Die alltägliche Physik des Unglücks

von Marisha Pessl 
3,6 Sterne bei576 Bewertungen
Die alltägliche Physik des Unglücks
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (330):
Lese_Hamsters avatar

Dank diesem Roman weiß ich nun, weshalb man sagt "erwarte das Unerwartete".

Kritisch (109):
sophie206s avatar

selten so etwas schlechtes gelesen....

Alle 576 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Die alltägliche Physik des Unglücks"

Blue hat den Blues. Ihr Vater, der Universitätsprofessor, zieht schon wieder um. Nie länger als ein Semester bleiben Tochter und Vater an einem Ort. Bald kennt Blue jedes College. Zum Glück hat sie die Bücher – ihre engsten Vertrauten. Und so hungrig wie sie Geschichten auf Papier verschlingt, so lustvoll stürzt sie sich ins pralle Leben: Charmant und witzig besticht sie als wandelndes Lexikon und läßt zugleich keine Wodkaflasche an sich vorbeiziehen. Jeder weiß, Blue ist besonders. Man liegt ihr zu Füßen. Und dann passiert ein mysteriöser Mord und ihr Leben gerät aus den Fugen. Ein Aufsehen erregender und temporeicher Roman und ein spannend komischer Streifzug quer durch die Sätze von Shakespeare bis Cary Grant.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596170739
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:720 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.10.2008
Das aktuelle Hörbuch ist am 14.03.2007 bei Argon Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    maggiterrines avatar
    maggiterrinevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ich kann nicht glauben, dass ich dieses Buch fast nicht weiter gelesen hätte! Wirklich klasse!
    Ein ganz normales Teenagerleben...?

    Das Buch beginnt seicht. Vielleicht ein bisschen zu seicht. Nachdem ich knapp hundert Seiten gelesen hatte, hatte ich eigentlich keine Lust mehr und war kurz davor das Buch aufzugeben. Beschrieben wurde hier eine Vater-Tochter-Beziehung, die an einen Roadtrip erinnerte und nicht viel zu bieten hatte, außer jeder Menge Literaturverweise. Dann fing es an ein wenig interessanter zu werden. Zunächst wirklich nur ein wenig: Die Hauptcharakterin lernt neue und sehr spezielle Leute kennen und begiebt sich in für sie untypische Situationen.
    Doch dann, ganz schleichend, wird dieses Buch spannender und spannender und eh man sich versieht kann man nicht mehr aufhören zu lesen! Und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass das Ende des Buches den absoluten Höhepunkt darstellt!

    Bevor ich dieses Buch gelesen habe, hatte ich schon "Die amerikanische Nacht" von Marisha Pessl gelesen und war Feuer und Flamme für diesen wahnsinnig guten Krimi/Thriller/Roman noir. Wenn ich von "Die alltägliche Physik des Unglücks" auch zunächst enttäuscht war, zeigte sich ab der Mitte des Buches wieder, wie unglaublich gut Marisha Pessl darin ist, Thriller zu schreiben. Es fällt dem Leser ungemein schwer spektakuläre Aufdeckungen von bloßer Einbildung zu unterscheiden und tappt dabei von einer Falle in die nächste.

    Ähnlich wie bei der amerikanischen Nacht, verwendet die Autorin auch in diesem Buch Stilelemente wie Bilder, abgedruckte Briefe, etc. Dazu kommen die hunderte und aberhunderte Literaturverweise, die sich quasi in jedem Satz befinden. Hier hat es die Autorin eindeutig übertrieben! Man kann allerdings beschwichtigend hinzufügen, dass man die Verweise ab ca. einem Drittel des Buches nicht mehr störend findet und einfach überliest (so ging es mir zumindest). Auch die anderen Gimmicks waren nicht wirklich erhellend oder zeigten irgendeine Art von Nutzen für die Geschichte. Auf mich wirkte es mehr, als hätte der Autorin die Idee gefallen mit verschiedenen Medien rumzuexperimentieren und hätte diese Idee dann in der amerikanischen Nacht perfektioniert (hier passte nämlich alles an Ort und Stelle).

