Marion Tauschwitz Schlägt die Nachtigall am Tag

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Inhaltsangabe zu „Schlägt die Nachtigall am Tag“ von Marion Tauschwitz

Ein junges Paar, zwei Kinder, eine glückliche Famiie. Der Mann stirbt, plötzlich und ohne Vorwarnung. Die Frau meistert das Leben als Witwe; dennoch hofft sie inständig, der Verstorbene möge zurückkommen. Dann kommt er zurück. Eine Novelle über Tod und Traum, Mut und Hoffnung, Wunsch und Wirklichkeit.

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  • Rezension zu "Schlägt die Nachtigall am Tag" von Marion Tauschwitz

    Schlägt die Nachtigall am Tag

    Hans-Zengeler

    19. August 2011 um 11:44

    „Wenn einer geht, neues Leben entsteht“ Bemerkungen zu Marion Tauschwitz‘ Novelle „Schlägt die Nachtigall am Tag“ Es gibt Bücher, die kommen ganz leise und unaufdringlich daher, um einen dann, wenn man sie einmal zu lesen begonnen hat, regelrecht zu überwältigen. Man entkommt ihnen dann nicht mehr. Um ein solches Buch handelt es sich bei Marion Tauschwitz‘ Novelle, ein meisterhaft erzähltes Stückchen Literatur, dargeboten in einer Sprache, die von allem unnötigen Zierat befreit und dennoch (oder gerade deswegen) sehr poetisch ist. Die Liebe, der Tod, der Verlust und der Schmerz, das Ende und der neue Anfang – Themen, mit denen jeder einmal in Berührung kommt, oft gelesen, hier aber doch in einer Art und Weise vermittelt, die neu ist. Marion Tauschwitz findet eine Sprache für das Entsetzen und die Verzweiflung, die aufrührt und beruhigt zugleich. Ebenso wie man fürchtet, die junge Frau könne sich nach dem plötzlichen Verlust ihres Mannes verlieren, ebenso hat man immer das Gefühl, dass es ihr gelingen wird, ihr Leben neu zu beginnen. Von einem letzten Mal zu einem ersten Mal, über diesem Graben scheint sie zu schweben, in einer Art Trance, zwischen Wirklichkeit und Traum. Leitmotivisch begleitet von den Sinnsprüchen ihrer Großmutter, die sich als Wahrsprüche entpuppen, tastet sie sich voran. Sie ist verzweifelt, aber sie schreit nicht, ihre Herzhaut ist wundgescheuert, aber sie weint nicht und bricht nicht zusammen. Sie ist die Witwe und will es nicht sein. Wenn sie wünschen dürfte, dann dies: Gebt mir meinen Mann wieder! Und er kehrt zurück, in Träumen zunächst, so realistisch geschildert, dass man wieder fürchtet um die Gesundheit der Frau. Er meldet sich am Telefon, sie geht auf den Friedhof, gräbt ihn aus, holt ihn heim. Visionen, die sich zur Erleichterung des Lesenden, tagsdarauf wieder auflösen. Das Neue, der unerhörte Vorgang, also das, was eine Novelle ausmacht, hier findet es statt: Der Tote kehrt ins Leben zurück. „Du hast so sehr um ein Wunder gebetet. Jetzt mußt du dazu stehen“, fordert er sie, die ihn verstecken will, auf. Und dann: Komik und Elend, die Organisation ihrer „Entwitwung“. Versicherungen und Behörden müssen informiert werden, bis ins Detail hinein schießt ihr das in den Kopf. Er ist da, er ist wirklich da, er schreibt ihr gar wieder, wie zu „Erstlebzeiten“ schon, Notizen – „Besuche dich jeden Abend kurz vor Mitternacht. Kuß.“ Wirklichkeit? Wahrheit? Einbildung? Ist das tatsächlich ihr Mann? Sie überhäuft ihn mit kindlichen Fragen, erhält nicht die Antworten, die sie erwartet. Er ist nicht der, um dessen Rückkehr sie gebetet hat … Nur dieses noch: „Paß auf, was Du Dir wünscht. Es könnte in Erfüllung gehen.“ Nachbemerkung: Auffallend die Namenlosigkeit aller Personen, gerade so, als sollten sie anonym bleiben. Eine Frau, irgendeine Frau? Zwei Kinder, irgendwelche Kinder? Nichts davon. Gerade die Namenlosigkeit aller verleiht ihnen Gesichter. Seelengesichter. Wirklich und fassbar. Und sehr lebendig. Fazit: Zur Lektüre an viele, viele Herzen gelegt.

