Marisha Pessl Die amerikanische Nacht

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Inhaltsangabe zu „Die amerikanische Nacht“ von Marisha Pessl

Ein überwältigender New York-Roman

Tief unten im Schacht liegt Ashley – sie ist tot – erst 24 Jahre alt - eine Leiche in einer verlassenen Lagerhalle Manhattans. Ein Unfall? Oder Selbstmord? Und was hat Cordova, der übermächtige Vater und besessene Filmemacher mit ihrem Tod zu tun? Der Schlüssel zum Geheimnis liegt in seinen magischen Filmen, die nach und nach zu einer Wirklichkeit werden, aus der es kein Entkommen gibt. Gnadenlos, packend und zuweilen verstörend ergründet Marisha Pessl die dunklen Seiten des Lebens. »Die amerikanische Nacht« ist ein literarisches MEISTERWERK.

Ein Jahreshighlight, das noch sehr lange nachwirken wird! (*****)

— Insider2199

WOW - was für ein Buch! Unbedingte Leseempfehlung!

— Yolande

Ein absolutes Meisterwerk! Faszinierend in sämtlichen Facetten seines Inhaltes. Könnte ich, würde ich einen sechsten Stern vergeben.

— Ro_Ke

Faszinierender Plot, auch wenn man bei der Ausführung ein paar Augen zudrücken muss. Trotzdem ein gelungenes Buch

— rallus

Guter Plot, gute Idee, aber Marisha Pessl hat's vergeigt. Unfassbar! Ein Misserfolg, ganz bestimmt kein Meisterwerk.

— uwemetz

Sehr langatmig, aber eine interessante Geschichte und tolle Charaktere.

— leyax

Nimmt immer mehr an Fahrt auf, bis man das Buch kaum noch aus der Hand legen kann. Das Ende war für mich unbefriedigend, wenn auch passend...

— Miss_Jana

Strange, düster, atmosphärisch & so spannend! Dieses Buch ist trotz minimaler Längen eine Bereicherung! Große Kunst und mal was ganz anderes

— Vilja2013

Grandios!!!!!!! Bitte verfilmen!

— CorinnaSmiles

Souverän, tödlich, perfekt.

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  • Ein Jahreshighlight, das noch sehr lange nachwirken wird!

    Die amerikanische Nacht

    Insider2199

    Ein Jahreshighlight, das noch sehr lange nachwirken wird! Die am 26. Oktober 1977 in Clarkston, Michigan geborene Autorin schloss ihr Studium der Englischen Literatur an der Columbia University mit Magna-Cum-Laude ab und begann, neben ihrer Arbeit als Beraterin bei PwC mit dem Schreiben: der vorliegende Roman (Original-Titel: „Night Film“, wird zur Zeit verfilmt) ist ihr 2. Roman nach "Die alltägliche Physik des Unglücks" (2006). Zum Inhalt: Die 24-jährige Ashley, Tochter des berühmten Horror-Regisseurs Stanislas Cordova, wird in einer Lagerhalle in Manhattan tot aufgefunden. War es ein Unfall, Selbstmord oder gar Mord? Der investigative Journalist Scott McGrath, der schon ein paar Jahre zuvor in unangenehmer Weise mit Cordova in Berührung gekommen war und dabei den Kürzeren zog, beginnt mit seiner Recherche in der Hoffnung, dabei Cordovas Mitschuld am Tod seiner Tochter nachweisen zu können, um sich damit an ihm zu rächen. Doch je tiefer McGrath in den Fall einsteigt, desto mehr scheint er sich ihm zu entziehen. „Todesangst ist so überlebenswichtig wie die Liebe. Sie berührt den Kern unseres Daseins und lässt uns erkennen, wer wir wirklich sind. Trittst du einen Schritt zurück und schließt die Augen? Oder hast du die Kraft, dich dem Abgrund zu nähern und hinabzusehen? Willst du wissen, was dort unten ist, oder willst du in der dunklen Illusion leben, in der uns diese Welt des Kommerzes eingeschlossen hält wie ein ewiger Kokon in seinem Inneren die blinden Raupen? Wirst du dich mit geschlossenen Augen zusammenrollen und sterben? Oder kannst du dich davon befreien und fliegen?“ – Stanislas Cordova Rolling Stone, 29. Oktober 1977 Meine Meinung: Mit diesem Zitat beginnt der 800-seitige Roman, der einen sofort in seinen Bann zieht und nicht mehr loslässt. Das Buch liest sich wie ein „Film Noir“ (ich hoffe Hollywood macht einen Schwarzweiß-Film daraus!) und wir erleben die Story aus der Ich-Perspektive des Journalisten, verfolgen ihn auf Schritt und Tritt bei seiner interessanten Recherche, die noch durch die sehr bereichernden Neben-Figuren Hopper und Nora weitere Unterstützung erhält. Das Buch wird angereichert durch diverse Internet-Artikel, Interviews usw., sodass der Leser wirklich das Gefühl hat, bei der Aufdeckung jedes neuen Puzzle-Teils mitzuwirken. Auch sprachlich und stilistisch versteht die Autorin ihr Handwerk: ihre Stärken sind die ausgezeichnete Charakterzeichnung – selbst Statisten werden in 1-2 Sätzen in ihrem Kern beschrieben, sodass sie sofort in der Vorstellung des Lesers lebendig werden – die Beschreibung der Locations, die wunderbar atmosphärisch und düster rüber kommen (New York ist hier eine weitere wunderbare Hauptfigur!) als auch die Metaphern, die mit viel Witz und Charme sofortiges Kopfkino auslösen. Anbei vier Beispiele: Figur-Beschreibung: "Sharon hätte als blasse Nonne durchgehen können, die aus einem Porträt aus dem 15. Jahrhundert im Flügel für Flämische Malerei im Metropolitan herausstarrte. Nur beherrschte der Maler die menschlichen Proportionen nicht ganz, so dass er ihr einen zu langen Hals, ungleiche Schultern und zu kleine Hände verpasst hatte." Metapher: "Fogwatt bestand aus ein paar windschiefen weißen Gebäuden, die sich an einen grauen Hang klammerten wie die letzten paar Zähne in einem alten Mund." Metapher: „Vielleicht litt ich unter demselben Problem wie der Mann, der die Welt umsegelt hatte und jetzt vor seinem Farmhaus stand, seiner Frau und den Kindern, und begriff, dass die Gleichförmigkeit der Heimat, die sich vor ihm erstreckte wie ein ausgetrocknetes plattes Feld, unendlich erschreckender war als jede Sturmböe mit zehn Meter hohen Wellen.“ Witz/Charme: „Mit Aurelia zu schlafen war, als würde man den Zettelkatalog einer menschenleeren Bibliothek nach einem unbekannten, kaum beachteten Eintrag zur ungarischen Lyrik durchstöbern. Es war totenstill, niemand konnte mir sagen, wo ich hinmusste, und nichts war da, wo es sein sollte.“ Fazit: An diesem Roman gibt es absolut nichts auszusetzen! 800 Seiten, die zu keinem Zeitpunkt zäh oder langweilig werden, im Gegenteil: die Lust auf mehr machen; nach dem Ende des Buchs fühlt man große Wehmut aufsteigen, weil der Lesespaß so schnell vorbei ist. Ein absolutes Jahreshighlight, dem ich auch mehr als 5 Sterne geben würde. Unbedingt lesen!! (währenddessen werde ich das Debüt der Autorin so schnell wie möglich nachholen, grins)

