Marion Poschmann

 3.7 Sterne bei 97 Bewertungen
Autorin von Die Kieferninseln, Die Sonnenposition und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Marion Poschmann

Marion Poschmann ist eine deutsche Schriftstellerin, besonders bekannt für ihre Prosa und Lyrik. Sie wurde 1969 in Essen geboren und studierte Germanistik, Philosophie und Slawistik zunächst in Bonn, später in Berlin. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Ernst Meister-Preis für Lyrik (2011), den Deutschen Preis für Nature Writing (2017) und den Düsseldorfer Literaturpreis (2017). Sie lebt als freie Schriftstellerin in Berlin und ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Neue Bücher

Die Kieferninseln

 (49)
Neu erschienen am 12.11.2018 als Taschenbuch bei Suhrkamp.

Alle Bücher von Marion Poschmann

Sortieren:
Buchformat:
Die Kieferninseln

Die Kieferninseln

 (49)
Erschienen am 12.11.2018
Die Sonnenposition

Die Sonnenposition

 (23)
Erschienen am 15.09.2014
Hundenovelle

Hundenovelle

 (8)
Erschienen am 25.08.2008
Geistersehen

Geistersehen

 (3)
Erschienen am 19.04.2010
Mondbetrachtung in mondloser Nacht

Mondbetrachtung in mondloser Nacht

 (2)
Erschienen am 07.03.2016
Geliehene Landschaften

Geliehene Landschaften

 (2)
Erschienen am 07.03.2016
Schwarzweissroman

Schwarzweissroman

 (2)
Erschienen am 01.09.2005
Grund zu Schafen

Grund zu Schafen

 (2)
Erschienen am 01.09.2004

Neue Rezensionen zu Marion Poschmann

Neu
Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Die Kieferninseln" von Marion Poschmann

Reise zu sich selbst
Buecherschmausvor 4 Monaten

„Er hatte geträumt, dass seine Frau ihn betrog. Gilbert Sylvester erwachte und war außer sich.“
So wenig außergewöhnlich ein solcher Traum ist, so aberwitzig und skurril ist Gilberts Reaktion darauf. Er stellt seine Frau Mathilde nicht nur aufs Schärfste zur Rede, sondern verlässt, als diese hartnäckig leugnet, äußerst erbost die Wohnung und nimmt den ersten verfügbaren Interkontinentalflug, um möglichst viel Raum zwischen sich und seine vermeintlich untreue Gattin zu schaffen. Dass es außerhalb seines Traumes keinerlei Hinweise auf eine eventuelle Untreue gibt, stört ihn dabei überhaupt nicht.
Diese reichlich überspannte Reaktion weist gleich zu Beginn genauso wie Gilberts ungewöhnliche Profession darauf hin, dass wir es hier mit einem besonderen Roman zu tun haben. Herr Sylvester ist nämlich Kulturwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Bartforschung. Seine Karriere steckt fest, auch für dieses neue Projekt stehen ihm nur Drittmittel zur Verfügung. Diese werden „gesponsert von der nordrhein-westfälischen Filmindustrie sowie zu kleineren Teilen von einer feministischen Organisation in Düsseldorf und der jüdischen Gemeinde der Stadt Köln“.
Schon ist man drin im Schmunzeln über diesen so klugen wie heiteren Roman, der 2017 auf der Shortlist zum deutschen Buchpreis stand.
Skurril und leicht surreal geht es weiter. In Tokio angekommen, besorgt sich Gilbert zunächst einmal ein paar japanische Klassiker. Besonders „Auf schmalen Pfaden durchs Hinterland“, der Reisebericht des buddhistischen Mönchs und Haiku-Dichters Matsuo Bashō aus dem 17. Jahrhundert, der sich wiederum auf die Spuren des weitere fünf Jahrhunderte früher durch Japan wandernden und von ihm verehrten Dichter Saigyō machte, fasziniert ihn und er beschließt, dessen Spuren zu folgen.
Auf dem Hauptbahnhof trifft er allerdings zunächst einmal einen jungen Mann, der der seine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er trägt in einem allgemein eher bartlosen Land ein schütteres Ziegenbärtchen, eine Wohltat für unseren Bartforscher, der sich schon wegen seiner Abneigung gegen Tee in Japan eher fremd fühlt. Das Bärtchen, das Yosa Tamagotchi (!) trägt, wird sich später als falsch erweisen, eine Illusion, die nicht die letzte in diesem schmalen Roman bleiben wird. Gilbert hält Yosa nicht nur von seinem geplanten Selbstmord vor einem einfahrenden Zug ab – viel zu laut und überfüllt sei der Bahnhof für ein solches Unterfangen -, sondern begleitet ihn fortan von einem möglichen Todesort zum anderen. Geleitet werden sie von einem Buch. So absurd sich das anhört, ist dies doch real. 1993 veröffentlichte der Autor Wataru Tsurumi das "Komplette Selbstmordhandbuch", das sich mittlerweile millionenfach verkaufte.
Nun ist Gilbert wahrhaft kein Sympathieträger. Besserwisserisch, voller Dünkel (auch) der japanischen Kultur gegenüber, penetrant, verbohrt und wahrhaft kein Menschenfreund, weiß man zunächst nicht, was ihn dazu bewegt, den jungen Studenten, der aus Prüfungsangst seinem Leben ein Ende setzen möchte, von seinem Tun abzuhalten. Gerade seine pedantische, miesepetrige Art scheint da aber genau das Richtige zu sein. Das Hochhaus in Tokios nördlichem Wohnviertel Takashimadaira sei zu grau und trostlos und der Selbstmordwald Aokigahara am Fuße des Fuji voll mit menschlichem „Müll“. So findet Gilbert an allen aufgesuchten Orten etwas auszusetzen und Yosa, höflichem Gehorsam gegenüber Älteren auch als Lebensmüder verpflichtet, beugt sich.
Immer mehr ähnelt die von den Beiden eingeschlagene Route derjenigen des Dichters Bashō, deren Ziel die berühmten Kieferninseln bei Mutsushima in der Bucht von Sendai sind, allgemein zu den drei schönsten Plätzen Japans zählend und auch ein „Tipp“ im Selbstmordhandbuch. Der Leser verfolgt die Reise durch die miesepetrigen, stets seinen Bildungsdünkel herauskehrenden Monologe des Bartforschers. Gilbert nötigt zudem sich und seinen Begleiter auf der Reise zum Verfassen von Haikus, jener besonderen traditionellen japanischen Gedichtform, deren Regeln ich nun seit diesem Buch erstmals verstanden habe. Poetische, kontemplative Naturbetrachtungen sind eine wichtige Tradition in Japan, und auch Gilbert möchte sich als Bestandteil seiner inneren Abkehr von der Welt, Folge der Krise, die ihn anscheinend sowohl beruflich als auch privat gepackt hat, darin versuchen.
„Er war damit noch nicht sehr weit gekommen, aber schon der Ansatz überzeugt ihn. Mönchische Askese, Zurückhaltung und Bescheidenheit, Armut im Geiste. Auch sein eigenes Projekt der Abwendung bestand darin, einen Zwischenraum zu schaffen. Einen Raum zwischen ihm und der Gesellschaft, ihm und den sozialen Konventionen, ihm und den bizarren Zwängen des allgegenwärtigen Turbokapitalismus.“
Da ist offensichtlich jemand am Scheitern, vermag es aber nicht zuzugeben. Stattdessen verbarrikadiert er sich in seiner selbstgewissen Uneinsichtigkeit. Beispielhaft sind dafür die gestelzten, belehrenden Briefe, die er an Mathilde schreibt.
Nun also Naturbetrachtungen. Aber die Plätze, die Gilbert und Yosa aufsuchen sind so ganz anders, als erwartet. Ihnen fehlt jede Poesie und Romantik. Jahreszeitbedingt muss die Kirschblüte ausfallen, der Fuji ist ständig von Dunst umgeben und nicht zu sehen und auch die aufgesuchten Bashō-Orte entbehren ihre klassische Schönheit. So ist beispielsweise der „Oki no Ishi“ in Bashōs Dichtung, jener „Stein am offenen Meer“ mittlerweile nur noch ein Gesteinsbrocken inmitten einer Straßenkreuzung. Auch die Kieferninseln befinden sich in einer großen Baustelle, die die Folgen des großen Tsunamis aus dem Jahr 2011, beseitigen sollen. Die Katastrophe von Fukushima wird nicht groß thematisiert, schwingt aber immer mit.
Mit großem Vergnügen karikiert Marion Poschmann die gängigen Japan-Klischees, die ja nur deswegen Klischees, weil so omnipräsent sind. Die hohe Selbstmordrate aufgrund enormen Leistungsdrucks in einer durchrationalisierten, extrem formellen Gesellschaft findet genauso ihren Platz wie der Hang zu organisierter Meditation, die traditionelle Naturauffassung ebenso wie die klassische Poesie, Teezeremonien, Kabuki-Theater, Kirsch- und Ahornblüte – alles ist hier versammelt und wird liebevoll-satirisch betrachtet. Osten und Westen treffen mit dem vertrauten Unverständnis aufeinander.
Am Ende geht Yosa Gilbert verloren. Die Realität verschwimmt so wie die Kieferninseln im Meeresdunst. Uneindeutigkeit greift um sich. War Yosa wirklich eine reale Person? Plötzlich schreibt Gilbert die Haikus seines jungen Reisebegleiters selbst. Dessen Reisetasche taucht noch einmal kurz im Hotel auf, ist dann aber auch gleich wieder verschwunden. Das traumhafte Ende in diesem Roman, in dem Träume immer wieder eine Rolle spielen, kann auch so gelesen werden, dass Yosa nur eine (lebensmüde) Facette Gilberts darstellte. Nun, da er von ihm befreit ist, kann er sich auch der Ruhe der Natur und ihrer Schönheit und Poesie freier stellen. Nicht umsonst hat die Autorin 2017 als erste Preisträgerin den deutschen Preis für Nature Writing, der jährlich vom Verlag Matthes & Seitz Berlin und dem Bundesamt für Naturschutz verliehen wird, gewonnen. Auch dass sie von Haus aus Lyrikerin ist, wird sehr deutlich.
„Er drückte den Rücken an die warme Borke, schloss die Augen, horchte auf den Wind, der durch die Zweige fuhr, Harzgeruch. Knackende Zapfen. Raschelnde Nadeln. Knarrende Äste. Er schloss die Augen noch einmal, schloss die bereits geschlossenen Lider fester, sackte tiefer in die Müdigkeit hinein, ließ sich durchziehen vom Wind, vom Kiefernduft, vom Atem der Inseln.“
Und auch Hoffnung für seine Ehe mit Mathilde scheint nun möglich.
Marion Poschmann hat mit „Die Kieferninseln“ ein so originelles wir ungewöhnliches Buch geschaffen. Filigran und klug, so heiter wie abgründig. Eine wunderbar leichte und doch tiefgründige Lektüre.

Kommentare: 3
48
Teilen
Linatosts avatar

Rezension zu "Die Kieferninseln" von Marion Poschmann

Emotional kalt gelassen
Linatostvor 5 Monaten

Sehr viele begeisterte Stimmen hab ich zu diesem Buch gehört. Leider konnte es mich so gar nicht packen.

Ich vermute hier kam einiges zusammen. Der Hauptcharakter war mir gar nicht sympathisch, eher selbstgefällig und arrogant, die Nebencharaktere blieben für mich blass, ein ernstes Thema mit Selbstmord blieb hier eigenartig lächerlich, Japan als Land kam mir auch zu kurz.

Schlussendlich hatte ich noch völlig andere Erwartungen. Ich hatte mir ein Buch wie „Schnee der auf Zedern fällt“ erhofft. Leider weit gefehlt. Natürlich frage ich mich im Rückblick was mich zu der Annahme verleitet hat, da der Klappentext ja nun gar nichts damit gemein hat.

Ich habe ewig gebraucht um voran zu kommen, musste öfter Abschnitte doppelt lesen.

Der Bart-Fetisch war mir auch nicht ganz schlüssig.

Ich werde das Buch in ein paar Jahren noch einmal lesen, wenn mir das Thema und die Lebenssituation etwas näher oder interessanter sind. Hoffentlich war es für mich nur nicht der richtige Zeitpunkt es zu lesen.

Kommentieren0
12
Teilen
Nils avatar

Rezension zu "Die Kieferninseln" von Marion Poschmann

Wo bringt man sich am besten in Japan um?
Nilvor 5 Monaten

Kann man diesen Roman „Die Kieferninseln" der breiten Öffentlichkeit empfehlen? Hierzu ein klares JEIN!

Der Inhalt lässt einen auf ein gut geschriebenes, aber eher leicht zu lesendes literarisches Werk hoffen.

Es geht um einen Deutschen, der aus seiner Sicht im Leben versagt hat, momentan an der Uni zu Bärten forscht und ohne Vorwarnung eine spontane Reise nach Japan antritt.

Dort trifft er auf einen jungen Japaner, der Selbstmord begehen will. Dieses absurde Duo, beide auf eine andere Art verkorkst, treten nun eine gemeinsame Reise an. Beide mit sehr unterschiedlichen Zielen.

Literarisch hochwertig geschrieben von Marion Poschmann mit innovativem Thema, wundert es nicht, dass der deutsche Literaturbetrieb begeistert war und das Werk in den höchsten Tönen gelobt hat. Das Buch ist auch äußerst poetisch in dem die Autorin die Figuren immer wieder Haikus verfassen läßt, eine traditionelle japanische Dichtform (3 Zeilen mit 5-7-5 Silben), da auch einer der bekanntesten Haiku-Schreiber sehr präsent ist im Text: Basho.

Nun kommt mein „aber" für die breite Masse. Es ist nicht mitreisend, eher ein in Sich gekehrtes Buch, viele Passagen sind philosophischer Natur. Außerdem gibt es Stellen, da schwankt man ob ein traumhaftes Element eingebaut wurde oder ob es Teil der Geschichte ist.

Auch der Klappentext spricht von „humorvoll", was ich eher als leisen, fein nuancierter Humor wahrgenommen habe.

Dieser Roman bedarf auch eher ein ruhiges konzentriertes Lesen mit viel Zeit. Kein Buch für 1-2 Seiten mit ständiger Ablenkung.

Fazit: Trotz aller Hin- und Hergerissenheit, hat es mir persönlich gefallen. Wer eher unterhalten werden möchte, lässt bitte die Finger weg. Wer gerne mal literarisch hochwertig liest und auf Umwege gehen mag: give it a try!

Kommentieren0
10
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Sommerregens avatar
Hallo!
Bis zum 14.6. um 17:00 Uhr verlose ich 4 Bücher, darunter "Die Sonnenposition", auf meinem Blog.
Es würde mich sehr freuen, wenn ihr vorbeischauen und teilnehmen würdet.
https://warmersommerregen.wordpress.com/2015/06/01/%f0%9f%8f-%86%f0%9f%8e-100-beitrag-verlosung-%88%f0%9f%8e-%88%f0%9f%8f/

Viel Glück,
Sommerregen
Zur Buchverlosung
Liebe lovelybooks-Community,

auf booknerds.de - literatur & mehr gibt es dieses Jahr im Rahmen von Blogger schenken Lesefreude bei uns insgesamt 21 Bücher, 1 Hörbuch und 10 Lesezeichen zu gewinnen, und einer der Titel ist der oben genannte.

Wo? Hier: http://www.booknerds.de/2014/04/gewinnspiel-blogger-schenken-lesefreude-2014/

(Bitte nur dort antworten und nicht hier kommentieren! Sollte das Formular nicht funktionieren, bitte eine E-Mail an verlosung äääät booknerds puuuunkt de oder eine Direktnachricht via Facebook (facebook.com/booknerds.de)

Liebe Grüße,
Chris und die booknerds

(Buchcover/Auflage kann von der abgebildeten bei älteren Titeln abweichen!)
Zur Buchverlosung

Zusätzliche Informationen

Marion Poschmann wurde am 15. Dezember 1969 in Essen (Deutschland) geboren.

Community-Statistik

in 157 Bibliotheken

auf 42 Wunschlisten

von 4 Lesern aktuell gelesen

von 2 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks