Marion Poschmann

 3.7 Sterne bei 103 Bewertungen
Autorin von Die Kieferninseln, Die Sonnenposition und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Marion Poschmann

Marion Poschmann ist eine deutsche Schriftstellerin, besonders bekannt für ihre Prosa und Lyrik. Sie wurde 1969 in Essen geboren und studierte Germanistik, Philosophie und Slawistik zunächst in Bonn, später in Berlin. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Ernst Meister-Preis für Lyrik (2011), den Deutschen Preis für Nature Writing (2017) und den Düsseldorfer Literaturpreis (2017). Sie lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Neue Bücher

Die Kieferninseln

 (55)
Neu erschienen am 12.11.2018 als Taschenbuch bei Suhrkamp.

Alle Bücher von Marion Poschmann

Sortieren:
Buchformat:
Die Kieferninseln

Die Kieferninseln

 (55)
Erschienen am 12.11.2018
Die Sonnenposition

Die Sonnenposition

 (23)
Erschienen am 15.09.2014
Hundenovelle

Hundenovelle

 (8)
Erschienen am 25.08.2008
Geistersehen

Geistersehen

 (3)
Erschienen am 19.04.2010
Geliehene Landschaften

Geliehene Landschaften

 (2)
Erschienen am 07.03.2016
Schwarzweissroman

Schwarzweissroman

 (2)
Erschienen am 01.09.2005
Mondbetrachtung in mondloser Nacht

Mondbetrachtung in mondloser Nacht

 (2)
Erschienen am 07.03.2016
Grund zu Schafen

Grund zu Schafen

 (2)
Erschienen am 01.09.2004

Neue Rezensionen zu Marion Poschmann

Neu

Rezension zu "Die Kieferninseln" von Marion Poschmann

Wichtiges Thema und unglaublich gut geschrieben
Ninas_Buecherbasarvor 4 Tagen

Meine Meinung
Bücher auf Empfehlungen zu lesen, kann fürchterlich schief gehen. Ich habe schon so einige Werke gelesen, die von Freunden, Familie oder eben Bookstagram in den Himmel gelobt wurden, und dann fürchterlich schlecht waren (aktuelles Beispiel meinerseits: Dark Elemtents von Jennifer L. Armentrout). Die Kieferninseln wurde mir von einer Kommilitonin empfohlen, die eigentlich einen grundsätzlich anderen Lesegeschmack hat als ich. Aber ihrer Begeisterung und natürlich auch dem Gütesiegel "Deutscher Buchpreis 2017" konnte ich dann nichts mehr entgegensetzten.
Die Kieferninseln sind nun ein sehr gutes Beispiel für mich geworden, wie gut es sein kann, sich aus seinem Wohlfühlgenre zu wagen. Der Schreibstil Poschmanns ist beeindruckend, vielfältig, voller Witz und gut durchdacht. Ihre Charaktere sind eigenwillig und nicht immer sympathisch - aber dafür umso authentischer.  
Gilbert beispielsweise ist einfach nur ein von sich selbst überzeugter und Arroganter Dozent, aber gerade deswegen habe ich sehr oft Laut gelacht. Wie er einfach seine oft fehlerhafte Meinung und sein beschränktes Weltbild verteidigt - herrlich! Noch dazu lernt man so viel über das Land Japan und seine Kultur, seine Dichter. Mein Interesse für Japan war vor diesem Buch zwar da, aber doch eher nur oberflächlich. Jetzt würde ich am Liebsten sofort hinreisen.
Das Selbstmörder-Thema kam (für mich) unerwartet, war aber super spannend und interessant. Ich würde dieses Buch als sehr besonders beschreiben. Manchmal habe ich sehr intensiv über einen Satz nachgedacht und manchmal konnte ich es kaum glauben, wie verrückt oder gar sinnlos manche Handlungen von Gilbert waren. 

Mein Fazit
Dieses Buch ist echt schräg, unerwartet aber eben auch echt gut!

4,5/5 Sternen 

*Vielen Dank an den Suhrkamp Verlag für dieses Rezensionsexemplar*

Kommentieren0
0
Teilen
F

Rezension zu "Die Kieferninseln" von Marion Poschmann

Flucht vor den eigenen Dämonen
Finettevor einem Monat

Die Grundidee ist klassisch: Der betrogene Ehemann auf der Flucht. Die Untreue der Frau ist jedoch nur geträumt und die Reise wird zu einem Selbstfindungstrip. Der Reisegefährte - ein Student mit Selbstmordabsicht - findet sich so zufällig wie das Reiseziel. Gleich einer japanischen Tuschezeichnung skizziert die Autorin kenntnisreich ein Bild Japans, das das Wesen dieses Landes mit ausgewählten Pinselstrichen zu erfassen sucht. Poetisch und elegant. Schön die eingefügten Haikus. Kurzweilig und nicht ohne Humor. Schade, dass die Energie nicht ausreicht um die losen Enden zu einem schlüssigen Muster zusammenzufügen.

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Die Kieferninseln" von Marion Poschmann

Reise zu sich selbst
Buecherschmausvor 6 Monaten

„Er hatte geträumt, dass seine Frau ihn betrog. Gilbert Sylvester erwachte und war außer sich.“
So wenig außergewöhnlich ein solcher Traum ist, so aberwitzig und skurril ist Gilberts Reaktion darauf. Er stellt seine Frau Mathilde nicht nur aufs Schärfste zur Rede, sondern verlässt, als diese hartnäckig leugnet, äußerst erbost die Wohnung und nimmt den ersten verfügbaren Interkontinentalflug, um möglichst viel Raum zwischen sich und seine vermeintlich untreue Gattin zu schaffen. Dass es außerhalb seines Traumes keinerlei Hinweise auf eine eventuelle Untreue gibt, stört ihn dabei überhaupt nicht.
Diese reichlich überspannte Reaktion weist gleich zu Beginn genauso wie Gilberts ungewöhnliche Profession darauf hin, dass wir es hier mit einem besonderen Roman zu tun haben. Herr Sylvester ist nämlich Kulturwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Bartforschung. Seine Karriere steckt fest, auch für dieses neue Projekt stehen ihm nur Drittmittel zur Verfügung. Diese werden „gesponsert von der nordrhein-westfälischen Filmindustrie sowie zu kleineren Teilen von einer feministischen Organisation in Düsseldorf und der jüdischen Gemeinde der Stadt Köln“.
Schon ist man drin im Schmunzeln über diesen so klugen wie heiteren Roman, der 2017 auf der Shortlist zum deutschen Buchpreis stand.
Skurril und leicht surreal geht es weiter. In Tokio angekommen, besorgt sich Gilbert zunächst einmal ein paar japanische Klassiker. Besonders „Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland“, der Reisebericht des buddhistischen Mönchs und Haiku-Dichters Matsuo Bashō aus dem 17. Jahrhundert, der sich wiederum auf die Spuren des weitere fünf Jahrhunderte früher durch Japan wandernden und von ihm verehrten Dichter Saigyō machte, fasziniert ihn und er beschließt, dessen Spuren zu folgen.
Auf dem Hauptbahnhof trifft er allerdings zunächst einmal einen jungen Mann, der der seine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er trägt in einem allgemein eher bartlosen Land ein schütteres Ziegenbärtchen, eine Wohltat für unseren Bartforscher, der sich schon wegen seiner Abneigung gegen Tee in Japan eher fremd fühlt. Das Bärtchen, das Yosa Tamagotchi (!) trägt, wird sich später als falsch erweisen, eine Illusion, die nicht die letzte in diesem schmalen Roman bleiben wird. Gilbert hält Yosa nicht nur von seinem geplanten Selbstmord vor einem einfahrenden Zug ab – viel zu laut und überfüllt sei der Bahnhof für ein solches Unterfangen -, sondern begleitet ihn fortan von einem möglichen Todesort zum anderen. Geleitet werden sie von einem Buch. So absurd sich das anhört, ist dies doch real. 1993 veröffentlichte der Autor Wataru Tsurumi das "Komplette Selbstmordhandbuch", das sich mittlerweile millionenfach verkaufte.
Nun ist Gilbert wahrhaft kein Sympathieträger. Besserwisserisch, voller Dünkel (auch) der japanischen Kultur gegenüber, penetrant, verbohrt und wahrhaft kein Menschenfreund, weiß man zunächst nicht, was ihn dazu bewegt, den jungen Studenten, der aus Prüfungsangst seinem Leben ein Ende setzen möchte, von seinem Tun abzuhalten. Gerade seine pedantische, miesepetrige Art scheint da aber genau das Richtige zu sein. Das Hochhaus in Tokios nördlichem Wohnviertel Takashimadaira sei zu grau und trostlos und der Selbstmordwald Aokigahara am Fuße des Fuji voll mit menschlichem „Müll“. So findet Gilbert an allen aufgesuchten Orten etwas auszusetzen und Yosa, höflichem Gehorsam gegenüber Älteren auch als Lebensmüder verpflichtet, beugt sich.
