Marion Tauschwitz

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Dass ich sein kann, wie ich bin

Dass ich sein kann, wie ich bin

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Erschienen am 15.05.2009
Schlägt die Nachtigall am Tag

Schlägt die Nachtigall am Tag

 (3)
Erschienen am 22.08.2010
Der Gesang der Schneckenhäuser

Der Gesang der Schneckenhäuser

 (2)
Erschienen am 17.10.2011
Schlägt die Nachtigall am Tag

Schlägt die Nachtigall am Tag

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Erschienen am 15.06.2016
Der Künstler Pieter Sohl

Der Künstler Pieter Sohl

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Erschienen am 21.09.2015
Hilde Domins Gedichte und ihre Geschichte

Hilde Domins Gedichte und ihre Geschichte

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Erschienen am 05.02.2016

Neue Rezensionen zu Marion Tauschwitz

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claudi-1963s avatar

Rezension zu "Selma Merbaum - Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben" von Marion Tauschwitz

Ich habe keine Zeit gehabt zuende zu schreiben
claudi-1963vor 2 Jahren

Ich möchte leben.
Ich möchte lachen und Lasten heben
und möchte kämpfen und lieben und haßen
und möchte den Himmel mit Händen faßen
und möchte frei sein und atmen und schrei´n.
Ich will nicht sterben. Nein: Nein
(Auszug aus Nachtschatten)

Selma in einfachen Verhältnissen am 5.Februar 1924 in Czernowitz geboren, ihre Eltern Frederika Merbaum und Max Merbaum. Selma eine junge Frau, die ihr Leben noch vor sich hatte, starn 1942 mit achtzehn Jahren in einem deutschen Zwangsarbeitslager in Michailowska in der Ukraine. Sie hätte noch so viel erreichen können in ihrem Leben, doch leider war sie Jüdin und gehörte damit zu den vielen Millionen, die unschuldig sterben mussten. Wer war diese Selma Merbaum und warum ist sie bis heute bekannt? Zwar nicht so bekannt wie eine Anne Frank, aber doch so das man sich heute noch an sie erinnert sollte. Den diese junge Frau hat ein handschriftlich verfassten Gedichtsband hinterlassen, der einzigartig ist. "Blütenlese" gehört heute zur Weltliteratur und wurde vor kurzem unter anderem durch Iris Berben`s Literaturreise bekannt, die auch das Vorwort in diesem Buch verfasste.

Meine Meinung:
Die Autorin zeigt in ihrem Buch die Lebensgeschichte der Merbaums, vor allem von Selmas so kurzem Leben auf, so wie die gesamte Sammlung ihrer Gedichte. In ihren Gedichten verarbeitet sie ihre Erelebnisse, Eindrücke und ihre Sorgen in den Jahren 1939 - 1941. Wenn man das Bild auf dem Cover sieht, dann spiegelt sich die Ähnlichkeit mit Anne Frank wider. Das Lächeln, die Freude und die Unbekümmertheit, die diesen jungen Menschen viel zu früh genommen wurde. In diesem Buch merkt man die Liebe die diese Autorin für Selma empfand. Schon alleine, wenn man den über 30 Seiten langen Anhang am Ende anschaut, merkt man wie viel Arbeit sich Marion Tauschwitz mit diesem Buch gegeben hat. Jahrelange Forschungen hat sie betrieben, in den USA, Ukraine und England, hat Zeitzeugen befragt und Dokumentationen gefunden, um dieses einzigartige Werk zu schreiben. Eine Person und ein Werk, dem man unbedingt viel mehr Beachtung schenken sollte. Aus dieser jungen Frau hätte eine noch begnadete Dichterin werden können, als sie es schon ist, wäre sie nicht so früh gestorben. Von daher meinen Dank an Marion Tauschwitz, die mir dieses Buch zukommen lassen hat, ich werde es in Ehren halten. Von mir eine Leseempfehlung für diese Biografie und 5 von 5 Sterne. 

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Hans-Zengelers avatar

Rezension zu "Der Gesang der Schneckenhäuser" von Marion Tauschwitz

Rezension zu "Der Gesang der Schneckenhäuser" von Marion Tauschwitz
Hans-Zengelervor 7 Jahren

„Unsere Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netze des Vogelfängers; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei“ – Annäherungen an Marion Tauschwitz‘ Roman „Der Gesang der Schneckenhäuser“

I
Das ist kein Roman, den man nach beendeter Lektüre weglegen und zur Tagesordnung übergehen kann, das ist ein Roman, der mächtig nachhallt und einen mit einer Fülle von Fragen hinterlässt. Ein schaurig-schöner Roman ist das, verpackt in eine entsetzliche Geschichte, eigentlich eine unaushaltbare Lektüre, die den Leser an seine Grenzen führt, so dass er sich bisweilen selbst in jene Schneckenhäuser verkriechen möchte, in die sich das Kind/ das Mädchen/ die junge Frau Isabelle zurückzieht, um sich von einer Wirklichkeit abzukoppeln, die immer unerträglicher für sie wird.

II
Das fängt an wie ein Märchen, in dem die Mädchenfrau Laura ihrem Prinzen begegnet, der sie in einem Luxusetablissement entdeckt, dort herausholt und sie in die weite Welt entführt. Serge de Montrudier, ein attraktiver, vermögender, in der Gesellschaft als Wohltäter angesehener, gleichzeitig auch mysteriöser Mann, formt sich Laura zu seinem Geschöpf, wobei es ihm nur um Sexualität und Macht geht, um Unterdrückung und Ausbeutung, als Liebe getarnt. Subtil sind seine Methoden, sich die junge Frau gefügig zu machen, Zuckerbrot und Peitsche sind gewissermaßen die Mittel, die er einsetzt, die eine Hand streichelt, während die andere schon zum Schlag ausholt. Die Situation spitzt sich zu, als Laura eine Tochter zur Welt bringt, der fortan das ganze „Interesse“ des Vaters gilt, ihr schenkt er all seine Zuwendung. Das ist von Anfang an sein Geschöpf, und als Laura die Gefahr erkennt, verschwindet sie plötzlich spurlos. Während die Öffentlichkeit Serges Fürsorge um seine Tochter bewundert, geht diese Fürsorge nahtlos in einen fortgesetzten Missbrauch über, stattfindend als allabendliches Reinigungsritual im Badezimmer, vom Vater mit klinischer Präzision durchgeführt und als „Familiengeheimnis“ für Isabelle unaussprechbar gemacht.

III
Und welche Sprache die Autorin für das Entsetzliche findet, dieses in die wunderbarsten Wortbilder bettet, großartig die Metapher der Schneckenhäuser, in denen sich das geschundene Wesen entkörpert, dort den Gesängen der Mutter lauschend, während der verlassene Körper den Missbrauch wie von ihr abgetrennt erlebt, der Körper, in den sie erst wieder zurückkehrt, wenn das Ritual beendet ist …
So eindringlich schaurig-schön ist diese Sprache, dass der Leser nachgerade körperlich zu spüren bekommt, was da geschieht, körperlich, als ein dumpfes Gefühl in der Magengrube, als eine Enge im Hals, als eine Ohnmacht, da jetzt nicht eingreifen zu können – meisterhaft!

IV
Und schrill wird die Spannung zum Ende hin, als das längst Vermutete seine Auflösung erfährt, als Isabelle Sebastian begegnet, der erkennt, was geschehen ist und weiter geschieht, wenn der längst fällige Schritt nicht getan wird …

V
Wohltuend, dass die Autorin nicht versucht, all dieses psychologisch fassbar zu machen, sie gibt keine Antworten, sie stellt nur dar, bietet so dem Leser an, sich die Fragen selber zu stellen …

VI
Insgesamt also ein beeindruckend geschriebener Roman, der einen verstört zurücklässt und nahezu sprachlos macht, aber eine auf jeden Fall unverzichtbare Lektüre, denn was hier geschieht, ist in unserer Wirklichkeit längst alltäglich geworden und sollte nicht beschwiegen werden.

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Hans-Zengelers avatar

Rezension zu "Schlägt die Nachtigall am Tag" von Marion Tauschwitz

Rezension zu "Schlägt die Nachtigall am Tag" von Marion Tauschwitz
Hans-Zengelervor 7 Jahren

„Wenn einer geht, neues Leben entsteht“ Bemerkungen zu Marion Tauschwitz‘ Novelle „Schlägt die Nachtigall am Tag“

Es gibt Bücher, die kommen ganz leise und unaufdringlich daher, um einen dann, wenn man sie einmal zu lesen begonnen hat, regelrecht zu überwältigen. Man entkommt ihnen dann nicht mehr. Um ein solches Buch handelt es sich bei Marion Tauschwitz‘ Novelle, ein meisterhaft erzähltes Stückchen Literatur, dargeboten in einer Sprache, die von allem unnötigen Zierat befreit und dennoch (oder gerade deswegen) sehr poetisch ist.

Die Liebe, der Tod, der Verlust und der Schmerz, das Ende und der neue Anfang – Themen, mit denen jeder einmal in Berührung kommt, oft gelesen, hier aber doch in einer Art und Weise vermittelt, die neu ist. Marion Tauschwitz findet eine Sprache für das Entsetzen und die Verzweiflung, die aufrührt und beruhigt zugleich. Ebenso wie man fürchtet, die junge Frau könne sich nach dem plötzlichen Verlust ihres Mannes verlieren, ebenso hat man immer das Gefühl, dass es ihr gelingen wird, ihr Leben neu zu beginnen. Von einem letzten Mal zu einem ersten Mal, über diesem Graben scheint sie zu schweben, in einer Art Trance, zwischen Wirklichkeit und Traum.

Leitmotivisch begleitet von den Sinnsprüchen ihrer Großmutter, die sich als Wahrsprüche entpuppen, tastet sie sich voran. Sie ist verzweifelt, aber sie schreit nicht, ihre Herzhaut ist wundgescheuert, aber sie weint nicht und bricht nicht zusammen. Sie ist die Witwe und will es nicht sein. Wenn sie wünschen dürfte, dann dies: Gebt mir meinen Mann wieder! Und er kehrt zurück, in Träumen zunächst, so realistisch geschildert, dass man wieder fürchtet um die Gesundheit der Frau. Er meldet sich am Telefon, sie geht auf den Friedhof, gräbt ihn aus, holt ihn heim. Visionen, die sich zur Erleichterung des Lesenden, tagsdarauf wieder auflösen.

Das Neue, der unerhörte Vorgang, also das, was eine Novelle ausmacht, hier findet es statt: Der Tote kehrt ins Leben zurück. „Du hast so sehr um ein Wunder gebetet. Jetzt mußt du dazu stehen“, fordert er sie, die ihn verstecken will, auf. Und dann: Komik und Elend, die Organisation ihrer „Entwitwung“. Versicherungen und Behörden müssen informiert werden, bis ins Detail hinein schießt ihr das in den Kopf. Er ist da, er ist wirklich da, er schreibt ihr gar wieder, wie zu „Erstlebzeiten“ schon, Notizen – „Besuche dich jeden Abend kurz vor Mitternacht. Kuß.“

Wirklichkeit? Wahrheit? Einbildung? Ist das tatsächlich ihr Mann? Sie überhäuft ihn mit kindlichen Fragen, erhält nicht die Antworten, die sie erwartet. Er ist nicht der, um dessen Rückkehr sie gebetet hat …

Nur dieses noch: „Paß auf, was Du Dir wünscht. Es könnte in Erfüllung gehen.“

Nachbemerkung: Auffallend die Namenlosigkeit aller Personen, gerade so, als sollten sie anonym bleiben. Eine Frau, irgendeine Frau? Zwei Kinder, irgendwelche Kinder? Nichts davon. Gerade die Namenlosigkeit aller verleiht ihnen Gesichter. Seelengesichter. Wirklich und fassbar. Und sehr lebendig. Fazit: Zur Lektüre an viele, viele Herzen gelegt.

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