    Wenn ich also an "Die alltäglich Physik des Unglücks" denke, denke ich zunächst an diese super wahnsinnig gute zweite Hälfte des Buches und die spannenden Verwicklungen und denke "Das ist eins der besten Bücher, die ich je gelesen habe!" Aber dann denke ich wieder an die langweiligen ersten hundert Seiten, die tausend Literaturverweise und die sinnlos eingesetzten Kritzeleien und komme zu dem Schluss, dass es vielleicht doch nicht das beste Buch ist, das ich je gelesen habe. Aber es ist schon ziemlich gut!

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    CocuriRubys avatar
    CocuriRubyvor 3 Jahren
    Kann man machen, muss man nicht

    Als ich das Buch das erste Mal aufgeschlagen habe, musste ich mich sehr zusammen reißen, es nicht sofort wieder zuzuschlagen. Das Buch ist dick und die Schrift ist geradezu mikroskopisch klein.

    Es ließ sich aber nicht so schwer lesen wie erwartet.

    Das Buch ist auch sehr literarisch – man findet sehr viele Namen oder Werke oder Zitate von anscheint bekannter Literatur oder Autoren. Ich bin auf diesem Gebiet leider kaum bewandert, wodurch ich oft nicht wusste, von wem denn grad die Rede ist.

    Auch die Kapitel tragen immer die Namen von Werken, ich habe aber keins davon gelesen – weshalb ich nicht sagen kann, ob diese zufällig gewählt wurden, oder tatsächlich einen Bezug auf den Kapitelinhalt haben (was ich vermute).

    Ich mochte die Beschreibungen und den Stil. Er ist sehr detailliert, wodurch die Sätze auch oft überladen wirkten, aber irgendwie auch „heimisch“. Wie ein kleiner Raum, der vollgestopft ist mit Möbeln und Krimskrams, die nicht zueinander passen, aber ein wohliges Gefühl vermitteln.

    Besonders auffallend war das, wenn die Protagonistin andere Figuren beschrieb bzw. wenn diese gesprochen haben.

    Ich fand auch den unterschwelligen, trockenen und leicht schwarzen Humor toll.

    Allerdings schwankt die Blue im Laufe der Geschichte zwischen Gegensätze. Auf der einen Seite ist sie sehr gebildet und durch ihren Vater von der „normalen“ Welt isoliert. Dafür sind ihre Gedanken aber faszinierend, weil sie alles sieht und analysiert und mit ihren Büchern oder Bildern oder Aussagen ihres Vaters vergleicht.
    Auf der anderen Seite reagiert sie aber in vielen Situationen unbedacht, gewöhnlich und fast ein wenig dumm. Außerdem handelt sie nie nach dem was sie denkt. Ich kann mich noch nicht entscheiden, ob ich das interessant oder nervig finden soll.

    Was mich aber am meisten an ihr gestört hat ist, dass sie total passiv ist. Sie tut während der ganzen Geschichte praktisch nichts aktiv, sie ist immer nur die passive Beobachterin.  Sowas nervt mich massiv.

    Worüber ich mir allerdings sicher bin ist, dass das Verhältnis zwischen Blue und ihren Vater komisch und fast ein wenig krank ist.

    Allerdings sind ALLE zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen sämtlichen Figuren komisch und fast ein wenig krank. 

    Die Handlung: Ist nett ausgedrückt komisch bis surreal.

    Ziemlich lange ist erst mal keine wirklich Handlung vorhanden. Auch der außergewöhnliche Schreibstil und Aufmachung, kann nicht über die dünne Handlung hinwegtäuschen.

    Das bisschen was einen geboten wird, ist nicht sonderlich originell. Es hat fast etwas von einer 08/15 kleines Mauerblümchen wird beliebt Geschichte.

    Nach einer Weile kommen dann plötzlich Krimielemente hinzu, die sich immer weiter zuspitzen.

