Marion Tauschwitz Der Gesang der Schneckenhäuser

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Inhaltsangabe zu „Der Gesang der Schneckenhäuser“ von Marion Tauschwitz

Laura entflieht ihrem lieblosen Elternhaus und verfällt Serges charismatischem Charme, dem sie sich mehr und mehr unterwirft. Sie folgt ihm in seine Welt, ist bereit, ihre Vergangenheit einer gemeinsamen Zukunft zu opfern. Mit grausamer Präzision formt der Ältere die junge Frau scheinbar liebevoll. Nach der Geburt der Tochter Isabel fällt Laura in Depressionen. Eines Tages ist sie verschwunden. Serges vermeintlich grausames Schicksal berührt die Umwelt. Seine opferbereite, selbstlose Erziehung der kleinen Tochter erregt Bewunderung. Auch Isabel liebt ihren Vater abgöttisch. Die von beiden Seiten hingebungsvolle Beziehung geht unmerklich in Missbrauch über. Jahrelang. Isabel versucht vergeblich, sich dem Vater zu entziehen. Sebastian ist der einzige, der die Signale ihrer Verletzung richtig deutet. Mit ihm zusammen wendet sie ihre Unterdrückung in Rache. »Der Gesang der Schneckenhäuser« erfasst das Typische an Fällen von familiärem Missbrauch, das Subtile an den Entwicklungen, das scheinbar Zwangsläufige an den Reaktionen. Nichts wird beschönigt, nichts aber auch als aussichtslos dargestellt. In den »Schneckenhäusern« findet der Roman ein Bild von der fortlaufenden Tradition der Liebe und Solidarität zwischen Frauen, zwischen Müttern und Töchtern, auf dem mühsamen Weg vom Geformtwerden zur Selbstbestimmung.

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Mir hat leider der Schreibstil überhaupt nicht gefallen, aber ich vergebe trotzdem 3 Sterne weil man viel von Güls Gedanken mitbekommt.

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  • Rezension zu "Der Gesang der Schneckenhäuser" von Marion Tauschwitz

    Der Gesang der Schneckenhäuser
    Hans-Zengeler

    Hans-Zengeler

    11. November 2011 um 13:06

    „Unsere Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Netze des Vogelfängers; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei“ – Annäherungen an Marion Tauschwitz‘ Roman „Der Gesang der Schneckenhäuser“ I Das ist kein Roman, den man nach beendeter Lektüre weglegen und zur Tagesordnung übergehen kann, das ist ein Roman, der mächtig nachhallt und einen mit einer Fülle von Fragen hinterlässt. Ein schaurig-schöner Roman ist das, verpackt in eine entsetzliche Geschichte, eigentlich eine unaushaltbare Lektüre, die den Leser an seine Grenzen führt, so dass er sich bisweilen selbst in jene Schneckenhäuser verkriechen möchte, in die sich das Kind/ das Mädchen/ die junge Frau Isabelle zurückzieht, um sich von einer Wirklichkeit abzukoppeln, die immer unerträglicher für sie wird. II Das fängt an wie ein Märchen, in dem die Mädchenfrau Laura ihrem Prinzen begegnet, der sie in einem Luxusetablissement entdeckt, dort herausholt und sie in die weite Welt entführt. Serge de Montrudier, ein attraktiver, vermögender, in der Gesellschaft als Wohltäter angesehener, gleichzeitig auch mysteriöser Mann, formt sich Laura zu seinem Geschöpf, wobei es ihm nur um Sexualität und Macht geht, um Unterdrückung und Ausbeutung, als Liebe getarnt. Subtil sind seine Methoden, sich die junge Frau gefügig zu machen, Zuckerbrot und Peitsche sind gewissermaßen die Mittel, die er einsetzt, die eine Hand streichelt, während die andere schon zum Schlag ausholt. Die Situation spitzt sich zu, als Laura eine Tochter zur Welt bringt, der fortan das ganze „Interesse“ des Vaters gilt, ihr schenkt er all seine Zuwendung. Das ist von Anfang an sein Geschöpf, und als Laura die Gefahr erkennt, verschwindet sie plötzlich spurlos. Während die Öffentlichkeit Serges Fürsorge um seine Tochter bewundert, geht diese Fürsorge nahtlos in einen fortgesetzten Missbrauch über, stattfindend als allabendliches Reinigungsritual im Badezimmer, vom Vater mit klinischer Präzision durchgeführt und als „Familiengeheimnis“ für Isabelle unaussprechbar gemacht. III Und welche Sprache die Autorin für das Entsetzliche findet, dieses in die wunderbarsten Wortbilder bettet, großartig die Metapher der Schneckenhäuser, in denen sich das geschundene Wesen entkörpert, dort den Gesängen der Mutter lauschend, während der verlassene Körper den Missbrauch wie von ihr abgetrennt erlebt, der Körper, in den sie erst wieder zurückkehrt, wenn das Ritual beendet ist … So eindringlich schaurig-schön ist diese Sprache, dass der Leser nachgerade körperlich zu spüren bekommt, was da geschieht, körperlich, als ein dumpfes Gefühl in der Magengrube, als eine Enge im Hals, als eine Ohnmacht, da jetzt nicht eingreifen zu können – meisterhaft! IV Und schrill wird die Spannung zum Ende hin, als das längst Vermutete seine Auflösung erfährt, als Isabelle Sebastian begegnet, der erkennt, was geschehen ist und weiter geschieht, wenn der längst fällige Schritt nicht getan wird … V Wohltuend, dass die Autorin nicht versucht, all dieses psychologisch fassbar zu machen, sie gibt keine Antworten, sie stellt nur dar, bietet so dem Leser an, sich die Fragen selber zu stellen … VI Insgesamt also ein beeindruckend geschriebener Roman, der einen verstört zurücklässt und nahezu sprachlos macht, aber eine auf jeden Fall unverzichtbare Lektüre, denn was hier geschieht, ist in unserer Wirklichkeit längst alltäglich geworden und sollte nicht beschwiegen werden.

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