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    • 3
  • Leserunde zu "Die amerikanische Nacht" von Marisha Pessl

    Die amerikanische Nacht

    Insider2199

    Wir haben beschlossen in der INSIDER-Voting-Challenge zusammen "Die amerikanische Nacht" von Marisha Pessl zu lesen. Wir beginnen am  01.07.2017 und lassen uns bis zum Ende des Monats Zeit, um es zu beenden. Rezensieren ist keine Pflicht, aber bei der Challenge erhält man zwei Lose dafür.  Jeder liest mit seinem eigenen Leseexemplar, es gibt kein Buch zu gewinnen!  Es kann natürlich jeder mitmachen, der Lust dazu hat, auch wenn er nicht bei der Challenge angemeldet ist.    Vielleicht könnt ihr ne kurze Info geben, wann ihr mit Lesen anfangen wollt. Danke. Viel Spaß uns allen :)

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    • 44
  • Ein Jahres-Highlight

    Die amerikanische Nacht

    Yolande

    23. July 2017 um 16:29

    Marisha Pessl wurde 1977 in North Carolina geboren und studierte Englische Literatur an der Columbia University. Sie lebt in New York."Die amerikanische Nacht" ist ihr zweiter Roman.Inhalt (Klappentext):Tief unten im Aufzugsschacht einer leeren Lagerhalle liegt Ashley, tot - Tochter des unauffindbaren, aber allseits präsenten und besessenen Filmemachers Cordova. War es ein Unfall oder Selbstmord?Zusammen mit Nora und Hopper, beide um die Zwanzig und gerade erst in Manhattan gestrandet, sucht der Journalist Scott das Rätsel ihres mysteriösen Todes aufzudecken. Schon lange ist Scott hinter Cordova her, aber eine falsche Behauptung über das Filmgenie hat ihn vor Jahren die Karriere gekostet. Jetzt nimmt er die Recherche auf eigene Faust wieder auf.Was verbirgt sich hinter Cordovas Credo "Ist die Kunst größer als das Leben"? Und liegt der Schlüssel zum Geheimnis in seinen sagenumwobenen Filmen?Was für ein Buch! ich habe selten einen Roman gelesen, der schon von der ersten Seite an Spannung aufbaut und diese dann, durch immerhin knapp 800 Seiten, hochhalten kann. Immer tiefer wird man als Leser in diese Geschichte eingesogen, fiebert und leidet mit den Protagonisten. Zwischenzeitlich hatte ich die Befürchtung, dieses tolle Buch könnte dann doch ein allzu profanes Ende haben, aber Pessl schafft den perfekten Abschluss.Hervorragend und eine unbedingte Leseempfehlung!

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  • Die Gleichung von Magie und Wissenschaft

    Die amerikanische Nacht

    Ro_Ke

    19. July 2017 um 22:10

    Klappentext (Lovelybooks): Ein überwältigender New York-Roman. Tief unten im Schacht liegt Ashley – sie ist tot – erst 24 Jahre alt - eine Leiche in einer verlassenen Lagerhalle Manhattans. Ein Unfall? Oder Selbstmord? Und was hat Cordova, der übermächtige Vater und besessene Filmemacher mit ihrem Tod zu tun? Der Schlüssel zum Geheimnis liegt in seinen magischen Filmen, die nach und nach zu einer Wirklichkeit werden, aus der es kein Entkommen gibt. Gnadenlos, packend und zuweilen verstörend ergründet Marisha Pessl die dunklen Seiten des Lebens.  »Die amerikanische Nacht« ist ein literarisches MEISTERWERK. Meine Meinung: Was Marisha Pessl hier zu Papier gebracht hat, lässt sich mit mir bekannten Superlativen nicht beschreiben.  Eine Charakterzeichnung, die bis zum noch so kleinstem „Statisten“ absolut ausgefeilt ist. Körperliche Verwirrung und Grenzüberschreitung von Realität und Wahnsinn hat die Autorin brillant dargestellt.  Schauplätze werden auf eine so plastische und detailverliebte Art und Weise  beschrieben, dass sich geistig direkt Türen öffnen, man zum begeisterten Touristen wird und einem der Mund vor Staunen lange offen stehen bleibt.  Inhaltlich kommt es auf 800 Seiten nie zu Längen und man durchlebt einen unglaublich aufregenden Spannungsbogen, der sich zum Finale grandios entlädt. Die Menge an ungeklärten Fragen ist perfekt portioniert, um möglichst lange nachwirken zu können.  Fazit:  In bin ganz tief in den Schlund dieser Geschichte eingetaucht, habe 800 Seiten lang in ihm gelebt und sein Speichel wird noch lange an mir haften bleiben.  5 Sterne werden diesem Roman kaum gerecht. 

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    • 4
  • Illusion oder Wirklichkeit?!

    Die amerikanische Nacht

    Gegen_den_Strom_lesen

    06. April 2017 um 15:11

    Eins steht fest - ich habe diese Buch verschlungen, genauso wie das Buch mich verschlungen hat.Das Leseerlebnis war wie ein großer Strudel, der mich mit einer unglaublichen Macht in sich hineinzog, und bis zur letzten Seite nicht mehr hervorspuckte.Es geht um einen amerikanischen, fiktiven Horrorfilmeregisseur (Stanislas Cordova) , dessen Tochter Selbstmord begangen hat. Doch war es wirklich Selbstmord? Oder steckte Cordova selbst, mit seinen okkulten Praktiken, dahinter?Ein Journalist recherchiert den Fall und stößt auf Jahrzehnte gehütete Geheimnisse, die vielleicht besser unentdeckt bleiben sollten. Er und seine zwei Helfer werden immer tiefer in diese düsteren Machenschaften verwickelt und können irgendwann nicht mehr unterscheiden zwischen Wirklichkeit und Fiktion - zwischen Wahrheit und Magie.Im Internet kursieren Videoklips, die Teile des Buches beschreiben. Das macht den fiktiven Roman noch realer und spannender. Pessl streut dunkle Gedanken ein, durch die man sich als Leser real bedroht fühlt und daran zweifelt ob diese Geschichte wirklich bloß erfunden ist.Das Meisterwerk ist immer wieder gespickt mit Bildern, fiktiver Webseiten, Zeitungsausschnitten und Auszügen aus Akten, der Leser wird somit selbst zum Ermittler. Die Geschichte ist soviel mehr als bloß einer Geschichte - sie wird zu einem Drehbuch, einem Horrorfilm Cordova´s!Illusion oder Wirklichkeit?! Pessl verwischt die Grenzen mit diesem Roman. Grandios, düster, mächtig und fordernd.

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    • 3
  • Traue ich mich?

    Die amerikanische Nacht

    rallus

    25. January 2017 um 11:05

    Ashley Cordova ist tot. Eine junge Frau von 24 Jahren hat sich in New York in einer verlassenen Lagerhalle das Leben genommen. Nur war dies nicht nur irgendeine Jugendliche. Sie war die Tochter des berühmten Regisseur Stanislas Cordova, der seit über 35 Jahren kein Interview mehr gab und dadurch zu einem Mythos geworden ist. Scott McGrath ist ein investigativer Journalist und hat sich an Cordova, wie so viele andere, die Finger verbrannt. Eine Recherche über den Regisseur brachte ihm, außer einer verlorenen Verleumdungsklage und einem hohen finanziellen Verlust, nichts verwertbares ein. Danach wurde er von seiner Frau verlassen, die das gemeinsame Kind mitnahm und er musste sich langsam wieder auf die Füße stellen. Doch seine geheime Obsession ist Cordova, der Kult um ihn und natürlich seine Filme. (Die in der Art stark an David Lynch erinnern). McGrath fängt an zu recherchieren und erhält durch Kontakte mit der New Yorker Polizei einen Wissensvorsprung gegenüber der Familie Cordova, die die Spuren der Tochter verwischen will. Auf seinem Weg zu dem Unglücksplatz lernt er den Herumtreiber Hopper kennen, der in einer geheimnisvollen Verbindung zu Ashley steht. Auch die junge Nora, die zu Hopper und Scott stößt, birgt einige Geheimnisse. Scotts Suche findet nicht überall Gegenliebe: „‚Weißt Du, was dein Problem ist, McGrath?‘, sagte Beckman und teilte den Rest Wodka auf unsere Gläser auf. ‚Du hast keine Achtung vor dem Trüben. Vor dem finsteren Unerklärten. Dem Nichtfestnagelbaren. Ihr Journalisten ebnet die Rätsel des Lebens einfach ein, ihr habt keine Ahnung was ihr da so schonungslos ans Licht bringt, und dass ihr nach etwas sehr Mächtigem grabt, das …‘ Er lehnte sich zurück und sah mit in die Augen.’… nicht gefunden werden will. Und das wird es auch nicht.‘ Er sprach von Cordova.“ Mit Noras Hilfe findet er Zugang zu den geheimen Blackbirds  Ein Platz im Internet, welcher von den Cordoviten, den Fans Cordovas, gegründet wurde. Nur Eingeweihte haben dort Zugang. Cordovas Welt wird dem Leser unterbreitet, eine Welt voller Geheimnisse und Düsterkeit, voller Schrecken, aber Ehrlichkeit ist hier ein Muss. Nur indem jeder seine dunklen Seiten auslotet und anerkennt, findet er zu sich und zu neuen Wegen. „Diese Seite ist eine schreckliche Realität. Ein heiliger Arbeitsplatz. Ein gefährlicher Wald. Ein Ort, an dem du alles diskutieren und in Frage stellen kannst, was deine Familie und Freunde, deine Religion und deine Gesellschaft bedroht und in Angst versetzt. Dies ist eine Welt jenseits der kommerziellen Hochglanzwelt. Ein Ort, der dreckig und unheimlich und erschreckend ist, chaotisch und hässlich und faszinierend. Ein bodenloser, schrankenloser Raum. Hier geht es nur um den Kampf um etwas Wertvolles. Etwas Ehrliches. Das ist es, wozu uns Cordova in seinem ganzen Werk auffordert. Unser ehrliches Selbst in uns zu finden.“ Es ist Die Cordova Wahrheit: die des menschlichen Geistes. Die Sehnsucht nach Schrecken. Die Sehnsucht nach Liebe. Die Sehnsucht nach emotionalen Erfahrungen, die dich zerreißen. Das Trio (Scott, Nor und Hopper) folgen den Spuren Ashleys und gewinnen durch Befragungen von Augenzeugen, die Ashley gesehen hatten, und eigene Erlebnissen, einen tiefen Einblick in die Welt des Stanislas Cordova. Marisha Pessl ist ein komplexes, fein recherchiertes Buch über die letzten Geheimnisse in unserer digitalisierten Welt gelungen. Der Plot ist spannend und ausgereift, auch wenn so mancher Zufall an die TKKG Reihe erinnert, es gibt im Buch plötzlich immer nur noch einen roten Faden zu verfolgen. Der Leser hat keinen Wissensvorsprung vor den handelnden Figuren und so wird dieser von einer überraschenden Szene zu der nächsten geworfen. Schräge und geheimnisvolle Charaktere tauchen auf und wähnt sich der Leser am Rande des Verstehens, schlägt der Plot noch einen Haken. Die wundersame Welt des Stanislas Cordova eröffnet sich dem Staunenden in dem Buch, durch Zeitungsausschnitte, Schnipsel aus dem Internet, zufällig gefundene Bilder, liegengelassene Zigarettenstummel. Pessl zieht alle Register, hat als Buchregisseurin aber eine wundersame Gabe diese Fäden immer wieder zu einem (Teil-) Ganzen zu verweben. Besonders die Beschreibung der (fiktiven) Filme Cordovas und das Anwesen ‚The Peak‘ auf dem Cordova gelebt und gefilmt hatte, sind ihr sehr gut und mysteriös gelungen. Immer wieder wird Cordovas Bestreben, das wahre Ich aus den Menschen zu locken und aufzudecken, gezeigt. Das Zusammenarbeiten mit ihm gerät für viele Menschen zu einem Wendepunkt in ihrem Leben: „Aber der wahre Lohn der Zusammenarbeit mit Stanny war nicht Geld oder Beifall, sondern das Danach. Wir Schauspieler sprachen alle davon. Wenn man nach der Arbeit mit Cordova wieder im echten Leben ankam, war es, als seien alle Farben verstärkt worden. Das Rot war roter. Schwarz schwärzer. Die Gefühle gingen tiefer, als sei das Herz riesengroß geworden, empfindlich und geschwollen. Man träumte. Was waren das für Träume.“ Die Wahrheit ist immer zwiespältig und nicht eindeutig. Scott McGrath verwirrt sich in seinen Untersuchungen immer weiter auch in seine Seele, in seine ureigensten Abgründe der Seele. „Ein Tornado wirft ein Haus um und der Besitzer stirbt. Das ist eine Tragödie. Dann stellt sich heraus, dass dort ein Serienmörder wohnte, und schon gilt das Ganze als Wunder. Die Wahrheit über das, was in dieser Welt mit uns passiert, ändert sich. Ständig. Das hört nie auf.“ Teilweise werden die Assoziationen der Filme satirisch auf die Spitze getrieben. Ein alter Bekannter von McGrath ist ein obsessiver Filmnarr von Cordovas Werk, seine Betrachtungen zu den Filmen lesen sich wie exzessive Verschwörungstheorien, die Wahrheiten setzen und Zeichen suchen die diese Wahrheiten bestätigen. (Kennt noch jemand den Hype um das Album der Beatles, wo alle vier barfuß auf dem Zebrastreifen laufen und viele meinten Zeichen zu sehen, dass Paul tot ist?) Pessl spielt hier mit den Ingredienzien der Scheinwahrheit, der Zeichen, der Dunkelheit, ja sogar echte (?) Magier sind am Werk. Die Gestalt Cordova ist immer mit einem Geheimnis verbunden. Dunkelheit, die Macht aus der er seine Kraft zieht? „Dunkelheit. Ich weiß, heute ist es schwer nachzuvollziehen, aber ein echter Künstler braucht die Dunkelheit, um etwas erschaffen zu können. Sie gibt ihm Macht. Seine Unsichtbarkeit. Je weniger die Welt über ihn weiß, wo er sich aufhält, woher er kommt und was seine geheimen Methoden sind, desto mehr Kraft hat er. Je mehr Nichtigkeiten die Welt über ihn schluckt, desto kleiner und trockener ist seine Kunst, bis sie schrumpft und zu etwas zusammenschrumpelt, dass man in einer Schüssel mit Milch zum Frühstück isst.“ Was etwas nervt sind die kursiv geschriebenen Wörter, manchmal wahllos verteilt im Text, wollen sie den Leser beeinflussen, gewisse Dinge anders zu sehen? So ganz gelungen ist ihr die Verbindung Mystik, Ernst, Scherz und Krimirecherche nicht. So manches wirkt zu platt, ihr vorheriges Buch ist um einiges dichter, literarischer. Doch hat mich hier der Plot am meisten fasziniert und man legt dieses doch dicke Buch ungern zur Seite. Es ist nicht unbedingt wie ein Sog, aber man möchte doch wissen wie es weitergeht. Ein Buch das im Gedächtnis haften bleibt. „Eines Tages würde ich den beiden die wahre Geschichte erzählen. Aber jetzt, heute Nacht, sollten sie ihr Märchen behalten.“

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  • Vergebliche Liebesmüh

    Die amerikanische Nacht

    uwemetz

    13. January 2017 um 21:50

    Ich habe dreimal versucht, die Amerikanische Nacht zu lesen. Ich hab's kein einziges Mal bis zur Mitte geschafft. Für ein literarisches Meisterwerk braucht es mehr als solides Handwerk. Das beherrscht die Autorin, doch sie verzettelt sich, verfolgt ihre Charaktere nur halbherzig, weil sie ihnen nicht glaubt, stattdessen führt sie Unwichtiges und Nebensächliches aus. Die Idee ist gut, der Plot innovativ und dann vermasselt Pessl es, weil ihr Ziel nicht die Geschichte ist, sondern eine richtig gute Autorin zu sein. Es ist, als ob sie den Leser ständig fragte: "Habe ich meine Sache nicht gut gemacht? Bin ich nicht eine literarische Einserkandidatin?" Nein, ist sie nicht. Sie geht einem auf die Nerven.  Weil sie von sich, nicht von ihrer Geschichte überzeugt ist. Das darf ein Autor seinem Leser nicht antun.

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  • Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017

    Warum Lesen glücklich macht

    GrOtEsQuE

    Punkte-Challenge zum SUB-Abbau 2017 Achtung - es handelt sich nicht um eine Leserunde sondern eine Challenge zum SUB-Abbau!!! Es werden keine Bücher verlost. Ich habe es nur als Leserunde erstellt, damit das Ganze etwas übersichtlicher wird.Ich möchte mich 2017 mehr dem SUB-Abbau widmen, daher habe ich mir überlegt eine Challenge zu erstellen. Die Regeln möchte ich so einfach wie möglich halten - es soll ja auch Spaß machen und nicht in Stress ausarten.Es wird jeden Monat ein anderes Motto geben. Für die zum Monatsmotto passenden Bücher, gibt es jeweils einen Extrapunkt. Das Monatsmotto werde ich immer Ende des Vormonats im entsprechenden Unterthema bekannt geben. Den Extrapunkt kann man mehrmals im Monat sammeln, wenn man genügend passende Bücher für das Motto hat.Jeder der mitmachen möchte, postet bitte im Unterthema Sammelbeiträge seinen Sammelbeitrag. Ich werde dann jeden Monat hier im Startbeitrag die Punkte aktualisieren. Bei den einzelnen Sammelbeiträgen ist mir eigentlich nur wichtig, dass in der ersten Zeile die Gesamtpunktzahl steht, ansonsten kann jeder seinen Beitrag so gestalten wie er möchte - entweder nur die Punkte aufschreiben oder auch das gelesene Buch benennen.Man kann jederzeit noch einsteigen - einfach einen Sammelbeitrag posten und los gehts!!! Rezensionen sind keine Pflicht. Es gelten alle Bücher, die in 2017 beendet werden, man kann also ruhig auch die in 2016 angefangen erst in 2017 beenden. Die Punkteverteilung sieht wie folgt aus: Für jedes gelesene Buch gibt es einen Punkt. Für jedes gelesene Buch, was vor 2017 auf dem SUB gelandet ist, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 400 Seiten hat, gibt es einen Extrapunkt. Für jedes gelesene Buch, was mehr als 600 Seiten hat, gibt es zwei Extrapunkte. Für jedes gelesene Buch, was zum Monatsmotto passt, gibt es einen Extrapunkt. Für Comics und Mangas werden nur die Hälfte der Punkte vergeben. Hörbucher zählen auch. Bei den Extrapunkten für die Seiten einfach an dem "echten" Buch orientieren. Wenn es sich um die gekürzte Fassung des Hörbuchs handelt, dann ein dreiviertel der Seiten. (Also mal angenommen das Buch hat 400 Seiten und du hast die gekürzte Fassung des Hörbuchs, zählt es nur für 300 Seiten, also kein Extrapunkt.) Bereits früher gelesene Bücher zählen auch, aber hier gibt es den vor-2017-auf-dem-SUB-gelandet-Punkt nicht, da die Bücher ja nicht mehr zum SUB gehören. Im besten Fall kann man also 5 Punkte pro Buch erhalten. Wer noch Fragen hat, kann sie im Unterthema für Fragen stellen. Nun hoffe ich auf eine rege Teilnahme und wünsch uns schon mal viel Spaß :-) Teilnehmer --- Gesamtpunktzahl --- zuletzt aktualisiert 20.10.2017: _Jassi                                           ---  77 Punkte AmberStClair                             ---   69 Punkte (Gesamtpunkte angeben) Arachn0phobiA                         ---   259 Punkte Astell                                           ---    9 Punkte BeeLu                                         ---   92 Punkte Bellis-Perennis                          ---  691 Punkte Beust                                          ---   352 Punkte Bibliomania                               ---   233 Punkte Buecherkaetzchen                   ---   48 Punkte Buchgespenst                         ---  444,5 Punkte ChattysBuecherblog                --- 285 Punkte Buchperlenblog (CherryGraphics)  ---   154,5 Punkte Code-between-lines                ---  154 Punkte DieBerta                                    ---   ?  Punkteeilatan123                                 ---   80 Punkte Eldfaxi                                       ---   52 Punkte Farbwirbel                                ---   46 Punkte fasersprosse                            ---    35 PunkteFrau-Aragorn                           ---   216 Punkte Frenx51                                     ---  103 Punkte glanzente                                  ---   94 Punkte GrOtEsQuE                               ---   84 Punkte hannelore259                          ---   78 Punkte hannipalanni                           ---   181 Punkte Hortensia13                             ---   148 Punkte Igelchen                                    ---   26 Punkte Igelmanu66                              ---  191 Punkte janaka                                       ---   118 Punkte Janina84                                   ---    95 Punkte jasaju2012                               ---   20 Punkte jenvo82                                    ---   135 Punkte kalestra                                    ---   33 Punkte Kattii                                         ---   88 Punkte Katykate                                  ---   121 Punkte Kerdie                                      ---   239 Punkte Kleine1984                              ---   145 Punkte Kuhni77                                   ---   129 Punkte KymLuca                                  ---   110 Punkte LadyMoonlight2012               ---   29 Punkte LadySamira090162                ---   285 Punkte Larii_Mausi                              ---    63 PunkteLeif_Inselmann                       ---   40,5 Punkteleseratte89                               ---   50 Punkte Leseratz_8                                ---   18 Punktelisam                                          ---   257 Punkte louella2209                            ---   69 Punkte lyydja                                       ---   94 Punkte mareike91                              ---    47 Punkte MissSnorkfraeulein                  ---  44 Punkte MissSternchen                          ---  55 Punkte mistellor                                   ---   181 Punkte Mone97                                    ---   55 Punktemy_own_melody                     ---   18 Punktenaevia                                        ---   17 Punktenatti_Lesemaus                        ---  148 Punkte Nelebooks                               ---  245 Punkte niknak                                       ----  313 Punkte nordfrau                                   ---   143 Punkte PMelittaM                                 ---   242 Punkte PollyMaundrell                         ---   34 Punkte Pucki60                                        --- 37 Punkte QueenSize                                 ---   132 Punkte readergirl                                   ---    5 Punkte Readrat                                      ---   67 Punkte SaintGermain                            ---   139 Punkte samea                                           --- 76 PunkteSandkuchen                              ---   241 Punkteschadow_dragon81                  ---   92 Punkte Schmiesen                                  ---   195 Punkte Schokoloko29                            ---   35 Punkte Somaya                                     ---   315 Punkte SomeBody                                ---   189,5 Punkte Sommerleser                           ---   215 Punkte StefanieFreigericht                  ---   236,5 Punkte tlow                                            ---   165 Punkte Veritas666                                 ---   151 Punkteverruecktnachbuechern         ---   97 Punktevielleser18                                 ---   131 Punkte Vucha                                         ---   151 Punkte Wermoeve                                 ---   17 Punkte widder1987                               ---   69 Punkte Wolly                                          ---   184 Punkte Yolande                                       --   189 Punkte

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    • 2500
  • „Souverän. Tödlich. Perfekt.“

    Die amerikanische Nacht

    leselea

    10. December 2016 um 13:50

    Ashley Cordova ist schön, jung, reich – und tot. Die Tochter des berühmt-berüchtigten, im Untergrund weilenden Regisseurs Stanislas Cordova soll sich in den Selbstmord gestürzt haben. Aber stimmt das aus? Der investigative Journalist Scott hat seine Zweifel. Schon vor Jahren hat er sich mit dem Phänomen Cordova und seiner dunklen Seite beschäftigt, bis er darüber schließlich seine Karriere geopfert hat. Nach dem Tod Ashleys nimmt er seine Recherchen wieder auf und findet in Nora und Hopper, zwei Neu-New Yorkern in den Zwanzigern, hilfreiche Unterstützung. Gemeinsam tauchen sie immer tiefer in Cordovas verstörende Werke und sein mysteriöses Leben ein, bis sie sich immer mehr in einen Strudel aus schwarzer Magie, Aberglauben und Okkultismus verlieren. Was ist die Realität? Und gibt es eine Welt jenseits der reinen Fakten? Marisha Pessl Debüt Die alltägliche Physik des Unglücks wurde weltweit als literarische Sensation gefeiert. Auch ich gehöre zu den begeisterten Lesern, die das Buch bis heute drei Mal verschlungen haben. Es ist für mich persönlich ein Stück mutiges, innovatives, andersartiges Stück Literatur, das schwer mit anderen Werken zu vergleichen ist und einen einmaligen Kern besitzt. Meine Erwartungen an Die amerikanische Nacht waren deswegen enorm hoch: Als „Wunder“ und „literarisches Meisterwerk“ wird es im Klappentext angepriesen und ich erhoffte mir daher ein ähnlich unvergleichliches Leseerlebnis, wie ich es schon mit ihrem Erstling erleben durfte. Konnte Pessl meinen Ansprüchen gerecht werden? Sagen wir es so: Sie hat mich nicht enttäuscht, doch Die amerikanische Nacht schafft es trotzdem in seiner Genialität und Andersartigkeit nicht an das Debüt heran! Aber beginnen wir mit dem Positiven: Pessl schafft es auch in ihrem zweiten Buch eine Geschichte zu konzipieren, die einen enormen Sog auf den Leser ausübt und die ihn Stück für Stück in die fiktive Welt hineinholt, bis man diese nicht mehr von der Wirklichkeit unterscheiden kann. In Die amerikanische Nacht wird dieses Gefühl vor allem durch die originelle Machart des Buches erzeugt: Der Text wird immer wieder durch Zeitungsausschnitte, Screenshots von Websites, Abschriften und Notizen, die wie Originale erscheinen, angereichert. Hier zeigt sich Pessls Bereitschaft, andere Wege als ihre Schriftstellerkollegen zu gehen, und es diese Aufmachung, die für mich persönlich einen großen Reiz des Werkes aufmacht. Hinzu kommt die langsame, aber stetige Entfaltung von Hintergrundinformationen über den Cordova-Clan – als würde man langsam einen langen Wikipedia-Artikel durcharbeiten, bei dem sich irgendwann der Eindruck einstellt, diese literarische Figur und seine Filme würden in unserer Welt wirklich existieren. Die Autorin schließt damit schön den Kreis zu ihrer eigenen Geschichte, behandelt doch Cordova auch immer wieder die Frage vom Verhältnis Wahrheit – Fiktion, Realität – Imagination, eine Frage, die ich persönlich spannend finde und über die ich in Büchern gerne lesen. Dennoch – und jetzt folgt das große Aber – konnte mich Die amerikanische Nacht im Vergleich zum Debüt nicht wirklich packen. Natürlich: die Story ist spannend, Unterhaltung ist garantiert, die Figuren sind sympathisch und die Erzählweis gefällig – für mich war es aber für Pessls Verhältnisse fast zu durchschnittlich. So wurden schon viele Geschichten mit einem Hauch Krimi und Detektivspiel geschrieben, gerade das radikal Andere, das ich von ihr kannte, fehlte mir. Zugleich ist der zweite Roman für mich auch nicht ohne Schwächen: Längen sind definitiv vorhanden, die Spannung nimmt immer wieder mal ab. Die Sprache war nicht immer flüssig, vor allem die Dialoge hatten für mich häufig etwas Künstliches. Ich persönlich konnte auch mit den esoterisch und magisch angehauchten Motiven nichts anfangen, auch wenn ich dem Buch zugestehe, dass es hier gut die Balance hält. Insgesamt hatte ich das Gefühl, eine gut gemachte Serie zu schauen, die ich gerne „konsumiere“, bei der es aber auch nicht schlimm ist, wenn ich mal paar Tage nicht reingeschaut habe. Die Geschichte hat mich direkt wieder aufgenommen, war kurzweilig, aber ich konnte sie auch zur Seite legen, ohne dass das Geschriebene in mir arbeitete. Für diese solide Unterhaltung gibt es 4 Sterne. Ich bleibe Pessl-Fan, wünsche mir aber beim nächsten Mal eine Geschichte, das wieder näher am Debüt ist!

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    • 2
  • doch ein Krimi

    Die amerikanische Nacht

    Skrutten

    28. January 2016 um 08:36

    Doch eher ein Krimi - nicht mein Ding

  • Nervenaufreibender, außergewöhnlicher Mystery-Thriller

    Die amerikanische Nacht

    Keeweekat

    Inhalt: Der Filmemacher Stanislas Cordova ist eine Ausnahmeerscheinung, seine kunstvollen Horrorfilme genießen Kultstatus und sind so verstörend, dass sie zum Teil auf dem Index gelandet sind und von den Fans bei geheimen Screenings im Untergrund gezeigt werden. Der große Meister selbst ist seit Jahrzehnten untergetaucht, seit Mitte der Siebziger existieren keine Fotos mehr von ihm, keine Interviews, die Verschwörungstheorien über ihn und seine Werke sind unzählig. Der investigative Journalist Scott McGrath hat bereits vor fünf Jahren um Cordovas umstrittene Person recherchiert und sich mit wilden Spekulationen und fehlenden Beweisen die Karriere ruiniert. Sein unermüdlicher Spürsinn wird erneut geweckt, als die Leiche von Cordovas 24-jähriger Tochter Ashley nach einem vermeindlichen Suizid in einer verlassenen Lagerhalle gefunden wird. Gemeinsam mit der angehenden Schauspielerin Nora und dem geheimnisvollen Drogendealer Hopper beginnt er, nach dem Grund für Ashleys Tod zu suchen und taucht dabei tief ein in die düstere Welt Cordovas, die mehr und mehr zu einem gefährlichen und äußerst realen Albtraum zu werden scheint. Meine Meinung: Marisha Pessl machte 2007 mit ihrem außergewöhnlichen Debüt “Die alltägliche Physik des Unglücks” auf sich aufmerksam. Nun folgt mit “Die amerikanische Nacht” ihr zweiter, gänzlich anders gearteter Roman, mit dem ich die junge und talentierte Autorin jetzt erstmals kennengelernt habe. “Die amerikanische Nacht” ist ein Roman über das faszinierende Medium Film, ein Krimi, ein atemloser Thriller, ein psychologischer Roman und eine ausufernde, die Grenzen der Phantasie sprengende Mystery-Geschichte in einem. Selten habe ich einen Roman mit solch vibrierender Spannung gelesen. Ich habe an den Seiten geklebt, die Geschichte hat mich auch zwischendurch nie losgelassen, ich habe mich stellenweise so sehr gegruselt, dass ich Einschlafprobleme hatte. Ich habe das Buch wirklich verschlungen, und das bei einer Stärke von knapp 800 Seiten, auf denen wirklich nichts aufgebläht oder in die Länge gezogen ist, sondern jede Szene, jeder Dialog die Handlung vorantreibt. Chapeau, Ms Pessl! Diese ungeheure Spannung wird vor allem durch die gekonnte Mischung aus mysteriösen Verquickungen und ganz real erscheinenden Personen und Ereignissen erzeugt. Pessl streut immer wieder Faksimile wie Zeitungsausschnitte, Screenshots von News-Seiten, Fotos, handschriftliche Notizen und Beiträge aus Cordova-Fanforen ein. Das Ganze verstärkt beim Lesen das Gefühl von Realität und schon bald glaubt man selbst so viel über den Mythos Cordova und seine Kultfilme zu wissen, als wäre er ein selbstverständlicher Teil der tatsächlichen Popkultur. Auch Pessls Protagonisten sind außerordentlich greifbar und wunderbar eckig und kantig. Scott als Ich-Erzähler weckt Sympathien beim Leser, obwohl er durch seine forsche, teilweise manische Art durchaus auch negative Eigenschaften besitzt. Trotz allem entwickelt er im Laufe der Handlung eine ebenso unwahrscheinliche wie unverzichtbare Symbiose mit der etwas durchgeknallten Nora und dem verschlossenen Hopper. Dieses ungleiche Trio hat es wirklich in sich und es ist eine Freude, die Gruppe durch den umfangreichen Roman zu begleiten. Vielleicht ist “Die amerikanische Nacht” nicht frei von kleinen Makeln – von vielen Seiten wurde Pessls großzügige Verwendung von Kursivschrift kritisiert – Pessl neigt in ihrer überbordenden Sprache hin und wieder zu Dopplungen, ich persönlich konnte zudem nicht immer etwas mit allen Metaphern anfangen. Doch das sind Peanuts für mich bei all dem Spaß, den ich mit diesem Gänsehaut erzeugenden, absolut mitreißenden Roman hatte. Zum Schluss überzeugen Pessls überbordende Phantasie, der knifflige und undurchschaubare Plot, die bis in die Nebenrollen großartig erdachten Charaktere, die fiebrige Spannung und die außergewöhnliche, ambitionierte Idee für die Geschichte. Es ist die unheimliche Düsternis der Handlung, die psychologische Dichte, das Unerklärliche, das sich immer mehr in die Geschichte einschleicht und Scott und auch den Leser zweifeln lässt, was Realität und was Wahnsinn, was Fantasie oder geniale Manipulation ist. Fazit: “Die amerikanische Nacht” ist für mich ein genial konzipierter und brillant umgesetzter Spannungsroman, ein außergewöhnlicher Mystery-Thriller erster Güte. Wer sich in eine düstere, nervenaufreibende Welt zwischen Realität und Fiktion begeben möchte und bereit ist, die Phantasie spielen zu lassen und eigene Antworten zu finden, sollte zu Marisha Pessls neuem Meisterwerk greifen.

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    • 3
  • Wow...

    Die amerikanische Nacht

    lievke14

    Auf dieses Buch war ich sehr gespannt....ich hatte im Vorfeld schon verschiedene gegensätzliche Rezensionen gelesen und wollte mir einfach selbst ein Bild machen. "Die amerikanische Nacht" war für mich ein absolutes Leseereignis. Zum einen ist der Aufbau des Buches, u.a. durch Zeitungsartikel, Blogeinträge, Aktennotizen zu Interviews etc, extrem interessant; zum anderen fand ich den Schreibstil absolut packend und fesselnd. Es ist bisher selten passiert, dass ich mich derart in ein Buch verloren habe. Die Story an sich ist sehr gewöhnungsbedürftig....es werden unterschiedliche Themen wie Angst, Realität oder Phantasie bzw. Okkultismus behandelt. Das ist sicher nicht der Stoff für jedermann. Dennoch sollte man sich auf das Buch und dessen Sogwirkung einlassen... Die Atmosphäre der Story ist dunkel und mitunter ziemlich bedrückend. Ich möchte nicht unbedingt behaupten, dass ich sehr viel Horror empfunden habe; aber manche Stellen waren durchaus beängstigend. Das Buch wäre für mich grundsätzlich 5 Sterne wert gewesen. Alleine das Ende hat mich nicht befriedigen können. Bei dieser Geschichte ist aber denke ich einfach der Weg das Ziel und irgendwie passt der Schluss auch zur Story. Denn die ist einfach ein bißchen anders.

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    • 3
  • Toller Schmöker!

    Die amerikanische Nacht

    Bella5

    Ashley Brett Cordova stirbt mit gerade einmal 24 Jahren. Tot in einer verlassenen Fabrikhalle Manhattans. Sie ist die Tochter des berühmt - berüchtigten Regisseurs Stanislas Cordova, der von seinen Fans geradezu kultisch als Meister des Horrogenres gefeiert wird. Scott McGrath, ein Journalist, der seit einem Rechtsstreit mit Cordova beruflich ruiniert ist, beginnt mit 2 zunächst völlig Fremden im Fall Ashley Cordova zu ermitteln, undercover natürlich. Hat womöglich Inez Gallo, die Assistentin des Filmemachers, etwas mit dem Fall zu tun? Und warum ist "Stan" seit Jahren untergetaucht? Fragen über Fragen, der Fall wird immer geheimnisvoller, je tiefer McGrath gräbt... Ich konnte das Buch buchstäblich nicht mehr aus der Hand legen, es ist wirklich ein pageturner. Aber kein Fantasyroman. Eher ein Genremix. Ich habe mich immer auf' s Weiterlesen gefreut und kann für diese heimliche Liebeserklärung an NY guten Gewissens 5 Sterne geben. Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich dennoch: Idee und Plot sind nicht wirklich originell und erinnern ein wenig an Roszaks "Schattenlichter". Pessl hat ein Faible für Vergleiche und similees, und dass so gut wie jede Figur in Vergleichen und Bildern spricht, nicht nur der Ich - Erzähler, ist in meinen Augen nicht so gut gelungen. Fast wirkt der Roman hier und da ein wenig selbstverliebt. Außerdem findet Pessl einfach kein Ende - ich habe das vermeintliche Ende viel passender als den offenen Schluss empfunden. Ein wenig Straffung hätte der Geschichte gut getan, nach der Mitte gab es eine kurze Passage, die ich doch als etwas langatmig geschrieben empfand. Sehr gut gefiel mir aber die Hommage an New York, und auch die patchworkartigen Einsprengsel, collagenhaft, konnten mich überzeugen. Alles in allem - tolle Unterhaltung. Ich habe mich auch gefragt, wer wohl reale Inspirationsquellen gewesen sein könnten: Asia Argento (Ashley Cordova) ? Hitchcock, Bunuel, Martin Scorsese, Klaus Kinski, Werner Herzog, Fassbinder gar ? Ein Buch nicht nur für Cineasten!

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    • 4
  • Der Sog des Unheimlichen ...

    Die amerikanische Nacht

    Selene87

    16. March 2015 um 08:19

    ***3,5 Sterne*** Die Amerikanische Nacht besticht durch eine herausragende Sprache und zieht einen - so man gewillt ist - tief in den mysteriösen Sog des Unheimlichen. Das düstere Setting war greifbar, unter anderem durch Fotos, Websites und Zeitungsauszüge, die das ganze "realer" wirken ließen. Man hatte dadurch das Gefühl selbst investigativ mit dem Protagonisten zu ermitteln und bei seinem Prozess involviert zu sein. Leider brauchte der Anfang eine ganze Weile um einen mitzunehmen und gen Ende gab es auch die ein oder andere lange Stelle. Das Ende ist irgendwie ziemlich offen gehalten und somit wird nicht alles 100% aufgelöst, was die Neugier dann also etwas unbefriedigt zurücklässt.

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  • absolut packend!

    Die amerikanische Nacht

    liyah40

    Scott McGrath, ein gescheiterter Journalist sieht eine neue Chance, als er vom Selbstmord einer jungen Frau hört, denn die junge Frau war die Tochter des großen Filmemachers "Cordova". Cordova hat einen umstrittenen Ruf, seine Filme sind auf der schwarzen Liste und McGrath war der Wahrheit schon einmal auf der Spur, wurde aber durch einen miesen Trick reingelegt, seine Karriere war zerstört... Nun macht er sich wieder auf die Suche, begleitet von einer jungen, obdachlosen Schauspielerin und einem Drogendealer, der die tote noch aus seiner Jugend kannte.  Anfangs noch dagegen, sieht McGrath aber bald ein, dass sie ein gutes Team bilden und er so besser voran kommt. Die drei decken immer mehr auf, doch was ist wahr und was lüge?! Unglaublich spannend, das Buch nimmt einen sofort gefangen, teilweise surreale Geschehnisse, glaubhafte Charaktere und eine gute Aufmachung: Durch die abgebildeten Zeitungsartikel, Internetseiten und Fotos erhält das Buch noch mal eine ganz besonderen Reiz, wirkt spannender, man fiebert noch mehr mit und ich wollte nur noch lesen, lesen, lesen! Aber das Ende...Das Ende hat mich enttäuscht zurück gelassen, gerade denkt man, jetzt wird es noch einmal richtig spannend, man erfährt die absolute Wahrheit, da endet das Buch. Schade! Dennoch: 5 Sterne für eine gelungene Geschichte,die ich nicht mehr aus der Hand legen wollte! Mehr davon!

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    • 2

    lievke14

    13. March 2015 um 11:07
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