    Es ist nicht so, dass es gar nicht rein passt, aber wirklich stimmig ist es auch nicht.

    Allgemein wird es ab einen gewissen Punkt irgendwie surreal. Es kommen Sachen „ans Licht“ auch über Personen, die unglaubwürdig und aufgesetzt sind und grell herausstechen, ohne in die Geschichte zu passen.

    Kann man so machen muss man aber nicht. Es ist nicht so, dass ich mit neuen Erkenntnissen für mein Leben aus dem Buch gehe.

     

    Fazit

    Der Schreibstil war mal was anderen, gerade für einen Debütroman fand ich ihn sogar ziemlich beeindruckend.

    Allerdings kann er nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Handlung doch eher dünn ist. Hinten raus wird dann plötzlich eine Detektivgeschichte mit rein gequetscht, damit überhaupt irgendwas passiert. So wirklich zusammen gepasst hat das alles nicht.

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    Zeilenlebens avatar
    Zeilenlebenvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch, das verkrampft wirkt und überladen an literarischen Eifer ist. Die Geschichte ist zu dünn um diesen Makel auszugleichen.
    Überladen an literarischen Eifer

    Meine Meinung:

    Blue verliert in ihrer Kindheit früh ihre Mutter und zieht seitdem mit ihrem Vater durch die Staaten. Sie ziehen mehrmals im Jahr um und Blue muss deshalb auch jedes Mal die Schule wechseln. Ihr Vater ist Professor und erzieht seine Tochter zu einem vermeintlichen Genie. Ihr letztes Highschool Jahr soll Blue aber in Vorbereitung auf Harvard nur an einer Schule verbringen. Dort trifft sie auf die mysteriöse Filmlehrerin Hannah Schneider, die ein besonderes Interesse an ihr zu haben scheint und eine Gruppe von Jugendlichen um sich gescharrt hat. Diese werden von Hannah angezogen wie Motten vom Licht und Blue fügt sich mehr oder minder in diese Gruppe ein und mutiert dabei ganz nebenbei von hässlichen Entlein zum schönen Schwan.


    Ich habe keine großen Erwartungen an das Buch gehabt und das war auch gut so. Hätte ich nämlich eine Erwartungshaltung jedweder Art gehabt, so hätte ich das Buch wohl nicht beenden können. Mich hat der Schreibstil als Erstes ungemein gestört. Natürlich schreibt die Autorin nicht auf Jugendbuch Niveau, aber ihre Metaphern und Bilder sind teilweise sehr bei den Haaren herbeigezogen. Auch die ständigen Einschübe, Bezüge auf fiktive und reale Bücher stören den Lesefluss ungemein. Es gab Seiten in diesem Buch in denen sich ca. 15 Klammern fanden und das zog sich fast durch das gesamte Buch.


    Mit Blue konnte ich mich so gar nicht identifizieren. Schlau zu sein ist ok. Stolz darauf zu sein ist auch ok. Aber alle anderen dafür geringzuschätzen, dass sie nicht so schlau sind, ist nicht ok. Blue ist oberflächlich und bewertet viele ihre Mitmenschen rein nach ihrem Aussehen. Intellektuell haben sie ihr sowieso nichts entgegenzusetzen. Auch hier kommen reichlich bildhafte Vergleiche zum Zuge, die mich einfach nur haben den Kopf schütteln lassen. Im Bezug auf ihren Vater ist Blue einfach nur blind. So genial er vielleicht auch ist, so genialer schlechter Vater ist er auch. Blue leidet ihm gegenüber aber einfach nur an maßloser kindlicher Heldenverehrung.


    Dann ist da noch die mysteriöse Lehrerin Hannah Schneider. Sie und ihre angebliche Anziehungskraft gegenüber den Jugendlichen nervten mich das gesamte Buch hindurch. Da war nichts mysteriöses oder interessantes an diesem Charakter. Sie ist offensichtlich einfach ein depressiver, egoistischer Charakter, der nichts mit gleichaltrigen Menschen anfangen kann und sich deshalb mit Jugendlichen umgibt. Punkt.


    Und das Ende? Es ist unglaubwürdig. Es gibt hier nämlich einen Umschwung zum Agentenroman. Aha. Blue muss einen für sie unglaublich schweren Schicksalsschlag verkraften und verwandelt sich innerhalb von zwei Wochen in eine komplett neue Person. Sie bekommt tiefe Erkenntnisse in die Beziehung zu ihrem Vater, die scheinbar so aus dem Nichts sprießen. Sie hat niemals die erste Geige für ihn gespielt. Aha. Das wusste man schon nach den ersten drei Seiten des Buches.


    Und was will mir dieses Buch am Ende sagen? Ich weiß es nicht. Die Botschaft habe ich offensichtlich nicht verstanden oder sie ist bei mir nicht angekommen. Wahrscheinlich weil ich damit beschäftigt war die vielen Klammern zu überlesen.


    Fazit:


    Das gesamte Buch wirkt verkrampft und gekünstelt. Es konnte kaum mal ein Lesefluss entstehen und die Geschichte ist weder spannend noch berührend. Die Charaktere sollen offenbar Tiefgang haben bleiben aber recht eindimensional. Es gibt keine Sympathieträger in dem Buch. Im Endeffekt bleiben dann noch zwei Sterne für das Buch übrig. Immerhin habe ich es nicht abgebrochen. Die Hoffnung, dass die Story besser wird hat mich dranbleiben lassen. Der „große“ Knall am Ende verpuffte bei mir aber nur noch in einem finalen Augenrollen.



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    S
    SophieRicardovor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Die Geschichte handelt von Blue, ihrem Vater, mysteriösen Begebenheiten und dem Rausch des Alltags.
    Magische Momente

    Dieses Buch ist mein absolutes Lieblingsbuch. Nie wieder (obwohl "Die amerikanische Nacht" auch wunderbar ist) habe ich eine solche Geschichte, die gleichzeitig so voller Intellekt, Spannung und Poesie ist, gelesen. Die Beschreibung und die Charaktere sind so tiefgründig wie einzigartig - einfach unvergleichlich. Die Geschichte von Blue zeigt wie magisch ein Buch sein kann und wie sehr sich verschiedene Stile verbinden lassen. 
    Es ist definitiv kein gewöhnliches Buch - für mich allerdings das beste überhaupt. Die Sprache ist nur am Anfang gewöhnungsbedürftig, die Verweise sind perfekt gesetzt und die Beschreibungen machen die Geschichte so wahr, als wäre sie wirklich passiert. Jeder, der gerne eintaucht und offen für eine Geschichte voller Magic Momente  ist, kann dieses Buch nur lieben. 
    Ich habe es bestimmt schon 20 mal gelesen und werde es noch häufiger tun! 

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    schnaeppchenjaegerins avatar
    schnaeppchenjaegerinvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch ohne Handlung.
    Warum wurde die Autorin für diese Debüt so hoch gelobt?

    Vorab: Ich habe das Buch nicht zu Ende gelesen. Nach gut 100 Seiten wollte ich nicht weiter meine Zeit verschwenden - und ich lese auch mittelmäßige Bücher immer bis zum Schluss.
    Der Roman um die Protagonisten Blue ist anstrengend bis hin zu nervig. Marisha Pessl wählt zwar eine ganz interessante Art des Schreibens, indem sie viele Zitate einbaut und auf verschiedene Bücher und Lexika verweist, aber irgendwann ist eindach zu viel des Guten. Ein paar wenige Zitate hätten durchaus gereicht, um darzustellen, was Blue für eine intelligende und belesene 16-Jährige ist.
    Nach nur wenigen Seiten fand ich die permanenten Verweise lästig und auch Blue machten diese nicht sympathischer.
    Ich habe mich irgendwann gefragt, wann ist der Epilog zu Ende? Wann beginnt der eigentliche Roman, wo bleibt die Handlung? Passiert hier noch was oder besteht der Roman ausschließlich aus den Beobachtungen von Blue, die sich ansonsten im Umgang mit ihren Mitmenschen stark zurückhält und einzig auf ihre Bücher und ihren Vater konzentriert.
    Vielleicht bin ich auch nicht intelligent genug für dieses Buch.

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    alexartss avatar
    alexartsvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Für Leute, die in der Welt der Literatur daheim sind, ist dieses Buch an keiner Stelle langatmig. Die Wendung in dem Buch haut einen um
    Intellektuelles Buch, das einem plötzlich die Beine weghaut

    Ich habe nie ein Buch wie dieses vorher oder später gelesen. Es ist ein Buch für Leute, die mit längeren Sätzen und etwas geschwungenem Intellekt umgehen können, und die Spaß an Literatur und Philosophie haben. Gleichzeitig ist es auf eine Art geschrieben, die ich sonst noch nirgendwo gesehen habe - aus der Perspektive einer Jugendlichen mit Grips. Und dann, irgendwo mitten im Buch, passiert etwas, das einen stutzig macht. Und schließlich am Ende... bleiben einem die Worte weg. Man sieht das Ende nicht kommen. Sehr intelligent geschrieben (das Hintergrundwissen dafür!), ungewöhnliche Story, eine krasse Wendung der gesamten Geschichte und die mitschwingende emotionale Basis - das alles lässt mich dieses Buch nach so vielen Jahren immer noch in meine persönliche Top 10 zählen.

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    JuliaSchus avatar
    JuliaSchuvor 4 Jahren
    Intelligenz, Herz und Humor


    „Die alltägliche Physik des Unglücks“ ist ein Buch, wie ich es noch nie erlebt habe. Es geht auf und ab, mal zieht es sich in die Länge und man weiß nicht genau, wo das alles hinführen soll, aber am Ende sitzt man da und denkt nur: Wow! Dieser Debütroman von Marisha Pessl ist einfach nur der Wahnsinn und das aus ganz vielerlei Gründen.

    Tja, worum geht es eigentlich? Blue wird von ihrem Vater erzogen, der Universitätsprofessor ist. Lange hält es die beiden nie an einem Ort, womit die Geschichte eigentlich startet. Sie wird von Blue erzählt, einem überdurchschnittlich intelligenten Mädchen, das ihren Vater liebt und das chaotische und sprunghafte Leben gewöhnt ist. Für ihr letztes Highschool-Jahr, bevor es nach Harvard geht, bleiben die beiden unglaublicherweise am selben Ort – ein ganzes Jahr lang. Kaum zu glauben für Blue. An ihrer neuen Schule kommt sie schnell in eine Art elitären Club. Doch warum, weiß sie selbst nicht genau. Es scheint so, als wenn die Lehrerin Hannah Schneider, Blue unbedingt dabei haben möchte. Aber was hat es mit ihr auf sich? Eine Geschichte beginnt, die so normal startet, dass man das Ziel nicht wirklich erkennt. Und sie endet so rasant und unerwartet, wie nur möglich.

    Die Story von „Die alltägliche Physik des Unglücks“ zu schildern, ist leider alles andere als leicht. Auch ein Genre festzulegen fällt schwer, da selbst ein paar Krimi-/Thrillerelemente zu finden sind. Es gibt unglaublich viele Handlungsstränge, die sich oft im Sand verlaufen und irgendwann wieder an Bedeutung gewinnen. Der Stil ist einzigartig. Die Ich-Erzählerin Blue hat (wenn ich mich recht erinnere) einen IQ von 175 und das kann man in jeder Zeile lesen. Dieses Buch kann nicht Marisha Pessl geschrieben haben, denn es ist so authentisch, dass man nur Blue sehen kann und keinen Autor, der dahinter stecken könnte. Übrigens, Hut ab an die Autorin, denn wie sie auf diese Story kam, ist mir ein Rätsel. Aber zurück zum Stil. Er ist nicht wirklich schwer, aber sehr intelligent. Der Satzbau ist okay, wenn auch oftmals lang und ausschweifend. Das Buch ist literarisch anspruchsvoll und ich traue mich das als Germanistik-Studentin zu sagen, auch wirklich wertvoll. Im Werk ist eine unglaubliche Intertextualität vorhanden – will heißen: Blue zitiert die ganze Zeit. In Klammern sind hinter Aussagen oder Vergleichen oft eine Art Fußnote zu finden, die das Ganze wie eine wissenschaftliche Arbeit wirken lassen (, allerdings mit Humor).
    Aber Achtung: Auf keinen Fall abschrecken lassen! Auch ich war anfangs von den vielen Seiten und der engen Schrift etwas überfordert, aber haltet bis zum Ende durch und es wird sich bezahlt machen! Man kann einfach gar nicht glauben, dass es all die Werke gibt, auf die hingewiesen wird, aber es ist einfach toll. Schön ist auch, wie die Erzählerin sich auf der letzten Seite über diesen Umstand selbst lustig macht…denn auch das ist ein Teil des Romans. Er besitzt nicht nur Intelligenz und Herz, sondern auch seinen ganz eigenen Humor.

    Zu den Figuren bleibt zu sagen, dass sie nicht durchschaubar sind. Wir sind auf Blues Einschätzungen angewiesen. Nichts desto trotz habe ich sie und ihren Vater von den ersten Seiten an geliebt und auch wenn die anderen Charaktere vielleicht nicht so liebenswürdig sind, so haben sie doch immer etwas Besonderes, vielleicht sogar Geheimnisvolles an sich.

    Auch wenn ich hier in Lobeshymnen ausbreche, und ich keinesfalls von Beginn an so gedacht habe, so ist es doch völlig verdient. Denn dieses Buch überrascht. So wie es endet, kann es wirklich niemand erwarten und man sitzt mit offenem Mund da, nachdem man  es geschlossen hat. Ich behaupte nicht, dass das Buch nicht auch seine Längen hat (bei 714 Seiten irgendwie zu erwarten), aber wer sich drauf einlässt wird es nicht bereuen.
    Auch wenn diese Rezension nicht allzu hilfreich war und ihr über die Geschichte immer noch nicht viel wisst und euch auch nichts vorstellen könnt – dann geht es euch wie mir. Aber vertraut darauf: Es lohnt sich so sehr, vor allem für Leute, die auch mal etwas Anderes, Anspruchsvolles und wahnsinnig Intelligentes lesen wollen. Es ist das reinste Leseabenteuer.  Das letzte Wort meines Notizzettels zu diesem Buch trifft es voll und ganz: HERAUSRAGEND!

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    Mina - Das Irrlichts avatar
    Mina - Das Irrlichtvor 5 Jahren
    Hörbuchversion

    Marisha Pessl ist meine persönliche, ja, womöglich späte Entdeckung, in diesem Frühjahr. Vor einigen Jahren hatte ich schon einmal ihren Debütroman Die alltägliche Physik des Unglücks in der Hand. Einen dicken Schmöker von 720 Seiten, den ich erst einmal wieder zurück ins Regal stellte. Das Cover sprach mich damals an. Der Klappentext aber ließ mich eher denken, es handle sich um eine abgedroschene Jugendgeschichte, die wenig ereignisreich den Alltag der jungen Blue schildert. „Blue hat den Blues.“ – heißt es dort. Nicht sehr ansprechend, wie ich fand. Also vergaß ich das Buch mit der Zeit und Marisha Pessl blieb mir nur als Autorin eines Buches mit schönem Cover in Erinnerung.

    Doch dann fand ich neben meiner Ausgabe von „Die Frau meines Lebens“ (Nicolas Barreau) diesen Februar in meiner alten Liebingsbuchhandlung den neuen Roman von Marisha Pessl Eine amerikanische Nacht (ich lese ich derzeit, Rezension folgt). Nachdem ich von dem Buch schon in der Buchhandlung sehr angetan war und er sich auch wirklich gut liest, spannend und sprachlich überzeugend ist, erinnerte ich mich an Die alltägliche Physik des Unglücks. Ich lud es mir bei audible als Hörbuchfassung herunter und begann es beim Autofahren zu lesen. Das war vor vier Tagen. Gestern Nacht hatte ich es bereits fertig gehört. Gelesen wird Die alltägliche Physik des Unglücks von Anna Thalbach. Manchmal ertrage ich ihre Stimme nicht, doch passt sie letztlich meist ganz gut zu den Geschichten, die ich von ihr gehört habe.

    Doch nun zum Inhalt des Buches. Dieser lässt sich gar nicht so leicht in wenigen Sätzen zusammenfassen. Erzählt wird die Geschichte um Blue, einer Jugendlichen die ohne Mutter aufwächst. Ihr Vater, ein renommierter, gut aussehender, gebildeter Professor reist mit ihr von Universitätsstadt zu Universitätsstadt. Selten bleiben sie länger an einem Ort. Doch dann beschließt ihr Vater, ihr zuliebe länger an einem Ort zu bleiben. Er mietet eine kleine ansehnliche Villa und Blue wird die nächsten Monate immer zu ein und derselben Schule gehen, bis sie dort ihren Abschluss macht.

    Blue ist ein recht einsames, sehr gebildetes Mädchen, Protagonistin und Erzählerin der Geschichte, die wir mit ihr erleben. Sie ist es gewöhnt, nirgends dazu zu gehören, Klassen– oder gar Schulbeste zu sein. Dies spiegelt sich auch in der Art, wie wir die Geschichte erzählt bekommen. Alle Gedanken sind verschachtelt, gespickt mit Informationen über Bücher und Filme. Die Überschriften zu den Kapiteln sind oft Titel andere, bekannter Werke (z.B. Hundert Jahre Einsamkeit), die uns schon in die rechte Stimmung für das kommende Kapitel bringen, wenn wir das Werk gelesen haben.

    Nun, Blue gerät aus ihr nicht begreiflichen Gründen, in den Fokus von Hannah Schneider, einer Lehrerin an ihrer Schule, die sie gemeinsam mit anderen Jugendlichen, den sogenannten Bluebloods, jede Woche zu sich nach Hause einlädt. Blue wird zum ersten Mal in ihrem Leben Teil einer Clique und alles scheint einen guten Lauf zu nehmen. Bis sie eines Tages alle gemeinsam zum Campen fahren und ein mysteriöser Mord geschieht, der Blues Leben erschüttert.

    Wer denkt, dass das Buch dann zu einem netten Krimi verkommt und dahinplätschert, hat sich immens geirrt. Denn auf der Suche nach der Wahrheit, deckt Blue wahrlich haarsträubende Erkenntnisse über ihr Umfeld auf. Spannend verfolgt man Hörminute um Hörminuten, was wohl als nächstes passieren mag. Das Buch wird zunehmend rasanter, unfassbarer – hört dann aber für mich recht plötzlich auf und klingt aus, wie ein Rockmusikstück, dass man auf Fade out stellte, statt es mit einem mächtigen Schlagzeugknall enden lässt.

    Dennoch ein wirklich spannendes Hörereignis und tolles Debüt! Ich bin gespannt, wohin mich Eine amerikanische Nacht noch tragen wird.

    Kommentare: 2
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    -TillyVanillibooks-vor 5 Jahren
    die alltägliche Physik des Unglücks-eines der besten Bücher die ich 2013 gelesen habe!

    eines meiner Lieblingsbücher!
    ein schöner Mix aus Zitaten und Zeichnungen macht das Buch so lebendig.die Story hat viele Wendungen,die es bis zum Schluss spannend machen,obwohl ich das Ende etwas unbefriedigend finde...

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    Rocios avatar
    Rociovor 6 Jahren
    Kurzmeinung: Wenn ich je ein Buch mit überraschendem Ende gelesen habe, dann dieses ;-)
    Rezension zu "Die alltägliche Physik des Unglücks" von Marisha Pessl

    „Alle lohnenden Geschichten enthalten ein gewisses Maß an Gewalt. Die Geschichte vom Wolf und den drei kleinen Schweinchen ist so furchtbar wie die Nachrichten auf CNN. Aber was wäre sie ohne die Brutalität?“ (Seite 431) 


    Inhalt :  
    Blue van Meer reist mit ihrem Vater, einem Politikprofessor, seit Jahren von Stadt zu Stadt und kennt fast jedes College im Land, als ihr Vater beschließt sich für ein ganzes Jahr in der Kleinstadt Stockton niederzulassen, damit Blue ihr Abschlussjahr komplett an einer Schule absolvieren kann. 

    Was die hochbegabte und in Bücher vernarrte Blue noch nicht weiß, ist, dass ihr letztes Schuljahr ein ganz besonderes sein wird, das Jahr, in dem ihre Kindheit endgültig enden und ihr Leben sich grundsätzlich verändern wird, das Jahr, in dem Blue Hannah Schneider und die Bluebloods kennen lernt... 

    Meine Meinung: 
    „Die alltägliche Physik des Unglücks“ von Marisha Pessl ist ein Buch, das mich nicht mehr hätte überraschen können. Erwartet habe ich einen unterhaltsamen, heiteren Coming-of-Age Roman. Was ich bekam war ein unglaublich kluges, lustiges, melancholisches und auch erschütterndes Buch. 

    Durch die ersten 200 Seiten des 714 Seiten starken Wälzers musste ich mich noch ein bisschen kämpfen, da die Geschichte recht langsam anläuft, aber dann nimmt die Handlung an Spannung auf und ich habe das Buch verschlungen. 

    Blue ist ein toller Charakter, sie ist kein unbesonnener oder nörgeliger Teenager, sondern sehr klug und es macht großen Spaß ihre Gedankengänge zu verfolgen. Auch wenn das Buch an manchen Stellen aufgrund seiner Komplexität nicht leicht zu lesen ist, wird der teilweise doch recht anspruchsvolle Schreibstil nie langweilig.
    Auch Blues Vater, der in ihrem Leben eine zentrale Rolle Spielt, wird wunderbar beschrieben und das Rätsel um Hannah Schneider und ihre Vergangenheit hält einen in Atem. 

    Der für mich größte Pluspunkt des Buches war jedoch sein Ende. Die ganze Zeit meint man zu wissen, um was es in dem Buch geht und am Ende kommt es dann noch mal ganz anders als erwartet. Die letzten 100 Seiten waren wie ein Schlag in den Magen für mich, und ich meine das durch und durch positiv ;-) 

    Eine klare Leseempfehlung von mir für alle, die intelligente, spannende Jugendbücher mit Tiefgang und Überraschungen mögen.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Insider2199s avatar

    Wir haben beschlossen in der INSIDER-Voting-Challenge zusammen "Die alltägliche Physik des Unglücks" von Marsha Pest zu lesen. 

    Wir beginnen ab nächster Woche (oder schon sofort) und lassen uns bis zum Ende des Monats Zeit, um es zu beenden. Rezensieren ist keine Pflicht, aber bei der Challenge erhält man ein Los dafür. 

    Jeder liest mit seinem eigenen Leseexemplar, es gibt kein Buch zu gewinnen! 


    Es kann natürlich jeder mitmachen, der Lust dazu hat, auch wenn er nicht bei der Challenge angemeldet ist.    


    Vielleicht könnt ihr ne kurze Info geben, wann ihr mit Lesen anfangen wollt. Danke. 

    Viel Spaß uns allen :)
    Ro_Kes avatar
    Letzter Beitrag von  Ro_Kevor einem Jahr
    Fange heute mit dem Hörbuch an.
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    Weitere Informationen zum Buch

    Pressestimmen

    'Pessl - eine hinreißende literarische Begabung.'

    Der Spiegel

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