Immer mehr ähnelt die von den Beiden eingeschlagene Route derjenigen des Dichters Bashō, deren Ziel die berühmten Kieferninseln bei Mutsushima in der Bucht von Sendai sind, allgemein zu den drei schönsten Plätzen Japans zählend und auch ein „Tipp“ im Selbstmordhandbuch. Der Leser verfolgt die Reise durch die miesepetrigen, stets seinen Bildungsdünkel herauskehrenden Monologe des Bartforschers. Gilbert nötigt zudem sich und seinen Begleiter auf der Reise zum Verfassen von Haikus, jener besonderen traditionellen japanischen Gedichtform, deren Regeln ich nun seit diesem Buch erstmals verstanden habe. Poetische, kontemplative Naturbetrachtungen sind eine wichtige Tradition in Japan, und auch Gilbert möchte sich als Bestandteil seiner inneren Abkehr von der Welt, Folge der Krise, die ihn anscheinend sowohl beruflich als auch privat gepackt hat, darin versuchen.
„Er war damit noch nicht sehr weit gekommen, aber schon der Ansatz überzeugt ihn. Mönchische Askese, Zurückhaltung und Bescheidenheit, Armut im Geiste. Auch sein eigenes Projekt der Abwendung bestand darin, einen Zwischenraum zu schaffen. Einen Raum zwischen ihm und der Gesellschaft, ihm und den sozialen Konventionen, ihm und den bizarren Zwängen des allgegenwärtigen Turbokapitalismus.“
Da ist offensichtlich jemand am Scheitern, vermag es aber nicht zuzugeben. Stattdessen verbarrikadiert er sich in seiner selbstgewissen Uneinsichtigkeit. Beispielhaft sind dafür die gestelzten, belehrenden Briefe, die er an Mathilde schreibt.
Nun also Naturbetrachtungen. Aber die Plätze, die Gilbert und Yosa aufsuchen sind so ganz anders, als erwartet. Ihnen fehlt jede Poesie und Romantik. Jahreszeitbedingt muss die Kirschblüte ausfallen, der Fuji ist ständig von Dunst umgeben und nicht zu sehen und auch die aufgesuchten Bashō-Orte entbehren ihre klassische Schönheit. So ist beispielsweise der „Oki no Ishi“ in Bashōs Dichtung, jener „Stein am offenen Meer“ mittlerweile nur noch ein Gesteinsbrocken inmitten einer Straßenkreuzung. Auch die Kieferninseln befinden sich in einer großen Baustelle, die die Folgen des großen Tsunamis aus dem Jahr 2011, beseitigen sollen. Die Katastrophe von Fukushima wird nicht groß thematisiert, schwingt aber immer mit.
Mit großem Vergnügen karikiert Marion Poschmann die gängigen Japan-Klischees, die ja nur deswegen Klischees, weil so omnipräsent sind. Die hohe Selbstmordrate aufgrund enormen Leistungsdrucks in einer durchrationalisierten, extrem formellen Gesellschaft findet genauso ihren Platz wie der Hang zu organisierter Meditation, die traditionelle Naturauffassung ebenso wie die klassische Poesie, Teezeremonien, Kabuki-Theater, Kirsch- und Ahornblüte – alles ist hier versammelt und wird liebevoll-satirisch betrachtet. Osten und Westen treffen mit dem vertrauten Unverständnis aufeinander.
Am Ende geht Yosa Gilbert verloren. Die Realität verschwimmt so wie die Kieferninseln im Meeresdunst. Uneindeutigkeit greift um sich. War Yosa wirklich eine reale Person? Plötzlich schreibt Gilbert die Haikus seines jungen Reisebegleiters selbst. Dessen Reisetasche taucht noch einmal kurz im Hotel auf, ist dann aber auch gleich wieder verschwunden. Das traumhafte Ende in diesem Roman, in dem Träume immer wieder eine Rolle spielen, kann auch so gelesen werden, dass Yosa nur eine (lebensmüde) Facette Gilberts darstellte. Nun, da er von ihm befreit ist, kann er sich auch der Ruhe der Natur und ihrer Schönheit und Poesie freier stellen. Nicht umsonst hat die Autorin 2017 als erste Preisträgerin den deutschen Preis für Nature Writing, der jährlich vom Verlag Matthes & Seitz Berlin und dem Bundesamt für Naturschutz verliehen wird, gewonnen. Auch dass sie von Haus aus Lyrikerin ist, wird sehr deutlich.
„Er drückte den Rücken an die warme Borke, schloss die Augen, horchte auf den Wind, der durch die Zweige fuhr, Harzgeruch. Knackende Zapfen. Raschelnde Nadeln. Knarrende Äste. Er schloss die Augen noch einmal, schloss die bereits geschlossenen Lider fester, sackte tiefer in die Müdigkeit hinein, ließ sich durchziehen vom Wind, vom Kiefernduft, vom Atem der Inseln.“
Und auch Hoffnung für seine Ehe mit Mathilde scheint nun möglich.
Marion Poschmann hat mit „Die Kieferninseln“ ein so originelles wir ungewöhnliches Buch geschaffen. Filigran und klug, so heiter wie abgründig. Eine wunderbar leichte und doch tiefgründige Lektüre.

