (1)
Erschienen am 01.01.2005
Cover des Buches Die Deutschen und das Grundgesetz (ISBN: 9783641024956)

Die Deutschen und das Grundgesetz

 (1)
Erschienen am 01.04.2009

Neue Rezensionen zu Marion Detjen

Cover des Buches Hintergrund für Liebe (ISBN: 9783938803967)
ulrikerabes avatar

Rezension zu "Hintergrund für Liebe" von Helen Wolff

Ich und Du
ulrikerabevor 2 Jahren

Eine junge Frau, ein wesentlich älterer Mann. Es ist Sommer und sie reisen mit dem Auto von Deutschland nach Frankreich. Es geht gegen Ende der 1920er Jahre. Europa verdunkelt sich langsam, doch die Sonne in Südfrankreich scheint noch sehr hell für die Liebenden. 

 „Es ist wunderschön«, sage ich. Noch nicht wahr.“

 Der Mann ist ein Charmeur, einer der das Leben kennt und genießt. Auch mit anderen Frauen. Bald erkennt seine Begleiterin eine große Langeweile hinter der Fassade des Weltmännischen. Sie schreibet einen Abschiedsbrief, verlässt ihn und mietet sich ein kleines Häuschen im Schilf bei Saint Tropez. Sie beginnt sich selbst zu genügen, lernt neuen Menschen kennen. Bis sie wieder auf ihn trifft, den sie verlassen hat. Die Vorzeichen haben sich geändert, sie kann ihm auf Augenhöhe begegnen und fordert ihre Bedingungen ein.

„Hintergrund für Liebe“ ist eine stark autobiografisch gefärbte Erzählung aus dem Nachlass der Verlegerin Helen Wolff, verfasst 1932/33. Helen Wolff brachte über den Verlag, den sie mit ihre Mann Kurt Wolff gegründet hat, den Amerikanern deutschsprachige Schriftsteller wie Günter Grass, Uwe Johnson oder Max Frisch nahe. Ihr eigenes literarisches Werk hielt sie unter Verschluss. Ihre Aufforderung „At my death, burn or throw away unread!“ wurde glücklicherweise ignoriert. Das Nachwort von Marion Detjen, einer Großnichte von Helen Wolff, erhellt den biografischen Hintergrund.

Es ist eine sehr intensive und intime Geschichte über Liebe und Unabhängigkeit. Der Mann in der Erzählung wird von der Ich-Erzählerin konsequent nur als „Du“ bezeichnet, beide Figuren bleiben namenlos, weisen starke Parallelen zu Helen und Kurt Wolff auf. 

So wie in diesem fast ewig dauerndem Sommer im Garten und Weinberg alles üppig heranwächst, reift die junge Frau zur Eigenständigkeit. Sie legt alte Muster ab. So einfach wie nebenbei trägt sie plötzlich Hosen statt Kleid.

„Landschaft, hat einmal eine gesagt – es war eine sehr reizende Frau –ist doch nur Hintergrund für Liebe.“

Die „Landschaft“ dieser Liebe, das Lebensmodells, das der Mann der Frau bieten will, verändert sich, indem sie den Hintergrund austauscht.
 

Kommentare: 9
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Cover des Buches Hintergrund für Liebe (ISBN: 9783938803967)
aus-erlesens avatar

Rezension zu "Hintergrund für Liebe" von Helen Wolff

Lang versteckter Schatz im neuen Licht
aus-erlesenvor 3 Jahren

Ein Mann - nicht irgendein Mann – eine Frau - nicht irgendeine Frau – eine Reise – nicht irgendeine Reise. Eine Reise, zu einer Zeit, in der nicht viele sich die Mühe machen konnten und gut vorbereitet in die Sommerfrische zu fliehen. Viele flohen vor dem braunen Terror! 

Der Mann ist Kurt Wolff, die Frau Helen – noch nicht Wolff – zumindest sind Er und Sie dem späteren Verlegerpaar mehr als nur ähnlich. Das Ziel der Reise ist Südfrankreich. Er ist der erfahrene Lebemann, wissend, charmant, abenteuerlustig. Sie hängt an seinen Lippen, ohne dabei sich selbst zu verlieren. Das muss bald auch er feststellen.

Denn sie ist bald verschwunden. Das Weltmännische an ihm wird allzu schnell in Langeweile gehüllt. Der Mann, der sie aus Deutschland entführte, ist nicht mehr der Mann, der im Süden das kleine unschuldige Ding verzaubern kann. Sie ist selbständig genug, um das Leben in der Fremde genießen und es sich leisten zu können. Sie braucht keinen Luxus, um Freude zu empfinden. Ein kleines Haus genügt ihr. Langusten sind schmackhaft, doch die einfache Küche liegt ihr mehr. Genauso die einfachen Menschen, die das Leben um seiner selbst mögen. 

Die getrennten Wege, die Sie und Er im Urlaub gehen, tun beiden gut. Und wie es der Zufall will, finden beide das auch bald schneller heraus als sie jemals zu träumen wagten. Unter der Sonne Südfrankreichs gibt ihnen das Schicksal eine zweite Chance. Doch nun treffen sich nicht mehr die Kleine, die nur allzu gern große Augen macht und der Große, der sich nicht gern kleinmachen wollte. Es treffen sich Mann und Frau, die sich erstaunlich schnell aufeinander treffen, um miteinander die Welt aushebeln werden…

Manchmal muss man getrennte Wege gehen, um sich zu finden. Im Leben wie im Roman. Kurt Wolff musste Deutschland verlassen, um den Schergen der Nazis zu entgehen. An seiner Seite Helen Wolff. Auch sie hat geschrieben, allerdings – als Frau eines Verlegers, selbst Verlegerin – ohne jemals etwas zu veröffentlichen. Günter Grass, Uwe Johnson und Max Frisch konnten durch ihre Arbeit dem amerikanischen Publikum zugängig gemacht werden. 

„Hintergrund für Liebe“ wurde zu Beginn der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts geschrieben. Doch erst jetzt – durch das fortwährende Engagement des Verlegers Stefan Weidle – wurde dieser nachhaltige Roman einem Publikum präsentiert, das den Namen Kurt Wolff vielleicht kennt, aber den seiner Frau bisher nur beiläufig wahrnahm. Helen Wolff trat nach dem Tod ihres Mannes dessen Erbe an. Die Reiseerinnerungen sind so anschaulich, dass jeder Eindruck der Autorin bis heute nachvollziehbar ist. Ihrer Beziehung zu Kurt Wolff, die im Roman noch zarte Knospen trägt, beim Wachsen zusehen zu dürfen, ist ein Riesenglück für alle Leser, denen die Geschichten hinter der Geschichte am Herzen liegen.


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