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  • Rezension zu "Schlägt die Nachtigall am Tag" von Marion Tauschwitz

    Schlägt die Nachtigall am Tag

    immediator

    14. March 2011 um 15:26

    Träume sind unentbehrlich fürs Leben – im Wachen und im Schlaf. Auch Alpträume haben ihren Sinn, andererseits erweist sich manchmal als Alptraum, was zunächst Wunschtraum war: Wer fragt schon nach den möglichen schlimmen Folgen eines Lottogewinns, errungener Siege, unerschütterlicher Gesundheit? Unsere Phantasie wünscht dem Glück Dauer zu verleihen; Vergänglichkeit und Tod sind nur im unstillbaren Schmerz, in höchster Verzweiflung wünschenswert. Der Tod eines geliebten Menschen ist ein Alptraum. Deshalb hat es eine Weile gedauert, ehe ich mich auf die Novelle “Schlägt die Nachtigall am Tag” von Marion Tauschwitz einlassen mochte - sie beginnt mit einem “Herzriss” beim Sport, ein Mann in der Blüte des Lebens stirbt, stürzt seine Frau, seine beiden Söhne in eine nie erwogene, kaum auszuhaltende Abfolge von Schock, Schmerz, Wut, Trauer, von verzweifeltem Mühen um Bewältigung des Alltags, in dem er allgegenwärtig fehlt. Obwohl Marion Tauschwitz den Personen keine Namen gibt, sie gleichsam auf ihre Stellung der Witwe gegenüber funktionalisiert – “die Kinder”, “der ältere”, “der jüngere Sohn”, “der Schwiegervater”, “die Freundin” … – war ich von den sprachlich knappen Mitteilungen über die Leiden der “jungen Frau” im Mittelpunkt des Dramas ergriffen. Sie will keine Witwe sein. Sie regelt ihr Leben, das der Söhne nach bestem Vermögen, sträubt sich gegen von Verwandten erwartete Rituale und betet – gegen jede Vernunft - um die Wiederkehr ihres Mannes. Das ist gut zu verstehen, denn Marion Tauschwitz zeichnet eine Wunschehe, sie ist ihrer Hauptfigur darin von Herzen nahe. Träume des Tages und der Nacht, poetische Wunderzeichen bereiten auf den mythischen Moment vor, die “Auferstehung von den Toten”. Natürlich wird sie angesichts einer im Alltag längst eingewachsenen Abwesenheit des Mannes zum Alptraum. Nur eine Wahnsinnige kann Auferstehung erleben, für den Rest der Welt gilt eine andere Zeitrechnung. Der von den Toten Auferstandene erweist sich zugleich als dunkler Wiedergänger des Verstorbenen: Wo jener aufmerksam und liebevoll war, ist dieser ignorant, egozentrisch, gefühllos. Als sei gewissermaßen nur die düstere Seite des Mannes zurückgekehrt, als könne er nur noch Defizite verkörpern, erschüttert er die Anhänglichkeit der Witwe, treibt sie von sich fort. Das Erwachen aus dem Alptraum wird zur psychotherapeutischen Pointe. Vielleicht hat Marion Tauschwitz das so nicht beabsichtigt – der Hinweis, in einer noch so glücklichen Beziehung die Nachtseiten des Partners besser nicht zu beschönigen und zu verdrängen ist jedenfalls so angebracht wie unbefolgt; dasselbe gilt für allerlei Sprüche aus dem Munde der Großmutter, die von der Autorin - bisweilen ironisch – in den Text gestreut werden. Liebe macht blind, Trauer wohl auch. Und wie nun Schlafen, Wachen, Wähnen, Wünschen und Träumen zu unserem Glück am besten zu verbinden wären, darüber rätselte der große Shakespeare, ich habe gerne gelesen, was Marion Tauschwitz seinem berühmten Satz: “Wir sind vom Stoff aus dem die Träume sind, und dieses kleine Leben umfasst ein Schlaf” abgewonnen hat.

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