Kommentare: 3
50
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Hallo!
Bis zum 14.6. um 17:00 Uhr verlose ich 4 Bücher, darunter "Die Sonnenposition", auf meinem Blog.
Es würde mich sehr freuen, wenn ihr vorbeischauen und teilnehmen würdet.
https://warmersommerregen.wordpress.com/2015/06/01/%f0%9f%8f-%86%f0%9f%8e-100-beitrag-verlosung-%88%f0%9f%8e-%88%f0%9f%8f/

Viel Glück,
Sommerregen
Zur Buchverlosung
Liebe lovelybooks-Community,

auf booknerds.de - literatur & mehr gibt es dieses Jahr im Rahmen von Blogger schenken Lesefreude bei uns insgesamt 21 Bücher, 1 Hörbuch und 10 Lesezeichen zu gewinnen, und einer der Titel ist der oben genannte.

Wo? Hier: http://www.booknerds.de/2014/04/gewinnspiel-blogger-schenken-lesefreude-2014/

(Bitte nur dort antworten und nicht hier kommentieren! Sollte das Formular nicht funktionieren, bitte eine E-Mail an verlosung äääät booknerds puuuunkt de oder eine Direktnachricht via Facebook (facebook.com/booknerds.de)

Liebe Grüße,
Chris und die booknerds

(Buchcover/Auflage kann von der abgebildeten bei älteren Titeln abweichen!)
Zur Buchverlosung

Zusätzliche Informationen

Marion Poschmann wurde am 15. Dezember 1969 in Essen (Deutschland) geboren.

Community-Statistik

in 166 Bibliotheken

auf 39 Wunschlisten

von 6 Lesern aktuell gelesen

von 2 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks